
Der FC Schalke 04 macht mit den drei Punkten in Leverkusen die Heimniederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern nur noch halb so schmerzhaft. Ein Sonderlob gebührt einem souveränen Lars Unnerstall und Joel Matip, dem derzeit besten Innenverteidiger im Kader.
Christoph Moritz, zarte 20 Jahre alt und in der letzten Saison einer der “Shooting-Stars” beim FC Schalke. Das hört sich nach Glamour, Medienauftritten und spektakulären Leistungen auf dem Platz an. Das ist aber nicht Christoph Moritz. Seine Spielweise ist eher unaufgeregt. Auf und neben dem Platz. Er kann den sicheren Pass, reißt Kilometer ab und haut auch ab und zu schon mal drauf. Moritz ist aber auch ein kleines Zaubermäusken. Wer sein Spiel verfolgt, der sieht immer wieder kleine Kabinettstückchen, mit denen er sich aus schwierigen Spielsituationen befreit. Auch wenn dieser Vergleich völlig daneben ist: So hat es Zidane mit seinen Tricks auch immer gehalten: Nur schön, wenn auch effektiv.
Schalke weiß viele Talente in seinen Reihen. Neben den verliehenen Spielern Jan Movarek und Lewis Holtby, spielen auch Joel Matip und Lukas Schmitz wieder eine Rolle im Team von Felix Magath. Mit Papadopoulos ist ein neues Talent hinzu gekommen. Vor der Saison wurde befürchtet, dass diese aufgrund der Neuzugänge im Team weniger Einsatzzeiten bekommen. Dem ist offenbar nicht so. Alle vier spielen mehr oder weniger regelmäßig. Matip hatte lange die Nase vorn und wurde von Magath auf der 6 bevorzugt eingesetzt. Da musste sogar ein Jermaine Jones mal auf rechts weichen. In Lukas Schmitz sieht Magath derzeit die beste Alternative auf der linken Verteidigerposition, auch wenn Schmitz die Position in der letzten Saison besser gespielt hat und schon den ein oder anderen Wackler fabriziert hat.
Moritz wird bisher die Rolle zuteil, die Heiko Westermann in der letzten Saison inne hatte. Er ist Springer. Das Experiment rechter Verteidiger musste Magath dabei schon gegen Lyon aufgeben. Seitdem agierte er sowohl im defensiven Mittelfeld, als auch auf beiden Halbpositionen. Zum Ende des Spiels gegen Frankfurt, spielte er sogar linker Verteidiger, wenn Schmitz aufrückte. Für mich hat Moritz, von allen jungen Wilden im Team, das meiste Potenzial.
Gegen Leverkusen hat er erneut die Chance, sich in der ersten Elf festzuspielen. Mach et, Mäusken!
Wichtig is aber auf’m Berger Feld. Und da kommt es am Samstag zum etwas überraschenden Abstiegsduell zwischen Schalke und Stuttgart.
Dass da am Samstag, nach sieben Spielen, der Letzte gegen den Vorletzten spielt, hätte wohl auch der größte Fußball-Laie nicht richtig raten können. Während in Stuttgart, schon fast traditionell, die Trainerdiskussion schon in der Hinrunde losgeht Während man in Stuttgart die Reißleine just in diesem Moment gezogen hat, ist es auf Schalke (noch) ruhig. Magath stellt sich nach der enttäuschenden Niederlage gegen Nürnberg wieder hinter die Mannschaft, attestiert ihr weiterhin ansteigende Form und will von Krise nix wissen. Das kann man kritisieren, sollte man aber nicht. Der eh schon immens hohe Druck noch zusätzlich vom Trainer geschürt? Das muss nicht sein. Das Team muss das Vertrauen des Trainers spüren.
Trotzdem bleiben auf Schalke derzeit einige Fragen offen: Wann kommt Jefferson Farfan zurück und wie verkraftet er den Rummel um seine Person? Wie geht es Joel Matip? Und vor allem: Wer darf sich dieses Mal auf der rechten Verteidiger Position behaupten? Atsuto Uchida spielte beim 1:0 Sieg der Japaner gegen die Argentinier 90 Minuten durch und soll eine gute Leistung gezeigt haben. Vielleicht probiert es Magath auch wieder mit Höwedes. Gerade in der Defensive stehen durch den wahrscheinlichen Ausfall von Matip viele Fragezeichen. Übernimmt Jones die 6 oder bekommt Moritz, der beim U21-Spiel gegen die Ukraine eine gute Partie auf dieser Position gezeigt hat, mal wieder eine Chance?
Nur eines scheint klar: Der Huntelaar knipst am Samstag wieder. Ist ja schon fast unheimlich, wie häufig der Holländer derzeit trifft. So unheimlich nun auch wieder nicht, wenn man ihn denn sein Vertrauen schenkt.
Warten wir’s ab. Bis zum Spiel vergehen noch ein paar Tage. Bis dahin werden zumindest aus einigen Fragezeichen Ausrufezeichen!
Weiter ging es mit der “Dopingaffaire” Hoogland, die sich als weniger wichtig herausstellte und somit auch nicht allzu viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erregte. Anders ist es da um die nächste Geschichte bestellt. Fafan am Flughafen verhaftet. Dazu eine Sex-Affaire mit einem Pornostar. Der Boulevard rieb sich die Hände.
Gestern kam dann eine Meldung auf, die tatsächlich auch mal direkten Einfluss auf das Sportliche hat: Joel Matip, auch in dieser Saison Stammspieler unter Magath, liegt mit Verdacht auf Malaria in der Essener Uniklinik. Malaria ist es offensichtlich nicht, doch Matip scheint sich richtig was eingefangen zu haben, da er das Krankenhaus zunächst nicht verlassen darf und wohl für Samstag ausfallen wird.
Seinen Platz könnte ein Spieler einnehmen, der sich vor knapp zwei Wochen in die Herzen der Fans gegrätscht hat: Kyriakos Papadopoulos. Der Königsblog widmet sich heute dem Pausbäckchen.
Der Scudetto-Blog veröffentlicht heute eine dieser Karrikaturen, die Magath mal wieder auf den Arm nimmt. Oli4, regelmäßiger Gastschreiber beim Auswärtssieg-Blog, zeigt, wie man es sich in den Katakomben der Veltins-Arena vorzustellen hat.
Ob sich Horst Heldt ebenfalls in den Sing Sang einreiht verrät er im Kicker-Interview. So wirklich empfehlenswert ist dieses Interview eigentlich nicht. Die einzige interessante Info: Wir trinken in Zukunft auch weiterhin Sinalco in der Veltins-Arena.
Abschließend hat die Revier-Sport ein kleines Zwischenfazit der bisherigen Schalker Saisonleistungen gezogen. Dass dieses nicht besonders rosig ausfällt, muss hier nicht extra betont werden.
Der FC Schalke 04 erkämpft sich das dritte Unentschieden gegen einen Topklub in Serie. Wenn die Mannschaft des S04 zur Zeit eine Qualität besitzt, dann ist es Moral. Sie lagen in den letzten drei Spielen jeweils in Rückstand, konnten diesen aber jeweils immer wieder fulminant ausgleichen.
Die Geschichte dieses Spiels gehörte allerdings – mal wieder – Felix Magath. Schon im Abschlusstraining wunderten sich Fans und Journalisten: Ein gewisser Joel Matip stand in der A-Elf. Viele – ich auch – rechneten mit einer kleinen Finte und mit Rakitic in der Startelf. Doch Magath gab einem weiteren Youngster die Chance und wieder mal wurde er nicht enttäuscht. Matip spielte von beginn an im defensiven Mittelfeld einen ruhigen und abgeklärten Schuh. Und natürlich macht er auch das Tor.
Wer auch sonst? Magath scheint wirklich ein Gespür dafür zu haben, welche Spieler am jeweiligen Spieltag die entscheidende Akzente setzen.
Zum Saisonbeginn waren es Kenia (Torvorlage beim Bundesligadebut) und Christoph Moritz (1. Bundesligator im 2. Spiel), die den neuen Jugendstil in Punkte umwandelten.
Schmitz dankt Magath mittlerweile regelmäßig: Gegen Frankfurt schnibbelt er den entscheidenden Freistoß auf Asamoahs Schulter (auch da hatte Magath das richtiges Händchen), gegen Hamburg schießt er – mit neuen Profivertrag ausgestattet – prompt sein erstes Bundesligator und gestern legt er eben diesem Joel Matip die Kugel auf den Hinterkopf. Auch die Nominierung Rakitic’s gegen Stuttgart erwies sich als goldrichtig.
Zum Spiel
Schalke begann stark gestern. Bayern München, von Platz 6 in der Bundesliga, Vorrundenaus in der Champions League und Lahm-Interview in der SZ stark verunsichert, kam nicht ins Spiel. Erste Chance von Kuranyi nach Assist von Manuel Neuer.
Eine weitere Chance ergab sich für Farfan. Wenn die Bayern gefährlich wurden, dann lediglich bei Standardsituationen. Unbegreiflich, warum der S04 da plötzlich solche Probleme hat. Schon gegen Hamburg (0:2 durch Trochowski) und Leverkusen (0:1 Kroos, 0:2 Kiesling) kassierten die Blauen teils unnötige Treffer nach ruhendem Ball.
Auch gegen München sollte der Rückstand durch eine Standardsituation fallen: Sau dummes Foul nach eigenem Ballverlust duch Sanchez. Badstuber schnibbelt den Ball scharf aus halbrechter Position in den Strafraum. Klose gewinnt das Kopfballduell gegen Bordon und lenkt den Ball an den Kopf von Kuranyi. Münchens Knipser Daniel van Buyten muss nur noch einschieben.
Wieder ein Rückstand und wieder eine angemessene Reaktion der Schalker. Diesesmal allerdings schon vor der Halbzeit: Freistoß Schalke. Ähnliche Entfernung und Position als bei der Bayern-Führung. Schmitz, dessen Freistoßqualitäten doch arg an Pander erinnern, bringt den Ball gestochen scharf Richtung Elfmeterpunkt. Weder Müller noch Badstuber kommen ran. Dafür der Debütant Matip. 1,93 groß und mit dem Hinterkopf dran, buchsiert er den Ball in die linke Ecke. Noch vor der Pause fast der erneute Rückstand, doch Bordon und Neuer retten Weltklasse.
Die zweite Halbzeit ist eigentlich schnell erzählt, wäre da nicht ein Arjen Robben gewesen.
Bayern jetzt deutlich überlegen, aber (Standards ausgenommen) ohne zwingende Gelegenheiten. Schalke nach vorne kreativ- und kraftlos. Kaum bis keine Entlastung in Schalker Spiel.
Robben sorgt für den eigentlichen Aufreger: Klares und zurecht mit Gelb geahndetes Foul von Schmitz an Robben, der springt wie von der Tarantel gestochen auf und rennt Schalkes 21 mir nix dir nix um. Ganz klare Unsportlichkeit und das 3 Meter entfernt vom Schiedsrichter. Bei der anschließenden Rudelbildung markiert Robben noch eine Knieverletzung, um der – für ihn wohl auch – sicheren roten Karte, doch noch zu entgehen.
Zum Unverständnis aller bleibt Robben allerdings auf dem Feld. Nur Gelb? Da wird Robben direkt noch mal aufmüpfig und geht Schiedsrichter Meyer direkt an. Spätestens jetzt muss der Holländer doch mit Gelb-Rot fliegen! Wieder nix! Bei den Bayern werden die Regeln nun mal anders ausgelegt. Richtig festgestellt von Wieland im Königsblog-Twitterpost:
Wie immer: Tätlichkeit = Rot. Tätlichkeit im Bayern-Trikot = Gelb.
Schalke kann und muss mit dem Punkt zufrieden sein. Nach der Länderspielpause kommen wieder kleinere Brocken. Heimspiel gegen Hannover, dann Auswärts in Gladbach und wieder zu Hause gegen Berlin. So schön die Unentschieden und Kampfspiele gegen die Topklubs auch waren. Nun muss Schalke wieder punkten und vor allem mehr Spielkultur an den Tag legen. Vor den Top-Spielen gegen Stuttgart, den HSV, Leverkusen und den Bayern, habe ich mir sieben Punkte aus diesen Spielen gewünscht. Sechs sind es geworden. Sieben Punkte wünsche ich mir aus den nächsten drei Spielen. Sechs wären aber auch ok.






Kommentare
Carlito69: Egal, ob jetzt 69%, 75% oder 82%, die beiden sind aktuell sau wichtig für unser erfolgreiches Spiel....
Carlito: Ich warte gespannt! :-)
Carlito: Ja, der Huub wird es nicht leicht haben, wenn sich alle wieder fit melden. Ich vermute aber mal, dass er...
tobitatze: @robkem04: So wird es derzeit gemacht. Im Sportbloggernetzwerk werden Vorschläge gesammelt, die dann von...
tobitatze: Das stimmt. Da gilt halt auch der Satz: “Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht...