Okt 052012
 

Auf Schalke ist mal wieder die Hölle los. Das Publikum pfeifft, die Spieler sind verunsichert und die Punkte werden regelmäßig in letzter Minute verschenkt. Quo vadis, Schalke?

Zunächst möchte ich euch daran erinnern, wo wir herkommen: In der vergangenen Saison sind wir sensationell – und verdient – Dritter geworden. Wir haben einen Weltstar verloren, der unser Spiel geprägt hat. Wir haben uns dazu entschieden, die Last der Lücke auf mehrere junge Schultern zu verteilen, weil wir Spieler im Kader haben, die diese Last tatsächlich schultern können. Bei Lewis Holtby sieht man, dass er unbedingt will. Vielleicht sogar schon einen Tick zu sehr. Bei ihm hapert es meiner Meinung nach am letzten Pass. Zu oft fallen mir diese unnötigen Ballverluste auf. Hatte er schon ein paar davon, traut er sich den Ball in die Spitze manchmal gar nicht mehr zu. Gerade wegen Spielern wie Holtby erhoffe ich mir manchmal mehr Fingerspitzengefühl beim Publikum. Bei Jule Draxler wirkt es fast umgekehrt. Er “haut” sich nicht so rein wie Holtby, zaubert dann aber an einem guten Abend einen so heißen Stollen auf das grüne Parkett, dass dir die Ohren vor Freude schlackern.

Jetzt ist der Auftakt in die Saison vollzogen. Wir haben uns im Pokal souverän durchgesetzt. Haben in der Bundesliga nur gegen die Überbayern verloren und sonst gegen Düsseldorf unnötig Punkte liegen lassen. Wir stehen derzeit auf Platz 4 und sind somit im Saisonziel-Soll. In der Champions League haben wir ein unglaublich schwieriges Auswärtsspiel erfolgreich bestreiten können. Wir haben vorgestern einen Rückstand gedreht und nur durch fehlende Konzentration in den letzten Minuten den Ausgleich gefangen. Shit happens!

Worauf ich hinaus will: Ich glaube an diese Mannschaft. Von 1 bis mittlerweile nur noch 25. Ich finde es gut, dass Huub Stevens nicht mehr auf Deivel komm raus auf die Offensive setzt, sondern dafür sorgt, dass auch die Defensive seine Stabilität erhält. Pfiffe für das Spiel gegen die Bayern? Kann ich nachvollziehen. Pfiffe aufgrund der Offensivleistung gegen Mainz oder in Düsseldorf? Diskutabel. Während eines Champions League Spiels bei dem man 2:1 führt nachdem man 0:1 zurückgelegen hat? NEIN! Denn genau in dieser Situation muss das Publikum das oben genannte Fingerspitzengefühl zeigen. In der Champions Leauge gibt es keinen Schönheitspreis. Da geht es in erster Linie um den sportlichen Erfolg. Ich kann sogar Leute verstehen, wenn sie den monetären Aspekt der Königsklasse in den Vordergrund rücken. Hier geht es gegen die Besten und die Spiele werden für einen Klub wie Schalke immer knapp. Egal, ob es gegen Piräus, Montpellier oder Arsenal geht.

Der Spalt zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft bei Schalke derzeit mal wieder weit auseinander. Sicher muss die Leistung der Mannschaft besser werden. Sie muss lernen, sich nach einer Führung nicht zu verstecken, sondern weiter auf Torejagd zu gehen. Sie muss in der Abwehr noch mehr Agressivität zeigen und insgesamt einfach das Selbstbewusstsein ausstrahlen, das es aufgrund der Erfolge und der Masse an Qualität eigentlich haben müsste.

Trotzdem: Es ist Zeit, dass wir unsere Ansprüche an die Mannschaft wieder ins rechte Licht rücken. Gleichzeitig muss die Mannschaft aber auch sehen, dass die Wirklichkeit für die Fans auch nicht befriedigend ist. Gegen Wolfsburg können beide Seiten wieder etwas gut machen.

 Posted by on 5. Oktober 2012 at 08:30

  4 Responses to “Zwischen Anspruch und Wirklichkeit”

  1. “Während eines Champions League Spiels bei dem man 2:1 führt nachdem man 0:1 zurückgelegen hat? NEIN!” Ganz Deiner Meinung.

    Und ein sehr gelungenes Fazit. Vielen Dank für diesen Beitrag.

    Natürlich ist es falsch von den Spielern, die Pfiffe als Ausrede her zu nehmen. Aber ich denke, wenn man in einem Champions League Heimspiel eine Führung aufholt und trotzdem während des Spiels, und während man noch führt und das Spiel bestimmt, ausgepfiffen wird, darf man sich auch als Spieler schon mal wundern.

    Die Stimmung hat sich vielleicht über die letzten Partien so aufgebaut, dass die Pfiffe nicht unbedingt nur auf das Spiel gegen Montpellier bezogen waren? So genau bekomme ich das hier nicht mit, weil mir meist nur wackelige Streams oder Nachberichte bleiben. Das letzte Spiel konnte ich sehen, weil ein Kabelanbieter eine Testkampagne laufen hat. In dem Spiel fand ich die Pfiffe, ekelig ist wohl ein zu hartes Wort, aber seltsam und befremdlich.

    Natürlich sollte Schalke – Verein, Mannschaft und Fans – selbstbewusst sein, auch und vor allem auf Grund dessen, was in den letzten etwas mehr als 10 Jahren erarbeitet wurde. Dieser Erfolg bringt dann wohl auch Ansprüche, die etwas über das Ziel hinaus gehen. Mit Deiner Aussage: “Es ist Zeit, dass wir unsere Ansprüche an die Mannschaft wieder ins rechte Licht rücken.” hast Du unbedingt recht. Bei einem 3:0 Sieg der eigenen Mannschaft zu Pfeifen, weil die Art und Weise nicht gefällt? Eher nicht.

    Die Floskel vom “nicht Vergessen wo wir herkommen” wird manchmal etwas zu viel bemüht, auch von mir. Und Schalke muss sich ganz sicher nicht kleiner machen, als es ist. Aber in diesem Fall bin ich vollkommen Deiner Meinung.

    Hoffentlich sieht am Samstag um halb fünf abends alles schon etwas besser aus.

  2. Den Pfiffen wurde doch durch das Endergebnis Recht gegeben.
    Jeder im Stadion wusste, dass man den knappen Sieg durch ein Gegentor verspielen kann, nur die Jungs auf dem Spielfeld musste man akustisch daran erinnern.
    Wenn die sich die Pfiffe mal zu Herzen genommen, einen Zahn zugelegt und noch ein weiteres Tor in Überzahl zuhause gemacht hätten, dann hätte man gewonnen.
    Aber nein: Man ist ja sooo viel schlauer als die Zuschauer und zieht sein Ding zum Unmut aller Fans durch.
    Mit welchem Ergebnis?
    Fazit des Spiels: Das nächste Mal vielleicht weniger Ignoranz und Arroganz gegenüber den Meinungsäusserungen der Zuschauer. Anstatt sich zu beschweren sollten die Profis, die das Spiel ja so viel besser interpretieren können als die dummen Zuschauer, einfach durch Taten überzeugen.
    Wenn die Mannschaft das 2:1 über die Runden gebracht hätten, *dann* könnte sie jetzt gegenüber den Fans tönen. Aber so? Ball flach halten!

    • Sorry, aber den Kommentar kann ich wirklich nicht so stehen lassen.
      Genau das hat uns nämlich den Sieg gekostet, das “zu Hause noch ein weiteres Tor schießen”. Montpellier stand nämlich auch zu zehnt sehr gut und hat eben nicht aufgemacht, mussten sie ja auch nicht. Schalke griff weiter an, Montpellier konnte auf den Unterzahlkonter hoffen und hat ihn dann auch genutzt.
      Was uns das Spiel gewonne hätte, wäre eine gescheite Defensivtaktik mit viel Ball halten gewesen. Teilweise sah das nämlich richtig gut aus, wie der Ball zirkulierte ohne jemals einem Franzosen die Chance zu geben an den Ball zu kommen. Dann bei gegnerischen Ballbesitz einen Konter mit VIEL Raum spielen (vgl letzte Saison zu Hause vs Nürnberg, mal eben 4:0 gewonnen). Mit dieser Spielweise wäre Montpellier NIE ein Tor gelungen und das Spiel wäre im schlechtesten Fall 2:1 ausgegangen.

      So spielte man nach vorne, ob aufgrund der Pfiffe oder aufgrund von Huub, und fängt sich den Ausgleich.

      • Warum man nach dem 2:1 sein Spiel von geordnet, überlegen und nun in Überzahl auf mauernd in der eigenen Hälfte passend, ideenlos, auf Konter hoffend umstellen soll (wie auch tatsächlich von S04 umgesetzt), muss du mir mal erklären.

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