Vielleicht sieht man sich am Sonntag in der Emscher-Lippe-Halle.
Glück Auf!
1) Herr Nadolny, bitte stellen Sie sich doch kurz vor und erzählen Sie uns in wenigen Worten ihre Geschichte mit dem FC Schalke 04.
Mein Name ist Klaus Nadolny. Ich bin 59 Jahre, verheiratet und habe zwei Kinder.
Aufgewachsen bin ich in Gelsenkirchen in der Straße in der die Schwiegereltern von „Stan“ Libuda gewohnt haben. Ein Highlight für mich war der Polterabend bei den Schwiegereltern zu dem damals alle Schalker Spieler gekommen sind. Da ich selber als Linksfüßer die Position des Linksaußen im Fußballverein gespielt habe, war Stan Libuda als Rechtsaußen mein großes Vorbild. Ein damaliger Bekannter von mir, Klaus Beverungen, hat es bis in die erste Mannschaft von S04 geschafft. Mein Vater war der Meinung ich müsse eine richtige Ausbildung machen, Fußball ist reine „Nebensache“, aber ich denke die Wichtigste der Welt. Die deutsche Meisterschaft erlebte ich auf den Schultern meines Vaters auf der Bahnhofstraße in Gelsenkirchen. Seit meiner Gewerkschaftsarbeit mit der IGBCE verbindet mich eine langjährige Freundschaft zum heutigen Ehrenpräsidenten Gerd Rehberg.
Diese Ereignisse haben mich und meine Liebe zum S 04 geprägt.
2) Was hat Sie dazu bewogen, für den Aufsichtsrat zu kandidieren?
Als jahrzehntelanger Schalke-Fan und als Schalke-Mitglied liegt mir neben packenden Fußballspielen auch das langfristige und wirtschaftliche Wohl des Vereins am Herzen. In Verbindung mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrungen bin ich zu dem Entschluss gekommen für ein Aufsichtsratsmandat zu kandidieren. Somit kann ich mich für den Verein engagieren und bei der langfristigen Ausgestaltung der Vereinspolitik mitwirken.
3) Was macht Sie in ihren Augen zu einem gewinnbringenden Mitglied im Aufsichtsrat des FC Schalke 04?
Da ich sowohl in Aufsichtsratsgremien wie auch in der Geschäftsführung selber tätig war bzw. noch bin, kenn ich die Gremienarbeiten aus der Wirtschaft sehr gut. Diese Erfahrung würde ich gerne in die Vereinsarbeit einfließen lassen. Ferner habe ich gelernt mich als ehemaliger Betriebsratsvorsitzender auch für die Belange von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einzusetzen. So gesehen hab ich vor, auf die Interessen der Mitglieder einzugehen und bei Entscheidungen entsprechend mit zu berücksichtigen. Gerade für einen Verein wie Schalke ist es wichtig, dass der Kontakt zur Basis bestehen bleibt, anderenfalls wäre Schalke nicht mehr Schalke.
4) Was wollen Sie konkret im Verein verändern?
Man muss nicht alles anders machen wollen. Einiges kann aber sicher verbessert werden.
Ich denke, da z. B. an eine Verbesserung der Kommunikations- und Informationspolitik. Im Zusammenhang mit dem letzten Trainerwechsel bin ich der Meinung, dass hier Verbesserungsnotwendigkeiten bestehen.
Desweiteren dürfen wir nicht nachlassen unsere Nachwuchsarbeit noch stärker zu fördern. Wir haben gute Beispiele wie Manuel Neuer, Joel Matip und Julian Draxler, die beweisen, dass man mit eigenem Nachwuchs nicht nur das Spiel und die Mannschaft gestalten, sondern auch einen Wertzuwachs schaffen kann.
5) Wenn Sie sich entscheiden müssten, was würden Sie bevorzugen: Die Meisterschaft oder die wirtschaftliche Konsolidierung des Vereins?
Auch wenn die deutsche Meisterschaft unser aller Traum ist, an dem es gilt hart zu arbeiten, muss der wirtschaftliche Aspekt stets im Vordergrund stehen. Ein nachhaltig gut aufgestellter Verein ist Voraussetzung für einen guten Tabellenstand und internationalen sportlichen Erfolg. Gesunde wirtschaftliche Basis und sportlicher Erfolg bedingen sich dann gegenseitig. Man kann Meisterschaften nicht herbeireden aber man kann Ziele setzen und daran arbeiten. Wenn es erforderlich ist, muss die wirtschaftliche Konsolidierung an den Anfang gestellt werden, damit Schalke auch noch in 100 Jahren existiert.
6) Wo sehen Sie den Verein in 10 Jahren?
Dauerhafte Etablierung im oberen Tabellendrittel und damit die Wahrnehmung der sehr lukrativen Teilnahme an internationalen Wettbewerben.
7) Ein offenes Wort an die Mitglieder: Warum soll man Sie wählen?
Liebe Schalker!
Meine Motivation mich als Kandidat für den Aufsichtsrat zur Verfügung zu stellen hat nichts mit der von anderen postulierten Eitelkeit zu tun, viel mehr möchte ich mich für den Verein einsetzen und dabei mein über viele Jahre geschaffenes Netzwerk dazu nutzen, im Notfall auch etwas bewegen zu können. Geben Sie mir die Chance dies alles zu beweisen.
Sicherlich kann man nicht jeden Wunsch der Mitglieder erfüllen aber unter der Berücksichtigung wirtschaftlicher und sportlicher Aspekte werde ich dafür kämpfen, dass S 04 ein bodenständiger Verein bleibt, denn ohne die Unterstützung der Schalke Fans wäre der Verein nur eine leere Hülle ohne Herz.
Mit sportlichem Glückauf!
Euer Klaus Nadolny
Hier könnt ihr die Antworten des Rechtsanwalts auf die Fragen lesen, mit denen sich allen Kandidaten konfrontiert sahen:
1) Herr Dr. Buchta, bitte stellen Sie sich doch kurz vor und erzählen Sie uns in wenigen Worten ihre Geschichte mit dem FC Schalke 04.
Dr. Jens Buchta, 48 Jahre, verheiratet, 2 Kinder, Rechtsanwalt, Vereinsmitglied seit 1. Januar 1980.
Schalke-Anhänger bin ich seit meiner Kindheit, da sowohl mein Vater als auch mein Großvater Fans waren und mich daher entsprechend geprägt haben. Insoweit habe ich die klassische „Karriere“ eines Schalke-Anhängers durchlaufen.
2) Was hat Sie dazu bewogen, für den Aufsichtsrat zu kandidieren?
Motivation für meine Bewerbung für den Aufsichtsrat vor fünf Jahren war die Möglichkeit, die Kenntnisse und Erfahrungen aus der beruflichen Tätigkeit einzubringen und den Aufsichtsrat und damit Schalke 04 zu unterstützen. Außerdem hat mich die Vorstellung gereizt, an der Gestaltung „meines“ Vereins mitwirken zu können. Diese Gründe gelten unverändert.
3) Was macht Sie in ihren Augen zu einem gewinnbringenden Mitglied im Aufsichtsrat des FC Schalke 04?
Zunächst gilt die Antwort zu Frage 2) auch hier. Rechtliche Fragestellungen sind ständiger Gegenstand der Arbeit des Aufsichtsrats. Neben meinen beruflichen Erfahrungen habe ich in den vergangenen Jahren Einblick in alle sonstigen Bereich des Vereins erhalten, insbesondere auch in alle wirtschaftlichen Fragestellungen. Als Mitglied des Wirtschaftsausschusses habe ich dabei in den letzten zwei Jahren eine Vielzahl von Maßnahmen mitgestaltet, durch die die Finanzierungsstruktur von Schalke 04 auf eine neue, gesündere Basis gestellt werden konnte. Diese Arbeit möchte ich fortsetzen
4) Was wollen Sie konkret im Verein verändern?
Eine notwendige Veränderung ist die Überwindung der im letzten Jahr eingetretenen Spaltung unseres Vereins. Hieran müssen alle Verantwortlichen mitwirken.
Im Übrigen stehen für mich Kontinuität und Nachhaltigkeit der Vereinsarbeit im Vordergrund. Die notwendigen personellen Veränderungen hat der Aufsichtsrat im letzten halben Jahr bereits eingeleitet. An der wirtschaftlichen Stabilisierung müssen wir in den nächsten Jahren weiter mit aller Kraft arbeiten und den Vorstand bei seiner Tätigkeit kritisch begleiten.
5) Wenn Sie sich entscheiden müssten, was würden Sie bevorzugen: Die Meisterschaft oder die wirtschaftliche Konsolidierung des Vereins?
Fortsetzung der eingeleiteten wirtschaftlichen Konsolidierung!!
6) Wo sehen Sie den Verein in 10 Jahren?
Aus meiner Sicht sollten wir aufhören, zu weit in die Zukunft zu denken. Damit haben wir in der Vergangenheit keine guten Erfahrungen gemacht. Außerdem ist eine Prognose mit Blick auf die nächsten zehn Jahre im Profifußball nicht möglich. Wenn ich einen Blick in die nähere Zukunft werfe, sind für mich drei Punkte von Bedeutung:
- Weiterer Abbau von Verbindlichkeiten;
- Entwicklung eines bestimmten Spielsystems, damit der Fußball von Schalke 04 einen Wiedererkennungswert für Fans und Mitglieder hat; Schalke 04 soll wieder für einen eigenen Stil stehen;
- Aufbau einer Mannschaft, die als Mannschaft wahrgenommen wird und mit der sich alle Fans identifizieren können.
7) Ein offenes Wort an die Mitglieder: Warum soll man Sie wählen?
Ich bitte um die Stimme der Mitglieder, weil ich daran mitwirken möchte, die Zukunft von Schalke 04 in dem Sinne, wie oben beschrieben, erfolgreich zu gestalten. Der Weg auf dem wir uns befinden, ist nach meiner festen Überzeugung der richtige. Wir sind aber noch nicht am Ende angelangt.
Ich will gar nicht lang um den heißen Brei reden: Viel Spaß beim Interview!
1) Herr Dr. Langhorst, bitte stellen Sie sich doch kurz vor und erzählen Sie uns in wenigen Worten ihre Geschichte mit dem FC Schalke 04.
Seit dem Gewinn der letzten deutschen Meisterschaft im Jahre 1958 bin ich ein glühender Anhänger des S04. Damals habe ich den Titelgewinn zusammen mit meinem Vater in Hannover im Stadion miterlebt. Nie werde ich die Tore von 2x Berni Klodt auf Flanke Willi Koslowski und das 3:0 von Manni Kreuz, mit dem ich heute noch persönlich befreundet bin, vergessen. So war es dann für mich eine große Ehre und eine Selbstverständlichkeit, dem Rufe des Vereins im Jahre 1989 zu folgen und das Amt des Vereinsarztes zu übernehmen, das ich dann bis 1999 ausgeübt habe und danach noch bis 2002 als Berater der med. Abteilung tätig zu sein. Auch in der Folgezeit habe ich stets engen Kontakt zum Verein gehabt, noch heute betreue ich die Traditionsmannschaft. Kein Spiel unserer Blauweißen habe ich seitdem versäumt.
2) Was hat Sie dazu bewogen, für den Aufsichtsrat zu kandidieren?
Als mich bei der letzten Reise unserer Traditionsmannschaft Clemens Tönnies ansprach und mich ermunterte, mich doch wieder mehr ins aktive Vereinsleben einzubringen, habe ich überlegt, dass eine Kandidatur für den Aufsichtsrat wohl eine gute Option wäre, und nachdem jetzt mein Sohn Sebastian als Partner in meine Praxis eingestiegen ist, habe ich auch die notwendige Zeit dazu. Lange hat mir auch während der Ära Magath die medizinische Versorgung unserer Spieler Sorgen bereitet. Gott sei Dank ist dieses Problem ja inzwischen durch die erneute Verpflichtung von Dr. Thosten Rarreck gelöst, den ich ja damals als meinen Nachfolger in den Verein gebracht habe. Eine Einmischung in die Belange der medizinischen Abteilung schließe ich daher im Falle meiner Wahl aus.
3) Was macht Sie in ihren Augen zu einem gewinnbringenden Mitglied im Aufsichtsrat des FC Schalke 04?
Als langjähriger echter Schalker weiß ich, wie der Verein tickt. Ich kenne die Struktur des Vereins, weiß, was die Mitglieder bewegt, was sie wollen. Auf Kohle geboren spreche ich die Sprache der Menschen unserer Region und bin stolz, ein echter Sohn des Ruhrgebietes zu sein. Als Mannschaftsarzt der Eurofighter habe ich den Geist von 1997 aufgesogen und zu einer unverzichtbaren Richtschnur meines Lebens gemacht. Dies möchte ich gern auch in den Aufsichtsrat transportieren.
4) Was wollen Sie konkret im Verein verändern?
Ich würde mich für eine Verbesserung der Kommunikation zwischen den einzelnen Gremien einsetzen, dafür sorgen, dass auch unpopuläre Entscheidungen durch eine Verbesserung der Transparenz auch der großen Mehrheit der Mitglieder zugänglich und verständlich gemacht werden.
5) Wenn Sie sich entscheiden müssten, was würden Sie bevorzugen: Die Meisterschaft oder die wirtschaftliche Konsolidierung des Vereins?
Rein emotional natürlich die Meisterschaft. Allerdings kann ich nur davor warnen, den Titelgewinn mit der Brechstange herbeiführen zu wollen. Da zeigt die Erfahrung aus der jüngeren Vergangenheit, dass das nicht funktioniert. Das Ziel kann nur sein, die sportliche Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, immer weiter zu verbessern und dabei die wirtschaftliche Konsolidierung mit Augenmass und Konsequenz fortzuführen.
6) Wo sehen Sie den Verein in 10 Jahren?
Unter den TOP 3 in der Bundesliga und als möglichst ständigen Teilnemer der Champions-League mit mindestens einem deutschen Meistertitel im Gepäck. Wirtschaftlich vollständig gesund.
7) Ein offenes Wort an die Mitglieder: Warum soll man Sie wählen?
Liebe Schalker Vereinsfamilie!
Wenn ich jetzt vor Euch hintrete, fühle ich mich, als sei ich nach einer längeren Reise nach Hause zurückgekehrt. Wenn Ihr mich in den Aufsichtsrat wählt, dann habt Ihr Euch für ein echtes Schalker Urgestein entschieden. Ich verspreche Euch, mich mit all meiner großen Lebenserfahrung voll einzubringen und immer ein offenes Ohr für alle Schalker zu haben. Als Mitglied der Eurofighter war ich an einem der größten Erfolge der Vereinsgeschichte direkt beteiligt. Deshalb könnt Ihr sicher sein, dass diese Mentalität durch mich in wesentliche Entscheidungen in unserem Verein einfließen wird.
Glückauf!
Armin Langhorst
Hallo Matthias. Stell dich doch erstmal vor. Wer bisse und watt machse so?
Tja, wer bin ich…? Als “wirklich wahrer Schalker” seh ich mich jedenfalls mal nicht, da fielen mir ganz andere ein. Welche mit mehr Leidenschaft, welche mit mehr Spielen auffem Buckel, welche, bei denen Schalke noch deutlich wichtiger im Leben ist als bei mir, die sich mehr sorgen um den Verein, mehr für ihn riskieren und so weiter. So gesehen bin ich also meiner Meinung nach ganz einfach Schalker. Ganz normal. Und sonst, biographisch gesehen bin ich ein der Arbeit und der Liebe wegen irgendwann im Rheinland sesshaft gewordener Exil-Hesse aus einem kleinen, wunderschönen Dorf bei Marburg, der einst in der Pfalz studierte, als Software-Experte viele Jahre in der Welt herum kam und deshalb Schalke ganz früh nur aus der Zeitung oder ganz selten mal in Schwarzweiß in der „Sportschau“, dann ab 1983 ein paar Jahre lang nur von Auswärtsspielen und später oft nur noch aus weiter Ferne erlebte – bis ich in einer relativ großen Firma ein relativ kleiner Manager mit festem Büro wurde und seither endlich selbst planen kann, wann ich eigentlich weshalb wo sein will. Leider kinderlos, aber seit dem UEFACup-Triumph doch ganz glücklich verheiratet mit einer Griechin, die zum Glück auch kaum noch ohne Schalke kann. Wenn ich so darüber nachdenke, dann scheint’s wohl eine Dreierbeziehung zu sein.
Wie bist du zum bloggen gekommen? Hattest du vorher noch andere
Projekte, die mit Schalke zu tun hatten?
Eigentlich bin ich mehr der Leser als der Schreiber. Als es mich irgendwann ärgerte, dass man auf der Website des FC Schalke 04 niemals irgendwelche vernünftigen Berichte über die Nachwuchsmannschaften der Knappen lesen konnte, begann ich im alten Schalke-Forum einfach selbst, solche Berichte zu schreiben. Über Profifußball schrieb ich nur ab und zu mal auf „Blutgrätsche“, einer wunderbaren Website, die vielleicht vielen gar kein Begriff mehr ist – leider. So um 2004 herum, glaub ich, wurde ich dann von zwei anderen Jungs gefragt, ob ich meine Berichte zu Jugendspielen nicht bei ihnen auf „schalkenews.de“ veröffentlichen wollte, und das tat ich dann auch. Das ging eine Weile, war, wie ich fand, auch ein hervorragendes Portal zu allem über den S04, mit Fotos, Pressekonferenz-Berichten, Trainingsreportagen. Aus den Inhalten produzierten die Macher nebenbei auch zwei Ausgaben eines Fanzines („Blauäugig“), aber irgendwann wurde das Portal dann eingestellt.
Manches, was „Schalkenews“ geleistet hatte, war nach und nach auch vom Verein selbst gemacht worden, und auch die Berichterstattung über den Nachwuchs nahm endlich Gestalt an (und ist heute zumindest bis hinab zur B-Jugend sehr gut, wie ich finde), aber ich wurde immer wieder von anderen Schalkern gefragt, ob ich nicht wieder eine Website machen wollte und als mir jemand einen Server zur Verfügung stellte, ließ ich mich schließlich „breitschlagen“ – dort war dann eine Blog-Software installiert, mir völlig unbekannt, aber das machte es auch gerade interessant, und so entstand „Auswärtssieg!“ zum ersten Mal. Ich glaube, ein gutes Jahr lief die Site bis sie plötzlich genauso über Nacht verschwand wie es vorher auch schon mit „Blutgrätsche“ und „Schalkenews“ geschehen war. Wieder dauerte es etwas, bis mich jemand überzeugt hatte, noch einmal den Aufwand zu betreiben, wieder fand sich ein Fan, der Platz auf seinem Server hatte, und so entstand „Auswärtssieg!” ein zweites – und wieder nicht zum letzten Mal.
Seit einigen Wochen gibt es nichts neues mehr vom Auswärtssieg!-Blog.
Die Seite ist zur Zeit nicht erreichbar. Was ist da los?
Dass du das Ausrufezeichen nicht unterschlägst, freut mich, denn das ist mir wichtig. „Auswärtssieg!“. Weil es so den Wert und die Kraft eines solchen Abenteuers unterstreicht, all das erst richtig kenntlich macht – und weil ein Sieg auf fremdem Boden etwas Besonders ist und etwas Besonderes hat und deswegen ein Ausrufzeichen wirklich verdient.
“Auswärtssieg!“ hauchte Mitte März sein drittes Leben aus – das ist wohl das Schicksal privat betriebener Webseiten, erst recht solcher, die ziemlich populär werden, von denen enorme Mengen an Daten und Texten abgerufen werden und die deshalb mitunter auch teuer werden für den, der sie betreibt. Irgendwann dann eben zu teuer. Wobei das natürlich auch nur relativ ist.
Im Endeffekt waren bisher immer nur die Inhalte und auch das Layout unter meiner Kontrolle, niemals aber das Basissystem und der Internetzugang – deshalb war ich zwar inhaltlich völlig unabhängig und frei, aber stets vollkommen abhängig von der Technik, die von jemand anderem freundlicherweise gestellt wurde. Und die dann eben, aus welchen Gründen auch immer, irgendwann nicht mehr gestellt werden konnte. Das ist schade, erst recht, wenn es ein so zuverlässiges und performantes System wie das letzte war, aber so ist es eben – mir bleibt da nur, nochmal „Danke“ zu sagen an Frank, der über die letzten Jahre ganz uneigennützig die Basis für „Auswärtssieg!“ stellte.
Wie geht es weiter? Das weiß ich noch nicht. Bisher hatte ich die Prinzipien, dass „Auswärtssieg!“ werbefrei sein sollte (Anfragen von Werbeagenturen usw gab es zuhauf – bei über zwei Millionen Artikelabrufen pro Jahr wohl kein Wunder), dass ich niemals zu Spenden für so eine Website aufriefe (das hatte „Schalkenews“ in Not einmal getan, was zu extrem peinlichen Resultaten führte) und dass ich für Server- oder Software-Kosten selbst kein Geld zahlen würde, da ich schon erschreckend viel Geld und Zeit investierte, um die Inhalte erstellen zu können. Ein viertes Prinzip kam hinzu, als ich Bücher über meine Erlebnisse mit Schalke zu schreiben begann: Etwaige “Erlöse” (von “Gewinn” kann man da sowieso nicht sprechen, Zeit und Kosten, die fürs Schreiben anfallen, liegen immer höher als irgendwelche Autorenhonorare…) aus diesen Büchern würden keinen passiven Unternehmungen zugute kommen, sondern nur aktiven – also nicht etwa einer “Berichterstattung” wie “Auswärtssieg!”, sondern vielmehr Menschen und Organisationen, die damit aktiv etwas tun, beispielsweise für Schalke und/oder für Schalker.
An diesen Prinzipien hat sich bisher nichts geändert, aber ich werde natürlich per Mail oder am Rand von Fußballplätzen von allen möglichen Leuten, Bekannten und Unbekannten, von Fans, Spielern, Vereins-Offiziellen, Spielereltern, selbst gegnerischen Fans gefragt, was los ist, wann es weiter geht, ob sie helfen können und so weiter. Darüber freue ich mich, da bin ich auch dankbar, aber im Moment bin ich erst einmal mit anderen Dingen beschäftigt, und was aus „Auswärtssieg!“ wird, damit will ich mich erst in ein paar Wochen mal ernsthaft befassen.
Das Auswärtssieg!-Blog hat sich von den anderen Blogs vor allem immer
dadurch unterschieden, dass du hauptsächlich Berichte und Fotos von den
Fahrten veröffentlicht hast, die du mit und für den S04 unternommen
hast. Wann hast du diese Leidenschaft entwickelt?
“Für den S04″ meint hoffentlich nicht, dass ich irgendwie im Auftrag des Vereins unterwegs gewesen wäre – ich werd am Rasenrand immer wieder mal gefragt, welchen Job bei Schalke ich hätte, wieviel mir der Verein dafür zahle und so weiter, und manche können es kaum glauben, dass der Verein mit all dem überhaupt nichts zu tun hat. Die Fahrten unternehme ich wegen Schalke, nicht im Auftrag von – aber klar, in gewisser Weise hat das, was ich tue, hoffentlich auch eine Wirkung für Schalke, sei es auf dem Platz oder daneben.
Was das Besondere an “Auswärtssieg!” ausmachte, da unterscheidet sich meine Wahrnehmung von deiner und auch von der vieler Leser. Es ist wahr, dass der „Auswärtssieg!“-Blog bekannt und hochfrequentiert war insbesondere durch seine Fotoberichte von Auswärtsspielen, meist der Schalker Profis – das unterscheidet ihn zwar von vielen Blogs, aber es gibt doch zahlreiche (wenn nicht sogar: zahllose) Webauftritte mit genau solchen Fotoberichten zu Fußballspielen. Was für mich „Auswärtssieg!“ wirklich auszeichnete, war etwas anderes. Die ausführlichste Liste zu Fußballmedien, mit mehr als 700 Titeln und über 300 Rezensionen zu Fußballbüchern, die vollständigste Aufstellung von Büchern über den FC Schalke 04, egal ob Romane, Kinderbücher, Chroniken, wissenschaftliche Arbeiten oder was auch immer. Die meiner Ansicht nach einzigen ehrlichen, sachlichen und umfassenden Betrachtungen zu Eintrittspreisen im Profifußball. Ausführliche und regelmäßige Fotoberichte von Jugendspielen auch unterhalb der B-Jugend, bis hinab zur U9. Alles Dinge, die es m.E. nirgends sonst gab und gibt. Daneben die Tatsache, dass jeder aufgerufen war, mitzuschreiben, dass zwei Dutzend Fußballfans dem Aufruf folgten und dass diese auf „Auswärtssieg!“ auch Artikel mit gegenteiligen Ansichten veröffentlichen konnten – die dann mitunter kontrovers aber immer mit Anstand diskutiert wurden, und das, obwohl Kommentare völlig anonym hinterlassen werden konnten.
Aber klar: jede Fotoserie vom Training der Schalker Profis wurde häufiger gelesen als der beste Spielbericht vom aufregendsten A-Jugend Turnier im Ausland. So ist das eben. Für mich waren diese Fotoberichte zu Profispielen nie wirklich herausragend, auch wenn ich sie auch selbst oft “schön” oder “witzig” oder “abenteuerlich” fand und immer noch finde, für mich waren die anderen Berichte immer etwas interessanter, einfach weil es so etwas nirgends sonst gab. Auf „Auswärtssieg!“ konnte man bis vor kurzem noch Fotos und Spielberichte finden beispielsweise von Rafinha, als der von Schnusenberg noch gar nicht für Schalke entdeckt worden war, von Jurado als er noch im Nachwuchs von Real Madrid kickte, von Baumjohann in der B-Jugend, von einem zwölfjährigen Draxler, von nahezu allen Spielen, die Mesut Özil jemals in der Schalker Jugend machte und so weiter und so fort. Und in diesen Berichten fand sich meiner Meinung nach auch mehr Interessantes zum Fußball selbst, Gespräche am Rasenrand mit Trainern, Spielern, Scouts von Vereinen aus ganz Europa.
Aber deine Frage war ja eine ganz andere, entschuldige… Die Leidenschaft zu Schreiben ergab sich von allein und wohl hauptsächlich deshalb, weil ich eigentlich ein leidenschaftlicher Leser bin. Fotos hab ich früher schon sehr gerne gemacht, meist von Architektur – vom Fußball erst seit ich vor Jahren keine Lust mehr hatte, die schwere Spiegelreflex mit in den Urlaub zu nehmen und eine zigarettenschachtelgroße 4 Megapixel-Kamera kaufte, die man immer dabei haben konnte, selbst in einer linsenfeindlichen Umgebung wie einem Käfig voller mit Bierbechern bewaffneter Fußballfans. Das ist die „RitschRatschKlick“, die bis heute im Einsatz ist und kaum noch scharfe Bilder macht, aber im Netz fällt es kaum auf, wie schlecht die Kamera ist, nicht wahr?
So gesehen war es also immer schon eine Leidenschaft zu schreiben und auch eine, zu fotografieren. Aber über Fußball Fotoberichte zu machen, war eigentlich nie eine, das ergab sich eher zufällig, war ein Nebenprodukt davon, dass ich unheimlich gerne irgendwo hin reise, wo ich noch nie war und während dieser Reisen dann auch Texte und Fotos zu den erlebten Abenteuern produzierte – und als die Reisen immer häufiger rund um Fußball stattfanden, der Blog und die Digitalkamera „ins Leben traten“, da war’s passiert…
Wie lässt sich das mit Beruf und Familie vereinbaren? Spielen die Frau und der Chef da mit?
Ohne meine Holde Hellenin fahre ich nur äußerst selten zum Fußball, die ist inzwischen beinahe königsblauer als ich, fürchte ich. Der Chef muss da nur insofern mitspielen, als dass er meinen Urlaub genehmigen muss – ich hab 30 Tage Urlaub im Jahr, und mehr als das hab ich noch nie gebraucht für Schalke, selbst wenn ich im Jahr mal über 150 Spiele der diversen Knappenmannschaften sah. Für anderen Urlaub bleibt dann zwar vielleicht nichts mehr, aber wieso sollte „eine Woche Insel X ohne Schalke“ interessanter, abenteuerlicher, emotionaler oder schöner sein als „vier Tage Insel A, ein Tag Stadt B und zwei Tage Land C, und an allen drei Orten zwischendurch mal Schalke sehen – und außerdem noch all die anderen reiselustigen Schalker“?
Problematisch sind eigentlich nur Spieltermine, die mit wichtigen Terminen im Beruf zusammenfallen – da kann es schonmal sein, dass wir nur ganz wenig Zeit haben, also innerhalb eines Tages zum Spiel nach Zypern und wieder zurück müssen, oder im Extremfall halt doch nicht können. Das ist in den letzten Jahren aber, wenn ich mich nicht irre, nur einmal der Fall gewesen. Als vor ein paar Jahren am Düsseldorfer Flughafen die Schalker Karawane zum ChampionsLeague-Spiel gen Istanbul abhob, musste ich vom Gate nebenan geschäftlich nach London fliegen – und hatte dann abends an der Stamford Bridge bei Chelsea gegen Sevilla (irgendwas muss man nach Feierabend ja schließlich machen) praktisch nur Augen für die Anzeigetafel, auf der die Zwischenstände bei Fenerbahce durchliefen. Schrecklich war das.
Neben den Spielen der Profis, sieht man dein Autorenkürzel auch sehr
häufig unter den Berichten von Jugendspielen. Zur Zeit ist Julian
Draxler in aller Munde. Ist er dir in den Jahren zuvor schon als
außergewöhnliches Talent aufgefallen? Wie hast du seinen Werdegang
verfolgt? Welchen Jugendspieler siehst du in den nächsten 3-5 Jahren im
Profikader?
Das erste Mal fiel mir Julian Draxler auf im Frühjahr 2004. Wir waren in Lissabon, sahen “zufällig” Benfica im Europapokal und deren 100-Jahr Feier und nebenan in Estoril kickte die Schalker U11. Der damals Zehnjährige Draxler wurde bester Spieler des Turniers und Torschützenkönig. Der 93er-Jahrgang ist heute der Jungjahrgang in der Schalker A-Jugend, und wir haben ihn seit 2004 sozusagen nicht mehr aus den Augen gelassen, ich glaube, von keiner anderen Schalker Mannschaft hab ich jemals so viele Spiele gesehen wie von dieser, Liga, Turniere, Pokal- und Testspiele, weit über 100 Partien sicherlich. Und dass Julian Draxler ein außergewöhnliches Talent war und ist, das konnte jeder sehen, der nur hinsah – auch damals schon. Dass er nicht das einzige große Talent in diesem Jahrgang ist, ebenso. Und das gilt natürlich auch für alle anderen Jahrgänge beim FC Schalke 04. Selbstverständlich hab ich meine „Favoriten“, aber solange die Jungs nicht wenigstens volljährig sind, werd ich solche Fragen nach „wer kann’s schaffen?“ ebenso wenig öffentlich beantworten wie dass ich irgendeinen von den Jungkickern in Grund und Boden schriebe, selbst wenn er katastrophal gespielt hätte. Das sind gute Jungs, alle. Alle haben sie einen Traum, alle tun sie unheimlich viel dafür, alle können außergewöhnlich gut Fußball spielen, alle spielen sie für Schalke – die sind alle super.
Ein bisschen ist es allerdings auch so, dass ich Favoritenjahrgänge habe – so wie diesen 93er Jahrgang, von dem ich wahrhaftig schon viele großartige Partien gesehen hab über die Jahre, oder auch der 97er Jahrgang, also die Jungs, die erst geboren wurden, als Schalke UEFACup-Sieger wurde. Heute bilden sie die U14, das erste mal gesehen hab ich sie als U9, und die begeistern mich immer wieder. Leider lässt es der Spielplan nicht zu, dass man konzentriert bei allen Jahrgängen dabei ist, manche sehe ich erst, wenn sie in die B-Jugend kommen, was ein bisschen schade ist…
Gibt es eine Auswärtsfahrt, die dich nochmal besonders reizen würde? Ich würde jetzt mal behaupten, du hast Schalke noch nie im Wembley Stadion spielen sehen…
Das stimmt. Das alte Wembleystadion hätte mich auch gereizt, das neue tut es nicht. Aber falls wir dort irgendwann mal auflaufen dürften, würde ich natürlich schon gerne dabei sein wollen ;-)
Besonders reizen, da gibt es zwei klare Favoriten: Anfield und Old Trafford. Für letzteres hatte ich damals, vor dem Spiel in Barcelona, schon Flüge gebucht, aber dann gewannen wir ja überraschend doch nicht im Camp Nou (manchmal bin ich halt heillos optimistisch). Diesmal habe ich nebenbei United zum ersten und vielleicht einzigen Mal im Leben die Daumen gedrückt, und da nun tatsächlich ein Schalker Pflichtspiel im Old Trafford ansteht, drück ich mir seit Tagen noch fester die Daumen, dass es mit Eintrittskarten klappt. Und dann hoffe ich sehr darauf, dass wir den Pokal gewinnen und so vielleicht im UEFACup (oder wie immer das neuerdings heißt) auf Liverpool treffen. Das wäre ein Traum.
Ansonsten würde ich mir auch ohne Schalke gerne einmal Spiele anschauen in Ländern, wo Fußball „anders“ ist. Argentinien ganz vorne weg, aber auch Ägypten oder Iran. Groundhopper bin ich aber nicht, ich führe keine Stadionlisten oder “sammle Punkte” – wenn ich irgendwann einmal in diese Länder reise, dann nicht hauptsächlich wegen des Fußballs (außer Schalke spielte dort).
Allerdings, jetzt wo ich so darüber nachdenke, bin ich ja doch schon zweimal im Leben irgendwo hingeflogen nur wegen des Fußballs, obwohl Schalke dort gar nicht spielte. Beidemale weil ich vor ihrem Karriereende einen ganz bestimmten großartigen Fußballer live gesehen haben wollte. Shevchenko beim AC Mailand, der brach sich nach ein paar Minuten das Jochbein, wurde ausgewechselt, und ich sah ihn dann später doch noch mehrmals, als er im Europapokal mit Milan und Chelsea gegen Schalke antrat (konnte ja keiner ahnen) – und der zweite, für den ich einst in einen Flieger stieg, das war Raul bei Real Madrid. Von ihm sah ich auch nur ein paar Minuten, er wurde erst spät eingewechselt, aber allein schon ihn sich aufwärmen zu sehen im Bernabeu, wie die Leute reagierten, als er von der Bank aufstand, das war schon phantastisch, sogar großartiger als das exzellente Spiel, bei dem Zidane, Beckham, Ronaldo, Carlos, Robinho und all die anderen “Galaktischen” auf dem Rasen standen. Dass mein Schalke jemals gegen diesen Raul und sein Real antreten würde, das hätte ich kaum zu hoffen gewagt, aber dass eben dieser Raul knapp fünf Jahre später in meinem Trikot auflaufen würde, das war derart unwahrscheinlich, das kann ich bis heute kaum fassen.
Am 05.04.2011, beim 2:5 gegen Inter Mailand, hat die Mannschaft ein Stück königsblaue Geschichte geschrieben. Du warst live im Stadion dabei. Wie war das für dich? Auch im Vergleich zum UEFA-Cup-Sieg 1997 im San Siro.
1997 war ich weit weg, aus erster Hand kann ich den Vergleich also nicht anstellen, aber ich bin ziemlich sicher, dass es damals um Welten großartiger war. Was nicht heißt, dass es an diesem Dienstag im Meazza nicht auch phantastisch war. Diesmal war das Spiel selbst die Sensation, die Tatsache, den großen Gegner derart zu demontieren, dass endlich Fußball gespielt wurde nach vielen grauen Monaten. Die Begeisterung im Block, gerade nach den Toren, erst recht nach den beiden zum 2:3 und 2:4, das war pure Emotion, ein Jubel, wie ich ihn zuletzt wohl nur damals bei Ebbes spätem Siegtreffer in der Wellblechhütte erlebt habe. Das Spiel im Stadion, auch die Atmosphäre, dieser 5:2-Auswärtssieg bei Inter war wirklich ein unvergessliches Erlebnis.
Aber 1997 muss sich die Begeisterung, die Euphorie, dieses Gefühl, sich in einem Traum zu bewegen, ja schon begonnen haben direkt nach dem Abpfiff des Hinspiels. Viel, viel mehr Blaue als diesmal, alle viel mehr ergriffen davon, was ihrem kleinen Verein plötzlich passierte, fuhren gen Italien, waren begeistert vor, während, nach dem Spiel und das Gefühl, das sich da neulich insbesondere während der zweiten Halbzeit im Meazza breit machte, das muss damals über Tage, wenn nicht Wochen angehalten haben – nicht nur für eine Stunde oder zwei. Ähnliches hab ich eigentlich nur 2006 in Sevilla erlebt, damals waren es allerdings die Andalusier, die uns zeigten, wie Schalke neun Jahre zuvor wohl noch gewesen war, wie Schalke sich damals fühlte. Trunken vor Glück, einfach schon deshalb, weil man nach so langer Zeit wenigstens mal die Chance hatte, irgendetwas zu erreichen, etwas, das zudem niemand, auch man selbst nicht, je für möglich gehalten hätte.
Aber klar, das Spiel selbst, 5:2 in Mailand, ein 8:3 hätte es auch sein dürfen, das war einfach großartig – und für mich wars auch deshalb besonders, eben weil da unten so viele auf dem Platz standen, die ich schon durch die Jahre der Schalker Jugend „begleitet“ hatte, und von denen einer, den ich schon immer besonders hoch schätzte, ja sogar schon richtig auf dem Abstellgleis gelandet war, bis genau der Trainer ihn wieder ausgrub, vor dem ich immer schon Schiss hatte, wenn er mit seinen Hannoveranern nach Schalke kam. Irgendwie wurde plötzlich alles gut, genau wie damals, als Rangnick das erste Mal zum S04 kam.
Danach war unser alter Trainer und Manager Felix Magath zu Gast. Du
hast dich auch in einem Blogeintrag besorgt um die Entwicklung des
Vereins unter Magath geäußert. War die Trennung von Magath wichtig und
richtig?
Absolut. Und leider. Ich könnte viel dazu schreiben, vielleicht tu ich’s ja auch irgendwann einmal, aber ich war in den letzten Monaten phasenweise derart entsetzt darüber, was im Verein passierte, wie es passierte, dass man es geschehen ließ und wie sich manche verhielten, dass ich es ab dem Spätherbst kaum noch ertrug, zu Heimspielen ins Stadion zu gehen. Dass es soweit kommen konnte, bei unserem Verein, das hätte ich vorher nicht für möglich gehalten. Aber ich hätte auch manche Verhaltensweisen, die ich mitbekam, nicht für möglich gehalten, jedenfalls nicht von Erwachsenen in solchen Positionen, noch dazu mit einer derartigen Reputation.
Ich habe mich genug geärgert, finde ich. Nach dem Spiel gegen Wolfsburg, gottseidank einem Sieg, habe ich eigentlich fürs erste vollständig mit diesem Kapitel abgeschlossen und will für eine Weile keinen Gedanken mehr daran verschwenden müssen, was geschah – sondern mich wenn überhaupt, dann eher nur noch damit befassen, was getan werden muss, damit unser Verein niemals wieder in so eine Situation gerät.
Du bist nicht nur Blogger, sondern auch Autor. Du hast schon drei
Bücher über die Erlebnisse mit dem FC Schalke 04 verfasst. Jetzt ist ein
viertes geplant, welches den Titel “1904 Geschichten” tragen soll
und eine Zusammenstellung von Erzählungen verschiedenster Fans ist. Die
Serie lief bereits sehr erfolgreich in deinem Blog.
Wie kamst du auf die Idee und wie ist der Stand der Dinge?
Im Oktober ging’s mir schlecht, ich war verzweifelt darüber, was in meinem Verein passierte – wenn’s früher sportlich mal mies lief, dann schob ich die VHS-Kassette vom bereits erwähnten 1:0 bei den Nachbarn ausm Nahen Osten ein, die von Jens’ Kopfballtor oder die MAZ-Raubkopie vom 6:6. Aber mein Videorekorder funktionierte nicht mehr, und die Lage im Verein war diesmal nicht nur sportlich eine Katastrophe, sondern auch soziokulturell und offenbar auch finanziell. Also an allen Fronten – und irgendwie schien keiner der Verantwortlichen ernsthaft etwas daran ändern zu wollen, beinahe als verfalle der Club zwar äußerlich in Hektik, innen drin in Wahrheit aber in eine Art Totenstarre, ließe tatenlos zu, dass allerorten Leben, Emotion, Werte, Bindung, selbst Liebe zugrunde ging. Das mag übertrieben klingen, auch etwas übertrieben sein, aber so ging’s mir eben damals. Ich brauchte Geschichten von Fans, Geschichten, die mich erinnern würden daran, wie Schalke eigentlich war, was Schalke eigentlich ausmachte. Die Bücher von „Strohhalm“, die von Holz, und was es sonst noch so gab, die hatte ich schon so oft gelesen, ich brauchte einfach neue Geschichten. Viele davon.
Und da passte dann vieles zusammen. Erst Monate zuvor hatte ich den Klassiker von Tom Watt gelesen, „The End“, ein dickes Buch voller kurzer Geschichten aus der Historie von Arsenal London. Und kurz darauf las ich am Rand des Schalker Trainingslagers in Irdning, wie Kees Jaratz in seinem hervorragenden „Zebrastreifenblog“ davon schrieb, wie er auf der A40 im Rahmen der „Ruhr.2010“ an seinem Biertisch Erlebnisse von MSV-Fans sammeln wolle, um ein „Fan-Gedächtnis“ zu bauen. Und das fiel mir im Oktober alles wieder ein, und so beschrieb ich in „Auswärtssieg!“ mein Leid und bat um Zusendung von Geschichten, die solche wie mich oder dich, einfach jeden von uns und die, die nach uns kommen, einmal daran erinnern könnten, wie es war mit Schalke.
Da ich selbst viel lieber echte Bücher lese als am Computer zu sitzen, war es von Anfang an Teil der Idee, die Geschichten auch einmal als Buch herauszubringen, idealerweise sogar wirklich 1904 Geschichten über eine lange Serie hinweg im Regal stehen haben zu können. Mit Verlagen hatte ich ja nun schon Erfahrung, hatte ein Buch auf eigene Kosten herausgebracht, eines mit einem kleinen Verlag, ein drittes mit einem großen, an Hardy Grünes Schalke-Chronik und Büchern weiterer Schreiber mitgewerkelt, anderen Bloggern zu ihren ersten Büchern verholfen und so weiter, ich hatte keinen Zweifel, dass es sehr schnell ein erstes Buch geben könnte – wenn nur genug Inhalt in hinreichender Qualität zusammen käme.
Und er kam. Rasch. Und, wie ich finde, in wirklich erstaunlicher Qualität.
Ungefähr 130 Geschichten habe ich bisher bekommen, mehrere Verlage waren interessiert daran, das Buch mit uns zu machen, und ich entschied mich für den renommiertesten, „Die Werkstatt“, auch weil ich dort die besten Bedingungen bekam, um allen Autoren, die sich im Buch wieder finden, wenigstens ein Exemplar davon schenken zu können. Es werden etwa 35 Geschichten sein, und letzte Woche habe ich das fertige Buch an den Verlag abgeben, im Herbst wird es erscheinen. Bis dahin geht es nun noch um Layout, Illustrationen (Fotos o.ä.) usw – und nach wie vor kann sich jeder, der möchte, beteiligen. Zum einen mit Vorschlägen zum Cover, zum Untertitel, oder überhaupt allem, was einem einfällt zu so einem Projekt. Es soll ein Buch werden von uns, über uns, für uns, da ist jeder eingeladen, dabei zu sein und mit zu machen. Ich sammle aber auch weiterhin Geschichten, egal ob kurz oder lang, egal ob außergewöhnlich oder profan, egal ob voller Rechtschreibfehler oder lupenrein. Hauptsache echt und wahr. Es sollen ja irgendwann einmal 1904 Geschichten sein, die in ihrer Gesamtheit dann irgendwie ausdrücken, was Schalke war, was Schalke ist. Also auch hier die Bitte, wer mitmachen will, mit Vorschlägen oder mit Geschichten, einfach per eMail an matthias.berghoefer@web.de. Vielen Dank schonmal!
Die wichtigste Frage zum Schluss: Was wird der S04 in dieser Saison
noch erreichen?
Die Frage zielt wahrscheinlich auf’s Sportliche ab, und da ist mir, der bereits dreimal mit seinem Club abstieg, der Klassenerhalt immer das Wichtigste. Seit Jahrzehnten hab ich darum nicht mehr so gezittert wie in dieser Saison, die Spiele in der Vorrunde ließen das Schlimmste befürchten, das Wintertrainingslager und die Auftritte danach steigerten die Furcht noch, weil so offensichtlich das Potenzial nicht abgerufen wurde - aber das ist spätestens seit dem Sieg gegen Wolfsburg keine Sorge mehr. Ähnliche Sorgen machte ich mir auch um die Lizenz, die noch wichtiger als der Klassenerhalt ist, aber da hat mich das Weiterkommen gegen Inter etwas beruhigt, ich hoffe einfach, dass es trotz superteurem Kader ein Polster für die nächste Saison gibt und man wieder beginnt, vernünftig zu wirtschaften.
So gesehen ist für den Rest der Saison also ein bisschen “Wunsch- und Traumzeit” angebrochen. Den Pokalsieg wünsche ich mir sehr, tatsächlich wohl mehr als den in der ChampionsLeague, die eben leider kein Europapokal der Landesmeister mehr ist. Dort hat mir/uns die Mannschaft ja den Wunsch nach einem Pflichtspiel im Old Trafford erfüllt, da sind wir wieder krasser Außenseiter, aber Fußball ist Fußball und es gibt überhaupt keinen Grund, weshalb wir dort verlieren sollten. Unentschieden zuhause, und dann ein epochaler Auswärtssieg. Jule oder Alex per Fallrückzieher, kurz vor Schluss. Oder so.
Na, wie gesagt, Träume…
Einen etwas realistischeren Wunsch hätte ich noch was die Schalker A-Jugend betrifft. Nach der vergebenen Meisterschaftschance hoffe ich auf den Gewinn des Westfalenpokals, wenigstens einen Titel hätte diese Truppe verdient, und noch mehr hoffe ich dort sehr auf ein Ende der Irritationen, die rund um dieses Spiel in Leverkusen und das Handeln des Sportvorstandes entstanden. Also auf Einheit und den Beweis von Kompetenz.
Und das gilt auch für den ganzen Verein und ist mir generell auch viel wichtiger als der momentane sportliche Erfolg: Einheit. Die Rückkehr der Freude. Einen Plan für die Zukunft – also einen, den es tatsächlich gibt, der den Rahmenbedingungen des professionellen Sportbetriebes gerecht wird, sich gleichzeitig an den Werten des Vereins orientiert und der auch in wirkliches Handeln mündet. Dass der FC Schalke 04 also am Ende der Saison weiß, wer er selbst ist, wer er sein will, und dass sich alle gemeinsam begeistert auf den Weg machen.
Neulich in Mailand haben’s „im Kleinen“ die Jungs auf dem Platz vorgelebt, haben bewiesen, dass Unmögliches möglich wird, wenn man nur weiß, was man will, einen Plan hat, wie man’s schaffen könnte, und es dann auch wirklich versucht. Wenn das auch „im Großen“ so wäre, für den ganzen Verein, das würde ich unheimlich gerne erleben wollen.
Vielen Dank, Matthias, für das ausführliche Interview! Glück Auf!
Und wem das noch nicht genug ist, der schaue sich die Bilanz der TSG in den letzten 10 Spielen an. Gerade mal zwei Siege konnte man einfahren. Einen davon gegen Schlusslicht Gladbach. Dazu das aus gestern im DFB-Pokal. Hoffenheim ist angezählt, aber sicher nicht ausgeknockt, wenn es am Samstag in der Arena gastiert.
Andreas Kuhmann hat schon bessere Zeiten mit der TSG erlebt. Der Blogger des TSG-Blogs 8zehn99.de spricht über die Skandälchen im Kraichgau, den Nachwuchs und wie die TSG die Region verändert hat:
Hallo Andreas. Erzähl uns ein wenig von dir und deiner Beziehung zu deinem Club.
Ja, was soll ich sagen…..28 Jahre alt, verheiratet, demnächst mit Kind und regelmäßiger Besucher in der Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim.
Hoffenheim hat in der Winterpause ziemlich viel Substanz verloren. Neben dem Trainer sind auch Luiz Gustavo und Demba Ba gegangen. Zudem gab Hopp bekannt, dass der Verein mehr auf eigenen Füßen stehen soll und er in Zukunft vielleicht nicht mehr so viel Kohle in den Verein steckt. Hast du Angst, dass Hoffenheim wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwindet?
Nein, das denke ich nicht. Dietmar Hopp denkt langfristig an die finanzielle Struktur des Vereins. Bereits 2006 hat er gesagt dass Hoffenheim mittelfristig auf den eigenen Füßen stehen muss. Er handelt nachhaltig. Die Chancen mit den Eduardo und Gustavo Transfers insg. 40 Mio € Transfererlöse zu erzielen bekommt man schließlich auch nicht jedes Jahr. Der Verein hat richtig gehandelt. Die Fans stehen voll dahinter. Nur die Medienlandschaft versucht immer wieder dagegen zu steuern.
Aus den letzten 10 Spielen hat Hoffenheim nur 2 Siege bzw. 11 Punkte geholt. Zudem seid ihr nicht unbedingt für starke Rückrunden bekannt. Was glaubst du, kann die Mannschaft in dieser Saison noch erreichen?
Hannover, Mainz und Freiburg werden in der Tabelle wieder nach unten wandern. Schalke, Bremen und Stuttgart werden wir am Ende im oberen Tabellendrittel wieder finden. Für uns ist ein einstelliger Tabellenplatz sowie das DFB-Pokalfinale drin ! (Anmerkung: Das Interview wurde vor dem DFB-Pokal-Spiel der Hoffenheimer verfasst!)
Mit Ralf Rangnick ist ein absoluter Fachmann gegangen worden. Er war neben Hopp das Gesicht, das mit dem Aufstieg des Clubs in Verbindung gebracht wurde. Wie schwer wiegt der Verlust und glaubst du, dass sich Marco Pezzaiuoli als Cheftrainer durchsetzen wird? Was hältst du von ihm?
Rangnick war der Architekt, er hat die Struktur mit aufgebaut und das die letzten 4,5 Jahre. Ein ungewöhnlich langer Zeitraum im Profifussball. Ralf Rangnick hat super Arbeit geleistet und dem Verein eine super Basis geschaffen. Es wächst einiges nach in Hoffenheim. Immerhin war unsere B-Jugend in 2008 bereits Deutscher Meister im U-Bereich. Die Jungs sind in 1-2 Jahren reif für die Bundesliga. Die U 23 spielt auch in ihrer ersten Regionalligasaison eine wichtige Rolle und hat sich im oberen Tabellendrittel festgesetzt.
“Pizza” hat eine Menge Fürsprecher. Der DFB wollte Ihn als “Sammer-Nachfolger”, Jogi Löw wollte ihn als Assistent. Das spricht für seine fachliche Kompetenz. Ob er so eine starke Persönlichkeit hat um so ein junges Team zu führen werden wir sehen. Ich persönlich hätte mir einen anderen Trainer gewünscht. Klinsmann oder Flick wären die richtigen für den Kraichgau gewesen.
Die TSG hat in den letzten Jahren einen kometenhaften Aufstieg hingelegt, der zunächst in der Herbstmeisterschaft 2008/2009 gipfelte. Hat sich das Leben im Kraichgau verändert, seitdem das “Projekt Hoffenheim” richtig Fahrt aufgenommen hat? Welchen Einfluss hat der Club auf die Region?
Das Leben hat sich für die Menschen enorm verändert. Durch den Fußball wurden viele Arbeitsplätze in der Hotellerie und Gastronomie geschaffen. Die Städte Sinsheim und Heidelberg profitieren vom Wochenendtourismus.
Die Jugendlichen der Region eifern den Fußballern nach. Sämtliche Amateurvereine profitieren von einem Mitgliederanstieg und steigenden Jugendspielern. Mit dem SV Sandhausen spielt derzeit ein weiteres Team der Region bereits in Liga 3.
Der Fußball hat durch Hoffenheim unsere Region und die Herzen der Menschen in der Metropolregion Rhein-Neckar erobert.Übrigens mein Tipp fürs Wochenende: 1:1
Vielen Dank für das Interview. Wir geben uns mit einem Punkt aber nicht zufrieden, oder?











Kommentare
Carlito69: Egal, ob jetzt 69%, 75% oder 82%, die beiden sind aktuell sau wichtig für unser erfolgreiches Spiel....
Carlito: Ich warte gespannt! :-)
Carlito: Ja, der Huub wird es nicht leicht haben, wenn sich alle wieder fit melden. Ich vermute aber mal, dass er...
tobitatze: @robkem04: So wird es derzeit gemacht. Im Sportbloggernetzwerk werden Vorschläge gesammelt, die dann von...
tobitatze: Das stimmt. Da gilt halt auch der Satz: “Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht...