Jul 012013
 

Sie liegt hinter uns, die diesjährige Jahreshauptversammlung. Und sie gestaltete sich so, wie man erwarten durfte. Der Löwenanteil der Versammlung drehte sich um das Vertragswerk mit Viagogo, das nun ab dem heutigen Tage in Kraft tritt. Ab heute hat der FC Schalke 04 sich gegen den erklärten Willen seiner Mitglieder einen legalen Schwarzmarkt, euphemistisch “Zweitverwertungsmarkt” genannt, geschaffen.

Erster Vorstandsredner war Peter Peters, der staubtrocken seine Finanzzahlen referierte. Auf die Themen, die ihn besonders betreffen und von denen er wusste, dass sie einen großen Teil der Mitglieder interessieren, wie etwa die Frage seiner Zustimmung zum Sicherheitspapier der DFL ging er ebensowenig ein wie auf den Viagogo-Deal. Er sparte diese Themen einfach aus. Nicht so Alexander Jobst, der zweite Redner. Viagogo gehört in seinen Zuständigkeitsbereich. Er war zumindest so gut beraten, das Thema von sich aus anzusprechen, was die Stimmung in der mit rund 9000 Mitgliedern gefüllten Arena zum Kochen brachte. Jobst musste sich fast die gesamte Zeit seiner Rede hindurch ein lautstarkes Pfeifkonzert anhören, ebenso Sprechchöre wie “Wir sind Schalker und Du nicht”. Damit, so konnte man ihm ansehen, hat er in dieser Dimension nicht gerechnet. In seiner vorbereiteten Rede sprach er an, dass er die Kritik am Pakt mit viagogo verstanden haben will. Man wolle den Vertragspartner genau beobachten und im Falle von Verstößen (gemeint sei wohl ein Ticketpreis von mehr als 100% Aufschlag) wolle man den Vertrag nach drei Jahren nicht verlängern oder sogar eine Option ziehen, nach zwei Jahren auszusteigen. Überhaupt nicht erwogen worden sei, zumindest sagte Jobst dies nicht, ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Vertrag. Dazu mein persönlicher juristischer Rat: Schaut dieser Firma auf die Finger! Wenn sie sich so gebart, wie sie dies bisher tat, finden sich auch Gründe für eine fristlose Kündigung. Man muss es nur wollen. Für 1,2 Mio € pro Jahr schafft man sich keine solchen Probleme ins Haus. Das Geld ist es nicht wert.

Die Regie des Tages sah vor der Aussprache noch den Vortrag von Horst Heldt vor. Das war eine bewusste Regie, denn Heldt ist als guter Redner bekannt, er besitzt so viel emotionale Intelligenz und hat auch nichts schlimmes zu verkünden, dass die Wogen sich nach der Rede von Jobst wieder beruhigen sollten. Damit auch ja nichts schief geht, wurden als Teil seiner Rede noch die Tore aus dem Derby eingespielt. Opium für das Volk.

Das Volk spielte aber nicht mit. Nach Heldts Rede ging es zur Aussprache. Ich habe die Zahl der Redner nicht mitgezählt, aber sicherlich 25 werden es gewesen sein. Es begann mit einer grandiosen Rede von Stefan Barta, der es schaffte, in einer gleichsam emotionalen wie sachlichen Zusammenfassung der Lage seine ernsthafte Sorge darüber zu äußern, dass Schalke sich mit diesem Geschäft in die große Gefahr begibt, seiner Seele zu berauben. Dass es ein Unding sei, der Firma viagogo 300 Tickets zur Verfügung zu stellen anstatt diese an Kinder von “Kumpeln und Malochern” zu geben, die sich schon heute keine Tickets mehr leisten könnten. Dieser Vertrag sei der Einstieg, so Barta, und in ein paar Jahren könne die Stimmung bei uns mausetot sein, so wie in englischen Stadien heutzutage. Seine Sorgen kamen an und wurden mit verdienten Ovationen belohnt. Es folgten zahlreiche Redner, allen voran die Initiatoren der viaNOgo-Initiative Michael Eckl und Frank Zellin, die nicht nur sehr sachlich von ihrer Motivation berichteten, sondern dem Vorstand auch vorwarfen, wie der Verein mit die AktivistInnen rund um viaNOgo umgegangen seien. Nämlich in einer durchaus beschämenden Art und Weise, die mit einem Demokratieverständnis nicht viel zu tun habe. Oder Stefan Schorlemmer, der in seiner Rede den Vorstand aufforderte, den Preis für eine Kündigung auszurechnen, dies auf die erwachsenen Mitglieder umzulegen und er selber verpflichte sich freiwillig, auch für neun andere Mitglieder diese Summe zu übernehmen. Oder Roman Kolbe, der den Vorstand aufforderte, die Mitglieder über diesen Vertrag schlicht abstimmen zu lassen. Etwa 80-90% der Redebeiträge stellten viagogo in den Mittelpunkt und warfen dem Vorstand diesen Vertrag vor. Antworten wurden angekündigt, auf jede Frage solle geantwortet werden, beteuerte Tönnies als Versammlungsleiter. Seltsam nur, dass man gar nicht sehen konnte, wie sich die Angesprochenen Notizen machten oder die Fragen mitschrieben.

Im Wesentlichen beteuerte der Vorstand als Reaktion auf die deftige Kritik, dass man diese durchaus ernst nehme. Man habe dies verstanden, die Kritik sei sehr nahe gegangen. Man wolle diese sacken lassen und dann beraten, wie man mit ihr umgehe. Ob damit gemeint ist, dass man den viagogo-Deal letztlich aussitzen werde und hoffe, der Vertrag gerate in Vergessenheit, könnte eine Interpretation sein. Schließlich sei auch der Vertrag mit Gazprom heute kein Thema mehr. Gerd Rehberg warb in einer als Aufruf zur Ruhe gestalteten Rede quasi darum, wenn er auf frühere Proteste gegen Gazprom oder den Transfer von Andreas Möller (“aus der Heulsuse wurde eine Kampfsuse”) hinwies.

Schließlich folgte der Tönnies-Moment. Tönnies zeigte sich als Versammlungsleiter zuvor wegen der vielleicht nicht in dieser Deutlichkeit erwarteten Proteste unbeherrscht und mitunter oberlehrerhaft. Stand seine als sicher geltende Wiederwahl in den Aufsichtsrat doch noch auf dem Spiel? Wenn, dann könnte er sich nur selbst im Weg stehen. So etwa, als er völlig ohne Not darauf hinwies, dass er seinem Freund Ulrich Hoeneß auch nach wie vor beistehe. Ist ja schön und gut. Muss man aber nicht unbedingt erwähnen. Aber auch dagegen hatte die JHV-Regie ein probates Mittel vorbereitet. “Tue Gutes und Rede darüber”. Und so ließ es sich Tönnies nicht nehmen, eine herzzereissende Geschichte zu präsentieren: Sie begann schon damit, dass er, Tönnies, eines Abends, das Büro war schon nicht mehr besetzt, einen Anruf eines alten Mannes persönlich entgegen nahm. Und dieser erzählte ihm dann, dass er im zweiten Weltkrieg an der Seite des ehemaligen Schalker Spielers Adolf Urban gekämpft habe und mit ansehen musste, wie dieser tödlich verwundet worden sei. Er, der Anrufer, wünsche sich eine Gedenkminute für Urban, das habe er schon mehreren Managern des FC Schalke gegenüber geäußert. Tönnies aber wußte sofort, dass eine Gedenkminute zu wenig sei – er habe immerhin ein Flugzeug und man könnte doch einfach die Leiche von Urban nach Gelsenkirchen überführen.Und deshalb sei eine Delegation von Vorstand und Aufsichtsrat nach Russland gereist, um dort einen Kranz niederzulegen und klarzumachen, dass Urban nach GE kommen darf. Völlig zufällig wurde dann ein Videoeinspieler von einigen Minuten Länge vorgeführt, in der diese Geschichte ein zweites Mal, diesmal bebildert, nacherzählt wurde. “Das ist mein Schalke” rief Tönnies danach. Und seine Wiederwahl war doch noch gesichert.

Die Vorstellung der Kandidaten für die Wahl zum Aufsichtsrat verlief traditionell eher bieder. Relativ glanzlose Vorstellungen ohne viele Unterschiede. Neben Tönnies gab es nur zwei Kandidaten auf insgesamt zwei Posten. Der Wahlausschuss hat diesmal also nicht nur viele Kandidaten durchfallen lassen, sondern auch nur drei Kandidaten zugelassen. Auch so erhöht man die Chancen auf eine Wiederwahl natürlich beträchtlich. Der Wahlausschuss. Aber das ist ein Thema für sich. Letztlich wurde wie erwartet Tönnies gewählt, dazu noch Peter Lange, der schon einmal im Aufsichtsrat saß.

Zur Abrundung der Veranstaltung gab es dann noch den Antrag, die Mitgliederversammlung über eine Empfehlung hinsichtlich des Viagogo-Deals abstimmen zu lassen. Nicht rechtsverbindlich, sondern als bloße Empfehlung. So wie ich es im letzten Absatz zu meinem Blogbeitrag vor der JHV schon vorschlug, weil ein Mehr an Rechtsverbindlichkeit in diesem Zusammenhang leider nicht geht. Der Antrag wurde gestellt von den vianogo-Aktivisten, wurde zur Abstimmung zugelassen und erhielt eine satte Mehrheit von 80%. Der Vorstand hat nun blau auf weiß, dass er gegen die erklärten Mitgliederinteressen handelt.

Wir werden bei der nächsten Hauptversammlung sehen, ob er wirklich verstanden hat.

 Posted by on 1. Juli 2013 at 07:34

  28 Responses to “Viagogo aussitzen oder kündigen?”

  1. Es folgten zahlreiche Redner, allen voran die Initiatoren der viaNOgo-Initiative Michael Eckl und Frank Zellin, die nicht nur sehr sachlich von ihrer Motivation berichteten

    Die Sachlichkeit mag auf die Reden der beiden Initiatoren noch zugetroffen haben, anschließend haben sie allerdings auch wieder bewiesen, dass eine Diskussion auf Augenhöhe anscheinend nicht möglich ist. Zumindest empfinde ich es als höchst unsachlich, respektlos und der Sache absolut undienlich, wenn nicht klar gegen Viagogo gerichtete Redner wortwörtlich als “Penner” beschimpft werden.
    Von der rothaarigen Selbstdarstellerin am Ende will ich gar nicht erst anfangen…

  2. Die “rothaarige Selbstdarstellerin” am Ende sollte man – wenn man es denn kann – bitte mal ausblenden. Es handelt sich um ein sehr junges, aufbrausendes Mädel, das hier die Grenze überschritten hat. Keine Frage. Ich habe mich auch dafür geschämt. Aber: Muss ein Clemens Tönnies, der es gewohnt ist, auf einer solchen Bühne zu stehen, ein Mädel so dermaßen vorführen? Ich habe da so echt meine Zweifel. Aber auch aus solchen Situationen, die der Sache definitiv schaden, wird man lernen.

    Nun gut, zu den anderen Rednern auf der Bühne, die nicht gegen viagogo waren. Mir ist bekannt, dass es sich hierbei – zumindest zum Teil – um “gekaufte” Redner handelt. Diese Redner werden ganz bewusst im Vorfeld der JHV “rekrutiert” und mit einem “Leckerlie” gelockt. Dies sind z.B. Kartenkontingente. Ich habe das Wort “Penner” nicht gebracht, hätte aber auch wirklich keine Scheu davor.

    Diese Redner werden dann auch ganz gezielt von der Versammlungsleitung “eingebaut”. Manche von denen waren nämlich gar nicht vorn und hatten sich angemeldet, das muss also schon im Vorfeld passiert sein. Und ob man erst eine halbe Stunde Lebenslauf abgeben muss, bevor man seine Rede anfängt, weiß ich nicht. Ich habe mich auch bei den Rednern echt gefragt, was die eigentlich wollen. Warum gehen die in die Aussprache, wenn sie gar nichts zu sagen und zu fragen haben?

    Diese Inszenierung war aber zum Glück zu offensichtlich. Den meisten Mitgliedern wird es aufgefallen sein und sie haben ja auch ihre Schlüsse daraus gezogen.

    Übrigens Danke für diesen Bericht, er gibt die JHV wie ich finde sehr gut wieder.

    • Redner, die nichts zu sagen haben, gibt es doch jedes Jahr auf der JHV. Und die Unterstellung, dass manche Redner “gekauft” wurden, ist schon starker Tobak. Wenn dem so gewesen sein sollte, dann wirft das noch mal ein ganz anderes Licht auf die ganze Vorstellung.

  3. Es gibt ein paar Spitzen, die irgendwie untergegangen sind:

    Peters schob den Verlust des Geschäftsjahres auf das frühe Ausscheiden im DFB-Pokal. Da ist ja hinlänglich bekannt, dass mit den zahlreich übertragenen Spielen da die meiste Kohle zu holen ist.

    Das fande ich schon ziemlich absurd.

    Das mit den Rubbelosen finde ich auch maximal Grenzwertig. Das ist im Vianogo-Clash auch irgendwie untergegangen, dass das ein scheussliches Mittel und ekelhaftes Demokratie-Verständnis ist.

    Und ich würde glaube ich gerne für eine Antragskommision werben, die Anträge zulässt oder formal nicht zulässt. Dass das der Aufsichtsrat(?) macht den man darüber ja kontrollieren kann ist mir irgendwie ein Dorn im Auge.

    • Er hat “auch” gesagt. Hauptgrund sind und bleiben die hohen Personalkosten.
      Viel wichtiger fand ich die Formulierung, dass der Schuldenabbau “weiterhin auf der Tagesordnung” stehen wird. In den letzten Jahren hatte dieser noch Priorität. Ich bin gespannt, wie die Entwicklung da in den nächsten Jahren ist.

      • Da hat er gesagt, dass man die Personalkosten um fett 1,4 Mio gesenkt hat. Uns allen aber klar sein muss, dass man da nicht weiter sparen kann. Hä? :-)

        Was gegenteilig ist zu dem was die letzten Jahre gesagt wurde, dass man ausgerechnet in diesem Bereich hohe Einsparungen leisten möchte. An einer von beiden Stellen erzählen sie uns doch kappes :)

        • Er hat als Grund die Vertragsverlängerungen der Leistungsträger und die Zahlungen durch Abfindungen und Vertragsauflösungen angegeben.
          Warten wir es mal ab. Mit Jurado & Metzelder stehen zwei Top-Verdiener nicht mehr auf der Gehaltsliste.

          • Ich wette um einen Sixpack Veltins, dass die Personalkosten nicht weiter sinken werden :)

            Dabei? :-)

          • Hmmmm. Ich trinke schon ganz gerne Veltins :)
            Dabei! Der Deal: Wenn die Personalkosten in der nächsten Bilanz niedriger sind als in der vergangenen, dann bekomm ich das Sixpack. Ansonsten du. Bei genau gleichbleibendem Betrag, einigen wir uns auf ein unentschieden… :D

          • Ich glaube, Ihr Beiden müsstet erstmal jemanden finden, der gegen Euch wettet ;-)

          • Nee ich sach ja die steigen und Tobi, dass sie sinken. :-)

            Du könntest gegen uns beide wetten, würdest auf jeden Fall nicht verlieren, der Spielreiz geht aber flöten! ;-)

          • Kleiner Tipp! Einigt euch auf eine bestimmte Summe, die unter- bzw. überschritten werden muss. Marginal können die Personalkosten sicherlich noch sinken, werden wohl aber weiterhin um die 90 Mio € liegen. Ne Reduzierung von mehr 5 Mio € wäre ein Sprung, alles andere ist als gleichbleibend zu behandeln!

    • Noch ein kleiner Nachtrag: Einer der Hauptgründe war nicht der DFB Pokal, sondern das Arenadach. Das hat ordentlich reingehauen. Ist mir grad noch eingefallen…

      • Wie teuer war, bzw. wird eigentlich das Dach? Ich hab da nicht mehr durchblicken können. Es war von 12 Mios die Rede; sind da die 6 ausm vorletzten Jahr schon mit drin, oder kommen die noch oben drauf? Und dann fiel noch mal “sechs Millionen”. Auch noch oben drauf? Dann wären es 24. Dafür bauen andere Vereine fast ganze Stadien, aber die wären ja auch froh, wenn sie die Schalker Probleme hätten… ;-)

        Dem gemeinen Häuslebauer wird doch immer empfohlen jährlich ein knappes Prozent der Anschaffungskosten als Rücklagen für eventuelle Reparaturen zu bilden

        Wären bei 130 Mios Baukosten ca eine Millionen per anno, die Donnerhalle ist jetzt 13 Jahre alt, machte grob 13 Mios an Rücklagen. Dann hätte man am DFB-Pokal gar nicht teilnehmen müssen und wär mitm Plus nach Hause gegangen.
        Frage 2: Wieso zahlt das eigentlich alles der FC S04? Wenn ich mich richtig entsinne gehören dem Verein im Augenblick doch nicht mal 50% des Stadions (oder knapp 80%, wenn man die vom Magath kurrzzeitig gegen Geld “verliehenen” Anteile dazu nimmt). Das ist jetzt wahrscheinlich aus Expertensicht eine eher naive Frage von Ossi Normalverbraucher, auf die ich trotzdem gerne ne Antwort hätte :-)

        • Wenn ich es richtig mitbekommen habe wurden in den letzten beiden Jahren jeweils 6,x Mio. € in Dachreparaturen investiert und noch einmal ca. 6 Millionen werden für die Restarbeiten (Ersetzen der vier Ecken) ausgegeben werden. So würde man am Ende bei +/- 19 Millionen Euro rauskommen.

    • Ich denke, das mit dem Demokratie-Verständnis muss man aber auch wieder differenziert sehen. Ich habe, glaube ich, relativ zentral im Innenraum gesessen.
      Mit jeder Stunde, die sich die Versammlung hinzog, wurden die Anwesenden um mich herum ungeduldiger. Schon nach dem 3. oder 4. Redner bei der Aussprache wurde nicht mehr richtig zugehört und sich bei jedem weiteren nur noch über “den nächsten Deppen im weißen Shirt” beschwert.
      Einige haben ihre Wahl zum Aufsichtsrat dahingehend kommentiert, dass der Bewerber, der als zweites dran kam (jedenfalls der, der letztlich nicht gewählt wurde), sich seine Wahl durch seine lange Rede selbst verbaut hätte.
      Nach der Stimmabgabe für die Aufsichtsräte war eine Abstimmung (Thema weiß ich nicht mehr, waren es die Entlastungen?!) eher knapp und die Versammlungsleitung überlegte, auch hier schriftlich abstimmen zu lassen. Ich hab das nicht genau beobachtet, aber ich hatte den Eindruck, allein die “Androhung” weiterer schriftlicher Abstimmungen hat einige dazu bewegt, sich umzuentscheiden, denn im zweiten Anlauf war es plötzlich eindeutig genug.
      Später, als es dann um die Ehrenkabine ging, waren einige erst recht entnervt, als der Vorschlag kam, Raul und Urban getrennt abzustimmen. Man kann zu der Argumentation hinter dem Antrag und zu den Spielern stehen, wie man will, aber auch hier haben einige wohl nur “im Block” abgestimmt, weil sie einfach nur noch nach Hause wollten.
      Und auch im Tagesordnungspunkt Dialog sah es nicht besser aus. Um mich herum wurde dazwischengerufen und gepfiffen. Nicht wegen der Inhalte, sondern weil sich jemand erdreistete, die Veranstaltung in die Länge zu ziehen.

      Demokratisch war das vermutlich eher nicht. Und ob es gut für den Verein war, oder einer solchen Veranstaltung würdig, sei mal dahingestellt. Man kann auch darüber streiten, ob all dies auch dann passiert wäre, wenn es keine Rubbellose gegeben hätte. Wer weiß, wie viele der Nörgler dann zu Haus geblieben wären. Andererseits sind sie geblieben und haben abgestimmt. Und das ist grundsätzlich erst mal gut.
      Wenn man also etwas zu meckern hat, dann daran, das man von Vereinsseite die Mitglieder 7 (mit Vorprogramm knapp 10 ) Stunden lang dazu “genötigt” hat, in der doch recht kühlen Arena auf Klappstühlen zusammengepfercht rumzusitzen und nach all den Querelen auch noch konstruktive Mitarbeit zu erwarten.
      Vieles, was man dort vorgestellt bekam, war vorab schon bekannt (z. B. Konzernbilanz) und wurde nur der Form halber (oder für die gute Laune) veranstaltet. Und auf der anderen Seite kam dann für mich manches einfach deutlich zu kurz (z. B. dieses ominöse Hamburger Urteil; welches Chaos entstünde ohne Entlastung der Gremien), als das ich da wirklich eine fundierte Entscheidung hätte treffen können. Auch das ist wenig demokratisch. Die Rubbellose, beim besten Willen, waren aus meiner Sicht das geringste Problem an diesem Tag.

      • Naja, dass es mit voranschreitender Zeit leerer und unruhiger wurde, finde ich völlig normal. Irgendwann ist man dann einfach nur kaputt und kann bzw. will nicht mehr zuhören. Aber ich wüsste auch nicht, an welcher Stelle man die Veranstaltung hätte kürzen können. Die Aussprache war unglaublich wichtig. Die Pappnasen, die dem Vorstand hinten rein gekrochen sind, hätte man sich sparen können, aber auch diese Leute haben ein Recht, auf einer JHV aufzutreten. Welcher Sinn hinter den Reden stand, kann ich aber bis heute nicht nachvollziehen.

        Die Berichte von Vorstand und Aufsichtsrat waren inhaltlich und in ihrer Länge auch angemessen. Auch wenn die meisten die Bilanz schon kannten, gehört es einfach zu einem Bericht des Finanzvorstandes, diese Zahlen nochmals zu erläutern. Tönnies’ offizieller Bericht war zwar trocken, aber so kurz wie nur möglich. Der persönliche Teil war ebenfalls in Ordnung. Auch er hat das Recht, seine Sicht der Dinge darzulegen (auch wenn ich es anders sehe). Einzig seine Geschichte zu Ala Urban war unnötig und reinste Reklame zur Wiederwahl. Wenn ihm die Geschichte so wichtig war, frage ich mich, warum er das alles bis zur JHV verschwiegen hat. Ohne anstehende Wiederwahl wäre die Geschichte nämlich ausführlich auf der HP und im Kreisel veröffentlicht worden.

        “Nach der Stimmabgabe für die Aufsichtsräte war eine Abstimmung (Thema weiß ich nicht mehr, waren es die Entlastungen?!) eher knapp und die Versammlungsleitung überlegte, auch hier schriftlich abstimmen zu lassen.”
        Bei dem Thema ging es um die Satzungsänderung, dass demnächst ein elektronisches Wahlsystem die schriftliche Stimmabgabe ersetzt. Hier war eine 2/3-Mehrheit notwendig, so dass nach der ersten Abstimmung das Ergebnis nicht ganz so klar war. Aber es stimmt, dass die schriftliche Abstimmung und Auszählung dadurch verhindert wurde, dass keiner Bock auf Auszählen hatte. Außerdem waren die Stimmurnen noch bei der AR-Auszählung, so dass die Abstimmung erst später durchgeführt werden konnte. Aber auch bei der ersten Handabstimmung war das Ergebnis aus meiner Sicht sehr nah an der 2/3-Mehrheit.

  4. Für mich ist das klar. Ansonsten würde mich wundern, wo die alle auf einmal aufgetaucht sind. Die hatten sich nämlich zum Teil nicht vorne angemeldet. Und ich saß in der 1. Reihe und konnte das gut beobachten.

    Das ging doch auf der rednerliste auch noch ganz munter hin und her. Erst wurde ein Uwe Kemmer genannt. und als die Liste geschlossen war, tauchte als letzter Redner auch noch Gerd Rehberg auf (der allerdings auch schon recht senil wirkte).

    • Ich kann das nicht beurteilen, da ich nicht im Innenraum saß. Das mit der Rednerliste war ziemlich unübersichtlich. Das war es die letzten Jahre aber auch. Grundsätzlich haben AR und Vorstand aber niemanden abgewürgt. Und es soll auch Leute geben, die den Deal nicht so schlimm finden. Auch diese Meinung sollte respektiert werden…

      • Jawoll, Du hast absolut recht. Einigen ist es echt egal. Und ich muss es auch Clemens Tönnies hoch anerkennen, dass jeder aussprechen durfte, auch wenn die Redezeit von 3 Minuten nicht ausreichte. Das war wirklich gut gemacht.

      • Mir ist aber nicht ganz klar wo der Sinn steht aufs Podium zu gehen und dem Vorstand für die tolle geleistete Arbeit in den Hintern zu kriechen. Das muss man akzeptieren mir ist nur die Motivation ein bisschen schleierhaft.

        • Manche Leute haben da auch so ein wenig Geltungsdran. Wann kann man schon mal vor 9.000 Menschen über Fußball reden?
          Im Großen und Ganzen fand ich die Redebeiträge, die ich mitverfolgt habe, in Ordnung.

          • Da gab es zwei die haben für den Vorstand gesprochen und da war überhaupt nicht klar, wo jetzt eigentlich deren Goal ist. Das sah schon ziemlich gekauft aus. Vor allem der CDU-Spastel war sehr mysteriös :)

            Das mit dem Geltungsdran stimmt bestimmt. Aber 2 + Rehberg waren nicht dazu da, ihre eigene objektive Meinung kund zu tun. Dass Rehberg der letzte Redner war, war ja auch kein dummer Zufall :-)

            Hab ich mich wirklich für geschämt, einen alten verdienen Mann in diesem Moment so kacke finden zu müssen.

  5. [...] (WAZ). Grund war der Ärger über einen Dreijahresvertrag mit der Online-Ticketbörse viagogo. Bei blogundweiss stellt man deshalb die Frage: “Viagogo aussitzen oder [...]

  6. Links anne Ruhr (02.07.2013)…

    Bochum: Carsharing-Projekt Ruhrauto-E nimmt Fahrt in Bochum auf (WAZ.de) – Datteln: Der NewPark ist tot? – Von wegen! Gerade wird dafür wieder massig Geld ausgegeben! (Ruhrbarone) – Dortmund: Feierliche Zeremonie: Verstorbener BV…

  7. Danke auch hier für die Zusammenfassung im Artikel und die vielen Kommentare, da ich leider persönlich nicht dabei sein konnte.

  8. Schön, dass die Ausgangsfrage so schnell geklärt werden konnte. :-)

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