Duelle mit dem Münchner Club waren schon immer brisant und emotional. Allerdings wurde am Sonntag nochmal eine große Neue(r) Schippe drauf gelegt. Der neue Bayernschnapper hat, genau wie alle im Umkreis von vermutlich 80km gehört dass er definitiv nicht mehr in der Arena willkommen ist. Mehr ist dazu aber auch nicht zu sagen.
“Als ob der Neuer gegen Bayern vier Buden kassiert”, habe ich getönt. Knapp 100 Minuten später, nach dem Schlusspunkt durch Thomas Müller, verließ ich entnervt die Kneipe. Meine Fehleinschätzung, die Leistung des Teams, der Erfolg der Unaussprechlichen einige Stunden zuvor: Zu viel des Guten für mich.
Der FC Schalke hat sich am Samstag vom FC Bayern München vorführen lassen. In den gesamten 90. Minuten reichte es nicht für eine wirkliche Torchance. Stattdessen zeigten dieses Mal die Bayern, wie man Schalke knacken kann. Bei aggressivem Pressing erstarrt die Mannschaft wie das Kaninchen vor der Schlange. Heißt der Gegner dann Manchester oder Bayern, wird man spielerisch vorgeführt. Erwischt auch Neuer keinen Weltklasse-Tag, dann setzt es gegen solche Teams eine Klatsche.
Mich hat doch etwas überrascht, dass Rangnick es noch nicht geschafft hat, diese Mängel, die schon Felix Magath nicht in den Griff bekommen hat, auch nur Ansatzweise auszumerzen. Spätestens seit dem Spiel gegen Kaiserslautern ist der Rangnick-Effekt verpufft. Der Trainerwechsel brachte frischen Wind in das Team. Man schaffte schnell den Klassenerhalt und triumphierte in der Champions-League gegen Mailand. Doch vor allem die letzten beiden Spiele gegen Manchester und München zeigen deutlich, dass Schalke zu Recht kein Kandidat für die Champions League im nächsten Jahr ist.
Stattdessen muss Rangnick viel arbeiten, um seinem zukünftigen Kader den kreativen Geist einzuhauchen, nach dem sich alle am Berger Feld seit Jahren sehnen. Die Saison geht zu Ende. Es bleiben vier Spiele. Wirklich wichtig sind nur noch zwei: Das Rückspiel in Manchester dient der Schadensbegrenzung und eventuellen Mehreinnahmen durch einen Sieg im Old Trafford. In den Spielen gegen Mainz und Köln kann die Mannschaft nur zeigen, dass in ihr Charakter steckt. Dass sie Spiele nicht so einfach wegschenkt, wie sie es am Samstag getan hat. Im letzten Spiel, in Berlin gegen Duisburg, wird es nicht nur um den Titel des DFB-Pokal Siegers gehen, sondern vor allem auch um die Zukunft dieses Teams. Geht es verloren, muss man einen Neuanfang starten. Schon wieder.
Natürlich waren die Ereignisse um Manuel Neuer die entscheidende Thematik. Und was soll ich sagen – ich war überrascht und höchst angetan davon, wie sich Horst Heldt in dieser Runde gegeben hat. Für alle Beteiligten schien es nämlich eine Selbstverständlichkeit zu sein: Wenn der FC Bayern jemanden haben möchte, dann bekommt er ihn auch. Und zwar wann der FC Bayern will und zu welchem Preis der FC Bayern das will. Ganz klar war allen Beteiligten, dass Neuer oder sein Berater schon längst mit dem FC Bayern in Kontakt stehen (gab es da nicht mal vor rund zwei Jahren kurz nach Neuers erstem A-Nationalmannschaftseinsatz ein völlig zufälliges Treffen an einem Tegernseer Biergarten, wo nicht nur Neuer nebst Freundin, sondern auch Uli Hoeneß Bier tranken? – Wobei mir schon klar ist, dass man in Biergärten keine entscheidenden Verhandlungen führt, dennoch schmeckt das nicht). Breitner redete sich geradezu in Rage und bezeichnete die FIFA-Statuten, wonach an Spieler nur herangetreten werden darf, nachdem der Noch-Verein schriftlich über die beabsichtigte Aufnahme von Verhandlungen informiert wird, als „Kindergarten“. Gut. Die Kindergarten-Regelung findet man in den Artikeln 17 und 18 des „Reglements bezüglich Status und Transfer von Spielern“ der FIFA. Während Breitner (als Bayern-Abgesandter mit Insider-Infos) sich also in Rage redete und wie selbstverständlich davon ausging, Neuer und Bayern hätten sich schon geeinigt, war Heldts Resonanz großartig: In aller Ruhe (schon das ein Kontrast zum sich aufplusternden Breitner) empfahl er ihm süffisant, im eigenen Interesse jetzt nicht weiterzureden, um sich nicht noch mehr zu verplappern. Daher hier nur am Rande: Ein Verstoß gegen dieses Verbot der unzeitigen Kontaktaufnahme zieht nach Artikel 18, Ziffer 3 eine „Sanktion“ nach sich.
Heldt hingegen war die Ruhe selbst. Der Vertreter der Blöd am Sonntag meinte stets, Ratschläge an Heldt zu erteilen. Für alle (sic!) Beteiligten sei es doch besser, wenn jetzt rasch der Transfer über die Bühne ginge. So so. Heldt konterte mit einer ausgeglichenen Gestik, dass es immer noch einen dritten Beteiligten gäbe, nämlich den FC Schalke 04 und dieser die Entscheidung darüber trifft, ob überhaupt eine Abgabe vor Ende des Vertrags in Betracht kommt. Heldt verwies darauf, dass sich Bayern schon im Fall Gomez (Heldt war damals Manager in Stuttgart) zunächst die Zähne ausgebissen haben, Gomez zunächst murrend, aber dann doch einverständlich noch ein Jahr blieb und dann ein schönes Sümmchen oberhalb aller Bayern-Erwartungen zu zahlen war.
Mir hat ausgesprochen gut gefallen, wie Heldt die gesammelte Bayern-Arroganz kühl an sich abprallen und damit vor allem den Blöd-Mann bloß stellen ließ. Dieser reagierte etwa schroff, als ihm Heldt riet: „Jetzt würde ich an Ihrer Stelle ihn (Breitner) fragen, ob er schon mit Neuer verhandelt hat!“. Angefressen dessen Reaktion: „Das überlassen Sie mal mir, welche Fragen ich stelle.“ Und nach einigen Sekunden des Überlegens: „Vielleicht weiß ich die Antwort ja schon. Vielleicht habe ich ja schon gefragt.“ Sehr, sehr lustig, wie die Bayern reagieren, wenn sie doch nicht immer sofort ihr Spielzeug bekommen.
Der Auftritt macht mir Mut: Kein Macho-Gehabe wie bei Assauer, keine Naivität wie bei Müller, kein „was kostet die Welt?“ wie bei Magath. Nur ein Auftritt, aber einer, der mich darin bestärkt, dass wir wie aus heiterem Himmel auf einmal gut aufgestellt sind auf dieser wichtigen Position.
Und zuletzt: Warum nicht zumindest mal drüber nachdenken, Neuer nicht das eine Jahr noch zu behalten. Dagegen gibt es zwei Hauptargumente: Nummer 1, er könnte unzufrieden sein. Das wird aber nicht lange anhalten, erst recht nicht, wenn die Bayern nur Europaliga spielen werden. Außerdem ist er doch Schalker, ist er nicht? Nummer 2 ist das viele Geld. Aber nun. Erstmal glaube ich nicht, dass es so viel Geld werden wird, denn durch das geschickte Taktieren Neuers haben wir nur einen Interessenten. Zwei oder mehr würden den Preis in andere Höhen schnellen lassen. Zum anderen wird Neuer nicht sooo viel Gehalt kosten im Moment. Und wenn er so spielt wie in dieser Saison könnte er Garant dafür sein, im Jahr drauf eben dieses Geld europäisch wieder einspielen zu können. Zu guter Letzt hätten wir ein Jahr mehr Zeit, eine gute Nachfolgelösung zu finden und die Bayern hätten ein weiteres Jahr ein großes Torwartproblem und das gönne ich ihnen von ganzem, ganzem Herzen.






Kommentare
Carlito69: Egal, ob jetzt 69%, 75% oder 82%, die beiden sind aktuell sau wichtig für unser erfolgreiches Spiel....
Carlito: Ich warte gespannt! :-)
Carlito: Ja, der Huub wird es nicht leicht haben, wenn sich alle wieder fit melden. Ich vermute aber mal, dass er...
tobitatze: @robkem04: So wird es derzeit gemacht. Im Sportbloggernetzwerk werden Vorschläge gesammelt, die dann von...
tobitatze: Das stimmt. Da gilt halt auch der Satz: “Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht...