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Mit den eigenen Waffen geschlagen

Sonntag, Januar 24th, 2010

Ok, geschlagen hat uns der VfL Bochum zwar nicht. Er hat es aber geschafft, uns in den letzten Sekunden eines guten Revierderbys doch noch den Sieg und damit zwei Punkte zu klauen.

Komischerweise schafften es die Bochumer mit den Waffen, die Schalke in der Hinserie so stark machten. Schoss Schalke in der Hinserie 18 seiner 26 Tore in der 2. Halbzeit, so konnten sich die Fans nach einer starken ersten Halbzeit und einer komfortablen 0:2 Führung eigentlich ihrer Sache sicher sein.

Doch Bochum kämpfte sich im zweiten Durchgang zurück ins Spiel und holte in letzter Sekunde doch noch den Punkt. Was den Königsblauen vor allem gegen den HSV und Leverkusen gelang, schaffte dieses Mal der Gegner. Der VfL wollte diesen Punkt und hat ihn sich dann auch, kombiniert mit ein bisschen Glück und einer großen Portion Schalker Schludrigkeit, geholt.

Das ist kein Beinbruch, sollte aber vor allem den jungen Spielern des Teams eine Lehre sein.

Heimspiel in Bochum

Heimspiel in Bochum

Dabei fing der Bundesliganachmittag doch so toll an. Das Stadion an der Castroper Straße ganz in Blau-Weiß. Bei “Steht auf, wenn ihr Schalker seid” stand dann auch fast die Hälfte aller Zuschauer (auf der Zusammenfassung bei S04-TV sieht man sogar Bochumer Ordner freudig mitklatschen) und Vicente Sanchez sorgte nach toller Kombination über rechts für die frühe Führung. Diese Führung verdiente sich Schalke auch im weiteren Spielverlauf. Vor allem Höwedes hätte nach missglückter Abwehr auf 0:2 erhöhen können. Dafür sorgte dann kurz vor dem Pausenpfiff unser Käffin. Wieder über rechts, wieder Farfan mit dem letzten Pass und Schalke führt zur Pause 0:2. Bis dahin war Bochum eigentlich nicht anwesend gewesen. Nur ein Pfostenschuss aus spitzem Winkel machte deutlich, dass Bochum auch könnte, wenn es wollte.

Negativer Höhepunkt war der “Böllerwurf” nach dem 0:2. Das Opfer dann auch noch ausgerechnet der eigene Spieler. Lewis Holtby blieb zum Glück unverletzt und erntete danach Sprechchöre. Trotzdem: Solche Typen müssen raus aus den Stadion. Dümmer geht’s nimmer!

Nach dem Seitenwechsel dann auch ein Spiel auf Augenhöhe. Bochum kam vor allem durch den eingewechselten Freier zu Torchancen. Die klarste Möglichkeit hatte aber dann doch Kuranyi. Nach einem Luftloch in der Bochumer Innenverteidigung braucht der die Pille nur noch an Heerwagen vorbei zu schieben. Kuranyi entschied sich aber genau für die Ecke, auf die der Bochumer Schnapper spekuliert hatte. Pech gehabt.

Schalke spielte extrem “hoch”. Wenn der VfL das Spiel aufbaute, stand die Abwehrkette meist schon kurz hinter dem Mittelkreis, so dass sich das Spiel teilweise auf sehr engem Raum abspielte. Auch nach dem absolut überraschenden Anschlusstreffer kamen die Schalker noch zu Möglichkeiten. Baumjohann und vor allem Edu konnten die guten Chancen aber nicht nutzen.

Und so kam es, wie es kommen musste. Ein letzter Konter der Bochumer über Hashemian. Franky, direkt neben mir, beschwört Rafinha den doch bitte “umzuhauen”. Der kleine Brasilianer entschied sich dagegen, konnte den Iraner aber auch nicht an der Flanke hindern. Innen steht Sestak sträflich frei und köpft das Dingen rein. Schiedsrichter Stark lässt nicht mal mehr anpfeiffen und zum ersten Mal in diesen 90. Minuten haben dann auch die Bochumer Fans die Stimmung in der Hand, während bei den richtigen Blauen doof geguckt wird.

Wie gesagt: Ein Beinbruch ist es nicht. Die Mannschaft zeigte sich im Gegensatz zum mauen Kick gegen Nürnberg stark verbessert. Baumjohann zeigte nach seiner Einwechslung, was er technisch so drauf hat und der Abstand auf den bösen 6. Platz hat sich sogar um einen Punkt vergrößert. 10 Punkte auf Bremen. Es gibt schlimmeres. Auch dass die Bayern nun vobei sind, wurmt mich nicht. Einzig und allein die Schwach-Gelben machen dieses Unentschieden zu einer gefühlten Niederlage, denn auch der HSV konnte die unheimliche Serie der Unausprechlichen nicht stoppen.

Am Samstag geht es dann gegen Hoffenheim. Mal schauen, was die gleich so gegen die Pillendreher machen…

Emotionsorkan in der Veltins-Arena

Sonntag, November 1st, 2009

Dass ich unsere Königsblauen beim ersten Topspiel mit Schalker Beteiligung nicht alleine lassen darf, wird mir am Mittwoch klar. Die Samstagsplanung ist eh auf den Ruhrpott ausgelegt. Party in Bochum. Da muss ich hin. Dann kann ich ja eigentlich auch zum Spiel. Bein gemeinsamen DFB-Pokal feiern im Pegel finde ich auch relativ schnell eine Karte. Bombe! Die Rheinsteiger machen sich am Samstag schon gegen 14 Uhr auf Richtung GEW-Are… äh… Veltins-Arena. Man will die übrigen Bundesliga Spiel in blau-weißer Runde im Schalker genießen. Vereinzelte “Spitzenreiter”-Rufe bei den zahlreichen Niederlagen/Unentschieden der Konkurrenz. Leid tut es mir und vielen Anderen um den FCN. Ein Dreier gegen Bremen hätte uns allen gut getan.

Trotzdem glücklich, weil neue Schalke-Schuhe, geht es Richtung Nordkurve. Vorher kurz noch Mama und Papa getroffen, gedrückt und die Fan-Shop Tüte in die Hand gedrückt. Schließlich wird ein heißes Match erwartet. Da kann ich sowas nicht gebrauchen. Unter Mama’s Sitz in der Südkurve sind die neuen Treter sicher besser aufgehoben.

Meine neuen Schalke Schuhe :)

Meine neuen Schalke Schuhe :)

Auf geht’s in die Kurve. Eins fällt direkt auf: Die Stimmung ist eines Topspiels mehr als würdig. Die Fans feiern die Mannschaft praktisch schon vor dem Spiel. Ich habe noch nie erlebt, dass das traditionelle - und großartige - Steiger-Lied zu Beginn schlichtweg ignoriert und übersungen wird.

Die Mannschaften laufen ein, Tobi singt sein “Der Kevin, der trifft!” zum Einlaufgedudel und schon kann es los gehen. Der erste Aufreger lässt nicht lang auf sich warten. Holtby, der eine neue Chance erhalten hat, wird kurz vor/auf/hinter der Strafraumgrenze übel vor den Brustkorb getreten. Leider hat Schiri Weiner heute nicht seinen blau-weissen Tag und gibt nur Freistoß. Scheint aber ok so gewesen sein.

Danach erstmal viel Leerlauf in Schalker Spiel. Die Mittelfeld-Babys Moritz, Schmitz und Holtby tuen sich ebenso schwer gegen den HSV. Die Stürmer sehen sehr wenig Land gegen Hyppiä und die Abwehr hat vor allem bei Standardsituationen extreme Probleme. Bayer wird stärker und macht dann wunderschön und folgerichtig das 1:0 nach Standard. Dejavu-Erlebnis dann kurz vor der Halbzeit: Wieder kurz vor Schluss das ernüchternde 0:2 durch Kiesling. Nicht zu fassen! Natürlich haben wir das gegen den HSV auch gedreht, aber hier spielt mit Leverkusen eine Mannschaft, die nicht schlagbar zu sein scheint. Sowohl in der Defensive, als auch im Mittelfeld ließ sich Schalke den Schneid abkaufen. Die Abwehr stand, hatte allerdings bei den Standards den wuchtigen Leverkusenern nicht viel entgegen zu setzen.

Zur Halbzeit bleibt nur soviel zu sagen: Trotz Rückstand und diesmal auch sehr schwacher Leistung (das war gegen den HSV etwas anders) kaum bis keine Pfiffe von den Rängen. Ein gutes Zeichen!

Der Beginn der zweiten Halbzeit macht nicht viel Hoffnung auf ein erneutes Hühnerfell-Erlebnis. Leverkusen a.k.a. Sami Hyppiä steht bombensicher, hält sich mit Angriffen aber nun auch zurück. Stattdessen wird Schalke im Mittelfeld zermürbt. Sie verschieben, stellen und attackieren scheinbar immer mit einem Mann mehr, so dass Schalke meist nur der lange Ball aus dem Halbfeld bleibt. Den hat dann, wer auch sonst, Hyppiä. Einziger Patzer und brenzlige Situation dann auf der rechten Seite. Wie schon gegen den HSV, wetzt ein Schalker Stürmer einem missglückten Rückpass hinterher. Farfan und Adler rasen aufeinander zu. Springen simulaten ab, um den Ball mit dem Fuß voran in bzw. vom Tor wegzubekommen. Kein Körperkontakt erkennbar. Der Ball kommt wieder zum Vorschein. Farfan, längst wieder auf den Beinen, mit dem Drehschuss zum Anschlusstreffer. Pustekuchen. Schon wieder wird Schalke ein reguläres Tor aberkannt. Sowohl Adler (außerhalb der Schutzzone 5 Meterraum) als auch Farfan gehen mit viel Risiko in die Aktion. Beide spielen allerdings fair. Warum der schwache Schiedsrichter hier auf Freistoß Adler entschieden hat, fragt sich Magath auch später in den Interviews.

Egal. Schalke fasst nochmal Mut.

Das Spiel kippt allerdings in der 74. Minute. Hyppiä muss raus und Sinkiewicz kommt. Schalke bläst zur Attacke. Aus dem Gewühl heraus macht Kuranyi schon fast ein Traumtor. Nach Freistoßflanke Rakitic kommt es zur Rudelbildung im Strafraum der Pillendreher. Kuranyi guckt sich das Gestocher einen Meter vor der Torlinie an und gerade als Sinkiewicz den Ball klären will, klaut der Käffin ihm den Ball mit der Sohle durch die Beine, dreht sich genau in die richtige Richtung und schiebt den Ball ein.

Kann es tatsächlich möglich sein? Schaffen wir wieder das Remis-Wunder gegen ein Spitzenteam? Die Arena brodelt. Die Nordkurve schreit sich die Kehle aus dem Hals, das Stadion klatscht und  auf singt bisweilen mit. Diesesmal verlassen die Wenigsten das Stadion vor dem Abpfiff. Und all die blieben sollen tatsächlich Zeuge werden, wie der kleine Sanchez den Bundesadler düpiert und ihn ganz ganz schlecht aussehen lässt.

Zambrano mit dem langen Ball aus dem Halbfeld. Genau 74. Minuten klappten diese Dinger nicht. Hyppiä hat gespielt. Jetzt kommen die Dinger allerdings immer häufiger an. So wie eben jener von Zambrano. Kuranyi gewinnt das Kopfballduell. Adler kommt rausgestolpert doch schon bevor dieser die Faust hochrecken kann, hat Sanchez schon den Kopf am Ball und drin is das Ding! Die Arena kocht. Die Nordkurve überschlägt sich und die Mannschaft will, wie auch schon gegen den HSV, den Sieg! Leider wird das auch am Samstag nix. Trotzdem wird die Mannschaft gefeiert, als hätte sie einen Sieg errungen. Da wird sich der Frank Rost mal wieder wundern, was da denn in die Schalker gefahren ist.

Ich kann Rost die Frage heute noch deutlicher beantworten, als ich es vorher getan hätte: Schalke Fans stehen auf Leidenschaft, Dramatik und Kampf. All das zeigt die Mannschaft unter Trainer Felix Magath. Zeigen ist eigentlich das falsche Wort. Sie zelebriert all das, was man in der letzten Saison so schmerzlich vermisst hat. Sie erkämpft sich den Respekt zurück, den sie sich mehr und mehr verdient. Jeder Schalker geht mit einem Lächeln nach Hause, obwohl die Mannschaft erneut spielerisch alles andere als überzeugt hat. Das ist aber egal. Wir haben aus drei sehr schweren Bundesliga Spielen bisher 5 Punkte geholt. Nicht verloren. Das Ganze wird mit dem nächsten Spitzenspiel gegen den FC Bayern gipfeln. Die Mannschaft hat ihren Auftrag direkt aus der Nordkurve erhalten: “Zieht den Bayern die Lederhosen aus!” schallte es aus tausenden Kehlen nach dem Apfiff. Auf geht’s!

Schalke hat Körpergeruch - Dortmund hat CharakterAIDS

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