Jun 292012
 

Deutschland fliegt gegen Italien raus. Schon wieder. Das ist bitter, aber nicht zu ändern. Spätestens nach dem Finale am Sonntag konzentriert sich Fußballdeutschland dann wieder vermehrt auf die Bundesliga. Auf Transfers, Testspiele und natürlich anderweitige Berichte über die Entwicklung der Vereine.

Einen solchen Bericht habe ich gestern in der Welt gelesen. Thema ist die neue Marketingausrichtung der beiden großen Revierklubs. Beide werden auch aufgrund der neu gesteckten Zielen und dem professionell aufgestellten Team über den grünen Klee gelobt. Eine Passage des Textes hat mich dann allerdings doch etwas stutzig gemacht:

Und kaum war der DFB-Pokal gewonnen, kam Ende Mai der Innovationspreis der Deutschen Sportmedienbranche hinzu. Den gewannen die Dortmunder für ihr Spiel “BVB Fantasy Manager”, das seit Ende Februar im Internet auf Facebook und für das iPhone verfügbar ist. Das Spiel simuliert Aktionen eines Fußballmanagers, die Mitspieler können sogar selbst Geld dabei verdienen – und 95.000 Downloads in den ersten vier Wochen beweisen, wie gut die Idee ankommt. Es ist das erste Internet-Spiel, das ein deutscher Bundesligist auf den Markt gebracht hat.

(Quelle: Welt.de)

Der BVB gewinnt also tatsächlich einen Innovationspreis, weil er von einem spanischen Webunternehmen ein Managersimulation portiert hat, das vor ihm schon etliche andere internationale Klubs gelauncht haben? Wo ist da bitte die Innovation? Zudem muss hier auch noch mal klargestellt werden, dass der FC Schalke dieses Spiel schon einen knappen Monat vorher seinen Fans vorgestellt hat. Dazu wurde auch hier ein Artikel verfasst, der im ersten Moment vielleicht ein wenig überkritisch ausgefallen ist und mittlerweile als Sammelbecken für Aktivierungscodes seinen Dienst tut.

Sei’s drum. Titelträger machen sich gut als Preisträger. Das garantiert Aufmerksamkeit. Ein wenig Stirnrunzeln bleibt dennoch, denn der BVB hat diesen Preis nicht verdient. Zumindest nicht mit dieser Begründung. Ob den Initiatoren dieses Preises bewusst war, dass sie hier Mist gebaut haben? Letztendlich ist die Bedeutung dieser Auszeichnung auch nicht so groß, als das man dafür ein riesen Fass aufmachen muss. Trotzdem bleibt bei mir ein fader Beigeschmack.

 Posted by on 29. Juni 2012 at 11:04

  6 Responses to “Titel und Preise gehen Hand in Hand”

  1. In der Tat ist es so, dass sich sportlich erfolgreiche Vereine besser vermarkten lassen. Auch so ein Innovationspreis muss vermarktet werden. Also sucht man eine Win-Win-Situation. Der BxB darf sich mit diesem tollen Titel schmücken und Zeitschrift “Sponsors”, die ja hinter dem Preis steckt, bekommt mediale Aufmerksamkeit und damit Werbung.

    So wie der BxB derzeit in der Öffentlichkeit gesehen wird, erging es doch den Bremern 2004. Man war sportlich erfolgreich, kokettierte mit dem Image des Kleinen (gegenüber den großen Bayern) und spielte auch noch attraktiven Fußball. All das spiegelt derzeit unser ungeliebter Nachbar wider. Ich vermute, dass das jetzt noch 4-5 Jahre mit denen so weiter geht. Spätestens dann kommt ein anderer Verein mit erfolgreichem, attraktiven Fußball daher und stellt in allen möglichen Kategorien werbewirksame Protagonisten.

  2. Hahaha, witziges Fundstück! Danke dafür.

    Ansonsten bin ich ganz bei RWDJojo. Das ist so eine typische “Wir vergeben einen Preis damit der Gewürdigte unsere Veranstaltung aufwertet”-Auszeichnung. Preise wie “Brillenträger des Jahres” oder “Krawattenmann des Jahres” werden aus exakt einem Gerund vergeben: Damit ein Promi bei der Gala des Veranstalters auftaucht.

  3. Ich vertrat schon damals die Meinung, dass sich da ein Preisverleiher mit dem Meisterruhm des BVB schmücken möchte.

  4. […] Titel und Preise gehen Hand in Hand (blogundweiss.de) – Über den "Innovtionspreis der Deutschen Sportmedienbranche" für Borussia Dortmund bzw. den BVB Fantasy Manager… […]

  5. Ich habe auch deswegen bewusst geschrieben, dass der Preis nur mit dieser Begründung nicht verdient ist. Sicher hat der BVB in Sachen Marketing/Außendarstellung/PR in den letzten Jahren vieles richtig gemacht.

    Ich frage mich halt nur, ob das den Initiatoren des Preises nicht peinlich ist, wenn sie so eine fadenscheinige Begründung voran schieben. Ich meine, die Branche ist doch nicht dumm, oder?

  6. @Tobi
    Doch, die Branche ist dumm bzw. besteht aus Personen, die sich sicherlich nicht mit einem Fantasy-Manager beschäftigen. Die wissen es nicht besser oder es sind alle eingeweiht. Wie gesagt, es ist einer reiner Marketingpreis, um Werbung zu machen, nicht um jemanden zu würdigen!

 Leave a Reply

(erforderlich)

(erforderlich)

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>