In der vergangenen Woche habe ich wieder jedem Kandidaten einen Fragebogen geschickt und sie gebeten, das Kurzinterview für die Leser auszufüllen. Wie im vergangenen Jahr kann ich mich nur für die Bereitschaft bedanken. Für mich als Mitglied ist es wichtig zu wissen, wer da hinter verschlossenen Türen die Geschicke unseres Vereins mitlenkt und ich denke, dass es vielen von euch ebenso geht. Ich hoffe, dass euch die Antworten einen Eindruck von der Person und ihrem Wert für den Aufsichtsrat des FC Schalke 04 geben.
Ich habe die Kandidaten gebeten, bei eventuellen Nachfragen in den Kommentaren zu antworten. Hierbei bitte ich allerdings zu berücksichtigen, dass die Herren vielleicht aus diversen Gründen nicht zeitnah antworten können und wollen. Zudem ist auch nicht jeder Mensch mit dem Internet und der damit verbundenen Diskussionskultur so vertraut, wie es manch einer von euch sein mag.
Los geht es mit Ingolf Müller. Die Reihenfolge der Interviews ist rein zufällig und ohne Wertung.
Herr Müller, stellen Sie sich bitte in wenigen Sätzen vor und beschreiben Sie kurz ihren emotionalsten Moment mit dem FC Schalke 04:
Mein Name ist Ingolf Müller, ich bin 49 Jahre, verheiratet und habe 3 Jungs. Alle Vereinsmitglieder seit vielen Jahren. Ich wohne seit fast 30 Jahren in Bottrop. Ich bin selbstständiger Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Ich bin Schalke-Mitglied seit 2004, Fan dagegen seit ich mich für Fußball interessiere. Außerdem bin ich Mitglied der Schalker Fan-Initiative e.V.. Darüber hinaus bin ich Dauerkarteninhaber und Bundesliga-Allesfahrer, zusammen mit meinem ältesten Sohn (17 J.), oft auch von meinem ‘Mittleren’ (13 J.) begleitet. Bei den Heimspielen des FC Schalke 04 ist auch meine ganze Familie gern dabei, sofern wir für alle Familienmitglieder Karten bekommen.
Es gab für mich so viele emotionale Momente mit dem FC Schalke 04. Aber besonders erinnere ich mich immer noch an 1997 und 2001.
1997: ‚Wir schlugen Roda, wir schlugen Trabzon…..’ Und dann: Der 21. Mai 1997. Der FC Schalke 04 gewinnt den UEFA-Pokal in Mailand. Ich bekomme immer noch Gänsehaut.
2001. Nach einer unglaublichen Saison wurde der FC Schalke 04 am letzten Spieltag, in der allerletzten Minute um den verdienten Ruhm gebracht. Durch eine so genannte ‘umstrittene Entscheidung’ des Schiedsrichters. Mir sind die Bilder im Parkstadion heute immer noch gegenwärtig. Die weinenden Fans. Die Totenstille im Stadion. Schrecklich. Ich war tagelang nicht ansprechbar.
Was hat Sie zu der Kandidatur bewogen und welche Stärken bringen Sie in den Aufsichtsrat ein, die es bisher noch nicht gibt?
Seit vielen Jahren befindet sich der FC Schalke 04 auf dem Weg der wirtschaftlichen Konsolidierung. Dieser Weg wurde maßgeblich von unserem Aufsichtsrat mit gestaltet. Viele Berufsgruppen gehörten und gehören dem Aufsichtsrat an. Ein Wirtschaftsprüfer, der berufsmäßig mit vielen wirtschaftlichen Fragen befasst ist, gehörte bisher nicht zu diesem Gremium.
An dieser Stelle möchte ich mich im Aufsichtsrat einbringen. Ich verfüge über mehr als 20 Jahre Berufserfahrung in der Prüfung, Beratung und Sanierung von mittelständigen Unternehmen. Außerdem leiste ich seit langem Vorstandsarbeit in verschiedenen gemeinnützigen Organisationen und unterstütze den Jugendfußball in Bottrop.
Diese Erfahrung würde ich gern im Aufsichtsrat des FC Schalke 04 einbringen.
Wenn Sie sich entscheiden müssten, was würden Sie bevorzugen: Die Meisterschaft oder die wirtschaftliche Konsolidierung des Vereins?
Ganz klar: wirtschaftliche Konsolidierung! Ohne wenn und aber. Denn wenn wir den FC Schalke 04 als eingetragenen Verein und damit als unseren ‚Kumpel- und Malocherclub’ erhalten wollen, muss unser Verein auf wirtschaftlich solide Füße gestellt werden. Und zwar dauerhaft.
Andere Vereine haben es uns vorgemacht, dass man trotz deutlich geringerem Budget erfolgreich Fußball spielen kann.
Schalke ist ein Kumpel- und Malocherklub. Trotzdem wurden jetzt unverhältnismäßige Ticketpreiserhöhungen in der Arena vorgenommen. Hätten Sie die Preiserhöhung im Aufsichtsrat unterstützt?
Nein. In dieser vorliegenden Fassung nicht.
Eine Erhöhung der Eintrittspreise war zwar bereits vor 2 Jahren beschlossen worden. Allerdings muss diese Preiserhöhung sozialverträglich ausfallen. Und damit mit Punkt 4 unseres Schalker Leitbildes übereinstimmen. Es muss berücksichtigt werden, dass viele Fans nicht nur wegen der ‚besonderen Stimmung’ in den Kurven sitzen bzw. stehen, sonder vielmals auch aus finanziellen Gründen. Und andere Besucher dagegen kommen nur aufgrund der ‚tollen Atmosphäre’ zu den Spiele des FC Schalke 04 in die ‚Veltins-Arena’ . Dies muss sich bei der Gestaltung der Eintrittspreise niederschlagen.
Das ist zwar nicht unbedingt im Sinne der Einnahmenmaximierung, aber sicherlich im Sinne der allermeisten Schalker Fans und im Einklang mit unserem Leitbild.
Wo sehen Sie den FC Schalke in 10 Jahren?
Als Wirtschaftsprüfer sehe ich bei zukünftigen Entwicklungen immer Chancen und Risiken.
Die Chance des FC Schalke 04 liegt auf der Hand. Wir sind ein außergewöhnlicher Club. Die Fans sind einmalig. In 10 Jahren kann sich der FC Schalke 04 als einer der bedeutendsten Clubs in Europa bzw. der Welt etabliert haben. Hierzu muss der Verein aber auf gesunden wirtschaftlichen Füßen stehen.
Mit anderen Worten. Wir müssen unser Leitbild umsetzten!
Das Risiko besteht allerdings, dass die Führung des Vereins von diesem Weg abkommt. Dann besteht die Gefahr, dass wir in 10 Jahren vielleicht nicht mehr allein über die Belange unsres Vereins entscheiden können. Denn, wie jeder weiß, bedeuten Schulden immer Abhängigkeit. Und wenn wir in der Not von Finanzinvestoren abhängig werden, denen der FC Schalke 04 egal ist, dann wird unser FC Schalke 04 in seiner heutigen Form nicht mehr existieren.
Und das müssen wir mit aller Macht verhindern!
Ein offenes Wort an die Mitglieder: Warum soll man Sie wählen?
Ich bin der Ansicht, das ich, der die ‚Fankurve’ aktuell aus der Nähe kennt und gleichzeitig über den wirtschaftlichen Sachverstand und die notwendigen Erfahrung verfügt, im Aufsichtsrat mithelfen kann, die anspruchsvollen Aufgaben des FC Schalke 04 zu lösen.
Deshalb stehe ich zur Wahl.


Interessantes Interview, wie ich finde, auch wenn die grundsätzlichen Aussagen und Ausrichtungen sich bei allen Kandidaten vermutlich nicht groß unterscheiden werden.
@tobitatze: danke für das erneute durchführen der Interviews!
“wurden unverhältnismäßige ticketpreiserhohungen vorgenommen”
So eine suggestivfrage lässt den antwortenden keine faire Möglichkeit!
nicht vollständig zitiert!
im ganzen sehe ich keine suggestivfrage.
[...] freundlicherweise einige Fragen gestellt hat, um uns allen ein besseres Bild zu verschaffen: Ingolf Müller Uwe Kemmer Holger Brauner Peter [...]