Der FC Schalke 04 taumelt der 2. Liga entgegen. Wer immer noch nicht glauben will, dass Schalke schon seit Wochen, man könnte auch fast schon Monate schreiben, mitten im Abstiegskampf steckt, dem ist einfach nicht mehr zu helfen.

Wie schon in den beiden Partien in Frankfurt(I, II), zeigte Schalke auch gegen Leverkusen zwei Gesichter: In der ersten Halbzeit kontrolliert und engargiert, agierte man in der zweiten Halbzeit, mal wieder, plan- und mutlos. Woher diese plötzlichen Leistungseinbrüche nach 45 Minuten immer kommen, das kann mir gerne irgendjemand erklären. Ich weiß es nicht. Ich vermute aber, dass es nicht an der Kondition der Spieler liegt.

Pechvogel des Abends war gestern Klaas-Jan Huntelaar. Gleich zweimal trifft er nur das Aluminium. Er ist nun das vierte Spiel ohne eigenen Treffer. Auch ein Grund, warum Schalke sich weiterhin im Abstiegsstrudel denn im Aufwind befindet. Die wirklich großen Probleme liegen allerdings woanders: Die Mannschaft kann und will offensichtlich nicht offensiv spielen. Selbst in der ersten Halbzeit, als sich Leverkusen noch dezent zurück hielt, konnte Schalke zwar deutlichen Ballbesitz verbuchen, ein Spiel auf ein Tor war es allerdings nicht. Stattdessen wurde der Ball von links nach rechts gespielt. Wenn man mal die Möglichkeit hatte, nach vorne zu spielen oder den freien Raum zu nutzen, wurde lieber der Sicherheitspass zu den Innenverteidigern, oder noch schlimmer, zu Schnapper Neuer gespielt. Zwingend ist anders. Schnelles Umschalten ist auf Schalke wohl ebenfalls ein absolutes Fremdwort. Der einzige defensive Spieler, der dieses Spiel beherrscht, ist Keeper Manuel Neuer. Das ist kein Scherz. Es ist eher tot traurig.

Mittlerweile muss man feststellen, dass auf Schalke offensichtlich auch keine ernsthaften Alternativen auf der Bank sitzen. Nachdem Schmitz verletzungsbedingt nicht mehr an der zweiten Halbzeit teilnahm, setzte Magath doch tatsächlich Ivan Rakitic auf die Linksverteidiger Position. Rakitic, in der ersten Halbzeit noch bester Mann im Mittelfeld, brach in der zweiten Halbzeit übrigens komplett ein. Notnagel wie Hans Sarpei oder Plestan scheinen nicht mal mehr zweite bzw. dritte Wahl zu sein. Über Sergio Escudero brauchen wir anscheinend eh kein Wort mehr zu verlieren. Er ist komplett in der Versenkung verschwunden. Heynckes erkannte den taktischen Fehler von Magath sofort und setzte Sidney Sam, im Gegensatz zu Rakitic tatsächlich schnell wie eine Rakete, gegen den Kroaten. Das Tor geht allerdings nicht auf Rakitics Kappe. Das war einfach gut gespielt. Angedeutet hatte es sich trotzdem in mehreren Situation zuvor.

Ein weiterer Beleg für mangelndes Vertrauen und Qualität auf der Bank war die Höchststrafe für Joel Matip. Zur Halbzeit für Schmitz gekommen und auf die 6er Position gerückt, musste er in der Schlussphase nach einer katastrophalen Leistung wieder vom Platz. Nach Mäusken Moritz, meinem Hoffnungsträger, hielt ich gestern Abend leider vergeblich Ausschau.

Und der schlechten Nachrichten an diesem Samstag nicht genug, vermasselt Gerald Asamoah sich und uns die Rückkehr auf Schalke. Er ist nur Zuschauer, wenn Schalke am Freitag gegen St. Pauli buchstäblich ums Überleben spielt. Schon jetzt beträgt der Abstand zum Nicht-Abstiegs-Platz 2 Punkte. Auf Platz 14 bereits vier Punkte. Der Abstand auf eben diesen Tabellenplatz betrug für die Hertha zu diesem Zeitpunkt der Vorsaison übrigens ebenfalls vier Punkte. Beileibe nicht die einzige Parallele zwischen Königsblau und dem Sensationsabsteiger der letzten Saison.

Ach ja: Ein Comeback von Christian Pander bei der 0:2 Niederlage der Zeiten gegen Mainz 05 II gab es, natürlich, auch nicht.

Knappen des Spiels

Wir wählen wieder die besten Schalker der Partie gegen Leverkusen. Auch wenn die Niederlage bitter war, gab es doch einige Lichtblicke. Hier meine Favoriten:

Farfan 3

Metzelder 2

Uchida 1

 

Jermaine Jones wird morgen gegen Bayer Leverkusen nicht auflaufen. Als Ersatz steht ein Spieler bereit, der in den letzten Monaten zu meinem Lieblingsspieler beim S04 avanciert ist.

Christoph Moritz, zarte 20 Jahre alt und in der letzten Saison einer der “Shooting-Stars” beim FC Schalke. Das hört sich nach Glamour, Medienauftritten und spektakulären Leistungen auf dem Platz an. Das ist aber nicht Christoph Moritz. Seine Spielweise ist eher unaufgeregt. Auf und neben dem Platz. Er kann den sicheren Pass, reißt Kilometer ab und haut auch ab und zu schon mal drauf. Moritz ist aber auch ein kleines Zaubermäusken. Wer sein Spiel verfolgt, der sieht immer wieder kleine Kabinettstückchen, mit denen er sich aus schwierigen Spielsituationen befreit. Auch wenn dieser Vergleich völlig daneben ist: So hat es Zidane mit seinen Tricks auch immer gehalten: Nur schön, wenn auch effektiv.

Schalke weiß viele Talente in seinen Reihen. Neben den verliehenen Spielern Jan Movarek und Lewis Holtby, spielen auch Joel Matip und Lukas Schmitz wieder eine Rolle im Team von Felix Magath. Mit Papadopoulos ist ein neues Talent hinzu gekommen. Vor der Saison wurde befürchtet, dass diese aufgrund der Neuzugänge im Team weniger Einsatzzeiten bekommen. Dem ist offenbar nicht so. Alle vier spielen mehr oder weniger regelmäßig. Matip hatte lange die Nase vorn und wurde von Magath auf der 6 bevorzugt eingesetzt. Da musste sogar ein Jermaine Jones mal auf rechts weichen. In Lukas Schmitz sieht Magath derzeit die beste Alternative auf der linken Verteidigerposition, auch wenn Schmitz die Position in der letzten Saison besser gespielt hat und schon den ein oder anderen Wackler fabriziert hat.

Moritz wird bisher die Rolle zuteil, die Heiko Westermann in der letzten Saison inne hatte. Er ist Springer. Das Experiment rechter Verteidiger musste Magath dabei schon gegen Lyon aufgeben. Seitdem agierte er sowohl im defensiven Mittelfeld, als auch auf beiden Halbpositionen. Zum Ende des Spiels gegen Frankfurt, spielte er sogar linker Verteidiger, wenn Schmitz aufrückte. Für mich hat Moritz, von allen jungen Wilden im Team, das meiste Potenzial.

Gegen Leverkusen hat er erneut die Chance, sich in der ersten Elf festzuspielen. Mach et, Mäusken!

 

Dass ich unsere Königsblauen beim ersten Topspiel mit Schalker Beteiligung nicht alleine lassen darf, wird mir am Mittwoch klar. Die Samstagsplanung ist eh auf den Ruhrpott ausgelegt. Party in Bochum. Da muss ich hin. Dann kann ich ja eigentlich auch zum Spiel. Bein gemeinsamen DFB-Pokal feiern im Pegel finde ich auch relativ schnell eine Karte. Bombe! Die Rheinsteiger machen sich am Samstag schon gegen 14 Uhr auf Richtung GEW-Are… äh… Veltins-Arena. Man will die übrigen Bundesliga Spiel in blau-weißer Runde im Schalker genießen. Vereinzelte “Spitzenreiter”-Rufe bei den zahlreichen Niederlagen/Unentschieden der Konkurrenz. Leid tut es mir und vielen Anderen um den FCN. Ein Dreier gegen Bremen hätte uns allen gut getan.

Trotzdem glücklich, weil neue Schalke-Schuhe, geht es Richtung Nordkurve. Vorher kurz noch Mama und Papa getroffen, gedrückt und die Fan-Shop Tüte in die Hand gedrückt. Schließlich wird ein heißes Match erwartet. Da kann ich sowas nicht gebrauchen. Unter Mama’s Sitz in der Südkurve sind die neuen Treter sicher besser aufgehoben.

Meine neuen Schalke Schuhe :)

Meine neuen Schalke Schuhe :)

Auf geht’s in die Kurve. Eins fällt direkt auf: Die Stimmung ist eines Topspiels mehr als würdig. Die Fans feiern die Mannschaft praktisch schon vor dem Spiel. Ich habe noch nie erlebt, dass das traditionelle – und großartige – Steiger-Lied zu Beginn schlichtweg ignoriert und übersungen wird.

Die Mannschaften laufen ein, Tobi singt sein “Der Kevin, der trifft!” zum Einlaufgedudel und schon kann es los gehen. Der erste Aufreger lässt nicht lang auf sich warten. Holtby, der eine neue Chance erhalten hat, wird kurz vor/auf/hinter der Strafraumgrenze übel vor den Brustkorb getreten. Leider hat Schiri Weiner heute nicht seinen blau-weissen Tag und gibt nur Freistoß. Scheint aber ok so gewesen sein.

Danach erstmal viel Leerlauf in Schalker Spiel. Die Mittelfeld-Babys Moritz, Schmitz und Holtby tuen sich ebenso schwer gegen den HSV. Die Stürmer sehen sehr wenig Land gegen Hyppiä und die Abwehr hat vor allem bei Standardsituationen extreme Probleme. Bayer wird stärker und macht dann wunderschön und folgerichtig das 1:0 nach Standard. Dejavu-Erlebnis dann kurz vor der Halbzeit: Wieder kurz vor Schluss das ernüchternde 0:2 durch Kiesling. Nicht zu fassen! Natürlich haben wir das gegen den HSV auch gedreht, aber hier spielt mit Leverkusen eine Mannschaft, die nicht schlagbar zu sein scheint. Sowohl in der Defensive, als auch im Mittelfeld ließ sich Schalke den Schneid abkaufen. Die Abwehr stand, hatte allerdings bei den Standards den wuchtigen Leverkusenern nicht viel entgegen zu setzen.

Zur Halbzeit bleibt nur soviel zu sagen: Trotz Rückstand und diesmal auch sehr schwacher Leistung (das war gegen den HSV etwas anders) kaum bis keine Pfiffe von den Rängen. Ein gutes Zeichen!

Der Beginn der zweiten Halbzeit macht nicht viel Hoffnung auf ein erneutes Hühnerfell-Erlebnis. Leverkusen a.k.a. Sami Hyppiä steht bombensicher, hält sich mit Angriffen aber nun auch zurück. Stattdessen wird Schalke im Mittelfeld zermürbt. Sie verschieben, stellen und attackieren scheinbar immer mit einem Mann mehr, so dass Schalke meist nur der lange Ball aus dem Halbfeld bleibt. Den hat dann, wer auch sonst, Hyppiä. Einziger Patzer und brenzlige Situation dann auf der rechten Seite. Wie schon gegen den HSV, wetzt ein Schalker Stürmer einem missglückten Rückpass hinterher. Farfan und Adler rasen aufeinander zu. Springen simulaten ab, um den Ball mit dem Fuß voran in bzw. vom Tor wegzubekommen. Kein Körperkontakt erkennbar. Der Ball kommt wieder zum Vorschein. Farfan, längst wieder auf den Beinen, mit dem Drehschuss zum Anschlusstreffer. Pustekuchen. Schon wieder wird Schalke ein reguläres Tor aberkannt. Sowohl Adler (außerhalb der Schutzzone 5 Meterraum) als auch Farfan gehen mit viel Risiko in die Aktion. Beide spielen allerdings fair. Warum der schwache Schiedsrichter hier auf Freistoß Adler entschieden hat, fragt sich Magath auch später in den Interviews.

Egal. Schalke fasst nochmal Mut.

Das Spiel kippt allerdings in der 74. Minute. Hyppiä muss raus und Sinkiewicz kommt. Schalke bläst zur Attacke. Aus dem Gewühl heraus macht Kuranyi schon fast ein Traumtor. Nach Freistoßflanke Rakitic kommt es zur Rudelbildung im Strafraum der Pillendreher. Kuranyi guckt sich das Gestocher einen Meter vor der Torlinie an und gerade als Sinkiewicz den Ball klären will, klaut der Käffin ihm den Ball mit der Sohle durch die Beine, dreht sich genau in die richtige Richtung und schiebt den Ball ein.

Kann es tatsächlich möglich sein? Schaffen wir wieder das Remis-Wunder gegen ein Spitzenteam? Die Arena brodelt. Die Nordkurve schreit sich die Kehle aus dem Hals, das Stadion klatscht und  auf singt bisweilen mit. Diesesmal verlassen die Wenigsten das Stadion vor dem Abpfiff. Und all die blieben sollen tatsächlich Zeuge werden, wie der kleine Sanchez den Bundesadler düpiert und ihn ganz ganz schlecht aussehen lässt.

Zambrano mit dem langen Ball aus dem Halbfeld. Genau 74. Minuten klappten diese Dinger nicht. Hyppiä hat gespielt. Jetzt kommen die Dinger allerdings immer häufiger an. So wie eben jener von Zambrano. Kuranyi gewinnt das Kopfballduell. Adler kommt rausgestolpert doch schon bevor dieser die Faust hochrecken kann, hat Sanchez schon den Kopf am Ball und drin is das Ding! Die Arena kocht. Die Nordkurve überschlägt sich und die Mannschaft will, wie auch schon gegen den HSV, den Sieg! Leider wird das auch am Samstag nix. Trotzdem wird die Mannschaft gefeiert, als hätte sie einen Sieg errungen. Da wird sich der Frank Rost mal wieder wundern, was da denn in die Schalker gefahren ist.

Ich kann Rost die Frage heute noch deutlicher beantworten, als ich es vorher getan hätte: Schalke Fans stehen auf Leidenschaft, Dramatik und Kampf. All das zeigt die Mannschaft unter Trainer Felix Magath. Zeigen ist eigentlich das falsche Wort. Sie zelebriert all das, was man in der letzten Saison so schmerzlich vermisst hat. Sie erkämpft sich den Respekt zurück, den sie sich mehr und mehr verdient. Jeder Schalker geht mit einem Lächeln nach Hause, obwohl die Mannschaft erneut spielerisch alles andere als überzeugt hat. Das ist aber egal. Wir haben aus drei sehr schweren Bundesliga Spielen bisher 5 Punkte geholt. Nicht verloren. Das Ganze wird mit dem nächsten Spitzenspiel gegen den FC Bayern gipfeln. Die Mannschaft hat ihren Auftrag direkt aus der Nordkurve erhalten: “Zieht den Bayern die Lederhosen aus!” schallte es aus tausenden Kehlen nach dem Apfiff. Auf geht’s!

Schalke hat Körpergeruch - Dortmund hat CharakterAIDS

Schalke hat Körpergeruch - Dortmund hat CharakterAIDS

 

Heute spielt Schalke das erste Mal zur “Topspielzeit” um 18:30 gegen Spitzenreiter Leverkusen. Ob es diese Partie verdient hat, als Topspiel bezeichnet zu werden, muss man abwarten. Es wird wohl vor allem an Leverkusen liegen, die vor zwei Wochen das Spiel gegen den HSV gehörig unattraktiv gestalteten.

Besonders gespannt bin ich heute auf das “Duell der Weisen”. Der wiedererstarkte St. Marcello und der neue Alte in der Leverkusener Bubi-Abwehr Sami Hyypiä steheh heute im Fokus. Zuletzt musste Bordon gegen den HSV drei Mal den Ball zum Anstoßpunkt dreschen. Hyypiä ist für mich zur Zeit die Überraschung der Saison. Er ist der Mittelpunkt der bisher sichersten Abwehr der Liga. Ein großes Lob an die Leverkusener Verantwortlichen, die die Situation in der letzten Saison absolut richtig einschätzten. Es fehlte an Erfahrung. Genau die Erfahrung die Schalke mit Marcello Bordon nun auch wieder dringend benötigt. Kurz vor dem Abschied stand der heilige St. Marcello in der letzten Saison. Gab sein Kapitänsamt mitten in der Saison auf und schien unglücklich.

Mit dem neuen Trainer Magath kam die Zuversicht zurück. Nach dem Abschied von Kristajic blieb Bordon als einziger “erfahrener” in einer jungen Abwehrreihe zurück. Er gibt Höwedes und Zambrano und auch mit Abstrichen Rafinha und Westermann die nötige Stabilität.

Eins ist jedoch sicher. Den bordonschen langen Fehlpass kann niemand übertreffen. Nicht mal Sami Hyypiä.

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