Tommes04

 

Das war ja mal nix. “Eine enttäuschende Leistung”, so heisst es nicht das erste Mal in dieser Saison. Überhaupt – was für eine komische Saison: Abermals ein Spiel, nach dem man enttäuscht sein muss, aber wenn man auf die Tabelle blickt, reibt man sich die Augen: Platz 3, immer noch. Manchmal kaum zu glauben. Aber weil es eben nur “immer noch” ist, ist ein Punkt zu wenig. Und weil ein Punkt zu wenig ist, kann ich die Körpersprache unserer Spieler während der Partie nicht wirklich verstehen.

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Der Chefblogger (Tobi) vergnügt sich schalkefrei in New York City, der Stellvertreter (meine Wenigkeit) ist beruflich auf Dauerachse, da passt es, dass sich unser treuer Leser Stefan (@maddoc04) mit einem Gastbeitrag zu dem traurigen Abgang von El Siete und der aufbrandenden Diskussion, wie man den Spieler ehren sollte, positioniert. Viel Spaß beim Lesen:

Muchas Gracias Senior Raul por tiempo fantástico de dos años

In den letzten Monaten hofften und bangten wir. Bleibt Raul Gonzales Blanco über diese Saison hinaus auf Schalke oder nicht. Wir versuchten auf dem Platz in seinem Gesicht zu lesen und machten uns immer wieder Hoffnung – (noch) keine Entscheidung ist wenigstens keine negative Entscheidung, dachten wir. Aber, wie wir seit dem 19.04.2012 wissen wird Senior Raul den FC Schalke 04 verlassen. Die Gründe, die er auf der Pressekonferenz genannt hat, sind verständlich und nachvollziehbar. Die Reaktion von Horst Held und Clemens Tönnies auf der Pressekonferenz waren von Dankbarkeit gegenüber dem Spieler und Menschen Raul gekennzeichnet. Die hieraus folgende Entscheidung die Nummer 7 bis auf weiteres nicht zu vergeben und den Senior für die Ehrenkabine vorzuschlagen ist da nur konsequent und richtig. Trotzdem ist der Verlust nicht weniger schmerzhaft. Noch schmerzhafter ist es aber am selben Tag aus der Presse zu erfahren, wie sich sogenannte Eurofighter an einem solchen Tag äußern (www.goal.com/de/news/3643/exklusiv/2012/04/19/3047016/raul-die-ewige-nummer-sieben-olaf-thon-und-ingo-anderbr%C3%BCgge-sind). Die Äußerungen von den Herren Thon und Anderbrügge wirken hier doch deplaziert und offenbaren ein Denken im Gestern, wozu die großen Schalker Helden wie z.B. Ernst Kuzorra und Stan Libuda argumentativ missbraucht werden. Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Die Leistungen des Schalker Kreisels waren zu ihrer Zeit überragend und die Erinnerung hieran muss immer wach gehalten werden. Aber, heisst dies wir dürfen keine weiteren Helden in unsere blauweissen Herzen aufnehmen? Schmälert die Ehrung für Raul die Leistungen von herausragenden Spielern früherer Zeiten? Definitiv nicht!

Jede Generation hat Ihre Helden. Die Heraushebung der Leistungen des Spielers und Menschen Raul erniedrigt nicht die Leistungen des Schalker Kreisels. Die Spieler von damals werden immer ihren Kultstatus auf Schalke behalten. Hier liegen die Herren Thon und Anderbrügge mit ihrer Meinung genauso falsch wie mit der Aussage, dass eine solche Ehrung nur langgedienten Spielern zuteil werden sollte. Raul hat etwas nach Schalke gebracht, was viele Spieler in Ihrer gesamten Karriere nicht geschafft haben. Das Vorleben eines Werte- und Normengerüsts, in dem kein Platz für Arroganz oder Feindseeligkeit war, hat sich sowohl auf die Spieler als auch auf die Außenwahrnehmung des Vereins Schalke 04 übertragen. Dem gegnerischen Torwart für eine exzellente Reaktion zu applaudieren, die das eigene Tor verhindert hat, sei hier beispielhaft als wertschätzendes Verhalten auf dem Platz genannt. Raul lebt den Fussball und der Fussball lebt Raul. Hier die Würdigung einer Leistung von einer Zeitvorgabe abhängig zu machen ist einfach falsch. Wenn Herr Anderbrügge hier noch ergänzt „Aber es ist nicht auszuschließen, dass man mit solch einer Entscheidung anderen weh tut.“ mag er ja vielleicht sogar recht hat haben. Aber der hierdurch meiner Meinung nach zu unrecht ausgedrückte Neid Einzelner kann doch kein Entscheidungskriterium für oder gegen die Ehrung eines herausragenden Spielers sein. Oder haben die beiden Eurofighter bedenken das durch die Ehrung der Leistungen des Menschen und Spielers Raul ihre Position und Erinnerung abschwächt? Ich empfand die Äußerungen jedenfalls inhaltlich und zeitlich absolut unpassend. Im Verlaufe einer Karriere, die von der gesamten Welt verfolgt und wahrgenommen wird, trotz herausragender Leistungen nicht die Bodenhaftung zu verlieren, ist für sich schon eine große Leistung. Diese „Softskills“ in Verbindung mit herausragenden Leistungen auf dem Platz hat Raul auf Schalke gezeigt und versucht an die vor allem jungen Spieler weitergegeben. Er hat somit Schalke 04 sowohl in der Innen- und Außenwahrnehmung als auch auf dem Platz durch sein Spiel und seine Tore unschätzbare Dienste erwiesen.

Was muss einen Spieler noch leisten, um sich für eine herausragende Stellung in den Annalen eines Vereins zu qualifizieren? Ich persönlich freue mich sehr und finde es mehr als gerechtfertigt, dass der Verein die Nummer 7 bis auf weiteres nicht mehr vergeben wird und Senior Raul Gonzales Blanco auf der Jahreshauptversammlung 2013 in die Ehrenkabine aufgenommen werden soll. Meine Stimme bekommt er. Und jetzt bitte Thon aus.

 

Was war das denn für ein geiler Abend? Was sag ich da Abend – der ganze Tag stand im Zeichen eines Fußballfestes. Schon Nachmittags ging es los. Für mich persönlich, der viele altbekannte Schalker traf und neue kennenlernen durfte. Und für alle, die rund um die Schalker Meile mit den grandiosen Fans von Twente Enschede feiern durften. Uns verschlug es Stunden vor dem Spiel ins Anno 1904 -der erste Biergartenaufenthalt des Jahres-, Holländer und Schalker feierten unter königsblauem Himmel gemeinsam, was das Zeug hielt. Ich war überrascht, wie textsicher die Enscheder unsere Lieder kannten – herrlich, das Lied über die Abstammung der Nachbarn aus Lüdenscheid einmal in niederländischem Akzent vorgetragen zu bekommen.

Nach Sonnenuntergang sollte es dann Richtung Arena gehen. Auch dort war alles für ein Fußballfest geebnet. Nervöse Gesichter, wo man nur hinschaut. Schaffen wir es trotz eines halben Dutzends Pappnasen auf dem Feld, den Rückstand gegen eine stark beschriebene Enscheder Mannschaft aufzuholen? Dafür ist wichtig, ohne Gegentor zu bleiben. Und genau dieses führt dann zu allgemeiner Ernüchterung. Ein Tiefpunkt, so hatten wir uns das nicht vorgestellt. Der Traum vom Weiterkommen war schon geplatzt.

Aber von Twentes Elf war in der Folge nicht viel zu sehen, Schalke bäumte sich auf und die Emotions-Achterbahn fuhr wieder in die richtige Richtung. Was folgte war ein Feuerwerk der Gefühle. Der Türöffner war natürlich der Ausgleich zur rechten Zeit. Mit diesem Treffer ging es richtig los, ich will fast sagen, es wurde in der Folgezeit Geschichte geschrieben. Schon das Halbzeit-Programm: Auf dem Anzeigewürfel tauchte das “Parkstadion-Ufo” auf – ein Remake der Animation eines Ufos, welches den Slogan “Let’s go Schalke” auf die Bildfläche schießt/schreibt und welches damals in fürchterlicher Pixel-Grafik auf der alten Anzeigetafel herumdüste. Dieses Dings mit der selben Olschool-Pixelgrafik war also wieder da. Eine Reminiszenz an die glorreichen Europapokaljahre. Aber damit nicht genug wurde zum Ende der Halbzeit das Twente-Stadion-Lied eingespielt, nämlich Kernkraft 400 von Zombie Nation. Ein Dankeschön der Stadionregie für das Abspielen von “Blau und Weiß” in Enschede. Klar gingen die Twente-Fans darauf ab. Einige Tore später wurde “Zombie Nation” dann allerdings adoptiert und vom ganzen Stadion mitgesungen. Ein neuer Chant war geboren. Große Europapokalabende schaffen neue Songs – wer erinnert sich nicht gerne an die Geburt von “Steht auf, wenn ihr Schalker seid” im Halbfinale gegen Teneriffa 1997.

Nach unserem zweiten Tor (“jaaaa, wir können es schaffen”), dem dritten Tor (“jaaa, wir schaffen es”) und dem vierten Tor (“jaaaa, wir haben es geschafft”) gab es kein Halten mehr. Unser Team wurde vor der Twentekurve abgefeiert, remember Sevilla 2006. Irgendwie war der ganze Tag ein Medley von tollen Schalke-Erlebnissen der Vergangenheit, nur mit dem schönen Unterschied, dass es die Gegenwart ist. Es war zwar “nur” ein Europapokal-Achtelfinale (hallo Lüdenscheid!), aber angefühlt hat es sich mindestens wie ein Halbfinale. Das war so richtig mein Schalke, wie ich es liebe. Ein Abend, der mit zu meinen schönsten Schalkeerlebnissen zählen wird. 50% des emotionalen Tages gehen dabei auf das Konto der großartigen Fans von Twente Enschede.

Bedankt en veel succes, Twente Enschede!

 

An diesem Wochenende werde ich in Berlin sein. In Berlin? Es ist doch weder Pokalfinale noch spielen wir gegen diese Hauptstadt-Fahrstuhlmannschaft? Und doch, manchmal fallen die Feste halt anders, als der Terminplaner bei der DFL so will.

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Das war ja mal eine verfluchte Pokalrunde. Bis auf Holstein Kiel und Greuther Fürth haben sich nur die bösen Teams durchsetzen können. Zu unserem Spiel will ich gar nicht viele Worte verlieren.

Aber dennoch gab es einen ganz witzigen Aspekt am Rande der Auslosung. Als hätte Wolfgang Stark persönlich die Lose gezogen, haben die Lüdenscheider das mit Abstand leichteste Los (nicht zum ersten Mal in dieser Saison) erhalten. In Kiel hingegen war die Freude riesengroß. Man achte in dem nachfolgenden Video ganz besonders auf die Sprechchöre, welche die Kieler Spieler anstimmen. So viel also zur allgemeinen Beliebtheit der Supercup-Versager:

Kieler Freude über Lüdenscheid

Es geht aber auch anders. Erinnert sich jemand an die Auslosung zur ersten Runde? Da war die ARD live vor Ort in Teningen und nahm sehr ähnliche Bilder auf, als dem sympathischen Underdog aus Teningen der noch sympathischere Titelverteidiger aus Gelsenkirchen zugelost wurde. Man achte ganz besonders auf die Teninger Sprechchöre:

Teningen freut sich über Schalke

So viel also zur unterschiedlichen Beliebtheit zweier Vereine.

 

Schon wieder 5 Tore für uns. Wie in diesem Jahr schon gegen Mailand, Duisburg, Köln, Helsinki und Larnaka. Nun also auch gegen Werder Bremen. Auch wenn die Bremer in deren letzten Auswärtspartien schwächelten – von vornherein war nicht unbedingt damit zu rechnen.

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Das war sie also schon, die Reise nach Jerusalem Haifa. Rundum gelungen, touristisch wie sportlich. Sieht man mal von kleinen Wirrungen ab, weil ich zum israelischen Notzahnarzt musste (mit allem drum und dran 20€ – da nehme sich das hiesige Gesundheitswesen mal ein Beispiel!), war es ein großartiger Trip.

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Auf geht es nach Haifa. Bis heute war ich in Tel Aviv und somit habe ich das Abschlusstraining in Haifa nicht gesehen. Schade eigentlich, denn seit “meiner” Europapokal-Historie, die 1996 begann, gehört das vorspieltägliche Abschlusstraining irgendwie dazu. Andererseits wäre es wohl ein fröhliches Rätselraten geworden, wer denn so mancher Spieler im blauen Trikot überhaupt ist. Ich muss zugeben, dass ich von den Amateuren so gut wie nie Spiele sehe und nur die Ergebnisse verfolge. Nun stehen einige von ihnen im Kader von heute. Nicht überraschend und vielleicht etwas zweifelhaft, was den Wettbewerb angeht, aber Motivation kann man ohnehin nicht unter Wettbewerbsmaßstäben messen, daher macht es sogar Sinn, die zweieinhalbste Garde antreten zu lassen, denn die sind vielleicht noch motiviert.

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Heute ist ein spiritueller Tag. Aber Schalke ist bekanntlich eine Religion und eines der größten religiösen Weltzentren neben Gelsenkirchen ist nun einmal Jerusalem. Daher machte ich mich heute auf in diese Wahnsinnsstadt, die mich im vergangenen Jahr so geflashed hat wie es selten eine Stadt vermochte. Also mit dem Sammeltaxi zum Busbahnhof und von dort mit dem Überlandbus rüber nach Jerusalem. Das Kinderspiel “Reise nach Jerusalem” stammt übrigens vom hiesigen Busbahnhof, denn bevor die Musik ausgeht, sollte man den letzten Platz im überfüllten Bus erhascht haben. Sonst gibt’s aber nichts zu meckern. Die Busse sind bequem, günstig, fahren im dichten 20-Minuten-Takt ohne Zwischenhalt und haben freies WLAN an Bord. Vorbildlich.

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Dez 112011
 

Da bin ich nun. Seit gestern Nacht. Kurz nach Mitternacht in Tel Aviv gelandet und mit Rekord-Geschwindigkeit die ach so schwierige Einreiseprozedur überstanden. Musste nur einer völlig übermüdeten Grenzbeamtin, die vermutlich noch nicht mal wusste, wieviele Spieler in einer Fußballmannschaft stehen, erklären, dass ich zum Fussball hier bin. Nun ja, danach gab es den begehrten Einreisestempel und auch den Koffer. Der Taxifahrer danach war indes der erste Betrüger. Ich habe aber auch selber die grundlegendsten Regeln (Taxameter benutzen oder Fahrpreis vorher festklopfen) mißachtet, also selbst Schuld und 6€ ärmer.
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