Natürlich fällt es einem Spieler, der ca. ein Mal am Tag auf diesem Kunstrasen trainert, leichter, den Ball aus knapp 20 Metern mit dem Etikett Traumtor in den Knick zu setzen. Dass er dabei von Papadopoulos höflich eskortiert wird, liegt einzig und allein an ihm und der gesamten Schalker Leistung.
Hallo Matthias. Stell dich doch erstmal vor. Wer bisse und watt machse so?
Tja, wer bin ich…? Als “wirklich wahrer Schalker” seh ich mich jedenfalls mal nicht, da fielen mir ganz andere ein. Welche mit mehr Leidenschaft, welche mit mehr Spielen auffem Buckel, welche, bei denen Schalke noch deutlich wichtiger im Leben ist als bei mir, die sich mehr sorgen um den Verein, mehr für ihn riskieren und so weiter. So gesehen bin ich also meiner Meinung nach ganz einfach Schalker. Ganz normal. Und sonst, biographisch gesehen bin ich ein der Arbeit und der Liebe wegen irgendwann im Rheinland sesshaft gewordener Exil-Hesse aus einem kleinen, wunderschönen Dorf bei Marburg, der einst in der Pfalz studierte, als Software-Experte viele Jahre in der Welt herum kam und deshalb Schalke ganz früh nur aus der Zeitung oder ganz selten mal in Schwarzweiß in der „Sportschau“, dann ab 1983 ein paar Jahre lang nur von Auswärtsspielen und später oft nur noch aus weiter Ferne erlebte – bis ich in einer relativ großen Firma ein relativ kleiner Manager mit festem Büro wurde und seither endlich selbst planen kann, wann ich eigentlich weshalb wo sein will. Leider kinderlos, aber seit dem UEFACup-Triumph doch ganz glücklich verheiratet mit einer Griechin, die zum Glück auch kaum noch ohne Schalke kann. Wenn ich so darüber nachdenke, dann scheint’s wohl eine Dreierbeziehung zu sein.
Wie bist du zum bloggen gekommen? Hattest du vorher noch andere
Projekte, die mit Schalke zu tun hatten?
Eigentlich bin ich mehr der Leser als der Schreiber. Als es mich irgendwann ärgerte, dass man auf der Website des FC Schalke 04 niemals irgendwelche vernünftigen Berichte über die Nachwuchsmannschaften der Knappen lesen konnte, begann ich im alten Schalke-Forum einfach selbst, solche Berichte zu schreiben. Über Profifußball schrieb ich nur ab und zu mal auf „Blutgrätsche“, einer wunderbaren Website, die vielleicht vielen gar kein Begriff mehr ist – leider. So um 2004 herum, glaub ich, wurde ich dann von zwei anderen Jungs gefragt, ob ich meine Berichte zu Jugendspielen nicht bei ihnen auf „schalkenews.de“ veröffentlichen wollte, und das tat ich dann auch. Das ging eine Weile, war, wie ich fand, auch ein hervorragendes Portal zu allem über den S04, mit Fotos, Pressekonferenz-Berichten, Trainingsreportagen. Aus den Inhalten produzierten die Macher nebenbei auch zwei Ausgaben eines Fanzines („Blauäugig“), aber irgendwann wurde das Portal dann eingestellt.
Manches, was „Schalkenews“ geleistet hatte, war nach und nach auch vom Verein selbst gemacht worden, und auch die Berichterstattung über den Nachwuchs nahm endlich Gestalt an (und ist heute zumindest bis hinab zur B-Jugend sehr gut, wie ich finde), aber ich wurde immer wieder von anderen Schalkern gefragt, ob ich nicht wieder eine Website machen wollte und als mir jemand einen Server zur Verfügung stellte, ließ ich mich schließlich „breitschlagen“ – dort war dann eine Blog-Software installiert, mir völlig unbekannt, aber das machte es auch gerade interessant, und so entstand „Auswärtssieg!“ zum ersten Mal. Ich glaube, ein gutes Jahr lief die Site bis sie plötzlich genauso über Nacht verschwand wie es vorher auch schon mit „Blutgrätsche“ und „Schalkenews“ geschehen war. Wieder dauerte es etwas, bis mich jemand überzeugt hatte, noch einmal den Aufwand zu betreiben, wieder fand sich ein Fan, der Platz auf seinem Server hatte, und so entstand „Auswärtssieg!” ein zweites – und wieder nicht zum letzten Mal.
Seit einigen Wochen gibt es nichts neues mehr vom Auswärtssieg!-Blog.
Die Seite ist zur Zeit nicht erreichbar. Was ist da los?
Dass du das Ausrufezeichen nicht unterschlägst, freut mich, denn das ist mir wichtig. „Auswärtssieg!“. Weil es so den Wert und die Kraft eines solchen Abenteuers unterstreicht, all das erst richtig kenntlich macht – und weil ein Sieg auf fremdem Boden etwas Besonders ist und etwas Besonderes hat und deswegen ein Ausrufzeichen wirklich verdient.
“Auswärtssieg!“ hauchte Mitte März sein drittes Leben aus – das ist wohl das Schicksal privat betriebener Webseiten, erst recht solcher, die ziemlich populär werden, von denen enorme Mengen an Daten und Texten abgerufen werden und die deshalb mitunter auch teuer werden für den, der sie betreibt. Irgendwann dann eben zu teuer. Wobei das natürlich auch nur relativ ist.
Im Endeffekt waren bisher immer nur die Inhalte und auch das Layout unter meiner Kontrolle, niemals aber das Basissystem und der Internetzugang – deshalb war ich zwar inhaltlich völlig unabhängig und frei, aber stets vollkommen abhängig von der Technik, die von jemand anderem freundlicherweise gestellt wurde. Und die dann eben, aus welchen Gründen auch immer, irgendwann nicht mehr gestellt werden konnte. Das ist schade, erst recht, wenn es ein so zuverlässiges und performantes System wie das letzte war, aber so ist es eben – mir bleibt da nur, nochmal „Danke“ zu sagen an Frank, der über die letzten Jahre ganz uneigennützig die Basis für „Auswärtssieg!“ stellte.
Wie geht es weiter? Das weiß ich noch nicht. Bisher hatte ich die Prinzipien, dass „Auswärtssieg!“ werbefrei sein sollte (Anfragen von Werbeagenturen usw gab es zuhauf – bei über zwei Millionen Artikelabrufen pro Jahr wohl kein Wunder), dass ich niemals zu Spenden für so eine Website aufriefe (das hatte „Schalkenews“ in Not einmal getan, was zu extrem peinlichen Resultaten führte) und dass ich für Server- oder Software-Kosten selbst kein Geld zahlen würde, da ich schon erschreckend viel Geld und Zeit investierte, um die Inhalte erstellen zu können. Ein viertes Prinzip kam hinzu, als ich Bücher über meine Erlebnisse mit Schalke zu schreiben begann: Etwaige “Erlöse” (von “Gewinn” kann man da sowieso nicht sprechen, Zeit und Kosten, die fürs Schreiben anfallen, liegen immer höher als irgendwelche Autorenhonorare…) aus diesen Büchern würden keinen passiven Unternehmungen zugute kommen, sondern nur aktiven – also nicht etwa einer “Berichterstattung” wie “Auswärtssieg!”, sondern vielmehr Menschen und Organisationen, die damit aktiv etwas tun, beispielsweise für Schalke und/oder für Schalker.
An diesen Prinzipien hat sich bisher nichts geändert, aber ich werde natürlich per Mail oder am Rand von Fußballplätzen von allen möglichen Leuten, Bekannten und Unbekannten, von Fans, Spielern, Vereins-Offiziellen, Spielereltern, selbst gegnerischen Fans gefragt, was los ist, wann es weiter geht, ob sie helfen können und so weiter. Darüber freue ich mich, da bin ich auch dankbar, aber im Moment bin ich erst einmal mit anderen Dingen beschäftigt, und was aus „Auswärtssieg!“ wird, damit will ich mich erst in ein paar Wochen mal ernsthaft befassen.
Das Auswärtssieg!-Blog hat sich von den anderen Blogs vor allem immer
dadurch unterschieden, dass du hauptsächlich Berichte und Fotos von den
Fahrten veröffentlicht hast, die du mit und für den S04 unternommen
hast. Wann hast du diese Leidenschaft entwickelt?
“Für den S04″ meint hoffentlich nicht, dass ich irgendwie im Auftrag des Vereins unterwegs gewesen wäre – ich werd am Rasenrand immer wieder mal gefragt, welchen Job bei Schalke ich hätte, wieviel mir der Verein dafür zahle und so weiter, und manche können es kaum glauben, dass der Verein mit all dem überhaupt nichts zu tun hat. Die Fahrten unternehme ich wegen Schalke, nicht im Auftrag von – aber klar, in gewisser Weise hat das, was ich tue, hoffentlich auch eine Wirkung für Schalke, sei es auf dem Platz oder daneben.
Was das Besondere an “Auswärtssieg!” ausmachte, da unterscheidet sich meine Wahrnehmung von deiner und auch von der vieler Leser. Es ist wahr, dass der „Auswärtssieg!“-Blog bekannt und hochfrequentiert war insbesondere durch seine Fotoberichte von Auswärtsspielen, meist der Schalker Profis – das unterscheidet ihn zwar von vielen Blogs, aber es gibt doch zahlreiche (wenn nicht sogar: zahllose) Webauftritte mit genau solchen Fotoberichten zu Fußballspielen. Was für mich „Auswärtssieg!“ wirklich auszeichnete, war etwas anderes. Die ausführlichste Liste zu Fußballmedien, mit mehr als 700 Titeln und über 300 Rezensionen zu Fußballbüchern, die vollständigste Aufstellung von Büchern über den FC Schalke 04, egal ob Romane, Kinderbücher, Chroniken, wissenschaftliche Arbeiten oder was auch immer. Die meiner Ansicht nach einzigen ehrlichen, sachlichen und umfassenden Betrachtungen zu Eintrittspreisen im Profifußball. Ausführliche und regelmäßige Fotoberichte von Jugendspielen auch unterhalb der B-Jugend, bis hinab zur U9. Alles Dinge, die es m.E. nirgends sonst gab und gibt. Daneben die Tatsache, dass jeder aufgerufen war, mitzuschreiben, dass zwei Dutzend Fußballfans dem Aufruf folgten und dass diese auf „Auswärtssieg!“ auch Artikel mit gegenteiligen Ansichten veröffentlichen konnten – die dann mitunter kontrovers aber immer mit Anstand diskutiert wurden, und das, obwohl Kommentare völlig anonym hinterlassen werden konnten.
Aber klar: jede Fotoserie vom Training der Schalker Profis wurde häufiger gelesen als der beste Spielbericht vom aufregendsten A-Jugend Turnier im Ausland. So ist das eben. Für mich waren diese Fotoberichte zu Profispielen nie wirklich herausragend, auch wenn ich sie auch selbst oft “schön” oder “witzig” oder “abenteuerlich” fand und immer noch finde, für mich waren die anderen Berichte immer etwas interessanter, einfach weil es so etwas nirgends sonst gab. Auf „Auswärtssieg!“ konnte man bis vor kurzem noch Fotos und Spielberichte finden beispielsweise von Rafinha, als der von Schnusenberg noch gar nicht für Schalke entdeckt worden war, von Jurado als er noch im Nachwuchs von Real Madrid kickte, von Baumjohann in der B-Jugend, von einem zwölfjährigen Draxler, von nahezu allen Spielen, die Mesut Özil jemals in der Schalker Jugend machte und so weiter und so fort. Und in diesen Berichten fand sich meiner Meinung nach auch mehr Interessantes zum Fußball selbst, Gespräche am Rasenrand mit Trainern, Spielern, Scouts von Vereinen aus ganz Europa.
Aber deine Frage war ja eine ganz andere, entschuldige… Die Leidenschaft zu Schreiben ergab sich von allein und wohl hauptsächlich deshalb, weil ich eigentlich ein leidenschaftlicher Leser bin. Fotos hab ich früher schon sehr gerne gemacht, meist von Architektur – vom Fußball erst seit ich vor Jahren keine Lust mehr hatte, die schwere Spiegelreflex mit in den Urlaub zu nehmen und eine zigarettenschachtelgroße 4 Megapixel-Kamera kaufte, die man immer dabei haben konnte, selbst in einer linsenfeindlichen Umgebung wie einem Käfig voller mit Bierbechern bewaffneter Fußballfans. Das ist die „RitschRatschKlick“, die bis heute im Einsatz ist und kaum noch scharfe Bilder macht, aber im Netz fällt es kaum auf, wie schlecht die Kamera ist, nicht wahr?
So gesehen war es also immer schon eine Leidenschaft zu schreiben und auch eine, zu fotografieren. Aber über Fußball Fotoberichte zu machen, war eigentlich nie eine, das ergab sich eher zufällig, war ein Nebenprodukt davon, dass ich unheimlich gerne irgendwo hin reise, wo ich noch nie war und während dieser Reisen dann auch Texte und Fotos zu den erlebten Abenteuern produzierte – und als die Reisen immer häufiger rund um Fußball stattfanden, der Blog und die Digitalkamera „ins Leben traten“, da war’s passiert…
Wie lässt sich das mit Beruf und Familie vereinbaren? Spielen die Frau und der Chef da mit?
Ohne meine Holde Hellenin fahre ich nur äußerst selten zum Fußball, die ist inzwischen beinahe königsblauer als ich, fürchte ich. Der Chef muss da nur insofern mitspielen, als dass er meinen Urlaub genehmigen muss – ich hab 30 Tage Urlaub im Jahr, und mehr als das hab ich noch nie gebraucht für Schalke, selbst wenn ich im Jahr mal über 150 Spiele der diversen Knappenmannschaften sah. Für anderen Urlaub bleibt dann zwar vielleicht nichts mehr, aber wieso sollte „eine Woche Insel X ohne Schalke“ interessanter, abenteuerlicher, emotionaler oder schöner sein als „vier Tage Insel A, ein Tag Stadt B und zwei Tage Land C, und an allen drei Orten zwischendurch mal Schalke sehen – und außerdem noch all die anderen reiselustigen Schalker“?
Problematisch sind eigentlich nur Spieltermine, die mit wichtigen Terminen im Beruf zusammenfallen – da kann es schonmal sein, dass wir nur ganz wenig Zeit haben, also innerhalb eines Tages zum Spiel nach Zypern und wieder zurück müssen, oder im Extremfall halt doch nicht können. Das ist in den letzten Jahren aber, wenn ich mich nicht irre, nur einmal der Fall gewesen. Als vor ein paar Jahren am Düsseldorfer Flughafen die Schalker Karawane zum ChampionsLeague-Spiel gen Istanbul abhob, musste ich vom Gate nebenan geschäftlich nach London fliegen – und hatte dann abends an der Stamford Bridge bei Chelsea gegen Sevilla (irgendwas muss man nach Feierabend ja schließlich machen) praktisch nur Augen für die Anzeigetafel, auf der die Zwischenstände bei Fenerbahce durchliefen. Schrecklich war das.
Neben den Spielen der Profis, sieht man dein Autorenkürzel auch sehr
häufig unter den Berichten von Jugendspielen. Zur Zeit ist Julian
Draxler in aller Munde. Ist er dir in den Jahren zuvor schon als
außergewöhnliches Talent aufgefallen? Wie hast du seinen Werdegang
verfolgt? Welchen Jugendspieler siehst du in den nächsten 3-5 Jahren im
Profikader?
Das erste Mal fiel mir Julian Draxler auf im Frühjahr 2004. Wir waren in Lissabon, sahen “zufällig” Benfica im Europapokal und deren 100-Jahr Feier und nebenan in Estoril kickte die Schalker U11. Der damals Zehnjährige Draxler wurde bester Spieler des Turniers und Torschützenkönig. Der 93er-Jahrgang ist heute der Jungjahrgang in der Schalker A-Jugend, und wir haben ihn seit 2004 sozusagen nicht mehr aus den Augen gelassen, ich glaube, von keiner anderen Schalker Mannschaft hab ich jemals so viele Spiele gesehen wie von dieser, Liga, Turniere, Pokal- und Testspiele, weit über 100 Partien sicherlich. Und dass Julian Draxler ein außergewöhnliches Talent war und ist, das konnte jeder sehen, der nur hinsah – auch damals schon. Dass er nicht das einzige große Talent in diesem Jahrgang ist, ebenso. Und das gilt natürlich auch für alle anderen Jahrgänge beim FC Schalke 04. Selbstverständlich hab ich meine „Favoriten“, aber solange die Jungs nicht wenigstens volljährig sind, werd ich solche Fragen nach „wer kann’s schaffen?“ ebenso wenig öffentlich beantworten wie dass ich irgendeinen von den Jungkickern in Grund und Boden schriebe, selbst wenn er katastrophal gespielt hätte. Das sind gute Jungs, alle. Alle haben sie einen Traum, alle tun sie unheimlich viel dafür, alle können außergewöhnlich gut Fußball spielen, alle spielen sie für Schalke – die sind alle super.
Ein bisschen ist es allerdings auch so, dass ich Favoritenjahrgänge habe – so wie diesen 93er Jahrgang, von dem ich wahrhaftig schon viele großartige Partien gesehen hab über die Jahre, oder auch der 97er Jahrgang, also die Jungs, die erst geboren wurden, als Schalke UEFACup-Sieger wurde. Heute bilden sie die U14, das erste mal gesehen hab ich sie als U9, und die begeistern mich immer wieder. Leider lässt es der Spielplan nicht zu, dass man konzentriert bei allen Jahrgängen dabei ist, manche sehe ich erst, wenn sie in die B-Jugend kommen, was ein bisschen schade ist…
Gibt es eine Auswärtsfahrt, die dich nochmal besonders reizen würde? Ich würde jetzt mal behaupten, du hast Schalke noch nie im Wembley Stadion spielen sehen…
Das stimmt. Das alte Wembleystadion hätte mich auch gereizt, das neue tut es nicht. Aber falls wir dort irgendwann mal auflaufen dürften, würde ich natürlich schon gerne dabei sein wollen ;-)
Besonders reizen, da gibt es zwei klare Favoriten: Anfield und Old Trafford. Für letzteres hatte ich damals, vor dem Spiel in Barcelona, schon Flüge gebucht, aber dann gewannen wir ja überraschend doch nicht im Camp Nou (manchmal bin ich halt heillos optimistisch). Diesmal habe ich nebenbei United zum ersten und vielleicht einzigen Mal im Leben die Daumen gedrückt, und da nun tatsächlich ein Schalker Pflichtspiel im Old Trafford ansteht, drück ich mir seit Tagen noch fester die Daumen, dass es mit Eintrittskarten klappt. Und dann hoffe ich sehr darauf, dass wir den Pokal gewinnen und so vielleicht im UEFACup (oder wie immer das neuerdings heißt) auf Liverpool treffen. Das wäre ein Traum.
Ansonsten würde ich mir auch ohne Schalke gerne einmal Spiele anschauen in Ländern, wo Fußball „anders“ ist. Argentinien ganz vorne weg, aber auch Ägypten oder Iran. Groundhopper bin ich aber nicht, ich führe keine Stadionlisten oder “sammle Punkte” – wenn ich irgendwann einmal in diese Länder reise, dann nicht hauptsächlich wegen des Fußballs (außer Schalke spielte dort).
Allerdings, jetzt wo ich so darüber nachdenke, bin ich ja doch schon zweimal im Leben irgendwo hingeflogen nur wegen des Fußballs, obwohl Schalke dort gar nicht spielte. Beidemale weil ich vor ihrem Karriereende einen ganz bestimmten großartigen Fußballer live gesehen haben wollte. Shevchenko beim AC Mailand, der brach sich nach ein paar Minuten das Jochbein, wurde ausgewechselt, und ich sah ihn dann später doch noch mehrmals, als er im Europapokal mit Milan und Chelsea gegen Schalke antrat (konnte ja keiner ahnen) – und der zweite, für den ich einst in einen Flieger stieg, das war Raul bei Real Madrid. Von ihm sah ich auch nur ein paar Minuten, er wurde erst spät eingewechselt, aber allein schon ihn sich aufwärmen zu sehen im Bernabeu, wie die Leute reagierten, als er von der Bank aufstand, das war schon phantastisch, sogar großartiger als das exzellente Spiel, bei dem Zidane, Beckham, Ronaldo, Carlos, Robinho und all die anderen “Galaktischen” auf dem Rasen standen. Dass mein Schalke jemals gegen diesen Raul und sein Real antreten würde, das hätte ich kaum zu hoffen gewagt, aber dass eben dieser Raul knapp fünf Jahre später in meinem Trikot auflaufen würde, das war derart unwahrscheinlich, das kann ich bis heute kaum fassen.
Am 05.04.2011, beim 2:5 gegen Inter Mailand, hat die Mannschaft ein Stück königsblaue Geschichte geschrieben. Du warst live im Stadion dabei. Wie war das für dich? Auch im Vergleich zum UEFA-Cup-Sieg 1997 im San Siro.
1997 war ich weit weg, aus erster Hand kann ich den Vergleich also nicht anstellen, aber ich bin ziemlich sicher, dass es damals um Welten großartiger war. Was nicht heißt, dass es an diesem Dienstag im Meazza nicht auch phantastisch war. Diesmal war das Spiel selbst die Sensation, die Tatsache, den großen Gegner derart zu demontieren, dass endlich Fußball gespielt wurde nach vielen grauen Monaten. Die Begeisterung im Block, gerade nach den Toren, erst recht nach den beiden zum 2:3 und 2:4, das war pure Emotion, ein Jubel, wie ich ihn zuletzt wohl nur damals bei Ebbes spätem Siegtreffer in der Wellblechhütte erlebt habe. Das Spiel im Stadion, auch die Atmosphäre, dieser 5:2-Auswärtssieg bei Inter war wirklich ein unvergessliches Erlebnis.
Aber 1997 muss sich die Begeisterung, die Euphorie, dieses Gefühl, sich in einem Traum zu bewegen, ja schon begonnen haben direkt nach dem Abpfiff des Hinspiels. Viel, viel mehr Blaue als diesmal, alle viel mehr ergriffen davon, was ihrem kleinen Verein plötzlich passierte, fuhren gen Italien, waren begeistert vor, während, nach dem Spiel und das Gefühl, das sich da neulich insbesondere während der zweiten Halbzeit im Meazza breit machte, das muss damals über Tage, wenn nicht Wochen angehalten haben – nicht nur für eine Stunde oder zwei. Ähnliches hab ich eigentlich nur 2006 in Sevilla erlebt, damals waren es allerdings die Andalusier, die uns zeigten, wie Schalke neun Jahre zuvor wohl noch gewesen war, wie Schalke sich damals fühlte. Trunken vor Glück, einfach schon deshalb, weil man nach so langer Zeit wenigstens mal die Chance hatte, irgendetwas zu erreichen, etwas, das zudem niemand, auch man selbst nicht, je für möglich gehalten hätte.
Aber klar, das Spiel selbst, 5:2 in Mailand, ein 8:3 hätte es auch sein dürfen, das war einfach großartig – und für mich wars auch deshalb besonders, eben weil da unten so viele auf dem Platz standen, die ich schon durch die Jahre der Schalker Jugend „begleitet“ hatte, und von denen einer, den ich schon immer besonders hoch schätzte, ja sogar schon richtig auf dem Abstellgleis gelandet war, bis genau der Trainer ihn wieder ausgrub, vor dem ich immer schon Schiss hatte, wenn er mit seinen Hannoveranern nach Schalke kam. Irgendwie wurde plötzlich alles gut, genau wie damals, als Rangnick das erste Mal zum S04 kam.
Danach war unser alter Trainer und Manager Felix Magath zu Gast. Du
hast dich auch in einem Blogeintrag besorgt um die Entwicklung des
Vereins unter Magath geäußert. War die Trennung von Magath wichtig und
richtig?
Absolut. Und leider. Ich könnte viel dazu schreiben, vielleicht tu ich’s ja auch irgendwann einmal, aber ich war in den letzten Monaten phasenweise derart entsetzt darüber, was im Verein passierte, wie es passierte, dass man es geschehen ließ und wie sich manche verhielten, dass ich es ab dem Spätherbst kaum noch ertrug, zu Heimspielen ins Stadion zu gehen. Dass es soweit kommen konnte, bei unserem Verein, das hätte ich vorher nicht für möglich gehalten. Aber ich hätte auch manche Verhaltensweisen, die ich mitbekam, nicht für möglich gehalten, jedenfalls nicht von Erwachsenen in solchen Positionen, noch dazu mit einer derartigen Reputation.
Ich habe mich genug geärgert, finde ich. Nach dem Spiel gegen Wolfsburg, gottseidank einem Sieg, habe ich eigentlich fürs erste vollständig mit diesem Kapitel abgeschlossen und will für eine Weile keinen Gedanken mehr daran verschwenden müssen, was geschah – sondern mich wenn überhaupt, dann eher nur noch damit befassen, was getan werden muss, damit unser Verein niemals wieder in so eine Situation gerät.
Du bist nicht nur Blogger, sondern auch Autor. Du hast schon drei
Bücher über die Erlebnisse mit dem FC Schalke 04 verfasst. Jetzt ist ein
viertes geplant, welches den Titel “1904 Geschichten” tragen soll
und eine Zusammenstellung von Erzählungen verschiedenster Fans ist. Die
Serie lief bereits sehr erfolgreich in deinem Blog.
Wie kamst du auf die Idee und wie ist der Stand der Dinge?
Im Oktober ging’s mir schlecht, ich war verzweifelt darüber, was in meinem Verein passierte – wenn’s früher sportlich mal mies lief, dann schob ich die VHS-Kassette vom bereits erwähnten 1:0 bei den Nachbarn ausm Nahen Osten ein, die von Jens’ Kopfballtor oder die MAZ-Raubkopie vom 6:6. Aber mein Videorekorder funktionierte nicht mehr, und die Lage im Verein war diesmal nicht nur sportlich eine Katastrophe, sondern auch soziokulturell und offenbar auch finanziell. Also an allen Fronten – und irgendwie schien keiner der Verantwortlichen ernsthaft etwas daran ändern zu wollen, beinahe als verfalle der Club zwar äußerlich in Hektik, innen drin in Wahrheit aber in eine Art Totenstarre, ließe tatenlos zu, dass allerorten Leben, Emotion, Werte, Bindung, selbst Liebe zugrunde ging. Das mag übertrieben klingen, auch etwas übertrieben sein, aber so ging’s mir eben damals. Ich brauchte Geschichten von Fans, Geschichten, die mich erinnern würden daran, wie Schalke eigentlich war, was Schalke eigentlich ausmachte. Die Bücher von „Strohhalm“, die von Holz, und was es sonst noch so gab, die hatte ich schon so oft gelesen, ich brauchte einfach neue Geschichten. Viele davon.
Und da passte dann vieles zusammen. Erst Monate zuvor hatte ich den Klassiker von Tom Watt gelesen, „The End“, ein dickes Buch voller kurzer Geschichten aus der Historie von Arsenal London. Und kurz darauf las ich am Rand des Schalker Trainingslagers in Irdning, wie Kees Jaratz in seinem hervorragenden „Zebrastreifenblog“ davon schrieb, wie er auf der A40 im Rahmen der „Ruhr.2010“ an seinem Biertisch Erlebnisse von MSV-Fans sammeln wolle, um ein „Fan-Gedächtnis“ zu bauen. Und das fiel mir im Oktober alles wieder ein, und so beschrieb ich in „Auswärtssieg!“ mein Leid und bat um Zusendung von Geschichten, die solche wie mich oder dich, einfach jeden von uns und die, die nach uns kommen, einmal daran erinnern könnten, wie es war mit Schalke.
Da ich selbst viel lieber echte Bücher lese als am Computer zu sitzen, war es von Anfang an Teil der Idee, die Geschichten auch einmal als Buch herauszubringen, idealerweise sogar wirklich 1904 Geschichten über eine lange Serie hinweg im Regal stehen haben zu können. Mit Verlagen hatte ich ja nun schon Erfahrung, hatte ein Buch auf eigene Kosten herausgebracht, eines mit einem kleinen Verlag, ein drittes mit einem großen, an Hardy Grünes Schalke-Chronik und Büchern weiterer Schreiber mitgewerkelt, anderen Bloggern zu ihren ersten Büchern verholfen und so weiter, ich hatte keinen Zweifel, dass es sehr schnell ein erstes Buch geben könnte – wenn nur genug Inhalt in hinreichender Qualität zusammen käme.
Und er kam. Rasch. Und, wie ich finde, in wirklich erstaunlicher Qualität.
Ungefähr 130 Geschichten habe ich bisher bekommen, mehrere Verlage waren interessiert daran, das Buch mit uns zu machen, und ich entschied mich für den renommiertesten, „Die Werkstatt“, auch weil ich dort die besten Bedingungen bekam, um allen Autoren, die sich im Buch wieder finden, wenigstens ein Exemplar davon schenken zu können. Es werden etwa 35 Geschichten sein, und letzte Woche habe ich das fertige Buch an den Verlag abgeben, im Herbst wird es erscheinen. Bis dahin geht es nun noch um Layout, Illustrationen (Fotos o.ä.) usw – und nach wie vor kann sich jeder, der möchte, beteiligen. Zum einen mit Vorschlägen zum Cover, zum Untertitel, oder überhaupt allem, was einem einfällt zu so einem Projekt. Es soll ein Buch werden von uns, über uns, für uns, da ist jeder eingeladen, dabei zu sein und mit zu machen. Ich sammle aber auch weiterhin Geschichten, egal ob kurz oder lang, egal ob außergewöhnlich oder profan, egal ob voller Rechtschreibfehler oder lupenrein. Hauptsache echt und wahr. Es sollen ja irgendwann einmal 1904 Geschichten sein, die in ihrer Gesamtheit dann irgendwie ausdrücken, was Schalke war, was Schalke ist. Also auch hier die Bitte, wer mitmachen will, mit Vorschlägen oder mit Geschichten, einfach per eMail an matthias.berghoefer@web.de. Vielen Dank schonmal!
Die wichtigste Frage zum Schluss: Was wird der S04 in dieser Saison
noch erreichen?
Die Frage zielt wahrscheinlich auf’s Sportliche ab, und da ist mir, der bereits dreimal mit seinem Club abstieg, der Klassenerhalt immer das Wichtigste. Seit Jahrzehnten hab ich darum nicht mehr so gezittert wie in dieser Saison, die Spiele in der Vorrunde ließen das Schlimmste befürchten, das Wintertrainingslager und die Auftritte danach steigerten die Furcht noch, weil so offensichtlich das Potenzial nicht abgerufen wurde - aber das ist spätestens seit dem Sieg gegen Wolfsburg keine Sorge mehr. Ähnliche Sorgen machte ich mir auch um die Lizenz, die noch wichtiger als der Klassenerhalt ist, aber da hat mich das Weiterkommen gegen Inter etwas beruhigt, ich hoffe einfach, dass es trotz superteurem Kader ein Polster für die nächste Saison gibt und man wieder beginnt, vernünftig zu wirtschaften.
So gesehen ist für den Rest der Saison also ein bisschen “Wunsch- und Traumzeit” angebrochen. Den Pokalsieg wünsche ich mir sehr, tatsächlich wohl mehr als den in der ChampionsLeague, die eben leider kein Europapokal der Landesmeister mehr ist. Dort hat mir/uns die Mannschaft ja den Wunsch nach einem Pflichtspiel im Old Trafford erfüllt, da sind wir wieder krasser Außenseiter, aber Fußball ist Fußball und es gibt überhaupt keinen Grund, weshalb wir dort verlieren sollten. Unentschieden zuhause, und dann ein epochaler Auswärtssieg. Jule oder Alex per Fallrückzieher, kurz vor Schluss. Oder so.
Na, wie gesagt, Träume…
Einen etwas realistischeren Wunsch hätte ich noch was die Schalker A-Jugend betrifft. Nach der vergebenen Meisterschaftschance hoffe ich auf den Gewinn des Westfalenpokals, wenigstens einen Titel hätte diese Truppe verdient, und noch mehr hoffe ich dort sehr auf ein Ende der Irritationen, die rund um dieses Spiel in Leverkusen und das Handeln des Sportvorstandes entstanden. Also auf Einheit und den Beweis von Kompetenz.
Und das gilt auch für den ganzen Verein und ist mir generell auch viel wichtiger als der momentane sportliche Erfolg: Einheit. Die Rückkehr der Freude. Einen Plan für die Zukunft – also einen, den es tatsächlich gibt, der den Rahmenbedingungen des professionellen Sportbetriebes gerecht wird, sich gleichzeitig an den Werten des Vereins orientiert und der auch in wirkliches Handeln mündet. Dass der FC Schalke 04 also am Ende der Saison weiß, wer er selbst ist, wer er sein will, und dass sich alle gemeinsam begeistert auf den Weg machen.
Neulich in Mailand haben’s „im Kleinen“ die Jungs auf dem Platz vorgelebt, haben bewiesen, dass Unmögliches möglich wird, wenn man nur weiß, was man will, einen Plan hat, wie man’s schaffen könnte, und es dann auch wirklich versucht. Wenn das auch „im Großen“ so wäre, für den ganzen Verein, das würde ich unheimlich gerne erleben wollen.
Vielen Dank, Matthias, für das ausführliche Interview! Glück Auf!
Der Ex-Trainer bleibt mit seinem neuen Team so erfolglos wie Rangnick mit Schalke erfolgreich ist. Drei Spiele, drei Siege. Darunter zwei Spiele mit geschichtsträchtigem Charakter. Am Samstag war es dann allerdings doch ein ganz normales Bundesligaspiel. Keine Pfiffe, keine Beifallsbekundungen. Stattdessen gute Stimmung in der Arena. Der Stolz von Mailand schwang mit in den Gesängen der Kurven und schwappte deswegen auch immer wieder über auf die Geraden.
Auf dem Platz ließ Rangnick zunächst das Comeback-Kid Alex Baumjohann auf der Bank und setzte stattdessen auf Lukas Schmitz. Das Experiment ging daneben. Nach vorne hatte Schalke nur über den starken Farfan etwas zu bieten und vor allem Jurado fehlte in der ersten Halbzeit die Anspielstation für seine Kombinationen.
In der zweiten Halbzeit legte Schalke mit Baumjohann nach vorne hin zu und blieb in der Defensive so souverän wie selten. Matip und Höwedes waren am Samstag eine sichere Bank, so dass Neuer praktisch nie ernsthaft geprüft wurde. Auch Papadopoulos spielte extrem gut und ließ Diego selten sein Können zeigen, sonden warf sich immer dazwischen, wenn es einen Ball abzufangen gab.
Die Bundesligasaison ist gelaufen, auch wenn der Abstand zu Platz 5 nur noch sechs Punkte beträgt. Man soll zwar niemals nie sagen, doch in dieser Saison wird man sich über den DFB-Pokal für die internationalen Spiele qualifizieren müssen. Oder über die Champions-League…
Neben den spielerischen Fortschritten, die gegen St. Pauli und Inter Mailand deutlich wurden, schafft es Rangnick offenbar, auch die Spieler, das Team, ja den ganzen Verein zu beflügeln und eine menschliche Note zu verpassen.
Schon vor knapp sieben Jahren hat Rangnick dieses Wunder geschafft. Auch damals wurde Schalke von einem “harten Hund” trainiert, der die Mannschaft mit seinen altmodischen Methoden nicht erreichen konnte. Don Jupp musste gehen und Müller präsentierte diesen Professor, der von Manager Rudi Assauer in der Pressekonferenz mit falschem Vornamen angekündigt wurde.
Dann ging alles sehr schnell. Nicht nur auf dem Platz wurde das Tempo deutlich erhöht. Die Mannschaft präsentierte sich als Einheit und stürmte, mit Lincoln an der Spitze, bis auf Platz 2. Es wurde der Offensivfußball zelebriert, den man seit den Jahren, als Emile Mpenza, Ebbe Sand und Jörg Böhme auf dem Platz standen, vermisst wurde.
Auch in der Gegenwart scheint Rangnick derjenige zu sein, der den Knoten lösen kann. Der das Biest Schalke frei lässt, so dass es solche Spiele abliefern kann, wie wir es vorgestern in Mailand erleben durften.
Am Samstag kommt der harte Hund mit seinem Wolfsburger Rudel in die Arena. Magath wird es nicht gefallen haben zu sehen, dass die Mannschaft offensichtlich gegen ihn gespielt hat bzw. er die richtigen Knöpfe nicht gefunden hat, um das wahre Potenzial dieses Teams abzurufen.
Hoffen wir, dass Rangnick es weiterhin schafft. Am liebsten natürlich gegen den alten Trainer und Manager. Das wäre das Sahnehäubchen auf eine tolle königsblaue Woche.
Offene Seitenhiebe auf Felix Magath verkniff sich Rangnick. Die von der Presse interpretierten versteckten Seitenhiebe, konnte ich beim besten Willen nicht heraushören. Wenn man erklärt was man anders macht als der Vorgänger, dann muss das nicht zwingend als Kritik an der Arbeitsweise von Felix Magath gewertet werden.
Jetzt aber zum Wesentlichen: Das Spiel gegen St. Pauli wird wohl in jeder Hinsicht eine Wundertüte. Presse, Fans und Gegner rätselraten über die möglichen personellen und taktischen Veränderungen. Rangnick versucht nach den wenigen Trainingstagen mit der kompletten Mannschaft, den richtigen Mix zu finden. Und auch für die Spieler ist die Herangehensweise von Rangnick Neuland. Denn dass dieser ganz anders mit den Spielern umgeht als Felix Magath, hätte ich hier eigentlich nicht schreiben müssen. Der harte Hund Magath steht in krasser Diskrepanz zum kommunikativen Rangnick.
However: Ich freue mich riesig auf das Spiel und tippe auf ein 0:2
Seid ihr auch so optimistisch?

Ralf Rangnick und Horst Heldt machen in ihren ersten Wochen als Hauptverantwortliche des FC Schalke 04 Nägeln mit Köpfen.
Während Ralf Rangnick versucht, durch intensive Trainingseinheiten seine Spielphilosophie in die Köpfe der Spieler zu bekommen, klapperte Horst Heldt die Leihgaben des Kaders ab und bewegt einen nach dem anderen zur Rückkehr.
Den Anfang machten Lewis Holtby und Jan Moravek. Beide Spieler haben sich in dieser Saison in der Bundesliga etabliert. Holtby brachte es sogar zu einem Einsatz in der Nationalmannschaft. Der dritte Rückkehrer wird wohl Jermaine Jones. Der Magath-Flüchtling ist derzeit in der Premier League bei den abstiegsbedrohten Blackburn Rovers aktiv und ist dort immerhin Stammkraft. Wie Horst Heldt verlauten ließ, wird Jones im Sommer auf das Berger Feld zurückkehren. Auch Rangnick war auf Nachfrage voll des Lobes für die Pferdelunge aus Frankfurt:
“In den vergangenen Jahren fand ich Jones in der Bundesliga bis zu seiner Verletzungspause immer gut” (Ralf Rangnick)
Sollte Jones tatsächlich wieder für Schalke auflaufen wollen, wird es auf der defensiven Mittelfeldposition ziemlich eng. Während Peer Kluge zur Zeit den stärksten Eindruck macht, ist Neuzugang Anthony Annan zumindest noch nicht großartig aufgefallen. Das gilt im Positiven wie im Negativen. Hinzu kommen die Nachwuchsspieler Joel Matip und – mit Abstrichen – Papadopoulos. Das wären dann fünf Spieler für höchstens zwei Positionen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es gerade für Matip einige Angebote geben könnte. Auch wenn er bisher nicht die überragende Saison spielt, gilt er als eines der größten Talente auf dieser Position. Eventuell erwägt man hier auch die Möglichkeit der Leihe, damit Matip in der kommenden Saison zu regelmäßigen Einsätzen in der Bundesliga kommen kann.
Nicht anders verhält es sich auf den offensiven Mittelfeldpositionen. Kommen Moravek und Holtby zurück, müssen sie sich in jedem Fall mit Jose Jurado und Julian Draxler balgen. Hinzu kommen Alexander Baumjohann, Levan Kenia und Ciprian Deac. Es ist nicht davon auszugehen, dass alle sieben Spieler in der nächsten Saison im Kader stehen. Während sich Kenia weiterhin in Dauerreha befindet, läuft für Deac und Baumjohann die Zeit ab. Doch gerade bei Deac wird sich Rangnick zunächst selber ein Bild machen wollen. Der Rumäne war unter Magath in der Bundesliga eigentlich nie existent. Wenn, dann musste er als Lückenbüßer herhalten und konnte schwer glänzen. Sollten entsprechende Angebote ausbleiben, wäre auch bei Deac eine Leihe denkbar.
Ein weiterer Rückkehrer könnte Gerald Asamoah sein. Sollte der FC St. Pauli absteigen, wird “Asa” wieder in die Heimat zurückkehren. Dies kündigte Heldt in der Westfalenpost an.
Foto: rpongsaj
Erst einmal vielen Dank für die vielen Vorschläge und Tipps. Etwas enttäuscht war ich, dass Lothar Matthäus keine wirkliche Option war. Dafür waren viele andere, ob ernst gemeint oder nicht, Trainerkandidaten dabei.
Ralf Rangnick hat im Endeffekt das Rennen gemacht. 13 Leser haben den Rückkehrer getippt. Einer davon hatte nun das Glück, vom Autor und Bloggerkollegen David Schumann höchst persönlich als Gewinner seines Buches “The Tokyo Diaries” gezogen zu werden.
Der Glückliche Sieger ist deuserband, der bereits über seinen Gewinn informiert wurde. Herzlichen Glückwunsch!
Hier also nun die erste Pressekonferenz unseres neuen und alten Trainers Ralf Rangnick.
Glück Auf!
Ansonsten blieb am gestrigen Sonntag nicht viel mehr übrig als festzustellen, dass auf den neuen Coach eine Menge Arbeit zukommt. Eichkorn ließ die Chance verstreichen, das Team komplett umzukrempeln. Ohne Kluge und Farfan, hätte sich ein Systemwechsel auf ein 4-4-2 mit Raute geradezu angeboten.
Stattdessen laufen die beiden schlechtesten Schalker des Spiels auf. Edu und Matip. Offensive Aktionen waren so selten, dass die beste Chance des Spiels tatsächlich Edu hatte. Ein absolutes Armutszeugnis. Ein Trost bleibt jedoch: Eine ähnliche Leistung hätte es unter Magath wohl auch gegeben.
Ralf Rangnick hat jetzt zwei Wochen Zeit, mit der gesamten Mannschaft zu arbeiten. Nur wenige Spieler sind auf Länderspielreise. Er hat Zeit, den Jungs wieder offensive Impulse zu geben. Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass Rangnick vor seiner ersten Amtszeit vom Ende der Querpässe redete. Er redete davon, dass der Ball, wenn schon zur Seite, dann diagonal nach vorne gepasst werden müsse. Spielerisch ist alles nach Leverkusen ein Fortschritt. Die Werkself konnte nach schwerem Auswärtsspiel in Villareal mit angezogener Handbremse gewinnen.
Am Freitag gegen St. Pauli muss sich das Team unter dem neuen Trainer das erste Mal beweisen. Dann geht es quasi um 6 Punkte gegen den Abstieg. Denn einen weitere Niederlage hätte fatale Konsequenzen. Nicht nur für das darauf folgende Champions-League Duell gegen Mailand.
Apropos Mailand: Mir ist gestern ein toller Vorschlag zu Ohren gekommen: Rangnick sollte am spielfreien Wochenende unbedingt ein Testspiel gegen Teneriffa ansetzen. Damit man im Rythmus bleibt: Valencia, Teneriffa. Inter Mailand, das wird ne Show!








Kommentare
Carlito69: Gute Tipps, habe es mal auf der FB-Seite von S04 gepostet… ;)
tobitatze: Ach guck an. Noch ein neuer Schalke Blog. Willkommen in der Nerdkurve!
Carlito69: Egal, ob jetzt 69%, 75% oder 82%, die beiden sind aktuell sau wichtig für unser erfolgreiches Spiel....
Carlito: Ich warte gespannt! :-)
Carlito: Ja, der Huub wird es nicht leicht haben, wenn sich alle wieder fit melden. Ich vermute aber mal, dass er...