Als ich gestern lesen durfte, dass ein möglicher Gegner des FC Schalke der Fußballclub aus Helsinki sein könnte, musste ich schmunzeln. Natürlich wollte es das Schicksal dann auch so, dass es gerade diese Reise sein musste.

Wie einige wissen, bin ich beruflich und auch privat eng mit dieser Stadt verbunden und dort regelmäßiger Gast. Dass ich ausgerechnet nicht vor Ort sein kann, wenn Schalke sich die Ehre gibt, ist einfach Pech. Ich weile derzeit in Malaga und der Terminkalender will es, dass ich just am 18.08 wieder in Deutschland lande. Ein Flug von Malaga nach Helsinki kostet ein kleines Vermögen und der günstige Flieger aus Düsseldorf hebt schon ab, während ich mit meinem Rückflug noch Richtung Deutschland unterwegs bin.

Das Thema Fußball wird dort eher klein geschrieben. Wenn es groß geschrieben wird, dann spielt die Nationalmannschaft. Und wenn es um Clubfußball geht, dann läuft in den zahlreichen Sportsbars meist die englische Liga.

Für alle Reiselustigen kann ich die Stadt nur empfehlen. Die Finnen sind zwar zunächst reserviert, kommt man aber mit ihnen ins Gespräch, wird es meist feucht fröhlich. Und laut.

Hier mal ein paar kleine Tipps für alle, die sich das Spiel live vor Ort angucken wollen:

  • Bier heißt auf finnisch Olut und gibt es im Supermarkt in drei Ausführungen. Olut 1 bis 3. Während 1 mit einem alkoholfreien Bier verglichen werden kann, grieft der erfahrene Trinker gerne zu 3. Das solltest du auch tun.
  • Die Supermärkte in Finnland haben meist bis Mitternacht geöffnet. Doch das heißt nicht, dass es auch so lange Bier gibt. Um 21:00 schließen die Regale mit dem flüssigen Gold und es gibt nur noch alkoholfrei. Also: Rechtzeitig und gut eindecken!
  • Hochprozentiges gibt es nur in so genannten Alko-Shops. Hier kann ich ausdrücklich Salmiaki empfehlen, wenn man wie ich auf Lakritz steht. Die Alko-Shops haben deutlich früher geschlossen.
  • Der Döner Kebap in Finnland hat seinen Namen eigentlich nicht verdient und geht ab 5 Euro über die Theke. Ich musste erleben, wie das Fleisch seinen Weg vom Kühlschrank, über die Mikrowelle in mein Stück labbriges Brot gefunden hat. Das ist sicher nicht bei jedem Laden so. Trotzdem: Finger weg!
  • Auch nicht jede hierzulande bekannte Fast-Food-Kette ist dort vertreten. Burger King sucht man in ganz Finnland vergeblich. Dafür gibt es Hessburger. Schmeckt aber ja eh alles gleich. Hier kann man also nichts falsch machen.
  • Das verhalten der Taxifahrer in Helsinki ist irgendwie komisch. Versucht man auf offener Straße ein leeres Taxi heranzuwinken, wird man meist ignoriert. An den ausgeschilderten Taxiständen bilden sich am Abend meist lange Schlangen. Die heftigsten Prügeleien habe ich tatsächlich in diesen Schlangen gesehen. Wenn sich dort ein Finne ungerecht behandelt fühlt, dann fackelt er auch nicht lange. Hier kommt die Mentalität einer Eishockeynation zum Vorschein!
  • Noch ein Tipp für den unerfahrenen Stadiongänger in Finnland: Es gibt kein Bier! Stattdessen wird man mit allerlei Süßkrams von Popcorn bis gemischter Tüte zugeworfen, wenn man es sich leisten kann. Wer wissen will, was es ess- und trinkbares in finnischen Stadien gibt, der besuche ein Kino in seiner Nähe.
  • Nach dem Spiel geht man ja gerne mal in Bars. Von denen gibt es in Helsinki viele. Nicht jede ist zu empfehlen. Hier eine kleine Auswahl an Bars, in denen ich gerne meine Zeit verbringe: Die Blackdoor ist meine absolute Lieblingsbar und mein erster Anlaufpunkt nach einem anstrengenden Bürotag. Es gibt eine riesige Auswahl an Bieren. Fast alle Biere werden übrigens in Pints ausgeschenkt. Solltest du dich doch für ein finnisches Lager entscheiden, dann musst du dich an diesen Schlager halten. Der zweite Platz für ein gutes Bier ist das Molly’s direkt in bahnhofsnähe. Ein typisch irischer Pub mit internationalen Gästen und jeder Menge Fußball auf den Bildschirmen. Hier habe ich den Abend nach dem Länderspiel zwischen Finnland und Deutschland verbracht. Auch war es ein guter Anlaufpunkt nach den letzten Vorlesungen in der Universität. Hier trifft man auf die richtigen Leute. Versprochen.
  • Ist man auf der Suche nach einem Szeneviertel, dann ist Kallio die erste Adresse. Wenn es so etwas wie einen Rotlichtbezirk gibt, dann dort. Viele gute Kneipen. Etwas günstigere Preise als im direkten Zentrum und viele Künstler, Konzerte und gute Laune. Grundsätzlich schließen die Bars spätesten um vier Uhr morgens. Die Clubs ebenfalls. Bis dahin, sollte man seinen Durst also gestillt haben.
  • Für alle Liebhaber der gepflegten Bierkultur hier noch ein Schlag ins Gesicht. In sehr vielen Bars kommt das Bier zwar frisch vom Fass, allerdings macht sich der Barkeeper nur in guten Bars (siehe oben) die Mühe, selber zu zapfen. Meistens betätigt er nur einen Knopf und das Bier fließt mit wenig Kohlensäure in euer Glas. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Praktisch, aber nicht schön. Einfach wieder oben verlinktes Lied vor sich hin summen, dann ist auch das durchaus zu ertragen.
  • Zum letzten Punkt: Sauna! Ja wenn man ein Vorurteil über Finnen kennt, dann das sie sich ständig nackt in Holzhütten setzen und dort Wasser über heiße Steine kippen, bis einer ohnmächtig wird. In privaten Wohnhäusern wird sich meistens eine Sauna geteilt. Jeder darf dann nur an bestimmten Tagen. Bei vielen Hotels ist die Sauna mit im Preis enthalten. Aber lange nicht bei jedem. Da sollte man vorher nachfragen. Geselligkeit will dort allerdings eh nicht aufkommen. Natürlich gibt es viele verschiedene öffentliche Saunen. Auch hier gibt es die besten in Kallio. Nackt darf man dort aber auch nicht immer sein. Also lieber noch ne Badehose mitbringen.

Das soll es für’s erste gewesen sein. Sollten noch irgendwelche Fragen bezüglich eures Tripps nach Finnland geben, dann stehe ich euch gerne zur Verfügung.

 

Nein, ich habe das 3:3 zwischen Finnland und Deutschland nicht zu Hause vor dem Fernseher verfolgt. Und Nein, ich war auch nicht im Kino.

Ich war tatsächlich live im Stadion. Und da die Finnen für exessives trinken bekannt sind, das sie zu teilweise aggressiven Handlungen verleiten lässt, gibt es im Stadion halt Cola statt Bier. Immerhin haben die Finnen genug Würde, nicht alkoholfreies Placebo-Bier die Kehle hinunter zu würgen. Das wäre auch wirklich zuviel des Guten, denn schon finnisches Bier mit Umdrehungen ist geschmacklich eher in der neuen dritten Bundesliga anzusiedeln. Wäre da aber ein klassischer Abstiegskandidat.

Gourmettechnisch habe ich mich eher wie im Multiplex-Cinema-Dome-Event-Kino gefühlt. Popcorn, Nachos, Süßkrams und Hot Dogs bestimmten das Bild und waren auch hoch frequentiert. Vereinzelte Bratwurstständchen habe ich allerdings auch gesichtet.

Getroffen und getrunken wurde also vorher. Ich war dabei praktisch der Hahn im Korb, da ich mit meinen finnischen Freunden unterwegs war. Farblich habe ich allerdings durchaus dazu gepasst mit meinem Königsblauen Pander-Trikot.

Die Stimmung im Stadion war bestens. Genauso das Spiel. Zumindest für den (neutralen) Zuschauer.

Nun zu den Leistungen der Schalker: Bei der Nationalhymne hab ich fleißig mitgesungen. Sogar Lautstark, da ich so ziemlich der einzige Deutsche in unserem Block war. Eigentlich gegen meine Natur und meine Singkunst, aber irgendeiner musste die Fahne ja hochhalten.

Auch während des Spiels war es für mich recht schwierig, gegen den erstaunlich guten Support der finnischen Kurve anzusingen (Zwei Vorsinger). Immerhin hat man mich dann immer schön “Saksaa! Saksaa!” (Deutschland! Deutschland!) schreien hören. Bei jeder deutschen Ecke kam dann das lang gezogene “Maaaaaali! Maaaaaali!”, was sich mit unserem “Hinein! Hinein! am ehesten vergleichen lässt und schlichtweg “Los!” heisst. Dies alles auf Kosten meiner Stimme und sehr zur Freude der umstehenden Zuschauer.

Westermann war wohl nicht so gut. Habe mir das Spiel nachher nochmal in der Zusammenfassung angesehen. Beim ersten Tor trägt er Mitschuld. Hauptschuld liegt für mich aber bei Lahm. Beim 3:2 ebenfalls nicht am Mann. Hier hätte allerdings auch der Flankengeber zumindest ansatzweise gestört werden müssen. Trotzdem sollte Westermann beim nächsten Spiel wieder in der ersten Elf stehen. Klose hat sich ja schliesslich gefühlte 10 Spiele so “daneben” präsentiert und wurde trotzdem immer wieder aufgestellt.

Zu Kuranyi: Mittlerweile von den Medien erfolgreich zum Stürmer Nummer 5 geschrieben worden. Durfte sich beim warmmachen mit kleinen Fahnenstangen und Feuerzeugen aus der finnischen Fankurve bewerfen lassen.

War sich wohl sicher, dass er noch eingewechselt würde, als Löw ihn, die dann eingewechselten Helmes und Hinkel und den Rest der Aufwärmtruppe zur Bank beorderte. Zumindest war er als erstes zurück und schon im Begriff sich die Jacke auszuziehen. Pech gehabt.

Der Rest des Abends ist im wahrsten Sinne des Wortes noch im Kopf. Es ist viel passiert und mir fehlt die Zeit, alles aufzuschreiben. War auf jeden Fall witzig.

Samstag muss ich mich hier in Helsinki aufdie Suche nach einem Fernseher machen, der das Topspiel der Bundesliga zeigt anstatt die hier bevorzugte Premier League.

Videos und Fotos kommen später….

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