Apr 192011
 

Schon vor ein paar Monaten hat Thomas Wings hier auf blogundweiss.de einen Reisebericht über die Auswärtsfahrt in Valencia verfasst. Heute ist er wieder zu Gast und gibt seinen Senf zum Thema Manuel Neuer dazu. Hier und hier habe ich bereits etwas zu diesem Thema geschrieben und ich werde mich wohl in Zukunft auch noch einmal äußern, wenn die Zeit reif dafür ist.

Jetzt aber erstmal viel Spaß mit dem Gastbeitrag von Tommes04:

Nachdem die Spatzen auf den Dächern schon unerträglich laut sind, ist es nur noch eine Frage von Tagen, bis Manuel Neuer verkünden wird, nächstes Jahr im Trikot von Bayern München zu spielen und sich von dem Publikum in der Allianz-Arena zujubeln zu lassen.

Der gemeine Schalker fragt sich natürlich, was das soll. Wo ist der Karriereschritt, der einen Wechsel ja immer begründen soll, bei einem Wechsel nach München? Den inoffiziellen Titel des „besten Torwarts der Welt“ hat er von den Beobachtern schon einige Zeit lang inne. Warum also nun ein Wechsel zu einem Verein, der sich für die Champions League noch erst qualifizieren muss? Also den Wettbewerb, in dem sein jetziger Verein schon das Halbfinale spielen darf. Ja, Titel in München mögen garantiert sein. Na und? Was will ich mit einem Titel für einen Verein, den ich angeblich noch nie leiden konnte? Seit wann ist Fußball kein Mannschaftssport mehr? Wäre es keine Herzensangelegenheit gewesen, endlich den ersehnten Titel für seinen Verein zu holen? Titel wird es also geben. Und nach den Titeln jeweils nette Galaabende mit den Freunden und Förderern des FC Bayern in einem noblen Ambiente, der Kaiser oder wahlweise Würstchen-Uli Hoeneß hält eine beeindruckende Dankesrede, anschließend geht es mit den Spielern noch ins P1 und am nächsten Tag auf den Münchener Rathausbalkon. Spätestens am Sonntag um 16 Uhr dann wieder nach Hause zur Familie. Wem‘s Spaß macht. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie das schäbige Ruhrgebiet rocken wird, wenn denn irgendwann mal der unvergleichliche Fall hier eintritt. Das weiß auch ein Manuel Neuer. Unterstellt den Fall, die glorreichen Schalker gewinnen in dieser Saison nicht die Champions League, hat er seine Chance auf ein Denkmal in Gelsenkirchen-Buer verspielt. In München wird er auch keines bekommen.

Also doch Geld. Vermutlich ist es noch nicht mal das Jahresbruttoeinkommen. Das könnte Schalke mit einem Kraftakt wohl auch bezahlen. Große Werbeeinnahmen und andere Annehmlichkeiten hingegen bietet nur Bayern München und diesem Lockruf hat Neuer nicht widerstanden. Geld vor Emotion. Ich habe verstanden.

Die Frage bleibt, wie wir auf Schalke mit dem Wechsel umgehen werden. Jeder für sich anders, das ist schon klar. Aber was bleibt von Neuer, der so unnachahmlich gut hält und so perfekt in das Bild unseres Vereins gepasst hat? Wie wird es sein, wenn es gegen Schalke gehen wird? Es fällt schwer, diese Frage rational zu beantworten. Fußball und im speziellen Schalke 04 ist aufgrund seiner Emotionen schon fast so kompliziert wie eine Paarbeziehung. Im Augenblick kommt es mir so vor, als wenn man nach heftiger Flirterei eines anderen (Hoeneß) nun feststellt, daß der Partner (Neuer) nicht nur zurückflirtet, sondern schon die Trennung plant. Wir könnten ihm nicht bieten, was er braucht, wird es heißen, und: „Laß uns Freunde bleiben!“ Wie auch in einer nach Jahren gescheiterten Beziehung wird aber genau das eher schwierig. Im Moment überwiegt das kalte Gefühl der enttäuschten Liebe, die Eifersucht dominiert und der Groll auf den anderen (Hoeneß). Man selbst rückt sich ins rechte Licht, versucht zu argumentieren, daß man sich ja noch ändern könne (Angebot über 21 Millionen Euro in 3 Jahren). Aber all das hält ihn (Neuer) nicht davon ab, sich den anderen (Hoeneß) zu schnappen. Vielleicht klappt das mit dem „Freunde bleiben“ irgendwann, in ein paar Jahren mal. Wenn wir (S04) wieder in einer glücklichen Beziehung mit einem neuen Torwart sind und merken, daß es bei den beiden anderen (Neuer und Hoeneß) doch nicht so gut klappt. Weil er (Neuer) die Freunde (Schickeria) des anderen (Hoeneß) nicht so toll findet. Und umgekehrt. Weil er (Neuer) merkt, daß der andere (Hoeneß) zwar viel Geld hat, ein tolles Auto und spannende Freunde (Boris Becker, Helmut Markwort, Edmund Stoiber), aber sonst vollkommen sterbenslangweilig (Allianz-Arena) ist. Weil in München eben kein Fußball gelebt wird, wie das in Gelsenkirchen der Fall ist.

Ich glaube nicht, dass Neuer auf Schalke ausgepfiffen werden wird. Dafür war die Beziehung einfach zu innig und man hatte schließlich eine wunderbare Zeit miteinander. Man wird aber in Kontakt bleiben, dem anderen (Hoeneß) nur das schlechteste wünschen und hoffen, daß er (Neuer) merkt, seinen Vertrauensbruch irgendwann einmal zu bereuen.

Bis dahin werde ich ihn ab der neuen Saison offiziell ignorieren. Bei jedem anderen Club, zu dem er gegangen wäre (nach Lüdenscheid wäre er nicht gegangen), hätte ich ihm –fußballerisch- viel Glück gewünscht. Ausgerechnet bei Bayern München möchte ich das nicht. Ich bin zu enttäuscht.

Und hoffe auf die vereinbarte Ausstiegsklausel für 19,04 Millionen €.

 

 

Kaum eine Aktion hat in den letzten Monaten für so viel Aufsehen in der Fanszene gesorgt, wie die andauernden Antipathie-Bekundungen der Münchener Ultra/Fanszene gegen Manuel Neuer.

Seit der Eckfahne/Kahn-Immitation des Schalker Urgesteins in der Münchener Allianz-Arena 2009 und dem mehr oder weniger offenen Interesse der Bayern am Weltklasse Torhüter, ließen die Münchener Anhänger kein Zweifel daran, dass Neuer eine Persona non grata in der Münchener Schickeria sein wird. Vor allem, nachdem sich mit Thomas Kraft ein Jungspund aus dem eigenen Verein aufmacht, ein richtig guter Torhüter zu werden. Ein weiterer Höhepunkt waren die zahlreichen Plakate, Banner und Pfiffe gegen Neuer am Mittwoch im DFB-Pokal Halbfinale.

Die Frage, die sich mittlerweile alle stellen, ist die nach den Konsequenzen, die Neuer aus diesen Entwicklungen zieht. Auch die handelnden Entscheider beim FC Bayern nehmen die Bewegung contra Neuer mittlerweile sehr ernst. Nicht anders ist es zu verstehen, dass sich so ziemlich jeder Wichtigtuer aus München medienwirksam und persönlich bei Manuel Neuer entschuldigt hat. Hoeness und Co. merken gerade, dass die Entscheidung um den besten Keeper der Welt mittlerweile auf einer Ebene ausgetragen wird, die sie gar nicht mehr beeinflussen können. Denn nicht nur Geld und sportliche Perspektive sind bei einem potenziellen Wechsel wichtige Kriterien. Er wird sich als Kind der Nordkurve drei Mal überlegen, ob er sich bei einem Verein in den Kasten stellt, dessen Kurve ihm im wahrsten Sinne des Wortes im Nacken sitzt, gerade weil sich seine Geschichte “Aus der Kurve in den Kasten” auch immer wieder mit der Schalker Ultra-Bewegung kreuzt.

Sehr beunruhigend aus Schalker Sicht sind allerdings die Aussagen Neuers über die erneuten Anfeindungen aus der Fankurve der Münchener. Bei Möller und Metzelder hätte es zu Beginn auch Antipathie gegeben. Nun wären sie voll akzeptiert, behauptet der Nationaltorhüter. Doch hier irrt Neuer bzw. vergleicht Äpfel mit Birnen. Zum einen ist ein Christoph Metzelder vor allem bei der Ultra-Szene allerhöchstens geduldet. Man pfeift zwar nicht mehr, doch Akzeptanz sieht sicher anders aus. Zum anderen haben weder Möller noch Metzelder eine so lange und intensive Vergangenheit bei den Unaussprechlichen wie es Neuer auf Schalke hat.

Die Vergleiche von Neuer verwundern schon und lassen zumindest eine Tendenz bei Neuer erkennen, die wohl Richtung Süden zeigt. Dass Manuel Neuer den Verein zum Saisonende verlassen wird, steht für mich persönlich so gut wie fest. Die Leistungen seiner Mannschaftskollegen in den letzten Wochen muss einen Keeper seiner Klasse einfach abschrecken. Einen Vereinswechsel würde ihm der Großteil der königsblauen Fanbewegung sicher nicht übel nehmen, wenn es ihn nur nicht zur verhassten Konkurrenz aus München zieht, sondern auf eine Insel. Und sei es nur die iberische Halbinsel. Geld, sportliche Perspektive, Identität mit den eigenen Fans und dem Club. Wie viel Ultra steckt denn nun in Manuel Neuer?

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