An dieses gute alte Sprichtwort fühlte ich mich gestern erinnert, als ich den Artikel der Bildzeitung las, der sich mit den Spruchbändern und Plakaten gegen Manuel Neuer beim 0:2 Sieg der Bayern in der Arena und der Gummipuppe im Bayerngewand an einer Gelsenkirchener Brücke beschäftigt.
Doppelwatschn!
Jetzt wird im Süden wieder süffisant gelächelt aufgrund der finanziellen Überlegenheit. Drauf geschissen! So ist das Fußballgeschäft. Fragt mal den Blatter Sepp. Ich als Fußballromantiker freue mich über die Rückkehr eines verlorenen Ziehsohnes. Ralf Fährmann wird wieder Schalker. Die richtige, weil günstigste Nachfolge. Zudem mit königsblauer Vergangenheit und viel Talent. Ich wünsche unserem neuen Schnapper nur das Beste und unserem alten Schnapper die Pest an die Torwarthandschuhe. Mögest du oft daneben greifen, Manu!
Zum Spiel will und kann ich gar nicht viel sagen. Der Grill hatte mehr Anziehungskraft an diesem Nachmittag, so dass das Geschehen auf dem Platz nur mit einem Auge verfolgt wurde. Was mich am meisten an diesen ärgerlichen Niederlagen aufregt? Mittlerweile stimme ich den Vertretern der Medien zu, die Manuel Neuer diesem Team schon lange entwachsen sahen. Dass Schalke durch solche Ergebnisse und Leistungen diesen Eindruck dick und fett unterstreicht und somit in gewissem Maße die Verhandlungsposition des Vereins schwächt, enttäuscht mich fast genau so wie die Tatsache selbst, dass Neuer alles dafür tut, die Interessen seines Wunschvereins höher zu stellen als die Interessen seines Heimatvereins. Nicht anders sind die Aussagen Neuers zum möglichen Interesse Manchester Uniteds zu verstehen und zu interpretieren.
Das Spiel in Köln werde ich mir auch nicht – zumindest nicht live – im Stadion antun. Nicht mal mehr der Reiz, den FC in die zweite Liga zu schießen, ist gegeben. Dass wir als Kölner Fanclub vom SFCV nur Sitzplatzkarten für diese Begegnung erhalten haben, ist ein weiterer Grund. Auch die Lust auf Berlin ist mir allmählich deutlich vergangen. Denn mit einem Sieg rechne ich nicht mehr. Ich hoffe sogar fast schon, dass die Saison mit einem großen Knall zu Ende geht.
Der Verein und das Team hätten es in dieser Saison einfach nicht verdient. Denn ich messe die Leistung meiner Mannschaft immer noch primär am Abschneiden in der Bundesliga. Natürlich ist das Finale in Berlin und das Halbfinale der Champions League ein toller Erfolg. Dieser kann aber nicht die Qualen, die Enttäuschungen und das Ärgern über die Leistungen und Ergebnisse der meisten Bundesligaspiele überlagern. Im Gegenteil: Man fragt sich zurecht, wie es mit dieser Mannschaft so weit kommen konnte. Im positiven, wie im negativen.
Natürlich macht auch die Personalie Manuel Neuer das Duell interessant. Der Ablösepoker hat längst begonnen. Während sich die Fußballwelt auf die Seite des Rekordmeisters stellt und den Wechsel in diesem Sommer als ein Muss ansieht, geben sich Tönnies und Heldt standhaft. Manuel Neuer hat zuletzt am Dienstag bewiesen, dass er – auch wenn nur noch mit einem Jahr Vertrag ausgestattet – keineswegs für Kleingeld an die Isar wechseln wird.
Mit Spannung muss man am Samstag Abend auch auf die Ränge der Allianz-Arena schauen. Schon des Öfteren hat die Südkurve – unter Führung der Ultra-Gruppierung Schickeria – deutlich gemacht, dass sie einen Wechsel eines Ur-Schalkers in ihren Kasten so gar nicht akzeptieren wollen. Man darf also gespannt sein, was sich die Fans am Samstag einfallen lassen, um Neuer erneut darauf hinzuweisen, dass er nicht Willkommen ist.
Einen Weg zur Deeskalation zwischen Neuer und der Schickeria könnten ausgerechnet die Ultras-GE geebnet haben. Die haben Manuel Neuer nach ihrem Gespräch und der Veröffentlichung seiner Entscheidung nämlich aus ihrem Kreis verbannt. Dies scheint auf den zweiten Blick etwas voreilig gewesen zu sein. Denn Neuer ist noch nicht weg und bis dahin nunmal einer von uns.
Nur weil Manuel Neuer sich schon entschieden hat, muss das lange noch nicht für Schalke gelten. Ich bin ein Verfechter der 2012 Lösung und hoffe, dass der Hotte das durchzieht und noch ein Jahr von Neuer profitiert, statt ihn vorzeitig ziehen zu lassen. Und ja, ich bin Fußballromantiker! Deswegen denke ich auch, dass Manuel Neuer sich mit noch einem Jahr Schalke anfreunden könnte. Vor allem, wenn das Ruhrpott Derby in Berlin – das hört sich so falsch an – gewonnen wird und auch wir demnächst am Donnerstag mit die Perle vonnet Revier auf Reise gehen werden. Holland, Türkei, Belgien, Spanien, Kanaren und dann gegen Inter in Rumänien. Datt hätte doch watt.
Denn der Protagonist dieses Abends war eigentlich Manuel Neuer. In der ersten Halbzeit schwebte wieder dieses Karma der Unüberwindbarkeit über Neuer, das mich jedes Mal in eine Art Torjubel ausbrächen lässt, wenn er wieder einen dieser unhaltbaren Dinger irgendwo aus der Ecke fischt. Vor allem in der ersten Halbzeit hatte er reichlich Gelegenheit, mich ein ums andere Mal vom Hocker zu reißen.
Mit van der Saar im Tor wären wir wohl mit einem Gegentor in die Pause gegangen. Mit jedem anderen Torwart aus der Bundesliga hätten wir drei bis fünf Gegentore kassiert.
Ich kann durchaus verstehen, dass sich Horst Heldt gelassen zurücklehnt, wenn der Rest des Bundesliga-Zirkus uns Schalkern fasst schon aufzwingt, einen von Rummenigge diktierten Preis für Neuer zu akzeptieren. Natürlich hat der FC Bayern in einer weiteren Saison ohne Neuer kein ernsthaftes Torwartproblem, wenn sie die größte Baustelle der Mannschaft, die Abwehr, besser aufstellen. Da gebe ich dem Baziblogger Recht. Doch sie haben eben auch noch nicht den wohl besten Keeper der Welt, sondern “nur” einen grundsoliden Butt. Selbst wenn auch noch das Pokalfinale in Berlin verloren geht, halte ich den Verkauf Neuers an einen direkten Konkurrenten auch finanziell für einen Fehler. Diese Rechnung will ich aber nicht nochmal aufmachen. Einen eindrucksvollen Überblick verschaffte vor wenigen Wochen Gastautor Bene beim schalkefan.de.
Was bleibt ist eine minimale Hoffnung auf irgendein Fußballwunder in Manchester. Und natürlich der Stolz auf die Mannschaft, die zwar spielerisch nicht mithalten konnte, weil ihr schlussendlich auch ein wenig die Courage fehlte, dafür aber astrein gekämpft hat. Spieler wie Matip, aber auch Jurado und Baumjohann, haben gestern viel gelernt. Dies wird sich alles in der kommenden Saison auszahlen. Wie Manuel Neuer.







Kommentare
Carlito69: Egal, ob jetzt 69%, 75% oder 82%, die beiden sind aktuell sau wichtig für unser erfolgreiches Spiel....
Carlito: Ich warte gespannt! :-)
Carlito: Ja, der Huub wird es nicht leicht haben, wenn sich alle wieder fit melden. Ich vermute aber mal, dass er...
tobitatze: @robkem04: So wird es derzeit gemacht. Im Sportbloggernetzwerk werden Vorschläge gesammelt, die dann von...
tobitatze: Das stimmt. Da gilt halt auch der Satz: “Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht...