Die Zeit heilt alle Wunden. Ziemlich platter Spruch, funktioniert bei mir allerdings ziemlich gut. Nach der Woche voller Kahn-Spekulationen, dem Rücktritt eines großen Kapitäns mit dem Spitznamen “heiliger St. Marcello” und der neuerlichen bitteren Enttäuschung nach dem Spiel gegen den HSV, ist die Wundheilung doch sehr schnell eingetreten.

Die Trainerentlassung überrascht nicht mich und auch nicht den Rest der Fußballnation. Ich mag den Mensch Rutten (soweit man das von seinem Auftreten in der Öffentlichkeit so sagen kann), aber als Trainer für Schalke ist er einfach nicht mehr haltbar gewesen. Der erneute spielerische Offenbarungseid gegen den HSV, gepaart mit immer mal wieder auf Kurzarbeit geparkten Leidenschaft musste einfach der Schlusspunkt sein. Dazu der unglückliche Umgang mit den Medien. Viel mehr können Büskens und Mulder gar nicht mehr falsch machen. Im Gegenteil. Man befindet sich sportlich in einer ähnlichen Situation wie im letzten Jahr. Nach der 1:5 Schlappe gegen Bremen, war Schalke auch am Boden. Man musste sich spätestens nach diesem Spiel eingestehen, dass es dieses Jahr wiedermal nix wird mit ganz oben angreifen. Heute ist es so, dass nach dem HSV Spiel auch die letzten Optimisten einsehen mussten, dass man nächste Saison nichtmal durch Europa fährt. Dass in der Gegenwart auch noch auf diletantische Art und Weise ein neuer Manager gesucht wird, die Öffentlichkeitsarbeit nichtmal mehr ne 6 verdient und sich der Spalt zwischen Verein und Gefolgschaft gefährlich vertieft, macht das Bild nicht schöner. Es passt aber leider trotzdem irgendwie zu unserem S04.

In der Trainerfrage wird zunächst auf die schon erfolgreich getestete Kombination Büskens/Mulder gesetzt. Dass die beiden auch über die Saison hinaus weiterarbeiten, ist allerdings unwahrscheinlich, hängt aber sicher auch von den Ergebnissen ab, die sie eventuell mit der Mannschaft erzielen. Ich persönlich würde Miouri Bülder die Aufgabe durchaus zutrauen. Gerade Büskens verkörpert das Ruhrgebiet und den S04 wie kein Zweiter. Erste Gerüchte gab es bereits um Armin Veh, für den Schalke sicher eine reizvolle Aufgabe wäre.

Ob man Stadionverbot bekommt, wenn man seinen eigenen Manager mit Bananen bewirft?

In der Managerfrage scheint alles auf Oliver Kahn rauszulaufen. Andere ernsthafte Kandidaten stehen zur Zeit eigentlich gar nicht mehr zur Debatte.Verhandelt Tönnies tatsächlich noch mit weiteren Kandidaten, dann macht er das zumindest um einiges dezenter als letzte Woche. Kahn wird von allen Seiten hoch gelobt. Hitzfeld, Beckenbauer, ja fast die ganze bayuvarisch gefärbte Fussballprominenz redet den Titan stark. Hitzfeld zählt einige Eigenschaften auf, die Kahn durchaus zu einem guten Manager befähigen. Er geht souverän mit den Medien um und nimmt damit auch Druck von Mannschaft und Trainer. Das hat Müller eigentlich nie geschafft. Zudem konnte er sich jahrelang die Arbeit von Uli Hoeness anschauen, der auch quasi noch mit schmutzigem Trikot direkt an den Schreibtisch gewechselt ist. Zudem kommt er aus einem hochprofessionell geführtem Verein.

Eines ist klar: Falls Clemens Tönnies den Manager Oliver Kahn durchdrückt, ist sein Schicksal genauso von dem Erfolg des Neulings abhängig, wie zuvor das Schicksal von Müller an dem von Trainer Fred Rutten hing. Einen Fehlgriff darf sich Tönnies nicht erlauben, dann fordert man in der Arena demnächst nicht mehr nur den Kopf des Trainers oder des Managers, sondern schlicht und einfach: “Tönnies raus!”.

“Oooooh Mezquida. Keiner dribbelt so wie dieser!”

Ein wahres Trostpflaster war die Meldung über die nun fixe Verpflichtung vom Movarek und Mezquida. Letzterer wird zunächst in der Jugend spielen. Das Puzzle des FC Schalke 04 der Zukunft wird damit immer deutlicher. Neuer und Höwedes aus dem eigenen Stall sind fest gebunden. Westermann hat bereits verlängert, bei Jones sieht es zumindest gut aus. Beides die für mich auf hohem Level konstantesten Feldspieler in dieser Saison. Dazu gesellen sich höchstens noch die schon erwähnten Neuer und Höwedes, sowie Rafinha, der uns wohl nach dieser Saison leider verlassen wird. Ich sehe wenig Chancen ohne die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb. Selbst wenn…nein…ich hör ja schon auf.

Eines der nächsten Puzzleteile währe Levan Kenia. Und von dem gibt es auch gutes zu berichten. Seit gefühlten 8 Monaten zum ersten Mal eine vollständige Einheit durchgezogen. Weiter so! Bei ihm kann man sicher noch nicht sagen, wohin die Reise geht. Vom Hörensagen und den wenigen Auftritten, die ich Live von ihm gesehen habe, (1,2) hat er auf jeden Fall Spaß und Hoffnung auf mehr gemacht.

Dazu kommt mit Marvin Pouri ein Stürmer, der zur Zeit beim Zweitligist 1860 München leider noch keine Bäume ausreisst. Dafür kann er sich bei den Löwen schon mal an eine gewisse Form des Chaos gewöhnen. Solche Erfahrungswerte sind nicht zu unterschätzen ;)

Fraglich ist bei dem von Josef Schnusenberg angekündigtem Sparkurs auch, was aus Jefferson Farfan und Orlando Engelaar wird. Für letzteren interessieren sich angeblich der PSV und Ajax Amsterdam. Eine Ablöse über drei Millionen Euro würde Orlando Engelaar wohl zu einem der größten Fehleinkäufe in der Geschichte des Clubs machen. Hand in Hand mit Bent Christensen.

Bei Farfan sieht es anders aus. Sicher spielt er keine gute Saison. Trotz alledem ist er wichtig für das Schalker Spiel. Es stehen immerhin 12 Scorerpunkte zu buche und man weiß, dass er sich noch steigern kann. Das sieht bei seinen Sturmkollegen anders aus. Der erste auf der Liste ist für mich ganz klar Halil Altintop. Er schafft es einfach nicht an die längst vergangene Zeit in Kaiserslautern anzuknüpfen. Bei Vereinen wie Hannover oder Frankfurt wird er sicher unterkommen. Oder er wechselt ins Ausland.

Auch bei Kevin Kuranyi stehen die Zeichen auf Abschied. Nach der nächsten Saison ist Kuranyi ablösefrei und eine vorzeitige Vertragsverlängerung ist bei dem zerRutteten (noch ein Wortspiel ;)) Verhältnis zu den Fans und seiner permanenten Unkonstanz nahezu unmöglich. Wenn ein passendes Angebot kommt, wird er sicher verkauft. Asamoah wird bleiben und auch Sanchez hat sich nach seinen zuletzt guten Auftritten eine neue Saison beim geilsten Club der Welt verdient.

Interessante Personalien sind für mich auch Albert Streit, Ze Roberto und Carlos Großmüller. Carlito spielt ohne zu murren in der zweiten Mannschaft. Es wird für ihn sicher keine großen Angebote geben. Von daher wäre es nur fair, wenn er unter dem neuen Trainer wieder eine Chance in der Profimannschaft bekommt. Ze Roberto klagt über fehlenden Lohn, spielt aber bei seinem Club wohl eine gute Rolle.

Auch Albert Streit währe für das neue Mittelfeld eine Alternative. Er hätte zumindest die Bundesligaerfahrung, um den jungen Spielern halt zu geben. Ein 4-4-2 mit Jones als 6er, Streit und Rakitic auf den Halbpositionen und Kenia/Movarek auf der 10 verspricht zumindest mehr Offensive als ein unkreatives dreier Mittelfeld. Für Ze Roberto und Albert Streit wäre es ein Neuanfang. Wenn wir gerade mal dabei sind. Warum nicht?

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