Sep 122012
 

Nachdem die Saison nun begonnen hat, der Transfermarkt bis Ende des Jahres seine Pforten geschlossen hat und sogar schon eine Länderspielpause die Fans kollektiv gelangweilt hat, möchte ich mir einmal den “finalen” Schalker Kader anschauen und näher durchleuchten. Dies wird in 3 Teilen geschehen: Defensive, Offensive und die taktischen Gesichtspunkte.

Beginnen werden wir hinten, in der Defensive:

Die Torhüter:
Beginnen wir im Lazare…äh…im Tor. Nachdem die letzte Saison mit Nummer 1 Fährmann anfing, sich Unnerstall nach Fährmanns Verletzung zur neuen Nummer 1 gearbeitet hat und mit Hildebrand eine weitere Nummer 1 verpflichtet wurde, konnte Schalke nun mit 3 Keepern in die Saison starten, die sicher bei einigen anderen Teams die Stammplatzgarantie ebenso um den Stammplatz zwischen den Pfosten gekämpft hätten. Nicht so bei uns, hier spielt einfach wer grade fit ist. Und das ist im Grunde auch nicht weiter schlimm. Keiner der drei macht größere Fehler, keiner verliert komplett die Orientierung sobald er sich mehr als 2 Meter vom Fünfmeterraum entfernt. Allerdings muss man sagen dass auch keiner der 3 alles in allem wirklich herausragend ist.
Zu Beginn der Saison konnte Hildebrand bis zu seiner Verletzung überzeugen, nun darf Unnerstall zeigen ob er sich seit der letzten Saison verbessert hat. Dass er auch nach Hildebrands Rückkehr im Tor steht ist möglich, aber nicht sicher. Fährmann wird – hoffen wir auf keine weiteren Verletzungen – keine Rolle mehr in dieser Saison spielen.

Fazit: Kein Welttorhüter, kein Pannen-Oli, Bundesligadurchschnitt. Dafür trotz Kuschelkurs ständig nur Verletzte.

Innenverteidigung:
Drei Topspieler mit ähnlich hohem Niveau, aber unterschiedlichen Stärken, zusätzlich einen Routinier und einen “jungen wilden” als Backup. Stellte sich letzte Saison die Innenverteidigung mit Papadopoulos und Matip praktisch von alleine auf (ohne dass dies ein Manko war) so besteht nun die Qual der Wahl dank dem wiedererstärkten Höwedes, auch wenn er aktuell das Nachsehen hat. Alle 3 sind sehr Kopfballstark, Matips Stärke ist klar das Stellungsspiel, die von Papadopoulos sein Körper und die (tatsächlich oft positive) Agressivität. Höwedes sehe ich am ehesten als “Allrounder”. Ich könnte mir vorstellen dass neben den Trainings- und Spielleistungen auch entscheidend ist welcher Typ Stürmer denn gegen das IV-Duo auflaufen wird.  Gerne würde ich Kolasinac mal Einsatzzeiten gönnen, allerdings hätte es weder Matip noch Papadopoulos oder Höwedes verdient auch nur eine Minute auf der Bank zu sitzen. Interessant wird, ob die Konkurrenz die drei antreibt, oder in ein Formloch stürzen lässt. Beides ist bei so jungen Leuten durchaus möglich.

Fazit: Was die Innenverteidigung angeht, kann uns kaum ein Bundesligaverein was vormachen. Solche Qualität in der Breite hat sonst nur der FC Bayern mit Dante, Badstuber, Boateng und van Buyten. Dass grade für Papadopoulos 20 Mio € geboten wurden, halte ich in der Höhe zwar für etwas zu viel, zeigt aber deutlich was die Truppe da hinten drin leistet.

Außenverteidigung Teil 1:
Die beiden systembedingt sehr offensiv ausgerichteten Außenverteidiger sind defensiv natürlich das große Manko. Von Kontern oder Standartsituationen abgesehen, lassen sich die meisten Gegentore auf Stellungsfehler von Fuchs oder Uchida zurückverfolgen. Im Grunde ist dies allerdings auch nicht weiter verwunderlich, wenn in der Mitte kein durchkommen ist. Was beiden an Stellungsspiel in der Defensive fehlt, macht zumindest Uchida mit Zweikampfstärke wett. Leider ist damit im Blick auf die Defensivfähigkeiten auch schon alles gesagt, beide bewegen sich grob knapp über Bundesligadurchschnitt. Offensiv sieht das natürlich deutlich anders aus, aber darauf komm ich noch mal im zweiten Teil zurück.
Defensives Mittelfeld:
Im Schalker Kader gibt es nominell zwei echte defensive Mittelfeldspieler, die typischen Vorstopper, Jones und Neustädter. Auch wenn sie beide die gleiche Position bekleiden – sie spielen sie beide deutlich anders. Jones Stärken sind ohne Zweifel seine Ausdauer, Schnelligkeit und sein Kampfgeist, Neustädter hingegen ist deutlich ruhiger, läuft weniger, läuft oder steht aber sehr oft sehr richtig. Blöd und vereinfacht gesagt spielt Jones mit dem Körper, Neustädter mit dem Kopf. Neben diesen beiden stehen auch noch Moritz und Höger bereit, die aber weniger die “klassischen defensiven” Leute sind, sondern eher als Mittelfeld Allrounder zu sehen sind.
Sollte sich niemand verletzen werden Jones und Neustädter zusammen das Duo auf der “Doppel-6” sein. Dafür ergänzen sie sich zu gut, es fehlen aber auch Qualitativ die Alternativen.

Fazit: Mit Neustädter wurde ein sehr guter Fang gemacht, Jones bleibt weiterhin bärenstark unter Stevens. Dennoch ist grade im Mittelfeld und in der Defensive eine gute Abstimmung wichtiger als das Können des einzelnen. Es wird für beide wichtig sein die Außenverteidiger besser zu unterstützen, dabei aber auch die Mitte nicht zu sehr zu entblößen. Klappt das – lässt sich eventuell auch das obligatische sinnlose Gegentor pro Spiel abstellen.

In den nächsten Tagen gehts weiter, dann mit der Offensive.

  12 Responses to “Kaderanalyse04 Teil 1”

  1. Bezüglich deiner Einschätzungen bei den Torhütern und den Innenverteidigern stimme ich dir im Großen und Ganzen zu.
    Die Außenverteidigung kommt aber etwas zu schlecht weg. Klar, das Stellungsspiel der beiden ist sicherlich noch ausbaufähig, aber auch nicht sooo schlecht wie beschrieben. In den Zweikämpfen sind beide wirklich gut. Fuchs sogar etwas besser als Uchida. Ich finde es etwas unglücklich, den Offensivteil (erstmal) wegzulassen. Denn die Defensive fängt schon vorne an. Durch ihre starke Präsenz in der der Offensive binden die beiden auch die Außenspieler des Gegners und sorgen so dafür, dass insbesondere schwächere Mannschaften das Flügelspiel etwas vernachlässigen.
    Die Sechser hast du ganz gut bewertet, wobei ich nicht finde, dass es dort an Alternativen mangelt. Zwar hat Schalke keinen weiteren “echten” Sechser im Kader, aber mehrere Spieler, die dort ohne großen Qualitätsverlust auch spielen können (Holtby, Matip, Höger, Moritz).

  2. Ich finde das Wort “Analyse” zu hoch gegriffen. Für mich ist es eine (deine) Einschätzung, die ich in vielen Punkten teilen kann.

    In Punkto Außenverteidiger möchte ich deiner Einschätzung, Fuchs und Uchida seien “im Defensivverhalten grob knapp über Bundesligadurchschnitt” allerdings widersprechen. Zum einen sind Außenverteidiger seit Jahren schon die heimlichen Außenstürmer, so dass man immer das Gesamtpaket betrachten muss. Zum anderen fallen mir spontan kaum bessere Außenverteidiger in der Liga ein. Müsste das nicht, wenn beide nur “knapp über’m Durchschnitt” sind?

    Und im defensiven Mittelfeld glaube ich – nur’n Gefühl – dass wir in diesem Jahr eben nicht mehr die “klassische” Doppel-6 mit festem Personal sehen werden. In den ersten beiden Spielen hat Stevens hier auch wärend der laufenden Partie ganz schön herumexperimentiert und es sah nicht schlecht aus. Kann sein, dass sich das jetzt durch Afellay ändern wird, sollte dieser im zentralen Mittelfeld Freiheiten erhalten, die es nach hinten abzusichern gilt. Aber hohe Einsätze würde ich nicht darauf wetten.

  3. Zu den Außenverteidigern muss ich euch zustimmen, ich gehe aber bei der Offensive ja nochmal auf die beiden ein. Wenn man nur die Defensivqualitäten sieht, sehe ich sie aber auf Bundesligadurchschnitt, bzw nicht unter den besten. Es gibt einige Spieler die hinten sicherer stehen. Klar gibt es kaum bessere Flanken als die vom Fuchser, und kaum besseres Kombinationsspiel als von Uchida zusammen mit Farfan.
    Aber, struktuell wollte ich hier nur erst einmal die Defensivqualitäten beleuchten.

    • Aber, struktuell wollte ich hier nur erst einmal die Defensivqualitäten beleuchten.

      Selbst wenn man das macht (was ich, aus genannten Gründen, nicht für zielführend erachte, schließlich bewertet man einen Sportwagen auch nicht nach seinem Kofferraumvolumen und lässt ihn deshalb im Gesamttestergebnis nur knapp über einem Caddy abschneiden) bleibt meine Frage nach den vielen defensiv besseren Außenverteigern in der Liga. Lahm? OK! Schmelzer? Vielleicht. Aber dann hört’s auch schon auf mit dem, was mir spontan einfällt. Bei 17 anderen Bundesligisten (= 34 weiteren Außenverteidigern) müssten mir doch noch etliche mehr einfallen, die ich vor Fuchs/Uchida setze.

      Für mich ist die Fuchs/Uchida-Defensive-Diskussion seit langem schon die Geschichte vom Propheten im eigenen Land, der bekanntlich nichts zählt. Die Aussage “aber defensiv sind beide schlecht” habe ich so lange unreflektiert aufgenommen, dass ich nun gerne einmal hinterfragen möchte.

  4. Lahm, Schmelzer (mit Fragezeichen) und Piszek fallen mir auch ein. Zudem halte ich persönlich sehr viel von Janschke.
    Ich würde Uchida und Fuchs beiden die internationale Klasse nicht absprechen wollen, womit sie auch besser als der Bundesligadurchschnitt sind. Trotzdem gebe ich dem Eppinghovener insofern Recht, dass die Außenverteidigerpositionen die größte Schwachstelle des Teams ist. Sehen wir mal von der Position des Hunter Backups ab.

    • Trotzdem gebe ich dem Eppinghovener insofern Recht, dass die Außenverteidigerpositionen die größte Schwachstelle des Teams ist.

      Aber das liegt doch daran, dass diese Position sehr komplex ist.Es heißt zwar “AußenVERTEIDIGER”, aber gemäß Aufgabenstellung im Spiel ist das eher ein AußenSTÜRMER mit Defensivaufgaben. Da aber viele hier einen Verteidiger sehen, kommen die schlecht weg.
      Wenn man dann guckt, wer in der Bundesliga besser als Fuchs und Uchida ist, fallen nur die Namen von drei richtig guten Spielern, von denen einer mit einem Fragezeichen versehen wird. Es gibt also kaum (bezahlbare) Spieler, die dort besser sind!!!
      Ne Schwachstelle wäre es, wenn in vielen anderen Vereinen die Spieler besser wären…

      • Da hast du schon Recht. Es gibt wenige, die besser sind.
        Im Vergleich zu den anderen Positionen sehe ich uns allerdings auf den Aussenverteidigerpositionen am schlechtesten besetzt. Das heißt nicht, dass wir dort deswegen akuten Nachholbedarf haben bzw. dass wir im Vergleich zu den anderen Bundesligaclubs schlechter abschneiden.
        Insgesamt kann man mit der Kaderbesetzung in der Defensive absolut zufrieden sein. Wenn der Trainer es nun schafft, diese Qualität auch umzusetzen und wir weniger Gegentore als in der letzten Saison kassieren, dann ist alles gut.

  5. Ich kann beide Betrachtungsweisen verstehen. Wenn man die Trennung begeht, darf man doch auch die Defensivqualität bewerten. Das diese aber durch die Offensivqualiäten relativiert werden, wird ja aus dem Text klar. Andererseits hat Matthias Recht, dass die Trennung etwas unglücklich ist, da die sogenannte Defensivschwäche auf den Außen schon im System liegt… Sind halt alle keine Sarpeis!
    Das unsere Außenverteidigerpositionen – wenn auch relativ – schlecht besetzt sein soll, verstehe ich nun gar nicht. Schaut ihr eigentlich noch hin, was der Ucchi da so macht, oder habt ihr ihn einmal auf Magath-Niveau mit dem Stempel unsicher versehen?
    Ich bin von Spiel zu Spiel begeisterter! Und auf Links würde ich auch niemanden lieber haben als Fuchs. Ihr? Wen denn?

  6. Defensiv definitiv Escudero! Ich will die Leistung von Uchida und Fuchs auch kreines falls madig machen. Von der Qualität im Vergleich zum restlichen Kader fallen beide aber meiner Meinung nach ein wenig ab.
    Gesteigert hat sich Uchida in jedem Fall. Ich hoffe aber, dass da nich was geht!

  7. Also gerade bei Uchida habe ich gegen Augsburg hingeschaut und war erschreckt wie einfach man an ihm vorbei den Außenspieler anspielen konnte. Da stand er einige male unglaublich schlecht.
    Die Sehnsucht nach Escudera kann ich allerdings auch nicht verstehen. Bisher hat er mich noch in keinem Spiel so überzeugt, dass ich lieber ihn als Christian Fuchs dort sehen möchte. Auch schätze ich den Fuchser defensiv nicht so schwach ein, wie die meisten anderen hier.

    • Ich habe bestimmt keine Sehnsucht nach Escudero. Ich meine nur festgestellt zu haben, dass er defensiv besser ist als Fuchs. Der hat seine Qualitäten ja vor allem in der Offensive und mit einem Abnehmer wie Huntelaar sind diese Qualitäten auch Gold wert.
      Ob Escudero diese Qualitäten auch besitzt bzw. entwickeln kann, das hat er bisher tatsächlich noch nicht gezeigt. Gegen offensiv starke Gegner kann ich mir Escudero aber durchaus mal in der Anfangsformation vorstellen. Gerade gegen die Bayern und gegen Dortmund hat sich (auch) Fuchs offensiv sehr zurückgehalten und seine Schwächen in der Defensive waren noch offensichtlicher als sonst.

  8. […] wagt die “Kaderanalyse” für Schalke 04. In Teil 1 sind Torhüter, Verteidigung und defensives Mittelfeld dran. […]

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