Jul 102012
 

Es war bei der vielleicht bittersten Niederlage der Saison, als Jermaine Jones unauffällig nach unten linste, noch zwei Schritte machte und mit dem dritten auf den Fuß von Marco Reus trat. Der Fuß, der vorher in allen Medien stand, weil er den Einsatz des besten Bundesligaspielers der vergangenen Saison fraglich machte.
Nach dieser Aktion war der Fuß nur noch Nebenthema. Jones hatte sein Badboy-Image gefestigt und der DFB verhängte eine Strafe von sechs Spielen. Wettbewerbsübergreifend. Doch die Saison von Jermaine Jones war keineswegs nur diese unbedachte Aktion. Der Aussetzer war vielmehr ein kleiner dunkler Fleck auf einer großartigen Saison.

tommes04:

Der Gewinner des Trainerwechsels Rangnick auf Stevens. Vorher schien er nicht gebraucht, fast war man im Verein unzufrieden, dass nach der Ausleihe zu Blackburn kein solventer Käufer auf der Matte stand. Und was für ein Comeback danach. Ein solider defensiver Mittelfeldspieler mit der Kampfschwein-Attitüde. Bundesligaweit allseits unbeliebt wegen einiger unschöner Aktionen. Blogundweissweit wegen bestimmter Aktionen im Revierderby um so mehr geschätzt. Aus dem Mannschaftsstamm kaum wegzudenken, was man zu Beginn der Rückrunde bemerkte. Sein Fehlen durch die Sperre war gleichbedeutend mit einem Tief, in das die Mannschaft verfiel. Für mich eine herausragende Leistung, die geschmälert wird durch die Unbeherrschtheit und der dadurch eingefangenen Sperre, die das Team schädigte. Daher “nur” 8 Punkte.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

eppinghovener:

Der üble Treter, der Bösewicht, die Medienlandschaft verschwört sich gegen Jones. Ursache: ein zweifelsfrei sehr,sehr dummer, allerdings auch genau so lächerlich harmloser Tritt im Pokal auf Reus Fuß. Sehr schade ist, dass der DFB sich davon hat beeinflussen lassen und ihm eine überproportional hohe Strafe aufgedrückt hat. Wenn ich mir im Vergleich dazu andere Fouls ansehe…naja lassen wir das. Sportlich kann man Jones diese Saison eigentlich nur seine Affinität zu gelben Karten anlasten, denn diese Saison spielte er, seit Huub das Ruder in der Hand hält einfach nur verdammt gut. Er hält defensiv den Laden zusammen und rennt auch von Zeit zu Zeit einfach mal dahin wo ihn wirklich keiner erwartet – in den gegnerischen Strafraum. Sein Tor gegen Twente hat er sich redlich verdient, allerdings darf er gerne auch noch extra Schichten schieben um seinen Abschluss zu trainieren. Zum Schluss fällt mir noch eine Aussage ein, die ich mal irgendwo aufgeschnappt habe. Ich weiß leider nicht mehr woher es stammt (sinngemäß): “Wenn Jones in Topform ist, haben die Gegenspieler bei jeder Ballannahme Angst, nur weil sie wissen dass Jones irgendwo auf dem Platz ist”

Bewertung: 8 von 10 Punkten

tobitatze:

Jones ist für mich eine der großen Überraschungen der Saison. Unter Rangnick ohne jede Chance, riss er sich unter Stevens zusammen und überzeugte sofort mit seiner aggressive Spielweise. Besonders begeistert war ich von Jones Offensivvorstößen, die er im Laufe der Saison entwickelt hat. Gegen Twente reichte es dann sogar zu einem Treffer. Wie oben beschrieben, hat er spätestens seit der Winterpause seinen Ruf weg. Das schützt ihn auch in Zukunft nicht davor, für jede Kleinigkeit eine gelbe Karte zu erhalten. Dass es auch anders geht, zeigte er eindrucksvoll in Leverkusen. Schon früh mit Gelb vorbelastet, nahm er Michael Ballack komplett aus dem Spiel. Hart, aber fair. So will ich Jones auch in der kommenden Saison sehen.

Bewertung: 9 on 10 Punkten

Die Leistung von Jermaine Jones in der Saison 2011/12 war...

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Jermaine Jones wird in der Spielzeit 2012/13...

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 Posted by on 10. Juli 2012 at 07:30

  9 Responses to “13 – Jermaine Jones: Badboy und Leistungsträger”

  1. Jermaine Jones ist unser Agressive Leader. Der eigentlich Kapitän auf dem Feld. Ähnlich wie Marc van Bommel finde ich Jones nur gut, wenn er in meinem Team spielt.

    Von mir bekommt er aber “nur” 7 Punkte, da er zu oft unnötige Karten sieht und dann oftmals über eine Halbzeit vorbelastet ist. Außerdem ist sein Passspiel und seine Torgefahr noch ausbaufähig.

    Die Reus-Aktion fand ich persönlich gar nicht so schlimm. Wenn man sich die Bilder mal anschaut, kann man erkennen, dass Reus sich den Ball nach einem Pfiff gegen Gladbach schnappt und zum Schiri rennt. Jones will den Ball haben, kommt aber an Reus’ rechter Seite nicht dran, da dort Raúl steht. Also geht er um Reus rum. In dem Moment lässt Reus den Ball fallen. Also denkt sich der Jones “du kleines Arschloch. Nen junger Spieler hat sich nicht so zu benehmen. Dir tret ich jetzt mal schön mit meinen Alustollen auf den Fuß, damit du merkst, dass du sowas hier nicht machen kannst!” Dass Reus’ linker Fuß lädiert war, hat Jones in dem Moment sicherlich nicht bedacht. Klar, so eine Aktion muss nicht sein, war aber auch nicht soooo schlimm. Reus konnte schließlich ohne Probleme weiterspielen.

    Die anschließende Sperre war ein Witz. Nicht nur, dass die Sperre recht lang war (4 Spiele im DFB-Pokal wären schon Strafe genug gewesen), sie wird dann auch noch wettbewerbsübergreifend ausgesprochen, was im deutschen Fußball eine absolute Seltenheit darstellt.

    • Sprich: Reus war selber schuld und es war absoluter Zufall, dass ausgerechnet der Fuss erwischt wurde, von dem die ganze Nation wusste, dass er lädiert ist.

      • und was macht das für einen Unterschied in der Bewertung des Strafmaßes? Gar keinen, schon alleine deshalb nicht, weil man es Jones gar nicht nachweisen kann. Außerdem wenn Reus mit Verletzung Fußball spielt ist das sein Bier. Der getretene Fuß ist von einem “Gericht” also genauso zu behandeln wie der von jedem anderen Fußballer auch. Dass es trotzdem beachtet wurde, ist ja gerade das über was sich viele Schalker zu recht beschweren.
        Das entschuldigt natürlich trotzdem sein Verhalten nicht, für das eine rote Karte und 2-4 Spiele Sperre im Wettbewerb(!) angemessen gewesen wäre.

        • Klar, man kann Jones nicht beweisen, dass er wirklich wusste, dass Reus eine Fussverletzung hat, oder gar, welcher Fuss davon betroffen ist.
          Allerdings muss man Jones für diese Art von Verteidigungsstrategie für einen komplett Vollidioten halten, der weniger weiss als jeder andere im Stadion.
          Und er ist auch so ein ungeschickter Grobmotoriker, der den entscheidenen Gegnern aus Versehen auf die Füsse tritt.
          *natürlich* wusste er Bescheid und *natürlich* hat er das mit Absicht gemacht.

          So peinlich ich die Aktion von Jones auch fand: noch schlimmer find ich diese fadenscheinigen Ausreden.
          Da sag ich lieber offen “Ein Schalker Spieler hat richtig Mist gebaut.”

          • Es bezweifelt ja auch niemand, dass es mist war.
            Der Unterschied den du hier offenbar nicht siehst, ist, dass ein Gericht eben NICHT davon ausgehen darf, weil es nicht beweisbar ist, es sei denn er gibt es zu. Aus dessen Sicht ist es wie ein eine absichtliche Tätlichkeit ohne Affekt (weil “ruhende Situation”) zu werten und sonst als gar nichts.

          • Wie will man beweisen, was in anderer Leute Köpfe vor sich geht?
            Vielleicht hat der Typ, den ich mit “Ich stech dich ab, Du Sau” angebrüllt habe, in genau dem Moment den Lebenswillen verloren und sich absichtlich in mein Messer gestürzt?
            Mal abgesehen davon, dass es für die Tat von Jones selber ja Bilder gibt, gibt es neben den reinen Beweisen vor Gericht eben auch die Plausibilität!

            Die Argumentation, er hätte nicht Bescheid gewusst oder das nicht mit Absicht gemacht, ist einfach nicht glaubwürdig.
            Oder Moment: Sie ist schon glaubwürdig
            …in genau dem Moment, in dem man Jones für einen ungeschickten und doofen Trottel hält, der keinen Plan hat

            Das tu ich nicht, das tust Du nicht, das wollen wir von keinem anderen hören
            …und das soll auch kein Gericht annehmen!

            Das ist fast so wie mit Unzurechnungsfähigkeit zu argumentieren: man mag aus der eigentlichen Sache rauskommen, aber man sieht verdammt schlecht dabei aus!

  2. Die gezielte Aktion von Jones gegen Reuss fasst so ziemlich alles zusammen, was ich beim Fussball nicht sehen will und ich hab mich an dem Tag geschämt, Schalkefan zu sein. Die Strafe war angemessen und ich wünsche mir auch in Zukunft, dass solche miesen, charakterlosen Aktionen mit ganzer Härte bestraft werden, egal welcher Mannschaft der Spieler angehört.

    • Sorry, aber man kann einen Mord nicht mit einer Tätlichkeit aufm Fußballplatz vergleichen.

      Ich finde es übrigens schlimmer, wenn ein Spieler überhart einsteigt und eine Verletzung des Gegenspielers in Kauf nimmt. Das war bei Jones nicht der Fall. Im schlimmsten Fall war ihm im Moment der Tat bewusst, dass Reus eine Vorverletzung hat. Aber der Tritt war nicht so fest, als dass man um die Gesundheit von Reus fürchten musste (eine Backpfeife tut auch weh, verletzt aber niemanden).

      Demnach fand ich Jones’ Foul gegen Grotzkotz schlimmer als diese Tätlichkeit. Auch die Aktionen von Lell (gg. Stuttgart?) und Guerrero (auch gg. Stuttgart) gehören in die Kategorie “Verletzung billigend in Kauf genommen”!

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