Lang ging’s gestern bei der Jahreshauptversammlung in der Emscher-Lippe-Halle. Für mich war es die erste, aber sicher nicht die letzte. Da so viel passiert ist und ich einfach nicht die Zeit habe, alles wiederzugeben, hier der Versuch, das Geschehen in Stichpunkten zusammen zu fassen:
Anträge:
- Die Versammlung begann mit einem Eklat. Per Antrag wurde gefordert, Medien und Gäste von der JHV auszuschließen. Nachdem Tönnies noch nicht richtig wach und die Abstimmungsfrage zunächst falsch gestellt wurde, kam es bereits hier zur Kampfabstimmung mit Stimmzettel. Dass die Medien nicht immer positiv und auch nicht immer objektiv über den S04 berichteten, wurde ihnen nun zum Verhängnis. Etwas mehr als 50% waren gegen Transparenz und die überregionalen Medien mussten gehen. Alte Haudegen unter der schreibenden Zunft kennen diese Anträge und sind schon längst Mitglied. Der Schuss musste also nach hinten losgehen. Die Medienberichterstattung wird dementsprechend ausfallen.
Ehrungen:
- Tibulski und Bordon sind nun in der Ehrenkabine. Der anwesende Bordon wurde mehrmals mit stehenden Ovationen gefeiert. Dieser dankte es mit echten Tränen. Dann leistete er sich leider noch einen kleinen Fehltritt. Bei der kurzen Dankesrede versicherte er, nicht schwul zu sein, obwohl er immer weine. Auch wenn es witzig gemeint war und auch so rüber kam: Wann hören diese Vorurteile endlich auf?
Peter Peters:
- Peters hat sicher immer den miesesten Job auf so einer Mitgliederversammlung. Er muss die Finanzsituation erklären. Die ist nicht rosig. Da hat er auch kein Blatt vor den Mund genommen. Er versicherte aber, die Lage im Griff zu haben. Weitere Neuigkeiten vom Vorstand Finanzen: Die GAK soll wieder in den Besitz des Vereins übergehen. Zudem soll das Berger Feld weiter ausgebaut (siehe Foto) und das Parkstadion so umgebaut werden, dass es die Anforderungen der dritten Bundesliga erfüllt. Weiterhin steht der Verein offenbar in Verhandlungen mit dem SFCV, die Verteilung der Karten einfacher und transparenter zu machen. Rolf Rojek lächelte bei diesen Aussagen noch ein wenig gequält. Da muss man abwarten. Alles andere (Verschlankung der Gesellschaften, Umschuldung, Ablöse der Schächter-Anleihe) war bereits bekannt.
Horst Heldt:
- Sicher der Gewinner dieser JHV. Er durfte die Vertragsverlängerung von Julian Draxler bis 2016 verkünden. Kritisierte den vorherigen Sportvorstand (Magath), bei Manuel Neuer den richtigen Zeitpunkt zur Verlängerung verpasst zu haben. Ich denke, er meint während/nach der Vizemeister-Saison und vor der WM 2010. Zudem stellte er die bereits vollzogenen Umstrukturierungen im Jugend- und Amateurbereich vor und gab für die U23 (zweite Mannschaft) das mittelfristige Ziel “Aufstieg in die dritte Bundesliga” bekannt. Auch zur Personalie Lehmann musste Heldt sich äußern. Dort scheint noch alles offen. Eine Kritik richtete Heldt auch an die Fans. Ihm sei es in der Arena zu leise. Er könne sich erinnern, als Gegner in der Arena immer etwas von der Stimmung eingeschüchtert gewesen zu sein. Der immer schwächer werdende Support sei aber unübersehbar und er forderte wieder mehr Feuer in der Bude.
Clemens Tönnies:
- Der Aufsichtsratsvorsitzende wirkte am Sonntag nervös und verbockte zum Teil wichtige Abstimmungen durch Korrekturen und unsouveränem Handeln. Er nahm ausführlich zum Thema Magath Stellung und erzählte viel aus dem Nähkästchen. Zudem erklärte er, warum er sich während der Magath-Trennung wieder in den Vordergrund geschoben habe. Zum einen, weil er sich den Fehler Magath selber ankreide und auf seine Kappe nahm. Zum anderen war zu diesem Zeitpunkt schlichtweg niemand anders außer er selbst in einer Position, sich gegenüber den Medien zum Thema Magath zu rechtfertigen. Als Peter Wendt, offenbar abermals, bei den Redebeiträgen scharf gegen ihn und den Aufsichtsrat wetterte, wurde Tönnies laut und stutze ihn zurecht. Für mich persönlich gibt es keinen besseren starken Mann auf Schalke. Tönnies ist authentisch, offen gegenüber Ideen und Kritik und er weiß sich zu verkaufen. Natürlich klebt er an seinem Stuhl, sonst währe er nach der Magath-Ära mitgegangen. Aber so ist das mit der Macht nunmal: Du hälst sie fest, wenn du sie hast.
Wahlen zum Wahlausschuss:
- Diese Wahl war fast die spannendere im Vergleich zur Wahl zum Aufsichtsrat. Zuvor wurden Gerüchte und Befürchtungen laut, die Ultras und andere organisierte Fans planen einen Durchmarsch und wollen den Wahlausschuss übernehmen. Was soll man sagen: Sie haben es geschafft! Arthur Saager und Frank Arndt (beide SFCV), Dr. Stephan Kleier (Ultras GE), Dennis Steckel (Supporters Club) und der in der Fanszene offenbar ebenfalls sehr aktive Günther Reipen wurden in den Wahlausschuss gewählt. Die Plätze füllen Birgit Feldbrügge und Prof. Dr. Eva-Maria John. Letztere ist übrigens die Ex-Frau von Peter Peters. Was sich nun im Wahlausschuss ändert wird leider nicht bekannt werden, da dieser laut Satzung seine Nominierungen nicht begründen muss. Das ist schade und sollte geändert werden. Ich überlege einen Antrag auf Änderung der Satzung auszuarbeiten und vorzustellen. Dazu muss ich mir das Ganze aber vorher nochmal etwas genauer ansehen. Einen faden Beigeschmack hatte der Auftritt des Kandidaten Thomas Sinning. Er zog seine Kandidatur vor den Mikros zurück und empfahl ausdrücklich, die dem Aufsichtsrat und Vorstand nahe stehenden Kandidaten zu wählen. Das war zu offensichtlich inszeniert. Dazu passt, dass Sinning sich nicht mal die Mühe machte, sich vorher auf der Homepage vernünftig vorzustellen. Ob er seinen Alibi-Satz selber verfasst hat, das wage ich arg zu bezweifeln. Wie gesagt: Ein fader Beigeschmack bleibt.
Wahlen zum Aufsichtsrat:
- Auf diesen Part der Versammlung war ich aufgrund der Kurzinterviews hier im Blog natürlich besonders gespannt. Die Wahlen zum Aufsichtsrat gewannen Dr. Jens Buchta und Dr. Armin Langhorst. Beide machten auf der Bühne auch den besten Eindruck. Wobei ich sagen muss, dass vieles, was hier im Blog auf meine Fragen geschrieben, auch auf der Bühne gesagt wurde. Das war witzig mit anzuhören.
Ich hoffe, dass ich die wichtigsten Punkte hier vollständig und korrekt wiedergegeben habe. Falls nicht, dann schreibt doch bitte die Korrekturen und Ergänzungen in die Kommentare.
Glück Auf!
Hallo Matthias. Stell dich doch erstmal vor. Wer bisse und watt machse so?
Tja, wer bin ich…? Als “wirklich wahrer Schalker” seh ich mich jedenfalls mal nicht, da fielen mir ganz andere ein. Welche mit mehr Leidenschaft, welche mit mehr Spielen auffem Buckel, welche, bei denen Schalke noch deutlich wichtiger im Leben ist als bei mir, die sich mehr sorgen um den Verein, mehr für ihn riskieren und so weiter. So gesehen bin ich also meiner Meinung nach ganz einfach Schalker. Ganz normal. Und sonst, biographisch gesehen bin ich ein der Arbeit und der Liebe wegen irgendwann im Rheinland sesshaft gewordener Exil-Hesse aus einem kleinen, wunderschönen Dorf bei Marburg, der einst in der Pfalz studierte, als Software-Experte viele Jahre in der Welt herum kam und deshalb Schalke ganz früh nur aus der Zeitung oder ganz selten mal in Schwarzweiß in der „Sportschau“, dann ab 1983 ein paar Jahre lang nur von Auswärtsspielen und später oft nur noch aus weiter Ferne erlebte – bis ich in einer relativ großen Firma ein relativ kleiner Manager mit festem Büro wurde und seither endlich selbst planen kann, wann ich eigentlich weshalb wo sein will. Leider kinderlos, aber seit dem UEFACup-Triumph doch ganz glücklich verheiratet mit einer Griechin, die zum Glück auch kaum noch ohne Schalke kann. Wenn ich so darüber nachdenke, dann scheint’s wohl eine Dreierbeziehung zu sein.
Wie bist du zum bloggen gekommen? Hattest du vorher noch andere
Projekte, die mit Schalke zu tun hatten?
Eigentlich bin ich mehr der Leser als der Schreiber. Als es mich irgendwann ärgerte, dass man auf der Website des FC Schalke 04 niemals irgendwelche vernünftigen Berichte über die Nachwuchsmannschaften der Knappen lesen konnte, begann ich im alten Schalke-Forum einfach selbst, solche Berichte zu schreiben. Über Profifußball schrieb ich nur ab und zu mal auf „Blutgrätsche“, einer wunderbaren Website, die vielleicht vielen gar kein Begriff mehr ist – leider. So um 2004 herum, glaub ich, wurde ich dann von zwei anderen Jungs gefragt, ob ich meine Berichte zu Jugendspielen nicht bei ihnen auf „schalkenews.de“ veröffentlichen wollte, und das tat ich dann auch. Das ging eine Weile, war, wie ich fand, auch ein hervorragendes Portal zu allem über den S04, mit Fotos, Pressekonferenz-Berichten, Trainingsreportagen. Aus den Inhalten produzierten die Macher nebenbei auch zwei Ausgaben eines Fanzines („Blauäugig“), aber irgendwann wurde das Portal dann eingestellt.
Manches, was „Schalkenews“ geleistet hatte, war nach und nach auch vom Verein selbst gemacht worden, und auch die Berichterstattung über den Nachwuchs nahm endlich Gestalt an (und ist heute zumindest bis hinab zur B-Jugend sehr gut, wie ich finde), aber ich wurde immer wieder von anderen Schalkern gefragt, ob ich nicht wieder eine Website machen wollte und als mir jemand einen Server zur Verfügung stellte, ließ ich mich schließlich „breitschlagen“ – dort war dann eine Blog-Software installiert, mir völlig unbekannt, aber das machte es auch gerade interessant, und so entstand „Auswärtssieg!“ zum ersten Mal. Ich glaube, ein gutes Jahr lief die Site bis sie plötzlich genauso über Nacht verschwand wie es vorher auch schon mit „Blutgrätsche“ und „Schalkenews“ geschehen war. Wieder dauerte es etwas, bis mich jemand überzeugt hatte, noch einmal den Aufwand zu betreiben, wieder fand sich ein Fan, der Platz auf seinem Server hatte, und so entstand „Auswärtssieg!” ein zweites – und wieder nicht zum letzten Mal.
Seit einigen Wochen gibt es nichts neues mehr vom Auswärtssieg!-Blog.
Die Seite ist zur Zeit nicht erreichbar. Was ist da los?
Dass du das Ausrufezeichen nicht unterschlägst, freut mich, denn das ist mir wichtig. „Auswärtssieg!“. Weil es so den Wert und die Kraft eines solchen Abenteuers unterstreicht, all das erst richtig kenntlich macht – und weil ein Sieg auf fremdem Boden etwas Besonders ist und etwas Besonderes hat und deswegen ein Ausrufzeichen wirklich verdient.
“Auswärtssieg!“ hauchte Mitte März sein drittes Leben aus – das ist wohl das Schicksal privat betriebener Webseiten, erst recht solcher, die ziemlich populär werden, von denen enorme Mengen an Daten und Texten abgerufen werden und die deshalb mitunter auch teuer werden für den, der sie betreibt. Irgendwann dann eben zu teuer. Wobei das natürlich auch nur relativ ist.
Im Endeffekt waren bisher immer nur die Inhalte und auch das Layout unter meiner Kontrolle, niemals aber das Basissystem und der Internetzugang – deshalb war ich zwar inhaltlich völlig unabhängig und frei, aber stets vollkommen abhängig von der Technik, die von jemand anderem freundlicherweise gestellt wurde. Und die dann eben, aus welchen Gründen auch immer, irgendwann nicht mehr gestellt werden konnte. Das ist schade, erst recht, wenn es ein so zuverlässiges und performantes System wie das letzte war, aber so ist es eben – mir bleibt da nur, nochmal „Danke“ zu sagen an Frank, der über die letzten Jahre ganz uneigennützig die Basis für „Auswärtssieg!“ stellte.
Wie geht es weiter? Das weiß ich noch nicht. Bisher hatte ich die Prinzipien, dass „Auswärtssieg!“ werbefrei sein sollte (Anfragen von Werbeagenturen usw gab es zuhauf – bei über zwei Millionen Artikelabrufen pro Jahr wohl kein Wunder), dass ich niemals zu Spenden für so eine Website aufriefe (das hatte „Schalkenews“ in Not einmal getan, was zu extrem peinlichen Resultaten führte) und dass ich für Server- oder Software-Kosten selbst kein Geld zahlen würde, da ich schon erschreckend viel Geld und Zeit investierte, um die Inhalte erstellen zu können. Ein viertes Prinzip kam hinzu, als ich Bücher über meine Erlebnisse mit Schalke zu schreiben begann: Etwaige “Erlöse” (von “Gewinn” kann man da sowieso nicht sprechen, Zeit und Kosten, die fürs Schreiben anfallen, liegen immer höher als irgendwelche Autorenhonorare…) aus diesen Büchern würden keinen passiven Unternehmungen zugute kommen, sondern nur aktiven – also nicht etwa einer “Berichterstattung” wie “Auswärtssieg!”, sondern vielmehr Menschen und Organisationen, die damit aktiv etwas tun, beispielsweise für Schalke und/oder für Schalker.
An diesen Prinzipien hat sich bisher nichts geändert, aber ich werde natürlich per Mail oder am Rand von Fußballplätzen von allen möglichen Leuten, Bekannten und Unbekannten, von Fans, Spielern, Vereins-Offiziellen, Spielereltern, selbst gegnerischen Fans gefragt, was los ist, wann es weiter geht, ob sie helfen können und so weiter. Darüber freue ich mich, da bin ich auch dankbar, aber im Moment bin ich erst einmal mit anderen Dingen beschäftigt, und was aus „Auswärtssieg!“ wird, damit will ich mich erst in ein paar Wochen mal ernsthaft befassen.
Das Auswärtssieg!-Blog hat sich von den anderen Blogs vor allem immer
dadurch unterschieden, dass du hauptsächlich Berichte und Fotos von den
Fahrten veröffentlicht hast, die du mit und für den S04 unternommen
hast. Wann hast du diese Leidenschaft entwickelt?
“Für den S04″ meint hoffentlich nicht, dass ich irgendwie im Auftrag des Vereins unterwegs gewesen wäre – ich werd am Rasenrand immer wieder mal gefragt, welchen Job bei Schalke ich hätte, wieviel mir der Verein dafür zahle und so weiter, und manche können es kaum glauben, dass der Verein mit all dem überhaupt nichts zu tun hat. Die Fahrten unternehme ich wegen Schalke, nicht im Auftrag von – aber klar, in gewisser Weise hat das, was ich tue, hoffentlich auch eine Wirkung für Schalke, sei es auf dem Platz oder daneben.
Was das Besondere an “Auswärtssieg!” ausmachte, da unterscheidet sich meine Wahrnehmung von deiner und auch von der vieler Leser. Es ist wahr, dass der „Auswärtssieg!“-Blog bekannt und hochfrequentiert war insbesondere durch seine Fotoberichte von Auswärtsspielen, meist der Schalker Profis – das unterscheidet ihn zwar von vielen Blogs, aber es gibt doch zahlreiche (wenn nicht sogar: zahllose) Webauftritte mit genau solchen Fotoberichten zu Fußballspielen. Was für mich „Auswärtssieg!“ wirklich auszeichnete, war etwas anderes. Die ausführlichste Liste zu Fußballmedien, mit mehr als 700 Titeln und über 300 Rezensionen zu Fußballbüchern, die vollständigste Aufstellung von Büchern über den FC Schalke 04, egal ob Romane, Kinderbücher, Chroniken, wissenschaftliche Arbeiten oder was auch immer. Die meiner Ansicht nach einzigen ehrlichen, sachlichen und umfassenden Betrachtungen zu Eintrittspreisen im Profifußball. Ausführliche und regelmäßige Fotoberichte von Jugendspielen auch unterhalb der B-Jugend, bis hinab zur U9. Alles Dinge, die es m.E. nirgends sonst gab und gibt. Daneben die Tatsache, dass jeder aufgerufen war, mitzuschreiben, dass zwei Dutzend Fußballfans dem Aufruf folgten und dass diese auf „Auswärtssieg!“ auch Artikel mit gegenteiligen Ansichten veröffentlichen konnten – die dann mitunter kontrovers aber immer mit Anstand diskutiert wurden, und das, obwohl Kommentare völlig anonym hinterlassen werden konnten.
Aber klar: jede Fotoserie vom Training der Schalker Profis wurde häufiger gelesen als der beste Spielbericht vom aufregendsten A-Jugend Turnier im Ausland. So ist das eben. Für mich waren diese Fotoberichte zu Profispielen nie wirklich herausragend, auch wenn ich sie auch selbst oft “schön” oder “witzig” oder “abenteuerlich” fand und immer noch finde, für mich waren die anderen Berichte immer etwas interessanter, einfach weil es so etwas nirgends sonst gab. Auf „Auswärtssieg!“ konnte man bis vor kurzem noch Fotos und Spielberichte finden beispielsweise von Rafinha, als der von Schnusenberg noch gar nicht für Schalke entdeckt worden war, von Jurado als er noch im Nachwuchs von Real Madrid kickte, von Baumjohann in der B-Jugend, von einem zwölfjährigen Draxler, von nahezu allen Spielen, die Mesut Özil jemals in der Schalker Jugend machte und so weiter und so fort. Und in diesen Berichten fand sich meiner Meinung nach auch mehr Interessantes zum Fußball selbst, Gespräche am Rasenrand mit Trainern, Spielern, Scouts von Vereinen aus ganz Europa.
Aber deine Frage war ja eine ganz andere, entschuldige… Die Leidenschaft zu Schreiben ergab sich von allein und wohl hauptsächlich deshalb, weil ich eigentlich ein leidenschaftlicher Leser bin. Fotos hab ich früher schon sehr gerne gemacht, meist von Architektur – vom Fußball erst seit ich vor Jahren keine Lust mehr hatte, die schwere Spiegelreflex mit in den Urlaub zu nehmen und eine zigarettenschachtelgroße 4 Megapixel-Kamera kaufte, die man immer dabei haben konnte, selbst in einer linsenfeindlichen Umgebung wie einem Käfig voller mit Bierbechern bewaffneter Fußballfans. Das ist die „RitschRatschKlick“, die bis heute im Einsatz ist und kaum noch scharfe Bilder macht, aber im Netz fällt es kaum auf, wie schlecht die Kamera ist, nicht wahr?
So gesehen war es also immer schon eine Leidenschaft zu schreiben und auch eine, zu fotografieren. Aber über Fußball Fotoberichte zu machen, war eigentlich nie eine, das ergab sich eher zufällig, war ein Nebenprodukt davon, dass ich unheimlich gerne irgendwo hin reise, wo ich noch nie war und während dieser Reisen dann auch Texte und Fotos zu den erlebten Abenteuern produzierte – und als die Reisen immer häufiger rund um Fußball stattfanden, der Blog und die Digitalkamera „ins Leben traten“, da war’s passiert…
Wie lässt sich das mit Beruf und Familie vereinbaren? Spielen die Frau und der Chef da mit?
Ohne meine Holde Hellenin fahre ich nur äußerst selten zum Fußball, die ist inzwischen beinahe königsblauer als ich, fürchte ich. Der Chef muss da nur insofern mitspielen, als dass er meinen Urlaub genehmigen muss – ich hab 30 Tage Urlaub im Jahr, und mehr als das hab ich noch nie gebraucht für Schalke, selbst wenn ich im Jahr mal über 150 Spiele der diversen Knappenmannschaften sah. Für anderen Urlaub bleibt dann zwar vielleicht nichts mehr, aber wieso sollte „eine Woche Insel X ohne Schalke“ interessanter, abenteuerlicher, emotionaler oder schöner sein als „vier Tage Insel A, ein Tag Stadt B und zwei Tage Land C, und an allen drei Orten zwischendurch mal Schalke sehen – und außerdem noch all die anderen reiselustigen Schalker“?
Problematisch sind eigentlich nur Spieltermine, die mit wichtigen Terminen im Beruf zusammenfallen – da kann es schonmal sein, dass wir nur ganz wenig Zeit haben, also innerhalb eines Tages zum Spiel nach Zypern und wieder zurück müssen, oder im Extremfall halt doch nicht können. Das ist in den letzten Jahren aber, wenn ich mich nicht irre, nur einmal der Fall gewesen. Als vor ein paar Jahren am Düsseldorfer Flughafen die Schalker Karawane zum ChampionsLeague-Spiel gen Istanbul abhob, musste ich vom Gate nebenan geschäftlich nach London fliegen – und hatte dann abends an der Stamford Bridge bei Chelsea gegen Sevilla (irgendwas muss man nach Feierabend ja schließlich machen) praktisch nur Augen für die Anzeigetafel, auf der die Zwischenstände bei Fenerbahce durchliefen. Schrecklich war das.
Neben den Spielen der Profis, sieht man dein Autorenkürzel auch sehr
häufig unter den Berichten von Jugendspielen. Zur Zeit ist Julian
Draxler in aller Munde. Ist er dir in den Jahren zuvor schon als
außergewöhnliches Talent aufgefallen? Wie hast du seinen Werdegang
verfolgt? Welchen Jugendspieler siehst du in den nächsten 3-5 Jahren im
Profikader?
Das erste Mal fiel mir Julian Draxler auf im Frühjahr 2004. Wir waren in Lissabon, sahen “zufällig” Benfica im Europapokal und deren 100-Jahr Feier und nebenan in Estoril kickte die Schalker U11. Der damals Zehnjährige Draxler wurde bester Spieler des Turniers und Torschützenkönig. Der 93er-Jahrgang ist heute der Jungjahrgang in der Schalker A-Jugend, und wir haben ihn seit 2004 sozusagen nicht mehr aus den Augen gelassen, ich glaube, von keiner anderen Schalker Mannschaft hab ich jemals so viele Spiele gesehen wie von dieser, Liga, Turniere, Pokal- und Testspiele, weit über 100 Partien sicherlich. Und dass Julian Draxler ein außergewöhnliches Talent war und ist, das konnte jeder sehen, der nur hinsah – auch damals schon. Dass er nicht das einzige große Talent in diesem Jahrgang ist, ebenso. Und das gilt natürlich auch für alle anderen Jahrgänge beim FC Schalke 04. Selbstverständlich hab ich meine „Favoriten“, aber solange die Jungs nicht wenigstens volljährig sind, werd ich solche Fragen nach „wer kann’s schaffen?“ ebenso wenig öffentlich beantworten wie dass ich irgendeinen von den Jungkickern in Grund und Boden schriebe, selbst wenn er katastrophal gespielt hätte. Das sind gute Jungs, alle. Alle haben sie einen Traum, alle tun sie unheimlich viel dafür, alle können außergewöhnlich gut Fußball spielen, alle spielen sie für Schalke – die sind alle super.
Ein bisschen ist es allerdings auch so, dass ich Favoritenjahrgänge habe – so wie diesen 93er Jahrgang, von dem ich wahrhaftig schon viele großartige Partien gesehen hab über die Jahre, oder auch der 97er Jahrgang, also die Jungs, die erst geboren wurden, als Schalke UEFACup-Sieger wurde. Heute bilden sie die U14, das erste mal gesehen hab ich sie als U9, und die begeistern mich immer wieder. Leider lässt es der Spielplan nicht zu, dass man konzentriert bei allen Jahrgängen dabei ist, manche sehe ich erst, wenn sie in die B-Jugend kommen, was ein bisschen schade ist…
Gibt es eine Auswärtsfahrt, die dich nochmal besonders reizen würde? Ich würde jetzt mal behaupten, du hast Schalke noch nie im Wembley Stadion spielen sehen…
Das stimmt. Das alte Wembleystadion hätte mich auch gereizt, das neue tut es nicht. Aber falls wir dort irgendwann mal auflaufen dürften, würde ich natürlich schon gerne dabei sein wollen ;-)
Besonders reizen, da gibt es zwei klare Favoriten: Anfield und Old Trafford. Für letzteres hatte ich damals, vor dem Spiel in Barcelona, schon Flüge gebucht, aber dann gewannen wir ja überraschend doch nicht im Camp Nou (manchmal bin ich halt heillos optimistisch). Diesmal habe ich nebenbei United zum ersten und vielleicht einzigen Mal im Leben die Daumen gedrückt, und da nun tatsächlich ein Schalker Pflichtspiel im Old Trafford ansteht, drück ich mir seit Tagen noch fester die Daumen, dass es mit Eintrittskarten klappt. Und dann hoffe ich sehr darauf, dass wir den Pokal gewinnen und so vielleicht im UEFACup (oder wie immer das neuerdings heißt) auf Liverpool treffen. Das wäre ein Traum.
Ansonsten würde ich mir auch ohne Schalke gerne einmal Spiele anschauen in Ländern, wo Fußball „anders“ ist. Argentinien ganz vorne weg, aber auch Ägypten oder Iran. Groundhopper bin ich aber nicht, ich führe keine Stadionlisten oder “sammle Punkte” – wenn ich irgendwann einmal in diese Länder reise, dann nicht hauptsächlich wegen des Fußballs (außer Schalke spielte dort).
Allerdings, jetzt wo ich so darüber nachdenke, bin ich ja doch schon zweimal im Leben irgendwo hingeflogen nur wegen des Fußballs, obwohl Schalke dort gar nicht spielte. Beidemale weil ich vor ihrem Karriereende einen ganz bestimmten großartigen Fußballer live gesehen haben wollte. Shevchenko beim AC Mailand, der brach sich nach ein paar Minuten das Jochbein, wurde ausgewechselt, und ich sah ihn dann später doch noch mehrmals, als er im Europapokal mit Milan und Chelsea gegen Schalke antrat (konnte ja keiner ahnen) – und der zweite, für den ich einst in einen Flieger stieg, das war Raul bei Real Madrid. Von ihm sah ich auch nur ein paar Minuten, er wurde erst spät eingewechselt, aber allein schon ihn sich aufwärmen zu sehen im Bernabeu, wie die Leute reagierten, als er von der Bank aufstand, das war schon phantastisch, sogar großartiger als das exzellente Spiel, bei dem Zidane, Beckham, Ronaldo, Carlos, Robinho und all die anderen “Galaktischen” auf dem Rasen standen. Dass mein Schalke jemals gegen diesen Raul und sein Real antreten würde, das hätte ich kaum zu hoffen gewagt, aber dass eben dieser Raul knapp fünf Jahre später in meinem Trikot auflaufen würde, das war derart unwahrscheinlich, das kann ich bis heute kaum fassen.
Am 05.04.2011, beim 2:5 gegen Inter Mailand, hat die Mannschaft ein Stück königsblaue Geschichte geschrieben. Du warst live im Stadion dabei. Wie war das für dich? Auch im Vergleich zum UEFA-Cup-Sieg 1997 im San Siro.
1997 war ich weit weg, aus erster Hand kann ich den Vergleich also nicht anstellen, aber ich bin ziemlich sicher, dass es damals um Welten großartiger war. Was nicht heißt, dass es an diesem Dienstag im Meazza nicht auch phantastisch war. Diesmal war das Spiel selbst die Sensation, die Tatsache, den großen Gegner derart zu demontieren, dass endlich Fußball gespielt wurde nach vielen grauen Monaten. Die Begeisterung im Block, gerade nach den Toren, erst recht nach den beiden zum 2:3 und 2:4, das war pure Emotion, ein Jubel, wie ich ihn zuletzt wohl nur damals bei Ebbes spätem Siegtreffer in der Wellblechhütte erlebt habe. Das Spiel im Stadion, auch die Atmosphäre, dieser 5:2-Auswärtssieg bei Inter war wirklich ein unvergessliches Erlebnis.
Aber 1997 muss sich die Begeisterung, die Euphorie, dieses Gefühl, sich in einem Traum zu bewegen, ja schon begonnen haben direkt nach dem Abpfiff des Hinspiels. Viel, viel mehr Blaue als diesmal, alle viel mehr ergriffen davon, was ihrem kleinen Verein plötzlich passierte, fuhren gen Italien, waren begeistert vor, während, nach dem Spiel und das Gefühl, das sich da neulich insbesondere während der zweiten Halbzeit im Meazza breit machte, das muss damals über Tage, wenn nicht Wochen angehalten haben – nicht nur für eine Stunde oder zwei. Ähnliches hab ich eigentlich nur 2006 in Sevilla erlebt, damals waren es allerdings die Andalusier, die uns zeigten, wie Schalke neun Jahre zuvor wohl noch gewesen war, wie Schalke sich damals fühlte. Trunken vor Glück, einfach schon deshalb, weil man nach so langer Zeit wenigstens mal die Chance hatte, irgendetwas zu erreichen, etwas, das zudem niemand, auch man selbst nicht, je für möglich gehalten hätte.
Aber klar, das Spiel selbst, 5:2 in Mailand, ein 8:3 hätte es auch sein dürfen, das war einfach großartig – und für mich wars auch deshalb besonders, eben weil da unten so viele auf dem Platz standen, die ich schon durch die Jahre der Schalker Jugend „begleitet“ hatte, und von denen einer, den ich schon immer besonders hoch schätzte, ja sogar schon richtig auf dem Abstellgleis gelandet war, bis genau der Trainer ihn wieder ausgrub, vor dem ich immer schon Schiss hatte, wenn er mit seinen Hannoveranern nach Schalke kam. Irgendwie wurde plötzlich alles gut, genau wie damals, als Rangnick das erste Mal zum S04 kam.
Danach war unser alter Trainer und Manager Felix Magath zu Gast. Du
hast dich auch in einem Blogeintrag besorgt um die Entwicklung des
Vereins unter Magath geäußert. War die Trennung von Magath wichtig und
richtig?
Absolut. Und leider. Ich könnte viel dazu schreiben, vielleicht tu ich’s ja auch irgendwann einmal, aber ich war in den letzten Monaten phasenweise derart entsetzt darüber, was im Verein passierte, wie es passierte, dass man es geschehen ließ und wie sich manche verhielten, dass ich es ab dem Spätherbst kaum noch ertrug, zu Heimspielen ins Stadion zu gehen. Dass es soweit kommen konnte, bei unserem Verein, das hätte ich vorher nicht für möglich gehalten. Aber ich hätte auch manche Verhaltensweisen, die ich mitbekam, nicht für möglich gehalten, jedenfalls nicht von Erwachsenen in solchen Positionen, noch dazu mit einer derartigen Reputation.
Ich habe mich genug geärgert, finde ich. Nach dem Spiel gegen Wolfsburg, gottseidank einem Sieg, habe ich eigentlich fürs erste vollständig mit diesem Kapitel abgeschlossen und will für eine Weile keinen Gedanken mehr daran verschwenden müssen, was geschah – sondern mich wenn überhaupt, dann eher nur noch damit befassen, was getan werden muss, damit unser Verein niemals wieder in so eine Situation gerät.
Du bist nicht nur Blogger, sondern auch Autor. Du hast schon drei
Bücher über die Erlebnisse mit dem FC Schalke 04 verfasst. Jetzt ist ein
viertes geplant, welches den Titel “1904 Geschichten” tragen soll
und eine Zusammenstellung von Erzählungen verschiedenster Fans ist. Die
Serie lief bereits sehr erfolgreich in deinem Blog.
Wie kamst du auf die Idee und wie ist der Stand der Dinge?
Im Oktober ging’s mir schlecht, ich war verzweifelt darüber, was in meinem Verein passierte – wenn’s früher sportlich mal mies lief, dann schob ich die VHS-Kassette vom bereits erwähnten 1:0 bei den Nachbarn ausm Nahen Osten ein, die von Jens’ Kopfballtor oder die MAZ-Raubkopie vom 6:6. Aber mein Videorekorder funktionierte nicht mehr, und die Lage im Verein war diesmal nicht nur sportlich eine Katastrophe, sondern auch soziokulturell und offenbar auch finanziell. Also an allen Fronten – und irgendwie schien keiner der Verantwortlichen ernsthaft etwas daran ändern zu wollen, beinahe als verfalle der Club zwar äußerlich in Hektik, innen drin in Wahrheit aber in eine Art Totenstarre, ließe tatenlos zu, dass allerorten Leben, Emotion, Werte, Bindung, selbst Liebe zugrunde ging. Das mag übertrieben klingen, auch etwas übertrieben sein, aber so ging’s mir eben damals. Ich brauchte Geschichten von Fans, Geschichten, die mich erinnern würden daran, wie Schalke eigentlich war, was Schalke eigentlich ausmachte. Die Bücher von „Strohhalm“, die von Holz, und was es sonst noch so gab, die hatte ich schon so oft gelesen, ich brauchte einfach neue Geschichten. Viele davon.
Und da passte dann vieles zusammen. Erst Monate zuvor hatte ich den Klassiker von Tom Watt gelesen, „The End“, ein dickes Buch voller kurzer Geschichten aus der Historie von Arsenal London. Und kurz darauf las ich am Rand des Schalker Trainingslagers in Irdning, wie Kees Jaratz in seinem hervorragenden „Zebrastreifenblog“ davon schrieb, wie er auf der A40 im Rahmen der „Ruhr.2010“ an seinem Biertisch Erlebnisse von MSV-Fans sammeln wolle, um ein „Fan-Gedächtnis“ zu bauen. Und das fiel mir im Oktober alles wieder ein, und so beschrieb ich in „Auswärtssieg!“ mein Leid und bat um Zusendung von Geschichten, die solche wie mich oder dich, einfach jeden von uns und die, die nach uns kommen, einmal daran erinnern könnten, wie es war mit Schalke.
Da ich selbst viel lieber echte Bücher lese als am Computer zu sitzen, war es von Anfang an Teil der Idee, die Geschichten auch einmal als Buch herauszubringen, idealerweise sogar wirklich 1904 Geschichten über eine lange Serie hinweg im Regal stehen haben zu können. Mit Verlagen hatte ich ja nun schon Erfahrung, hatte ein Buch auf eigene Kosten herausgebracht, eines mit einem kleinen Verlag, ein drittes mit einem großen, an Hardy Grünes Schalke-Chronik und Büchern weiterer Schreiber mitgewerkelt, anderen Bloggern zu ihren ersten Büchern verholfen und so weiter, ich hatte keinen Zweifel, dass es sehr schnell ein erstes Buch geben könnte – wenn nur genug Inhalt in hinreichender Qualität zusammen käme.
Und er kam. Rasch. Und, wie ich finde, in wirklich erstaunlicher Qualität.
Ungefähr 130 Geschichten habe ich bisher bekommen, mehrere Verlage waren interessiert daran, das Buch mit uns zu machen, und ich entschied mich für den renommiertesten, „Die Werkstatt“, auch weil ich dort die besten Bedingungen bekam, um allen Autoren, die sich im Buch wieder finden, wenigstens ein Exemplar davon schenken zu können. Es werden etwa 35 Geschichten sein, und letzte Woche habe ich das fertige Buch an den Verlag abgeben, im Herbst wird es erscheinen. Bis dahin geht es nun noch um Layout, Illustrationen (Fotos o.ä.) usw – und nach wie vor kann sich jeder, der möchte, beteiligen. Zum einen mit Vorschlägen zum Cover, zum Untertitel, oder überhaupt allem, was einem einfällt zu so einem Projekt. Es soll ein Buch werden von uns, über uns, für uns, da ist jeder eingeladen, dabei zu sein und mit zu machen. Ich sammle aber auch weiterhin Geschichten, egal ob kurz oder lang, egal ob außergewöhnlich oder profan, egal ob voller Rechtschreibfehler oder lupenrein. Hauptsache echt und wahr. Es sollen ja irgendwann einmal 1904 Geschichten sein, die in ihrer Gesamtheit dann irgendwie ausdrücken, was Schalke war, was Schalke ist. Also auch hier die Bitte, wer mitmachen will, mit Vorschlägen oder mit Geschichten, einfach per eMail an matthias.berghoefer@web.de. Vielen Dank schonmal!
Die wichtigste Frage zum Schluss: Was wird der S04 in dieser Saison
noch erreichen?
Die Frage zielt wahrscheinlich auf’s Sportliche ab, und da ist mir, der bereits dreimal mit seinem Club abstieg, der Klassenerhalt immer das Wichtigste. Seit Jahrzehnten hab ich darum nicht mehr so gezittert wie in dieser Saison, die Spiele in der Vorrunde ließen das Schlimmste befürchten, das Wintertrainingslager und die Auftritte danach steigerten die Furcht noch, weil so offensichtlich das Potenzial nicht abgerufen wurde - aber das ist spätestens seit dem Sieg gegen Wolfsburg keine Sorge mehr. Ähnliche Sorgen machte ich mir auch um die Lizenz, die noch wichtiger als der Klassenerhalt ist, aber da hat mich das Weiterkommen gegen Inter etwas beruhigt, ich hoffe einfach, dass es trotz superteurem Kader ein Polster für die nächste Saison gibt und man wieder beginnt, vernünftig zu wirtschaften.
So gesehen ist für den Rest der Saison also ein bisschen “Wunsch- und Traumzeit” angebrochen. Den Pokalsieg wünsche ich mir sehr, tatsächlich wohl mehr als den in der ChampionsLeague, die eben leider kein Europapokal der Landesmeister mehr ist. Dort hat mir/uns die Mannschaft ja den Wunsch nach einem Pflichtspiel im Old Trafford erfüllt, da sind wir wieder krasser Außenseiter, aber Fußball ist Fußball und es gibt überhaupt keinen Grund, weshalb wir dort verlieren sollten. Unentschieden zuhause, und dann ein epochaler Auswärtssieg. Jule oder Alex per Fallrückzieher, kurz vor Schluss. Oder so.
Na, wie gesagt, Träume…
Einen etwas realistischeren Wunsch hätte ich noch was die Schalker A-Jugend betrifft. Nach der vergebenen Meisterschaftschance hoffe ich auf den Gewinn des Westfalenpokals, wenigstens einen Titel hätte diese Truppe verdient, und noch mehr hoffe ich dort sehr auf ein Ende der Irritationen, die rund um dieses Spiel in Leverkusen und das Handeln des Sportvorstandes entstanden. Also auf Einheit und den Beweis von Kompetenz.
Und das gilt auch für den ganzen Verein und ist mir generell auch viel wichtiger als der momentane sportliche Erfolg: Einheit. Die Rückkehr der Freude. Einen Plan für die Zukunft – also einen, den es tatsächlich gibt, der den Rahmenbedingungen des professionellen Sportbetriebes gerecht wird, sich gleichzeitig an den Werten des Vereins orientiert und der auch in wirkliches Handeln mündet. Dass der FC Schalke 04 also am Ende der Saison weiß, wer er selbst ist, wer er sein will, und dass sich alle gemeinsam begeistert auf den Weg machen.
Neulich in Mailand haben’s „im Kleinen“ die Jungs auf dem Platz vorgelebt, haben bewiesen, dass Unmögliches möglich wird, wenn man nur weiß, was man will, einen Plan hat, wie man’s schaffen könnte, und es dann auch wirklich versucht. Wenn das auch „im Großen“ so wäre, für den ganzen Verein, das würde ich unheimlich gerne erleben wollen.
Vielen Dank, Matthias, für das ausführliche Interview! Glück Auf!
Der Ex-Trainer bleibt mit seinem neuen Team so erfolglos wie Rangnick mit Schalke erfolgreich ist. Drei Spiele, drei Siege. Darunter zwei Spiele mit geschichtsträchtigem Charakter. Am Samstag war es dann allerdings doch ein ganz normales Bundesligaspiel. Keine Pfiffe, keine Beifallsbekundungen. Stattdessen gute Stimmung in der Arena. Der Stolz von Mailand schwang mit in den Gesängen der Kurven und schwappte deswegen auch immer wieder über auf die Geraden.
Auf dem Platz ließ Rangnick zunächst das Comeback-Kid Alex Baumjohann auf der Bank und setzte stattdessen auf Lukas Schmitz. Das Experiment ging daneben. Nach vorne hatte Schalke nur über den starken Farfan etwas zu bieten und vor allem Jurado fehlte in der ersten Halbzeit die Anspielstation für seine Kombinationen.
In der zweiten Halbzeit legte Schalke mit Baumjohann nach vorne hin zu und blieb in der Defensive so souverän wie selten. Matip und Höwedes waren am Samstag eine sichere Bank, so dass Neuer praktisch nie ernsthaft geprüft wurde. Auch Papadopoulos spielte extrem gut und ließ Diego selten sein Können zeigen, sonden warf sich immer dazwischen, wenn es einen Ball abzufangen gab.
Die Bundesligasaison ist gelaufen, auch wenn der Abstand zu Platz 5 nur noch sechs Punkte beträgt. Man soll zwar niemals nie sagen, doch in dieser Saison wird man sich über den DFB-Pokal für die internationalen Spiele qualifizieren müssen. Oder über die Champions-League…
Neben den spielerischen Fortschritten, die gegen St. Pauli und Inter Mailand deutlich wurden, schafft es Rangnick offenbar, auch die Spieler, das Team, ja den ganzen Verein zu beflügeln und eine menschliche Note zu verpassen.
Schon vor knapp sieben Jahren hat Rangnick dieses Wunder geschafft. Auch damals wurde Schalke von einem “harten Hund” trainiert, der die Mannschaft mit seinen altmodischen Methoden nicht erreichen konnte. Don Jupp musste gehen und Müller präsentierte diesen Professor, der von Manager Rudi Assauer in der Pressekonferenz mit falschem Vornamen angekündigt wurde.
Dann ging alles sehr schnell. Nicht nur auf dem Platz wurde das Tempo deutlich erhöht. Die Mannschaft präsentierte sich als Einheit und stürmte, mit Lincoln an der Spitze, bis auf Platz 2. Es wurde der Offensivfußball zelebriert, den man seit den Jahren, als Emile Mpenza, Ebbe Sand und Jörg Böhme auf dem Platz standen, vermisst wurde.
Auch in der Gegenwart scheint Rangnick derjenige zu sein, der den Knoten lösen kann. Der das Biest Schalke frei lässt, so dass es solche Spiele abliefern kann, wie wir es vorgestern in Mailand erleben durften.
Am Samstag kommt der harte Hund mit seinem Wolfsburger Rudel in die Arena. Magath wird es nicht gefallen haben zu sehen, dass die Mannschaft offensichtlich gegen ihn gespielt hat bzw. er die richtigen Knöpfe nicht gefunden hat, um das wahre Potenzial dieses Teams abzurufen.
Hoffen wir, dass Rangnick es weiterhin schafft. Am liebsten natürlich gegen den alten Trainer und Manager. Das wäre das Sahnehäubchen auf eine tolle königsblaue Woche.
Offene Seitenhiebe auf Felix Magath verkniff sich Rangnick. Die von der Presse interpretierten versteckten Seitenhiebe, konnte ich beim besten Willen nicht heraushören. Wenn man erklärt was man anders macht als der Vorgänger, dann muss das nicht zwingend als Kritik an der Arbeitsweise von Felix Magath gewertet werden.
Jetzt aber zum Wesentlichen: Das Spiel gegen St. Pauli wird wohl in jeder Hinsicht eine Wundertüte. Presse, Fans und Gegner rätselraten über die möglichen personellen und taktischen Veränderungen. Rangnick versucht nach den wenigen Trainingstagen mit der kompletten Mannschaft, den richtigen Mix zu finden. Und auch für die Spieler ist die Herangehensweise von Rangnick Neuland. Denn dass dieser ganz anders mit den Spielern umgeht als Felix Magath, hätte ich hier eigentlich nicht schreiben müssen. Der harte Hund Magath steht in krasser Diskrepanz zum kommunikativen Rangnick.
However: Ich freue mich riesig auf das Spiel und tippe auf ein 0:2
Seid ihr auch so optimistisch?

“Magath erklärte, er habe stets alles für den Klub gegeben und keine Rücksicht auf persönliche Befindlichkeiten genommen…” (DerWesten.de)
Ich würde zu gern wissen, wie Fanbeauftragte und Angestellte der Wolfsburger Geschäftsstelle auf die erneute Verpflichtung Magaths reagiert haben.
Insider-Informationen gerne in die Kommentare oder per Formular an mich.
Ob er jetzt der Richtige ist? Eigentlich ist das die falsche Frage. Es müsste eher lauten: Ist Rangnick wieder der richtige Trainer? Immerhin ist er, was den Punkteschnitt angeht, der erfolgreichste aller Ehemaligen.
Zudem war Schalke grundsätzlich mit der Arbeit Rangnicks zufrieden. Rangnick ließ den attraktivsten Offensivfußball seit Böhme/Sand/Mpenza spielen und war am 17. Spieltag der Bundesligasaison 2005/2006 auf dem vierten Platz, als er seine legendäre Ehrenrunde vor dem 1:0 Heimsieg gegen Mainz gab, weil er den Machtkampf mit Rudi Assauer angenommen und verloren hat.
Auch in Hoffenheim ist er am mächtigsten Mann gescheitert. Hier allerdings unter anderen Voraussetzungen. Er war der Kopf des Projekts Hoffenheim, das – so diskutierbar Retortenvereine sind – eine absolute Erfolgsgeschichte ist. Auch mit “Wunschspielern” muss man sich erstmal so konstant steigern, dass man seit dem ersten Jahr Bundesliga regelmäßig vor dem Tor nach Europa steht. Und das nachdem man sich praktisch aus dem Nichts bis zur Spitze durchsiegte. Zudem hat es Rangnick mit einem jungen Team geschafft, große Teile der Region hinter den Verein zu bringen und sich im Rest der Fußballnation eine gute Portion Respekt zu verschaffen.
Fachlich ist Rangnick ein ähnliches Ass, wie es Magath ist. Menschlich sicherlich umgänglicher, aber eine einfache Trainerpersönlichkeit ist er sicher auch nicht. Die Manager Rolle Magaths wird Horst Heldt einnehmen. Auch wenn er ein bisschen “geparkt” wurde, kann man froh sein, dass auch die Vorbereitung auf die nächste Saison nahtlos weiter geht.
Auch die mittelfristigen Situationen der Leihspieler ist plötzlich eine ganz andere. Jones und Holtby werden froh sein, dass Magath bei ihrer potenziellen Rückkehr nicht mehr das Zepter schwingt. Beide könnten unter Rangnick als quasi Neuzugänge wieder zu echten Alternativen werden. Zambrano und Moravek nicht zu vergessen.
Fraglich bleibt bis Montag ist eigentlich nur noch, wer mit Rangnick auf dem Trainingsplatz stehen wird. Oberkonditionsgeneral Leuthard und Co-Magath Hollerbach haben bereits gepackt. Und ich denke, auch Seppo Eichkorn wird, aller Gerüchte über ein Zerwürfnis zum Trotz, nach dem Leverkusen Spiel seine Papiere abholen und mit dem Magath Zirkus zu ziehen.
Jetzt steht aber erstmal Leverkusen vor der Tür, die uns gestern als letzte Mannschaft in Europa zurück gelassen haben. Wer uns in Europa als nächstes über den Weg läuft, finden wir heute Mittag heraus. Ich habe irgendwie Donezk im Gefühl. Wäre ich auch nicht unzufrieden mit. Schwer sind die alle. Und Donezk ist das schlagbarste Team.
Aber nicht nur die UEFA hat eine Verlosung anzubieten. Auch hier im Blog muss das Buch The Tokyo Diaries von David Schumann noch unter den 13 richtigen Antworten verlost werden.
Ich plane eine Live Übertragung bei der Ziehung des Siegers via Ustream oder ähnliches. Muss ja schließlich alles seine Richtigkeit haben. Weitere Infos zum Zeitpunkt gibt es später oder morgen früh.
Der absolute Hammer trifft zu fortgeschrittener Stunde via Twitter ein!
Magath ist also mit seinem VW direkt wieder in Wolfsburg vorgefahren. Es ist unfassbar. Im Heimspiel am 9. April kommt es zum direkten Duell. Diese Saison ist einfach nicht normal. Deswegen wird Duisburg auch den DFB-Pokal gewinnen und wir Barca im Champions League Finale in Wembley schlagen. Diese Saison ist nix mehr unmöglich!










Kommentare
Carlito69: Egal, ob jetzt 69%, 75% oder 82%, die beiden sind aktuell sau wichtig für unser erfolgreiches Spiel....
Carlito: Ich warte gespannt! :-)
Carlito: Ja, der Huub wird es nicht leicht haben, wenn sich alle wieder fit melden. Ich vermute aber mal, dass er...
tobitatze: @robkem04: So wird es derzeit gemacht. Im Sportbloggernetzwerk werden Vorschläge gesammelt, die dann von...
tobitatze: Das stimmt. Da gilt halt auch der Satz: “Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht...