Jan 182013
 

Wie mittlerweile auch über die Gelsenkirchener Stadtgrenzen hinaus bekannt leiht Schalke Raffael Caetano de Araújo – kurz Raffael – für ein halbes Jahr von Dynamo Kiew aus. Wir haben also solange Jurado noch in Russland ist eine neue Nummer 18, soweit…so gut?

Viele werden noch im Kopf haben dass Raffael noch vor nicht allzu langer Zeit bereits bei Hertha BSC seine Spiele in der Bundesliga absolviert hat. Da dies schon ein wenig her ist – und die meisten vermutlich die Spiele des Hauptstadtclubs nicht so intensiv verfolgt haben – möchte ich euch Raffael ein wenig genauer vorstellen. Ebenso versuche ich zu klären ob er den FC Schalke 04 spielerisch nach vorne bringen kann, oder droht doch nur Mitläufer zu sein.

Nach dem Abstieg der Hertha wechselte der Brasilianer im Sommer für 9 Mio € nach Dynamo Kiew und direkt am nächsten Spieltag schon in der Startelf.  Es folgten 8 weitere Einsätze, jedoch nur 2 über 90min. In seinen 413 Spielminuten in der Ukrainischen “Premyer Liga” gelang ihm ein Tor und 2 Vorlagen. Dazu kommen noch 4 Einsätze in der Championsleague und dem ukrainischem Pokal, wo ihm ebenfalls eine Torvorbereitung gelang. Das letzte Mal auf dem Platz stand er am 20.10.2012, er wurde nach 45min ausgewechselt.

Nimmt man die Zahlen allein so muss man sich fragen ob solch eine Quote (1 Tor, 3 Vorlagen in 13 Einsätzen) eine solche Leihe überhaupt rechtfertigen.

Um das genauer beurteilen zu können müssen wir zunächst einmal die Daten relativieren:

Insgesamt kommt Raffael auf 614 Spielminuten in der Liga, Pokal und Championsleague. Er kommt also auf eine direkte Torbeteiligung in ~153min, also eine in 2 Spielen. Das liest sich natürlich schon etwas besser, ist im Grunde aber auch nur grobes jonglieren mit Zahlen. Interessant dabei ist aber, dass er in seiner Zeit in Berlin auf ähnliche Werte kam (im Schnitt 188min pro Torbeteiligung). Dennoch war er ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt im Herthaner Spiel. Warum? Nun, es liegt an seiner Spielweise.

Raffael ist weniger der torgefährliche Vorbereiter, wie man es häufig im Zusammenhang mit dem “10er” erwartet (Misimovic bei Wolfsburg, um ein Beispiel zu nennen). Sein Spiel lebt von seiner Physis und seiner Übersicht. Oft wird zentral angespielt – oder erobert den Ball im Mittelfeld – und leitet schnelle Gegenangriffe ein. Als Brasilianer ist er naturgemäß auch nicht gänzlich untalentiert im Dribbling, im 1:1 profitiert er aber am ehesten von seiner Schnelligkeit auf den ersten paar Metern und seiner Physis. Er spielt einen ähnlichen Stil wie Holtby, ist viel unterwegs und hilft auch hinten engagiert mit, allerdings wirkt er – grade bei Holtbys Formtief in letzter Zeit – deutlich sicherer in der Ball An- und Mitnahme.

Alles in allem ist Raffael kein Heilsbringer, kein Superstar, er wird vermutlich nicht das gesamte Schalker Spiel lenken. Dennoch bin ich mir sicher dass er dem Schalker Spiel gut tun wird. Unter Keller scheint – wenn man auf die Testspiele schaut und das Training beobachtet deutlich mehr Fokus auf das Pressing gelegt zu werden. Grade im Umschaltspiel nach vorne könnte er mit einem kurzen Antritt und einem öffnenden Pass auftrumpfen und die schnellen Außen, Farfan, Draxler und hoffentlich bald auch wieder Afellay, in Szene setzen.

Fazit: Bei grade einmal 1 Mio € für ein halbes Jahr (das Gehalt soll angeblich Kiew komplett übernehmen) ist Raffael wirtschaftlich sicher ein guter Fang. Sportlich wird er nicht Schalke alleine in die Championsleague schießen, kann aber in Kellers Spiel ein enorm wichtiger Faktor sein – ähnlich wie schon bei Hertha BSC.

  3 Responses to “Wer ist eigentlich dieser Raffael?”

  1. “das Gehalt soll angeblich Kiew komplett übernehmen … wirtschaftlich sicher ein guter Fang”

    Du glaubst das wirklich? Kiew hat 8 Mio Ablöse an Hertha überwiesen und Raffael unterzeichnete dort einen Vertrag, der dem Vernehmen nach mit 4 Mio pro Jahr dotiert war. Und nun bekommt Schalke den mehr oder weniger geschenkt?

    • Man steckt halt nicht drin. Die Quelle dieser Aussage würde mich allerdings auch mal interessieren, Max.

    • Offiziell wurde ja nur die 1 Mio als Leihgebühr bekannt gegeben, nicht mal von Schalke sondern in den mehr oder weniger fragwürdigen Interviews mit Kiews Clubchefs.
      Da ich dazu keine Quelle gefunden habe – die Übernahme des Gehaltes seitens Kiew aber in den Foren die ich durchstöberte gemeinsamer Thenor war, habe ich dies mal im Konjunktiv übernommen.
      Wenn man allerdings vergleicht, Afellay soll 0,5 Mio Leihgebühr kosten, dann für Raffael das doppelte, und nen größeren Batzen seines Gehaltes mit dabei? Das halte ich für sehr unrealistisch.
      Ich denke man kann von einer wirtschaftlich guten Leihe ausgehen, insbesondere da Raffael (die Gründe sind mir nicht bekannt) in Kiew aktuell keine Rolle mehr zu spielen scheint.

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