Jul 112012
 

Schalke hat mit seinen Personalplanungen weitestgehend abgeschlossen. Zumindest was die Zugänge betrifft, wird es wohl keine Neuigkeiten mehr auf dem Berger Feld zu verkünden geben. Somit kann man sich in den kommenden Wochen ganz auf die Systemfrage konzentrieren, die auf Schalke nach dem Abgang von Raúl zwangsläufig aufkommen wird.

Auch Huub Stevens beteiligt sich daran und schreibt den Journalisten Überlegungen in den Notizblock, bei denen Jefferson Farfan plötzlich zentraler offensiver Mittelfeldspieler/hängende Spitze werden könnte. Und was geht noch so?

4-4-2 (mit der klassischen Raute):

Diese taktische Ausrichtung war vor knapp 5 Jahren noch das A und O im deutschen Fußball. Spätestens seit den Erfolgen von Werder Bremen. Heute findet man diese Formation kaum noch. Sollte Farfan tatsächlich weiter in die Mitte rücken, wird diese Formation plötzlich wieder interessant. Kreativität haben wir im Mittelfeld zu Hauf und mit Jones einen 6er, der die Aufgabe auch alleine meistern kann.

 

4-4-2 (mit flacher Raute):

Diese Variante ist wohl bekannt. Doppelsechs, Flügelspieler im Mittelfeld, dazu eine hängende und eine zentrale Spitze. Im Grunde die gleiche Formation wie ein 4-2-3-1. Mit Barnetta haben wir uns für dieses System optimal verstärkt.

 

3-2-3-2: 

Gibt es das überhaupt? Keine Ahnung! Mir geht es hier primär auch nur um die Überlegung, hinten permanent mit einer Dreierkette zu spielen. Sollten Matip, Höwedes und Papa fit und in Form sein, ist diese Variante meiner Meinung nach gegen Mannschaften mit einem Stürmer gar nicht so verkehrt. Schon in der vergangenen Saison konnte man gegen tief stehende Gegner sehen, wie sich bei Ballbesitz die Außenverteidiger nach vorne schoben, während Matip und Papadopoulos die zentrale Abwehrposition für Jones frei machten, indem sie die Lücken der Außen schlossen.

Für mich ist diese Variante auch eine Dauerlösung. Mit Matip, Papa und Höwedes haben wir drei Innenverteidiger auf hohem Niveau, die durchaus auch im Spielaufbau ihre Qualitäten haben. Nicht umsonst waren alle drei auch eine Art Notsechser, wenn es mal brannte.

Die zentralen Mittelfeldpositionen würden von Jones + X gefüllt werden. Mittelfeldspieler (mit Defensivqualitäten) und Außenverteidiger (mit Offensivqualitäten) würden die Flügel besetzen und ein zentraler offensiver Mittelfeldspieler die beiden Stürmer bedienen.

 

4-1-3-2: 

Wem die Dreierkette zu modern ist, kann man auch gerne auf einen 6er verzichten. Dies könnte eine taktische Variante sein, wenn man in Rückstand liegt. Wie gesagt: Genügend Kreativpotenzial wäre im Mittelfeld vorhanden.

 

Im Endeffekt ist das alles hier nur Kaffeesatzleserei. Man muss die ersten Testspiele abwarten, bis man erkennen wird, auf welche Stammstrategie Stevens in Zukunft setzen wird. Los geht es heute. Und Tickets gibts auch noch.

 Posted by on 11. Juli 2012 at 09:04

  7 Responses to “Wilde Varianten”

  1. Viel interessanter als irgendwelche Formationen, die man nett in irgendwelche Zahlenreihen packen kann, ist doch die Taktik!

    Hier spielt die Musik!

    Welche Laufwege machen die Spieler? Hält man im weitesten seine Position oder wird insbesondere in der Offensive ständig rotiert?
    Ab wann attackiert man den Gegner? Zieht man sich nach Ballverlust direkt zurück oder versucht man sofort, den Ball zurückzuerobern? Gibt es für die sofortige Rückeroberung ein Zeitlimit, ab dem man sich zurückzieht und die defensive Ordnung herstellt?
    Versucht man einen Stoßstürmer mit Flanken zu füttern oder bevorzugt man schnelle Kombinationen durch die Zentrale?
    Ist man auf Ballbesitz aus oder setzt man auf schnelle Gegenstöße?

    Ich denke, dass Schalke seinem Spielstil treu bleibt. Wenn möglich schnelle Konter, ansonsten Spiel breit machen und über Flanken zum Erfolg kommen. Offensiv war Schalke in der letzten Saison super. Ich hoffe, dass man die Raúl-Lücke kompensieren kann und eventuell etwas variabler wird. Einzig gegen stark pressende Gegner war Schalke offensiv zum Teil hilflos. Hier muss man geduldiger und sicherer kombinieren. Defensiv war das eigentlich schon ok. Ich kann mich jedenfalls nicht an ein bestimmtes Schema bei den Gegentoren erinnern.

  2. Ich mag diese Taktikspielereien, jedoch muss man sich (meine Meinung) auf immer einer Sache bewusst sein: Sie sind letztendlich nichts anderes als die konsequente Weiterentwicklung von “Den hätte selbst meine Omma reingewichst!”

    Früher genoss der die höchsten Weihen in der Fankurve, der nach einer vergebenen Torchance gestenreich nachspielen konnte, warum der Ball bei der dargebotenen Fußhaltung weit über das Tor fliegen musste. Heute sieht sich der Taktiknerd angehalten, nach 10 Minuten nüchtern festzustellen: “Oh, die flache Raute kombiniert mit der falschen Neun – sehr interessant!”

    Meine Meinung mag in Zeiten von spielverlagerung.de nicht gerade salonfähig sein, aber generell halte ich es hier mit RWDJojo: Wichtig sind nicht die Zahlenketten sondern das, was die Spieler auf dem Feld anbieten.

    Übrigens fand ich es beim EM-Spiel Ukraine vs. England sehr witzig, dass der ausgebildete Fußballlehrer Mehmet Scholl in der Halbzeitpause mit Schnappatmung zugab, dass er bei aller Mühe wirklich kein System im ukrainischen Stil erkennen könne und überrascht sei, dass das organisierte Chaos dennoch so gut funktioniere und gefährliche Chancen hervorbringe.

    Zu den wilden Varianten: Ich rechne fest mit nur einem Stürmer (Huntelaar) und zwei Außen (Farfán plus Obasi/Barnetta/Sonstwer), die etwas zurückgezogen agieren aber nicht nur Flankenautomaten für den Hunter sein werden. Spannend wird zudem sein, ob Holtby/Draxler/Jurado/Baumjohann im Zentrum frei als eine Art Spielmacher agieren werden oder ob Schalke auf den klassischen Spielmacher verzichten wird.

  3. Also erstmal: Dreierkette ist gegen einen Stürmer total falsch! Da stehen dann drei IVs gegen einen Stürmer, die offensiven Außen müssen so oder so von den Flügelspielern aufgenommen werden. Der OM von unserem 6er. Dafür haben wir keinen Zugriffe auf die Außenverteidiger und können auch die zentralen 6er nicht unter Druck setzen. Die einzige “Lösung” wäre es die beiden IV auf die offensiven Außen der Gegner abzustellen, was in der Mitte, dem gefährlichsten Bereich auf ein riskantes 1:1 hinausläuft. Wenn dann ist die 3er Kette doch gegen 2 Stürmer interessant.

    zu Matthias und seinem Spielverlagerung-Kommentar: Eigentlich stimmst du in dem Punkt den Autoren von Spielverlagerung 100%ig zu. Diese werden es nämlich auch nie müde zu betonen, dass Zahlenketten keine Aussage über Taktik darstellen, sondern alleine wie es sich auf dem Platz letztendlich darstellt.

    Blick in die Kristallkugel: Die Grundformation wird weiterhin bleiben, will man doch seine Stärken beim Flankenspiel sicher nicht aufgeben. Gerade die Verpflichtung Barnettas zeigt das mMn deutlich. Jetzt hat man links einen Fuchs der aus dem Lauf mit links Flanken kann und davor Barnetta, der mit rechts und links aus quasi beliebiger Position die Flanke schlagen kann. Ich denke man wird mit Draxler/Holtby/Jurado einen klassischeren 10er sehen. Die Torgefährlichkeit von Raul geht hier etwas ab, dafür wird man wahrscheinlich versuchen die offensiven Außen etwas häufiger in Abschlussposition zu bringen. Eine Variante mit zwei echten Stürmern könnte ich mir eigentlich nur vorstellen, falls Huntelaar ausfällt und man das Flankenspiel deshalb nicht mehr so forcieren will.

  4. Eigentlich ist auch die Taktik egal… Wir sind der FC Schalke 04 und schlagen eh jeden Gegner!!!

  5. Natürlich gibt es im taktischen Bereich wichtigeres als die Grundformation, aber darauf beruht nun mal auch die Spielanlage.
    Fängt man mit Dreierkette an, setzt man ja auch beim Gegner ein Zeichen. Die können sich drauf gefasst machen, dass es im Mittelfeld eng wird.
    Gegen Gegner wie Dortmund ist das vielleicht auch ein probates Mittel.
    Man unterbindet das Passspiel durchs Mittelfeld und der Gegner kann nur noch seine zweite Waffe, die langen Bälle, ins Spiel bringen. Und ob da nun drei oder vier Verteidiger hinterherrennen ist im Endeffekt egal.

  6. IVs ist mal so richtig falsch, s_we. Sprich das einfach mal aus^^. Das LKWs oder auch PKWs-Syndrom, um mal nur zwei Beispiele zu nennen.

    Ich halte es für wichtiger, noch mindestens 3 oder 4 Spieler loszuwerden, ggf (erneut) als Ausleihe, so dass einfach mal ein besserer Überblick herrscht, wer überhaupt für welche Position zur Verfügung steht.

    Ich setze ja große Hoffnungen darauf, dass bei Jurado der Knoten endlich platzt und eben er und Holtby sich als ne Art Doppelzehn hinter Huntelaar und mit Draxler links und Farfan rechts aufmachen werden, den Gegnern reichlich (für die dann lecker bittere) Pillen zu verpassen.

    • Du hast natürlich Recht. Ich gelobe Besserung und versuche ab sofort nur noch von LKWen, AGBen und IVern zu schreiben. Wobei Innenverteidigers doch auch ganz nett klingt :)

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