Beim FC Schalke geht es eigentlich immer drunter und drüber. Wenn es einmal ruhig auf Schalke ist, dann läuft irgendetwas schief. Zur Zeit ist es der sportliche Misserfolg, der die Wogen auf der Geschäftsstelle höher schlagen lässt.

Doch auch hinter den Kulissen brodelt es. Hört man sich heute auf der Geschäftsstelle um, so stellt man fest, dass man dort mittlerweile zum lachen in den Keller geht. Es herrscht eine Stimmung der Unsicherheit und des Misstrauens. Die Schalker Familie scheint entzweit und der Grund heißt: Felix Magath.

Es ist nicht die Person Magath an sich, sondern der Dunstkreis an Personen, die den allmächtigen Zampano umgeben. Seit Dienstantritt installierte Magath praktisch in jedem Ressort des Vereins Personen aus seinem Umkreis. Die Liste ist lang und man fühlt sich bespitzelt, denn keiner weiß, was genau an Magath weiter geleitet wird. Selbst Spieler schließen lieber hinter sich die Tür, wenn es um interne Belange geht. Das macht der Schalker-Fan-Seele zu schaffen. Vor allem, wenn altgediente Ur-Schalker wie Rolf Rojek, wenn sie der Führungsetage zu unbequem wurden, kurzerhand ihren Hut nehmen müssen und Pressesprecher, wenn sie intern über den FC Schalke 04 sprechen, auch gerne mal das Wort “ihr” statt “wir” in den Mund nehmen.

Es geht aber nicht nur um Personen. Es geht um traditionelle Veranstaltungen, die nicht mehr vom SFCV, sondern von irgendwelchen wildfremden Marketingagenturen aus dem Ländle übernommen werden. Angefangen bei den sehr beliebten Regionaltreffen, hat Magath die kompletten Strukturen zwischen Fans und Verein umgekrempelt. Die dritte Halbzeit wurde hart erkämpft und erweist sich als durchaus erfolgreich. Die blau-weissen Nächte, das Highlight für königsblaue Anhänger, die mit in die Trainingslager fahren, werden in unpersönliche Event-Meetings verwandelt, die Eintritt kosten. Wo vorher eine familiäre Atmosphäre herrschte, stehen nun Securities, teilweise mit vierbeiniger Verstärkung, und kontrollieren die Seele des Vereins. Die Stimmung ist dahin, denn der DJ hat  keine Schalke-Lieder dabei und die Live-Band nix Vergleichbares im Repertoir. Immerhin liegt das Vereinslied auf DIN A4-Zetteln auf den Tischen. Falls jemand nochmal nachschauen muss, ob Mohammed denn ein Pamphlet oder ein Prophet war.

Schlussendlich wird die Saisoneröffnung mit dem unbeliebten T-Home-Cup auf einen Tag gelegt. Die Arena bleibt für Familien zu, die sich die Karte nicht leisten können und trotzdem einfach mal diese beeindruckende Architektur von Innen betrachten wollen. Stattdessen langweilt sich eine halb-gefüllte Arena bei dem müden Gekicke zu Tode und amüsiert sich mehr über sich gegenseitig verprügelnde Maskottchen, denn über die gezeigten Leistungen auf dem Platz.

Bei sportlichem Erfolg hält man da gerne still, denn die Mannschaft, der Trainer, ja der Verein an sich, macht, was er soll: Er hat Erfolg. Ist dies nicht der Fall, dann sind solche Aktionen für das königsblaue Herz sehr schmerzhaft.

Mir persönlich macht  etwas anderes viel mehr zu schaffen: Was passiert, wenn die sportliche Talfahrt weiter geht? Wenn “die Mechanismen greifen”, Tönnies die Notbremse zieht und zunächst den Manager Magath und dann auch den Trainer Magath entlässt? Kann man dann hinter ihm die Tür zu ziehen? Klar ist, dass die Trainergarde mitgehen würde. Doch was ist mit dem Rest? Kann sich der S04 so viele Beurlaubungen überhaupt leisten? So richtig scheint das niemand zu wissen und das hinterlässt ein flaues Gefühl im Magen…

 

Surft man während der Länderspielpause über die üblichen Seiten im Netz, so findet man meist nicht wirklich viel Interssantes. Einen Artikel, den ich euch unbedingt ans Herz legen möchte, kommt von Tobias in seinem “Meine Saison mit dem SVW”-Blog. Der Kommentar beschäftigt sich mit rüden Fouls und deren unterschiedlichen Bewertungen in den verschiedenen Ligen und internationalen Ebenen. Es sind ebenfalls ein paar richtig üble Youtube-Videos dabei, die ich nur hart gesottenen Fußballfreunden empfehlen würde.

Ansonsten scheint sich der S04 in der medizinischen Abteilung umzustrukturieren und im Zuge des Länderspiels gegen die Türkei haben sich die Proteste der deutschen Fußballfans gegen steigende Eintrittspreise, Stadionverbote und den generellen Erhalt der Fankultur fortgesetzt. In Berlin trafen sich knapp 5000 Fans, um friedlich für ihr Anliegen zu demonstrieren.

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Schalke geht es gut. Zumindest sportlich. Über die finanzielle Lage will ich mir nicht auch noch das Maul zerreißen. Das können getrost andere machen.

Mich interessiert vornehmlich der sportliche Aspekt und da muss ich sagen: Schalke wurde wiederbelebt. Vor allem von Felix Magath und der Aufbruchstimmung, die der erfolgreichste Bundesligatrainer der letzten Jahre mitgebracht hat.

Er darf sich zur Zeit alles erlauben und (fast) alles scheint zu klappen. Da debütiert ein Christoph Moritz gegen Nürnberg und ist nach dem 8.Spieltag eigentlich nicht mehr aus dem Mittelfeld wegzudenken.

Da  holt er einen Lukas Schmitz aus der Zweiten und man ist erstaunt, dass er so unauffällig aber effektiv wie einst ein Fabian Ernst spielt und auch noch Freistöße wie Christian Pander schießen kann. So geschehen gegen Frankfurt.

Er gibt einer “Diva” wie Rafinha Sonderurlaub und anstatt dass die Presse dies als Führungsschwäche auslegt, wird er für sein pädagogisches Fingerspitzengefühl gelobt. Rafinha dankt es ihm mit gewohnt guten Leistungen und mehr Zurückhaltung auf und neben dem Platz.

Er stellt neben den schon fast abgewanderten, aber nun wieder bärenstarken St. Marcello einen jungen peruanischen Nationalspieler namens Zambrano, der von Spiel zu Spiel mehr und mehr lernt und im gleichen Maße Stabilität ausstrahlt.

Spaß macht auch Levan Kenia. Er läuft und kämpft wie einst Berti Vogts, spielt feine Pässchen wie Lincoln und dribbelt wie ein Lionel Messi. Völlig übertrieben? Stimmt, aber Ansätze von alledem sind zu sehen. Ihm fehlt wohl noch die Effektivität, um dem Schalker Spiel noch mehr Impulse zu geben. Auf dem Weg dorthin ist er allemal.

Das Publikum und die Mannschaft wachsen wieder zusammen

Eine große Wandlung auf Schalke hat nicht nur auf dem Platz, sondern auch auf den Rängen stattgefunden. Habe ich in den letzten Spielzeiten die Stimmung der Auswärtsspiele immer mehr schätzen gelernt, ist nun auch in der Arena wieder ein Miteinander zu spüren. Natürlich kann man dieses “Wunder” wieder Felix Magath zuschreiben, doch vor allem ist es die Mannschaft, die begeistert. Bedingungsloser Einsatz und Kampf sind angesagt.

Auch gestern gegen Frankfurt war es kein “gutes” Spiel. Technisch mit wenigen Höhepunkten, doch man hatte nie den Eindruck, dass die Mannschaft lustlos spielt, wie es unter Rutten oftmals der Fall war. Trotz der fußballerischen “Magerkost” blieb das Publikum ruhig, klatschte und sang dann und wann mit der Nordkurve und entfaltete seine ganze Kraft nach dem Treffer von Asamoah. Man stand, wo man gar nicht stehen musste. Man blieb, wo man vorher schon  in der 80. Minute auf dem Weg Richtung Alltag war, bis die Mannschaft ihre verdiente Ehrenrunde hinter sich hatte und sich zum Ausdehnen um den Mittelkreis nieder ließ.

Fußballerisch hat sich (bisher) nicht allzu viel verändert. Schalke stellt wieder eine der stabilsten Defensiven der Liga und verwöhnt in der Offensive nur seltenst mit tollen Aktionen. Mehr Zielstrebigkeit ist zu erkennen. Von einem Offensivfußball alá Wolfsburg ist Schalke allerdings noch sehr weit entfernt. Ob diese Mannschaft das kann und vor allem muss, darf hier gerne diskutiert werden.

Dass dann auch noch der Kämpfer vorm Herrn, Gerald Asamoah (Happy Birthday!) und Jefferson Farfan, der bisher beste Schalker in dieser jungen Saison, die beiden Treffer markieren, passt ins Bild und freut ungemein.

Trauer trübt das Bild

So ganz und gar nicht ins Bild passt der Tod eines langjährigen blau-weißen Kämpfers, der sein größtes Duell gestern verloren hat. Rolf Rüssmann starb im Alter von 58 Jahren an Krebs. Mir ist der Name Rüssmann nur aus der Geschichte bekannt. Aktiv habe ich ihn nur als Manager bei Mönchengladbach und Stuttgart erleben dürfen. Um zu wissen, dass er der Schalker-Familie fehlen wird, muss man aber kein Spiel von ihm gesehen haben. Es reicht, die stehenden Ovationen des Publikums mitbekommen zu haben, die er beim Einzug in die Schalker Ehrenkabine beim Spiel gegen den KSC empfangen hat.

Mein Beileid gilt seiner Familie, Angehörigen und Freunden. Glück Auf, Rolf!

 

Über die Dummheit einiger Fans aus der Nordkurve habe ich schon bei meinem Post über das Heimspiel gegen den FC berichtet. Nun zieht Schalke und die DFL die Konsequenzen.

Nachdem kurz vor der Halbzeit gleich ein ganzer Hagel an Feuerzeugen auf den Keeper der Kölner runterkam, schwahnte mir schon böses. Nun macht Schalke Nägel mit Köpfen und installiert den WM Zaun, um die Spieler (und bei besonders dürftigen Leistungen sicher nicht nur die gegnerischen) zu schützen.

Ein ganz besonderer Dank an all die Vollidioten, die mir das Sichterlebnis in der Nordkurve nun mal schön versaut haben.

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