Mai 052014
 

Leverkusen und Nürnberg bescherten uns am Samstag schon in Co-Produktion ein doofes Endspiel nächste Woche, in dem es für uns um die direkte CL Quali geht, und für Nürnberg ums nackte Überleben in der ersten Liga. Einen Tag später, am Sonntag und dem 110. Geburtstag des FC Gelsenkirchen-Schalke 1904 eV gab es, bis auf eher wenige Ausnahmen, eher positive Nachrichten zu vermelden.

Dass es nicht so hitzig zuging wie im letzten Jahr lag nicht nur an den deutlich tieferen Temperaturen (im Innenraum hats sogar gezogen wie Hechtsuppe), sondern schlicht auch daran, dass es einfach keine (großen) Aufreger wie im letzten Jahr mit viagogo gab. Auch wenn es im Vorfeld einige Schlagabtäusche zwischen Verein und der Organisation SchalkeVereint gab – offenbar, so die Darstellung, wurde hier bei den Kritikpunkten (insbesondere Anträge auf Satzungsänderungen) einfach mal der konstruktive Dialog gesucht und anschließend die Anträge zurückgezogen. Möglicherweise hatte der Verein auch keine Lust auf Pfiffe und 20 Redebeiträge zu diesen Änderungen, auf mich wirkt es jedoch erfreulicherweise so als werde auf Schalke wieder mehr miteinander statt gegeneinander gesprochen.

Was man in jedem Fall mitnehmen kann ist: Schalke lebt. Nicht, weil jede Entscheidung (man könnte meinen, aus Prinzip) direkt heftigsten Gegenwind mit einer eigenen Fanorganisation bekommt, nein, die Schalker Mitglieder haben ein sehr gutes Gespür für Demokratie. Einer der “größeren” Aufreger, die es abgemildert noch auf die JHV geschafft haben, betraf die Wahl des Wahlausschusses. Der Wahlausschuss, das als Info für alle, die sich mit der Schalker Satzung bisher nicht genauer befassten, befindet über die “Tauglichkeit” von Kandidaten für den Aufsichtsrat; nur vom Wahlausschuss abgesegnete Kandidaten können von den Mitgliedern in den Aufsichtsrat gewählt werden. Der SFCV (als Tochtergesellschaft des S04) stellte einige seiner Mitglieder für die Wahl zum Wahlausschuss. Diese wurden auch noch auf der Schalker Vereinswebseite per Video vorgestellt und zusätzlich eine Wahlempfehlung ausgesprochen, doch bitte eben jene Kandidaten zu wählen. Nicht nur, dass die anderen Kandidaten damit deutlich benachteilt wurden, vielmehr hätte es im schlimmsten Fall zu folgendem Szenario kommen können: Der Wahlausschuss, mit mehrheitlichen Mitgliedern des SFCV, also Angestellten des FC Schalke 04, wählt Kandidaten für das Kontrollgremium des FC Schalke 04 aus. Auch wenn man vom guten Willen jedes Einzelnen dort ausgeht, von Neutralität und Unabhängigkeit kann dann definitiv keine Rede mehr sein.

Ergebnis dieser Aktion: Aus diesen Kandidaten schaffte es nur einer in den siebenköpfigen Wahlausschuss,  der ehemalige Präsident Michael Zylka (hatte 1988 eine Amtszeit von ganzen 3 Tagen). Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Mitglieder sich zum einen nicht vorschreiben lassen, wen Sie zu wählen haben, andererseits aber auch ein gutes Gefühl dafür besitzen, dass in so einem Gremium eben Unabhängigkeit extrem wichtig ist. Dieses Verständnis der Satzung, das Gespür dafür, wer hier was zu sagen haben sollte, und das teilweise sehr knappe Ergebnis (Platz 7 und 8 trennten 10 Stimmen), freut mich nicht nur, es macht mich sogar richtig Stolz. Wir sind eben doch nicht alles Idioten :)

Ein weiterer Unangenehmer Punkt kam gegen Ende zur Sprache, die Nachbereitung des Polizeieinsatzes in der Nordkurve während des Spiels gegen PAOK Saloniki. Hier wurde insbesondere die fehlende Unterstützung des Vereins gegenüber den durch diesen Einsatz zu Schaden gekommenen vorgeworfen. Auch wenn Herr Peters darauf verwies, er hätte die Kritik am Einsatz niemals zurückgenommen, sondern bleibe gegenüber der Polizei und dem Innenministerium weiterhin bei seinem Standpunkt, dass der Einsatz so nicht notwendig war: es bleibt der Nachgeschmack, dass hier doch leider den “Drohungen” der Polizei nachgegeben wurde. Echter Kampf und Verständnis für die Betroffenen hört sich anders an.

 

Kommen wir nun jedoch zu den glücklicherweise deutlich überwiegenden erfreulichen Themen:

– Unser Co-Autor Thomas Wings wurde für 25 Jahre Knechtschaft Mitgliedschaft auf Schalke geehrt. Alter Sack! Glückwunsch!

– Ralf Fährmann ist Schalker und bleibt Schalker. Die Vertragsverlängerung war laut Heldt die einfachste, die er je erlebte.

– Die Veltins Arena wird nicht zur Merkur Spielothekenquatschkram Arena oder sonst irgendwas, sondern bleibt die Veltins Arena. Dafür gab’s Streicheleinheiten für Jobst; er wird sich nach viagogo aber auch bewusst sein, wie schmal der Grat zwischen “wir brauchen jedes Geld!” und “wir verkaufen unsere Seele nicht!” ist.

– Knappenschmiede ist toll, weil U19 ist toll, weil Elgert hat verlängert und ist Trainer des Jahres, weil U19 so toll ist. Sehr viel Lobhudelei für die Knappenschmiede im Allgemeinen, die sich das aber mal richtig verdient hat. Glückwunsch an den erneuten Westdeutschen Meister, liebe U19!

 

Die Wahl der beiden Aufsichtsräte Langhorst und Hefer war bei den ganzen Wohlfühlmeldungen später dann doch irgendwie nur noch eine Nebensache. Leider auch die Ehrungen und das Gedenken verstorbener Mitglieder, denn im Innenraum hatte sich rumgesprochen, dass schon die begehrten “Vor-Vorverkaufsrubbellose” ausgegeben wurden, mit denen auch dieses Jahr wieder einige Leute auf die Versammlung gelockt werden sollten. Blitzschnell leerte sich auch der Rest der Arena, trotz ausgerufenen Freibiers nach dem Singen des Vereinslieds zum Abschluss.

Na gut, zu diesem Zeitpunkt war es ca 19:20, viele, wie ich auch, waren seit 10 Uhr vor Ort, da darf man auch schon mal wieder nach Hause wollen. Schön, dass es nicht wieder so lang dauerte wie letztes Jahr, da wurd’s schon wieder dunkel draußen, trotz Hochsommer.

 

Einen hab ich noch: Am Donnerstag, den 8.5., gibt es, als kleine Extra-Ausgabe bevor wir nächste Saison wieder voll durchstarten, noch einmal einen 19Uhr4 Hangout zum Spiel gegen Nürnberg. Viel Spaß dabei!

  One Response to “Kuschel-JHV zum Wohlfühlen”

  1. […] Ralf Fährmann soll bis 2019 Schalker bleiben (derwesten.de) +++ Kuschel-JHV zum Wohlfühlen: blogundweiss über die Jahreshauptversammlung auf Schalke +++ Rassismus: Affenrufe gegen Levantes Diop (ksta.de) […]

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