Mai 312012
 

Die Reihe der Kurzinterviews geht weiter. Heute stellt sich Holger Brauner den Lesern dieses Blogs und den Mitgliedern des FC Schalke 04 vor.

Holger Brauner und seine Töchter

 

Stellen Sie sich bitte in wenigen Sätzen vor und beschreiben Sie kurz ihren emotionalsten Moment mit dem FC Schalke 04

Mein Name ist Holger Brauner, ich bin verheiratet und habe zwei Töchter. Schalke ist für mich eine “Herzensangelegenheit”. Als gebürtiger Gelsenkirchener (Resse) bin ich seit meiner Kindheit eng mit dem Verein verbunden. Seit 1994 bin ich Mitglied auf Schalke und habe seit 18 Jahren eine Dauerkarte (Nordkurve Block 35). Meine beiden Töchter habe ich jeweils am Tag ihrer Geburt direkt “auf Schalke” angemeldet, vom Kreissaal zur Geschäftsstelle, Eintrittsdatum gleich Geburtsdatum! Meine Frau habe ich auf einer Auswärtsfahrt nach Kaiserslautern kennengelernt. Heute wohnen wir in Buer-Middelich, so dass ich glücklicherweise zur Arena laufen kann.
Beruflich bin ich tätig als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei einer der weltweit größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und spezialisiert auf die Prüfung von Jahres- und Konzernabschlüssen mittelständiger und kapitalmarktorientierter Unternehmen.
Zu meinen emotionalsten Momenten gehören sicherlich neben dem o.a. das Spiel in Kaiserslautern und Mailand 1997 mit der besonderen Atmosphäre bereits einige Tage vorher in der Stadt sowie die “Meisterschaft der Herzen”.

 

Was hat Sie zu der Kandidatur bewogen und welche Stärken bringen Sie in den Aufsichtsrat ein, die es bisher noch nicht gibt?

Unser Verein steht vor großen Herausforderungen. Zum einen hat der Verein soziale Verantwortung für die Vereinsmitglieder und die Region, zum anderen muss der Verein sich wirtschaftlich positionieren in einem Markt “Fußball”, in dem zunehmend Unternehmen tätig sind, deren Hauptziel nicht mehr der Fußball ist, sondern der Kommerz. Der Verein Schalke 04 muss sich in diesem Umfeld zwar behaupten, darf aber niemals seine “Wurzeln” vergessen. In diesem Spannungsfeld vertritt der Aufsichtsrat als verlängerter Arm der Vereinsmitglieder deren Interessen. Nach meiner subjektiven Wahrnehmung ist bei der derzeitigen Zusammensetzung des Aufsichtsrates der “normale Fan” unterrepräsentiert. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, für den Aufsichtsrat zu kandidieren.
Um in dem komplexen wirtschaftlichen und sozialen Umfeld eines Traditionsvereins seine Aufgaben als Aufsichtsrat gewissenhaft erfüllen zu können, sollte ein Aufsichtsratsmitglied meiner Meinung nach über folgenden Kompetenzen bzw. Eigenschaften verfügen:

  • Emotionale Bindung zum Verein
  • Soziale Kompetenz und Bezug zu den Fans und Mitgliedern
  • Ausgeprägte wirtschaftliche Fachexpertise, um die Arbeit des Vorstandes kritisch würdigen zu können
  • Starke Persönlichkeit ohne persönliche Interessenskonflikte

Bezüglich der ersten beiden Punkte verweise ich auf meine Ausführungen zur ersten Frage. Meine Fachexpertise sowie mein Persönlichkeitsprofil sind geprägt durch meine Tätigkeit als Wirtschaftsprüfer. Die Aufgaben des Wirtschaftsprüfers sind breit gefächert.
Zu meiner täglichen Arbeit gehört es, mich mit Geschäftsführern, Vorständen und Aufsichtsgremien von Unternehmen diverser Rechtsformen und Größenklassen auseinanderzusetzen und deren Arbeit kritisch zu würdigen und zu beraten.
Als Wirtschaftsprüfer werden wir von den Gesellschaftern/Eigentümern beauftragt, das operative Management dahin gehend zu prüfen, ob der Abschluss ein den “tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage” der jeweiligen Gesellschaft vermittelt. In diesem Zusammenhang erörtere ich mit Geschäftsführern und Vorständen die jeweiligen Geschäftstätigkeiten, analysiere Chancen und Risiken des Unternehmens sowie die unternehmerischen Reaktionen der Gesellschaften darauf. So verfüge ich über fundierte Kenntnisse über Führungs-, Organisations- und Überwachungsstrukturen einer Vielzahl von Unternehmen. Diese “best practice” Erfahrungen aus der Wirtschaft könnte ich in die Vereinsarbeit einfließen lassen.
Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich, wie bei meiner Tätigkeit als Wirtschaftsprüfer, meine Aufgaben als Aufsichtsrat absolut unabhängig und unbefangen wahrnehmen würde. Ich würde einzig und allein nach besten Wissen und Gewissen im Sinne des Vereins agieren. Wer mich kennt weiß, das ich mit meiner kritischen Grundhaltung jederzeit für meine Standpunkte eintrete und auch kontroverse Diskussionen nicht scheue.

 

Wenn Sie sich entscheiden müssten, was würden Sie bevorzugen: Die Meisterschaft oder die wirtschaftliche Konsolidierung des Vereins?

Natürlich wäre die Meisterschaft ein Traum und der größte sportliche Erfolg. Aber auch dafür darf die Existenz des Vereins niemals gefährdet werden. Nur wenn der Verein auf einer wirtschaftlich soliden Basis geführt wird und wir gemeinsam “Schalke leben” wird sich der sportliche Erfolg einstellen. Fazit: Erst Konsolidierung, dann stellt sich der sportliche Erfolg auch ein.

 

Schalke ist ein Kumpel- und Malocherklub. Trotzdem wurden jetzt unverhältnismäßige Ticketpreiserhöhungen in der Arena vorgenommen. Hätten Sie die Preiserhöhung im Aufsichtsrat unterstützt?

Meine erste Einschätzung zur Ticketpreiserhöhung ist, dass dies ein Verstoß gegen unser Leitbild ist. Unser Verein sollte im Rahmen seiner wirtschaftlichen Verhältnisse seinen Anhängern aus allen gesellschaftlichen Schichten die Teilnahme am Vereinsleben und den Besuch der Spiele ermöglichen. Durch die Ticketpreiserhöhung wird dies sicherlich vielen in den nächsten Jahren nur sehr schwer möglich sein. Anderseits muss der Verein auch rational handeln und darf die “wirtschaftliche Existenz” nicht gefährden. Als “Außenstehender” kann ich nicht beurteilen, ob die Ticketpreiserhöhung tatsächlich nicht zu vermeiden war. Meiner Meinung nach sollten die Kartenpreise nur angehoben werden, wenn alle anderen Möglichkeiten zur Einnahmeerhöhung (wie Merchandising, Sponsoring) sowie Kostenreduzierungsmaßnahmen (insbesondere Personalkosten) vollumfänglich ausgeschöpft wurden. Im Leitbild schreiben wir, dass Schalke einmalig und unverwechselbar ist, aus diesem Grund sollten wir auch bei der Ticketpreisfindung unsere Unabhängigkeit behalten und uns nicht mit anderen Vereinen vergleichen.

 

Wo sehen Sie den FC Schalke in 10 Jahren?

Die wirtschaftliche und sportliche Entwicklung in den nächsten 10 Jahren ist aus meiner Sicht vollkommen offen. Ich würde gerne meinen Teil dazu beitragen, dass wir in 10 Jahren unsere 10. Deutsche Meisterschaft in der “komplett abbezahlten” Arena feiern und dies natürlich mit Anhängern aus allen gesellschaftlichen Schichten.

 

Ein offenes Wort an die Mitglieder: Warum soll man Sie wählen?

Aus meiner Sicht bringe ich die wesentlichen Voraussetzungen mit, um die Interessen aller Schalker verstehen und vertreten zu können. Ich kenne die Nöte und Sorgen der “normalen Fans” aus der Kurve, weiß, wie wichtig das Engagement der “organisierten” Fans für den Verein ist und kann dabei auch die wirtschaftlichen Entscheidungen des Vorstandes beurteilen. Um Vertrauen im Verein herzustellen ist es wichtig, jemanden in den Aufsichtsrat zu wählen, mit denen sich eine Vielzahl der Mitglieder identifizieren können. Mein Wunsch ist es, dass die Schalkerinnen und Schalker erkennen, dass ich einer “von Ihnen” bin und über die nötigen wirtschaftlichen und sozialen Kompetenzen verfüge, um Ihre Interessen im Aufsichtsrat zu vertreten.
Ich möchte mit meiner Tätigkeit als Mitglied des Aufsichtsrates meinen Teil dazu beitragen, dass Schalke auf einer wirtschaftlich soliden Basis eine sportlich erfolgreiche Zukunft hat und dabei der Verein seiner sozialen Verantwortung für die Fans, Stadt und Region weiter nachkommt. Das neue Leitbild ist sicherlich ein guter Anfang, muss aber mit Leben gefüllt werden!
Wir sollten nicht nur auf dem Platz jungen Talenten aus der Region eine Chance geben, sondern auch im Aufsichtsrat!

 Posted by on 31. Mai 2012 at 08:34

  2 Responses to “Holger Brauner: Zu Fuß in den Aufsichtsrat?”

  1. Ist zwar keine Castingshow hier, aber bislang ist es derjenige, der mir von seinen Antworten her am besten gefallen hat.

  2. Kann ich mich nur anschließen. Kommt zudem sehr glaubhaft rüber.

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