An dieses gute alte Sprichtwort fühlte ich mich gestern erinnert, als ich den Artikel der Bildzeitung las, der sich mit den Spruchbändern und Plakaten gegen Manuel Neuer beim 0:2 Sieg der Bayern in der Arena und der Gummipuppe im Bayerngewand an einer Gelsenkirchener Brücke beschäftigt.
Doch ansonsten präsentierten sich Vertreter und Mitglieder des Vereins höchst professionell und harmonisch. Zumindest für Schalker Verhältnisse. Denn natürlich gab es ein paar Pfiffe, als das Thema auf Manuel Neuer kam. Von einem Pfeiffkonzert, das die zu diesem Zeitpunkt noch anwesenden Medienvertreter gehört haben wollen, habe ich allerdings nichts mitbekommen.
Schade also, dass die Berichterstattung natürlich vom Ausschluss der oben genannten Medienvertreter dominiert wurde. Mir war direkt nach der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses klar, dass sich die Presse für diese Aktion rächen würde, indem sie den Fokus auf eben diese Abstimmung lenken wird.
In einigen königsblauen Blogs (I, II, III) wird das Ereignis seitdem heftigst diskutiert. Da gibt es die einen, die auf das Recht eines Vereins und seiner Mitglieder pochen, die Medienvertreter und Gäste aus der Versammlung heraus zu halten. Gründe gibt es dafür denkbar viele, wobei in diesem Fall der gekränkte Stolz einiger Mitglieder wohl der ausschlaggebende Punkt war. Denn die Medien haben das Tun und Machen unseres Vereins immer besonders gerne in den Dreck gezogen. Zum einen, weil es da in der älteren und jüngeren Vergangenheit so einiges gab, was genau als solches bezeichnet werden kann. Zum anderen, weil spätestens mit dem Abgang von Rudi Assauer keiner der Protagonisten mehr einen richtig guten und engen Draht zu den entscheidenden Angestellten der Medienwelt zu haben scheint.
Wenn es um den FC Schalke geht, dann kann man als Journalist nämlich getrost erstmal drauf los schreiben und dann gucken ob die Quellen stimmen. Sollten die Quellen wiedererwartend falsch sein, wird die Falschmeldung so lange wiederholt, bis es auch der letzte Schalker für bare Münze nehmen sollte. Zu häufig und zu lange hat man in den Führungsetagen des S04 diesem Treiben keinen Riegel vorgeschoben. Als Schalke-Fan reagiert man besonders sensibel auf diese UnArt und Weise des Journalismus. Ich auch. Trotzdem wäre ich nie auf die Idee gekommen, die Journalisten aus dieser Versammlung rauszuwerfen. Denn nicht jeder Journalist sollte hier über den gleichen Kamm geschert werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es auch solche am Sonntag in die Emscher-Lippe-Halle geschafft haben, die ihren Beruf mit der entsprechenden Professionalität begegnen. Zudem sollte man nicht vergessen, dass das Verhältnis zwischen einem Fußballverein und den Medien auf Gegenseitigkeit beruht.
Man stelle sich vor, ab sofort würde die unabhängige Presse keinen Fitzel mehr über Königsblau berichten. Keine bewegten Bilder mehr von den Spielen. Keine Radioübertragungen. Keine Interviews nach dem Spiel. Kein Bild von Raúl, wie er mit einem Stück Kohle und etwas verloren dreinschauend zwischen zwei Bergmännern steht. Ich als Fan würde das reichlich blöd finden. Vor allem, weil die Berichterstattung nicht nur direkt Geld in Form von TV-Einnahmen einbringt, sondern auch indirekt die Marke Schalke in der Presse vertreten ist. Ob nun positiv oder negativ ist da erstmal zweitrangig. Die Marketingabteilung freut es und beim Merchandise klingelt die Kasse.
Schlussendlich hat man sich mit dieser Aktion keinen Gefallen getan. Denn natürlich muss allen “Ja-Sagern” klar gewesen sein, dass trotzdem über den Inhalt der Versammlung berichtet wird. Auch über die unangenehmen Dinge. Denn es gibt, man höre und staune, mittlerweile mobiles Internet und entsprechende Geräte zur Nutzung. Doch anstatt über den tollen Auftritt von Horst Heldt, den lebendigen Reden der Kandidaten zum Wahlausschluss und die markigen Sprüche von Clemens Tönnies zu berichten, musste sich die Schar der Journalisten auf dieses Thema stürzen. Denn niemand lässt sich gerne den Mund verbieten. Ob das nun das Recht eines Vereins ist, oder nicht.
Zum Schluss dann auch noch eine kleine Umfrage zum Thema:
Der Kicker findet das Verhalten des Managers Müller mal wieder sonderbar. Blieb er doch den Pressekonferenzen und dem kompletten übrigen Medienrummel fern:
Aktuell sei vonseiten des Managers “alles gesagt”. Ein Vorgang, der im Grunde kaum der Rede wert wäre – hätte Müller nicht vor Weihnachten den Auftrag des Aufsichtsrats erhalten, sich öffentlich stärker zu profilieren. (kicker.de)
Westline.de findet allerdings auch lobende Worte für den Manager. Und das zurecht. Denn nicht nur die Vertragsverlängerung von Benny Höwedes ist auf seinem Mist gewachsen:
Es ist momentan vielleicht nicht besonders populär, Schalkes Manager Andreas Müller zu loben – aber manchmal ist es halt durchaus angebracht.
Die kurz vor der Winterpause vollzogene vorzeitige Vertragsverlängerung von Benedikt Höwedes (bis 2014) kann für Schalke 04 noch Gold wert sein. (Westline.de)
Auch Rafinha, obwohl von vielen Top-Clubs umworben, hat sich vom Manager damals überzeugen lassen. Beide sind heute Leistungsträger, genauso wie Manuel Neuer. Höwedes und Neuer finden sich bei derwesten.de mit Loorbeeren überhäuft:
Manuel Neuer und Benedikt Höwedes hatten großen Anteil am Sieg Am Samstag waren es eindeutig zwei Spieler aus Schalkes junger Garde, die nachhaltig mithalfen, den 1:0-Sieg gegen Bremen unter Dach und Fach zu bringen. (derwesten.de)
Die Reviersport ist ebenfalls voll des Lobes. Trotzdem stellt sie klar, dass dies noch lange keine Trendwende gewesen sein kann:
Er weiß, dass sich die Mannschaft nur Schritt für Schritt wieder ihren eigenen Ansprüchen annähern kann. In diesem Sinne war das Ergebnis gegen Bremen ein guter Anfang, nicht mehr, aber auch nicht weniger. (Reviersport.de)
Das könnte der Anfang vom Ende sein. Für wen?
- Joseph Blatter: Verliert er, trotz peinlichem Appell und Verzögerungstaktik, diesen Prozess, dann könnte es der Anfang vom Ende für den FIFA-Präsidenten sein. Schlechte Presse bekommt der Schweizer eh schon zu Hauf. Sollte es weitere Probleme mit der Ausrichtung der Weltmeisterschaft in Südafrika geben, wird es für Blatter wohl keine andere Wahl geben, als sich selbst in Frage zu stellen und seinen Hut zu nehmen.
- Das Olympische-Fussballturnier: Gewinnen die Vereine, fällt also das Gewohnheitsrecht, werden es sich die Clubs zwei mal überlegen, ob sie Stars wie Ronaldinho demnächst einfach so aus der Vorbereitung nehmen.
- Rafinha beim S04: Egal wie das Urteil ausgeht. Ob Rafinha beim S04 jemals nochmal glücklich wird, steht in den Sternen. Es kommt vor allem auf die Reaktion des Vereins nach dem Urteil an. Gewinnt der S04 und fordert Rafinha umgehend zurück, könnte das Ende schneller kommen, als man denkt. Es kommt auch auf die Reaktion Ruttens an, nachem Rafinha aus China zurückkehrt. Wann auch immer. Rutten gilt als Disziplin-Fanatiker. Wenn er schon austickt, wenn Asamoah sich während einer Ansprache die Eier schaukelt, dann möchte ich nicht wissen was er über einen Spieler denkt, der einfach nicht zum Trainingslager erscheint.
Eines ist auf jeden Fall sicher: Es ist der Anfang vom Ende dieser leidigen Olympia-Diskussion. Und das ist gut so!
Und dabeiwill ich nicht in die eh schon tiefe Kerbe der Menschenrechtsverletzungen, Umweltprobleme etc. eingehen, die Chnia seit Bekanngabe der Entscheidung pro Beijing 2008 begleiten.
Es geht hier um das Versprechen der Chnesischen Regierung, einen freien Internetzugang, zumindest für ausländische Journalisten, zu gewährleisten.
Vor Tagen berichteten erste Journalisten, die im Hightech Medienzentrum eingetroffen sind, dass der Zugang keineswegs frei sind.
Neben den Standardseiten von Amnesty International und diversen anderen Menschenrechtsorganisationen, sind wohl auch bestimmte Blogseiten nicht zu empfangen.
Buisness as usual in China, kann man sich denken.
Doch dass sich jetzt auch noch der IOC auf die Seite Chinas stellt und dieses Verhalten billigt, ist eine Farse.
Der Chef der IOC-Pressekommission, Kevan Gosper stellt nun klar, dass diese “freie” Berichterstattung nur auf sportliche Themen bezogen war. Dass dies aber schon immer der Fall war, macht die Sache nur noch lächerlicher.
Die großen Verbände bekläckern sich zur Zeit nicht gerade mit Ruhm.
Die FIFA verzögert eine Entscheidung im Falle Rafinhas und Diegos, die IOC stellt sich auf eine Stufe mit Chinas Regierung. Da können wir mit unserem DFB ja noch ganz glücklich sein.
OLYMPIA-MAFIA IOC!!!
Ich bin ja mal gespannt, ob auch dieser Blog ab jetzt in China nicht mehr zu erreichen ist. Es würde mich nicht überraschen.
Eines ist sicher: Die Olympischen Spiele in diesem Jahr zu verfolgen wird mir sehr viel schwerer fallen als in all den Jahren zuvor.
Quelle: Spiegel.de
BUNDESLIGA-KOMMENTAR
Wunschlos unglücklich
Von Peter Ahrens
Wer nimmt Schalke 04 noch ernst? Die Spitzenmannschaften schon längst nicht mehr. Die Vorstellungen des Abonnement-Beinahe-Meisters zeigen, dass sich die Mannschaft nicht traut, Ansprüche zu stellen. Aus gutem Grund. Genauer gesagt: Aus 19 guten Gründen.
Nein, am heutigen 1:1 gegen Werder Bremen wird es nicht liegen, dass Schalke 04 auch 2008 nicht Meister wird. Warum also wird das Team von Mirko Slomka höchstens um den zweiten Platz mitspielen dürfen – wenn überhaupt?
1. Weil ein Team, das sich kampflos in ein 0:2 bei Chelsea fügt und anschließend selbstzufrieden wieder heimfährt, nicht Spitzenmannschaft genannt werden darf.
2. Weil der Angriff eine Kuranyi-Ein-Mann-Show ist.
3. Weil Schalke auch mit Lincoln kein Meister geworden ist und es ohne ihn noch schwerer ist.
4. Weil Ivan Rakitic der einzige Spieler ist, der Lincoln ersetzen könnte. Aber nicht, wenn er pro Spiel mindestens 70 Minuten zu viel auf der Bank sitzt.
5. Weil nun alle auf dem armen Manuel Neuer herumhacken, nur weil er jetzt endlich beherzigt, was ihm sein Torwarttrainer Pannen-Olli Reck seit Jahren vorgemacht hat.
6. Weil Schlüsselspieler wie Fabian Ernst oder Zlatan Bajramovic allen guten Wünschen zum Trotz in ihrer Leistung stagnieren.
7. Weil das Team nicht in der Lage ist, Stammspieler zu ersetzen, wenn sie wie Mladen Krstajic über längere Zeit ausfallen.
8. Weil ein Sören Larsen stellvertretend für einige andere Spieler von der Bank keine echte Verstärkung für die Stammelf ist, wenn er in die erste Mannschaft aufrückt.
9. Weil in der zweiten Reihe mit Matthias Abel oder Mimoun Azaouagh (hier stand eigentlich noch der Herr Delura) lediglich Spieler stehen, die ihre Chance auf Schalke schon einmal hatten und sie nicht genutzt haben.
10. Weil es pro Spiel höchstens zwei, drei gute Freistoßsituationen gibt, aus denen sich Tore machen lassen.
11. Weil Gerald Asamoah in dieser Spielzeit offenbar nur trifft, wenn er zuvor aufs Blut gereizt wird. Hier stand vorher Punkt 2 – und zwar wortwörtlich
12. Weil die Spieler es nicht ausstrahlen, ein Topteam zu sein – ganz anders als die Akteure von Werder Bremen.
13. Weil die Champions League keinen Motivationsschub für die Liga darstellt, sondern die Auftritte in Europa wie eine Pflichtübung wirken, die man nach der Vorrunde erwartungsgemäß abhakt – wieder anders als bei Werder.
14. Weil Peter Lövenkrands in dieser Saison nicht auf Touren kommt und Heiko Westermann kein Spieler ist, der in einer Meistermannschaft steht.
15. Weil der Stabilisator Gustavo Varela verletzt fehlt, der im letzten Jahr eine starke Saison im defensiven Mittelfeld gespielt hat.
16. Weil der Präsident Josef “Jupp” Schnusenberg jetzt schon anfängt, über Trainer und Mannschaft zu mäkeln.
17. Weil man in Rostock gewinnen muss, wenn man den Titel holen will.
18. Weil es zwar schön ist, den BVB im Derby abzuledern, es aber auch für den Sieg gegen Dortmund nur drei Punkte gibt.
19. Weil Bayern einfach besser ist. Viel, viel, viel besser.
Bliebe also Werder Bremen als Bayern-Jäger.
Als Bayern-Jäger muss man sich allerdings jemanden vorstellen, der stundenlang regungslos auf der Pirsch hockt und wartet, dass das scheue Bayern-Reh auf die Lichtung tritt. In diesem Moment muss man abdrücken und treffen. Sonst ist es vorbei, das Reh ist weg. Man muss sich also anders verhalten als Werders neue Lichtgestalt im Angriff, Boubacar Sanogo, die gegen Schalke aus drei Metern das leere Tor verfehlt.
Aus drei Metern. In Mittelstürmerposition. So wird das nichts mit der Titeljagd.
Dabei besitzt Werder Bremen wenigstens die nötige Geisteshaltung, um die Bayern herauszufordern. Spieler wie Torsten Frings, Tim Borowski oder Per Mertesacker gehen nach draußen auf den Platz, um zu gewinnen – egal ob gegen Bielefeld oder Real Madrid. Sie wirken in ihrem Erfolgshunger ähnlich humorlos wie Oliver Kahn – oder der ganze FC Bayern.
Sicher, berauschende Siege gegen große europäische Mannschaften hat auch Werder in der jüngeren Vergangenheit nicht aufzuweisen. Und der Start in die Bundesliga war lazarettbedingt holprig. Aber wenigstens wird in Bremen mal ein Anspruch formuliert: Seht her, wir sind geborene Siegertypen, uns fiele ein Meistertitel oder ein europäischer Triumph nicht einfach in den Schoß. Nein, er würde zu uns passen. Ein jährlicher Platz in der Champions League, das ist doch selbstverständlich, was sonst? “Mir san mir” auf norddeutsch.
Eine solche Haltung, man könnte sie auch Arroganz nennen, ist den Bremern verdientermaßen zugewachsen. Sie haben Jahre dafür gebraucht, aber jetzt ist sie da. Teams wie der amtierende Zufallsmeister aus Stuttgart können eine solche Attitüde noch nicht mitbringen, Schalke dagegen hätte nach den Erfolgen der vergangenen Jahre die Möglichkeit gehabt, eine solche Gesinnung herauszubilden. Sie fehlt jedoch völlig.
So ist und bleibt Schalke – da können noch so viele Erdgas-Millionen aus Russland fließen – lediglich eine konstant überdurchschnittliche Bundesligamannschaft. In höheren Gefilden, ob in München oder in Madrid, wird Königsblau nicht ernst genommen. In Bremen bald auch nicht mehr. Schalke hat in den vergangenen Wochen nichts dafür getan, dass sich das ändert.






Kommentare
Carlito69: Gute Tipps, habe es mal auf der FB-Seite von S04 gepostet… ;)
tobitatze: Ach guck an. Noch ein neuer Schalke Blog. Willkommen in der Nerdkurve!
Carlito69: Egal, ob jetzt 69%, 75% oder 82%, die beiden sind aktuell sau wichtig für unser erfolgreiches Spiel....
Carlito: Ich warte gespannt! :-)
Carlito: Ja, der Huub wird es nicht leicht haben, wenn sich alle wieder fit melden. Ich vermute aber mal, dass er...