Feb 042013
 

Fangen wir mal mit dem Positiven an. Ja, es gab auch positive Dinge aus dem Spiel gegen Fürth zu notieren. Bastos, zum Beispiel. Herrlich mit anzusehen, wie er mit dem Ball umgehen kann. Ballannahme, Ballmitnahme, Präsenz auf dem Feld, sein Überraschungsmoment und eine ausgefeilte Schußtechnik lassen nur den Schluß zu, dass sich unser Sportvorstand sehr zurecht um diesen Spieler gekümmert hat. Was für eine Bereicherung. Allein, mir macht nach diesem Spiel Sorge, dass er die Lust verlieren könnte und sich schon fragt, wann dieses Abenteuer für ihn endlich beendet ist. Was auch schön war: Der Umgang mit Büsenks und Asamoah. Schon bei der Mannschaftsaufstellung wurde beiden frenetischer Jubel zuteil. Und bei Asas Auswechslung in der zweiten Halbzeit erhob sich das gesamte Stadion zu standing ovations. Wobei wir jetzt schon elegant zu den negativen Dingen überleiten können, nämlich der Kritik an dem Jubel um Asamoah. Diese Kritik zu formulieren hat sich nach dem Spiel insbesondere Jermaine Jones getraut. Es sei ein Unding, die eigenen Leute auszupfeifen und Asa, bei allem Respekt für seine Verdienste, hochleben zu lassen. Diese Kritik halte ich mit Verlaub für absoluten Unsinn. Der umjubelte Asa ist Schalke pur, sozusagen die Essenz dessen, was positiv “Schalker Familie” bedeutet. Mir scheint die Jones’sche Kritik deutlich zu kurz gedacht. Wenn ich ihn richtig verstehe, interpretierte er die standing ovations als zynische Kritik an der Leistung des eigenen Teams. Was ein Unsinn. Vielleicht weiß Jones nicht, dass Asamoah immerhin “gewähltes” Mitglied unserer Ehrenkabine, unserer Hall of Fame ist (wenngleich ich es nicht so gelungen finde, dort noch aktive Spieler hineinzuwählen). Verdiente Schalker Spieler haben seit jeher ihren Applaus erhalten, selbst wenn sie in des Gegners Farben aufliefen. Selbst wenn sie wie einst Thomas Linke Münchener Farben auftrugen. Es sei denn,  sie haben zuvor die Schalker Seele verarscht (“rumgeneuere”). Deshalb hat sich ein Gerald Asamoah den Jubel um ihn sowas von verdient – der Typ lebt Schalke ja auch in Fürth. Und deshalb hatte dieser Jubel auch nicht zynisches an sich. Gepfiffen worden ist gleichwohl, allerdings für mein Empfinden angesichts des Spielverlaufs relativ zögerlich und geradezu zurückhaltend, mit einer Ausnahme: Als Raffael für Draxler eingewechselt wurde, kochte des Zuschauers Zorn und entlud sich in heftigen Pfiffen. Diese galten nicht Raffael, sondern der Herunterahme von Draxler, der einer der wenigen Aktivposten im Spiel war, neben Bastos und Farfan. Und diese Pfiffe sind es nun, die der Boulevard aufgreift, um weiteres Öl in das Feuer der Trainerherabwürdigung zu schütten. An Jens Keller reibt sich die Kritik, er habe keinen Einfluss auf die Mannschaft, die etablierten Spieler würden ihn nicht respektieren, heisst es aus der “Bild-Ecke”, naturgemäß ohne belastbare Beweise für diese Behauptung. Über Draxlers Herausnahme darf man streiten, die Hereinnahme von Raffael war notwendig, um zumindest zu versuchen, nach vorne kreativer zu agieren. Denn neben der hundsmiserablen Abwehrleistung war das für mich größte Manko die Ideenlosigkeit, die Unkreativität im Aufbauspiel. Kein Wunder, dass das (Traum-)Tor ein Schuss aus der Ferne war und nix herausgespieltes. Chancen gab es durchaus einige, die aber ihrerseits aus dem Kampf, der Brechstange entstanden, nicht aus einem spielerischen Ansatz. Allein der eingewechselte Raffael hatte in zwei Situationen schlicht Pech und hätte das schlechte Spiel wenigstens noch in einen Sieg verwandeln können.

Ganz schlimm steht es jedoch um unsere Abwehr. Alle vier Abwehrspieler, vielleicht am wenigsten noch Höwedes, waren Totalausfälle. Allen voran Uchida auf der rechten Seite zeigte einmal mehr, dass seine Hauptaufgabe eher die der Integrationsfigur für den japanischen Markt ist als die eines Verteidigers. Beide Gegentore entstanden auf seiner Seite, vor allem beim ersten Tor hat er sich ausspielen lassen wie vermutlich einer aus der Reserve von Jens Kellers Ex-U17. Nicht nur auf dieser Position besteht akuter Verstärkungsbedarf. Aber auch der Fuchser auf der anderen Seite braucht dringend eine Auszeit und bekommt diese in München wegen seiner fünften gelben Karte. Die Zwangsrotation ist im Moment eher gut für uns. Und in der Mitte machten die beiden Innenverteidiger beim ersten Gegentor einen überforderten und beim zweiten einen teilnahmslosen Eindruck. Eine einzige Katastrophe, diese Abwehrleistung, bei der am Ende schon völlig egal ist, dass das zweite Gegentor aus einer Abseitsposition gefallen ist. Abseits hin oder her – das *wie* des Gegentores war dilletantisch.

Am Ende habe ich mich noch nicht mal ärgern können, dass das Spiel sogar noch verloren ging. Im Gegenteil, vielleicht ist jetzt der große, notwendige Knall gekommen, der Energie freisetzt, um das Ruder herumzureissen. Bleibt es bei dieser Verfassung, kann man sich selbst die Teilnahme an der EuroLeague abschminken und nur froh sein, dass die Teams unten so wenig punkteten. Aus meiner Sicht liegt es auch nicht an der Entlassung von Stevens, wie teilweise diskutiert wird. Die Entlassung war bitter, aber wohl notwendig, nachdem das Kind schon in den Brunnen gefallen war. Das Pokalspiel war wichtig und alles roch förmlich danach, dass das Band zwischen Stevens und der Mannschaft durchgeschnitten war. Auch sehe ich es nicht als Fehler an, Jens Keller in diesem Moment zu installieren, denn es brauchte einen “jemand” für das so wichtige Pokalspiel. Meines Erachtens lag der Fehler darin, sich schon am Sonntag der Entlassung darauf festzulegen, dass Keller bis zum Saisonende bleiben und danach ersetzt werden soll. Dadurch wird er einerseits zur “lame duck”, der im Sommer eben garantiert wieder weg ist, andererseits bringt sich Horst Heldt, von dem ich nach wie vor überzeugt bin, auch wenn er hier einen Fehler gemacht hat, in eine schlechte Position: Hätte er es sich offen gehalten, wie es weitergeht, dann wäre der Verein in der Lage, ohne Gesichtsverlust (auch für Keller) eine andere Person als Trainer zu installieren. Reagiert der Verein nun aber, sieht es nach panischer Reaktion aus und Heldt wie Keller stehen ohne Not als Verlierer da. Mir schwant allerdings, dass es in diese Richtung gehen wird und würde tippen, dass demnächst ein anderer auf dem Trainerstuhl sitzt. Schade, denn dann wird es wohl eher nicht der von mir sehr favorisierte Tuchel, den ich für einen großen Taktiker halte. Dafür bräuchten wir Geduld, aber Geduld kennt der Schalker leider nicht. So gab es dann auch folgerichtig nach dem Spiel teilweise die “Keller raus”-Rufe und auf den Fluren der Arena wird wie immer der Begriff “raus!” inflationär benutzt (“Heldt raus”, “Tönnies raus”, “Zeugwart raus”). Scheinbar ist es niemandem erlaubt, auch mal Fehler zu machen und gleich der erste sichtbare Fehler führt beim Fan sofort zu einem “Raus”-Reflex. Leute, jeder macht Fehler in seinem Beruf und muss nicht gleich “raus”. Und so hoffe ich, dass der beschriebene Fehler von Horst Heldt in der ungeduldigen Schalker Familie nicht gleich wieder zum Liebesentzug führt.

 Posted by on 4. Februar 2013 at 07:30

  5 Responses to “Der große Knall”

  1. Bei Deiner Kritik bezüglich unserer Außenverteidiger bin ich ganz bei Dir.
    Das Umschaltverhalten von Offensiv zu Defensiv ist bei Uschi und Fuchs eine einzige Katastrophe. Es kommt mir vor als wollte Sie den Raum Verteidigen und stehen viel zu weit innen. Dazu kommt noch, dass im Abwehrverbund zu oft von uns aus gedoppelt wird und beim Gegner einer mehr frei steht.( Gegen Fürth!)
    Dabei muss ich mich sowieso fragen ob man gegen Fürth mit 2 sechsern auflaufen muss.

  2. Der Fuchs war gegen Fürth gar nicht schlecht. Viel stabiler als in den Spielen davor. Das kann schon der Bastoseffekt sein, da der auch in der Rückwärtsbewegung seine stärken hat. Aber es war erst ein Spiel. Die Zeit wird’s zeigen.

    Zum Glück haben wir am Anfang der Saison so viele Punkte geholt. Sonst würde mir Angst und Bange. Die Punkte helfen aber auch die Geduld zu haben. Denn einen guten Trainer bekommst Du nicht mitten in der Saison. Nicht Tuchel (nicht mein Favorit); nicht Veh (warum nicht); nicht Favre (wenn das nur machbar wäre).

  3. Ich stimme in allen Punkten überein. Fuchs kann froh sein gegen Bayern nicht spielen zu müssen. In seiner derzeitigen Form wäre er total überfordert. Nach Samstag steht eh zu befürchten dass das Spiel so abläuft wie im Wintertrainingslager. Die IV war jetzt nicht so schlecht wie die AV, trotzdem habe ich Angst vor dem Derby, wenn ein Gegner kommt der präzise Pässe in die Schnittstellen spielt. Ich würde auch gerne wissen warum Höwedes nicht einen Ball nach vorne spielt. Von schnellem modernen Umschalten ist das sehr weit entfernt. Solange Huntelaar gesetzt bleibt finde ich es nicht nicht verkehrt mit einem 4-3-2-1 zu spielen. Ich glaube zwei Spitzen funktioniert mit ihm gar nicht.
    Was den Trainer angeht glaube ich auch dass ihm Winter keine 100% Lösung zu bekommen ist. Ich befürchte aber, dass die Bild einen so grossen Druck aufbaut dass Keller nicht bis zum Saisonende haltbar ist. Die Frage ist dann wie die nächste Notlösung aussieht.

  4. […] blogundweiss nimmt sich des Spiels mit den Liebesbekundungen für Asamoahn und Büskens, den Pfiffen bei […]

  5. Der große Knall wird auch so aussehen, dass wir 4 von den nächsten 5 Spielen verlieren werden.

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