Jan 222013
 

Marcus Brauer hat was zu sagen. Und wir lassen ihn natürlich, denn die Situation auf Schalke ist und bleibt nicht zufriedenstellend. Und das trotz des spektakulären Sieges gegen Hannover.

Wie so oft ist sehr viel geredet und diskutiert worden auf Schalke. Auch in der Winterpause blieb es nicht ruhig. Leider ging es dabei zu wenig um sportliche Glanztaten auf dem Platz.

Was sich in den letzten Wochen bei den Königsblauen abspielte, hat mich einiges an Spaß und Identifikation mit meinem Verein gekostet, ja es ließ mich sogar ernsthaft zweifeln.

Und selbst der gestrige Rückrundenauftakt mit einem sicherlich spektakulären Sieg der Schalker konnte mich aufheitern. Davon ab, dass ich dieses Spiel nicht sehen konnte und mir schon fast gleichgültig war, dass dem so war.

Los ging es beim letzten Bundesligaheimspiel des Jahres 2012 gegen Freiburg, wo sich einige Anhänger dazu hinreißen ließen, sich aufgrund eines verabschiedeten Sicherheitspapiers und daraus resultierenden Protest gegenseitig an die Gurgel gehen zu müssen. Es kam eine Protestwelle in Gang, die diesem Konzept nicht mal ansatzweise gerecht wurde. Viel Lärm um praktisch nichts. Klar, man musste diesem Konzept kritisch gegenüber stehen, denn der Anlass zur Erstellung eines solchen war schon etwas hanebüchen. Unverhältnismäßige Berichterstattungen in den Medien zu diversen Vorkommnissen in Fußballstadien, worauf die Politik hellhörig wurde. Die Fakten hierzu sind ja hinlänglich bekannt.

Trotzdem bleibt die Frage, ob es sinnvoll ist den Protest auszudrücken, in dem ich der Mannschaft unten auf dem Platz in einem wichtigen Ligaspiel die Unterstützung verweigere. Da diesbezüglich viele Schalker unterschiedlicher Meinung waren, kam es zu Konfliktsituationen, wie ich sie nicht mehr auf Schalke erlebt habe, seit es um die Personalie Felix Magath ging. Und damals wollte man es doch nie wieder so weit kommen lassen. Es kann einfach nicht sein, dass sich Schalker untereinander beleidigen und prügeln. Und dass dann noch öffentlich bei einem Bundesligaheimspiel.

In der Winterpause gab der Verein dann den abgeschlossenen Deal mit Tickethändler Viagogo bekannt, einer Agentur, die Kartenkontingente beim Eventveranstalter aufkauft, um sie danach überteuert weiterzuverkaufen. Schalke 04 möchte in Zukunft nicht genutzte Karten auf diesem Weg wieder veräußern und kassiert nebenbei noch eine siebenstellige Summe, die zur weiteren finanziellen Konsolidierung beitragen soll. Der Schwarzmarkt, der vor nicht allzu langer Zeit noch bekämpft werden sollte, wird nun also legal. Anscheinend ist unserem Vorstand wohl jedes Mittel recht, so lange man Geld verdienen kann. Dabei noch einen Preisaufschlag von 100% pro Ticket als gute Sache zu verkaufen ist ein bodenloser Skandal und an Dreistigkeit nicht zu überbieten.

Von den generell immer teurer werdenden Eintrittspreisen möchte ich hier erst gar nicht reden. Unter dem Titel „Moderate Preisanpassung“ gab es bereits vor einigen Monaten einige Aufregung.

Jeder Arena-Besucher, jedes Mitglied, jeder Fan fühlt sich zu Recht verschaukelt von seinem Club! Das Leitbild und der selbstauferlegte (und in meinen Augen von Beginn an völlig unnötiger) Slogan „Wir leben dich!“ verkommen hier zur Farce.

 

Als Lewis Holtby kurze Zeit später seinen Wechsel zu Tottenham Hotspur bekannt gab, kam ich mir vor, als hätte gerade Manuel Neuer seine sofortige Rückkehr aus München gemeldet.

Muss es wirklich sein, dass mittlerweile anscheinend jeder unserer Spieler, der sich für einen Vereinswechsel entscheidet, via Internet von den eigenen Fans förmlich niedergemacht wird. Konnte man dies beim Neuer-Wechsel, der in der Tat eine Ausnahme darstellte, nachvollziehen, so konnte einem Lewis Holtby nur leidtun und das eigene Fremdschämen wurde immer größer.

Hier verlässt uns (hoffentlich erst im Sommer) ein Spieler, der von seiner Biographie her nie ein echter Schalker war und der immer betont hat, irgendwann in England spielen zu wollen. So schade es auch ist. In meinen Augen hat der Junge alles richtig gemacht. Es ist klar, dass ein Profi nicht seine ganze Karriere bei einem Verein bleibt. Diese Erkenntnis ist wahrlich nicht neu.

Lewis Holtby ist für mich immer noch ein Spieler, den ich unheimlich gerne spielen sehe, und ich hoffe, dass er das noch bis Vertragsende bei uns tun wird.

Und auch die Personalie des Trainers muss ich hier ansprechen. Ich habe sehr darunter gelitten, dass Huub Stevens eine Woche vor Weihnachten und wenige Tage vor dem Pokalspiel gegen Mainz mir nichts dir nichts vor die Tür gesetzt wurde, nur weil ein paar Ergebnisse nicht stimmten und die Mannschaft einige Spiele nicht gut gespielt hatte. Der gleiche Huub Stevens, der eine Saison davor noch alles richtig machte, in die Champions League einzog und dort souverän Gruppensieger wurde und im Herbst den besten Saisonstart aller Zeiten hinlegte. Huub Stevens war und ist einer der erfolgreichsten Trainer der Schalker Vereinsgeschichte. Einen solchen Mann wird Schalke für sehr lange Zeit nicht mehr bekommen. Man sieht es ja schon an seinem Nachfolger, auch wenn ich weiß dass dieser Satz Jens Keller gegenüber unfair ist. Dies war für mich einer der überflüssigsten und stillosesten Schalker Trainerwechsel.

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