Apr 212012
 

Der Chefblogger (Tobi) vergnügt sich schalkefrei in New York City, der Stellvertreter (meine Wenigkeit) ist beruflich auf Dauerachse, da passt es, dass sich unser treuer Leser Stefan (@maddoc04) mit einem Gastbeitrag zu dem traurigen Abgang von El Siete und der aufbrandenden Diskussion, wie man den Spieler ehren sollte, positioniert. Viel Spaß beim Lesen:

Muchas Gracias Senior Raul por tiempo fantástico de dos años

In den letzten Monaten hofften und bangten wir. Bleibt Raul Gonzales Blanco über diese Saison hinaus auf Schalke oder nicht. Wir versuchten auf dem Platz in seinem Gesicht zu lesen und machten uns immer wieder Hoffnung – (noch) keine Entscheidung ist wenigstens keine negative Entscheidung, dachten wir. Aber, wie wir seit dem 19.04.2012 wissen wird Senior Raul den FC Schalke 04 verlassen. Die Gründe, die er auf der Pressekonferenz genannt hat, sind verständlich und nachvollziehbar. Die Reaktion von Horst Held und Clemens Tönnies auf der Pressekonferenz waren von Dankbarkeit gegenüber dem Spieler und Menschen Raul gekennzeichnet. Die hieraus folgende Entscheidung die Nummer 7 bis auf weiteres nicht zu vergeben und den Senior für die Ehrenkabine vorzuschlagen ist da nur konsequent und richtig. Trotzdem ist der Verlust nicht weniger schmerzhaft. Noch schmerzhafter ist es aber am selben Tag aus der Presse zu erfahren, wie sich sogenannte Eurofighter an einem solchen Tag äußern (www.goal.com/de/news/3643/exklusiv/2012/04/19/3047016/raul-die-ewige-nummer-sieben-olaf-thon-und-ingo-anderbr%C3%BCgge-sind). Die Äußerungen von den Herren Thon und Anderbrügge wirken hier doch deplaziert und offenbaren ein Denken im Gestern, wozu die großen Schalker Helden wie z.B. Ernst Kuzorra und Stan Libuda argumentativ missbraucht werden. Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Die Leistungen des Schalker Kreisels waren zu ihrer Zeit überragend und die Erinnerung hieran muss immer wach gehalten werden. Aber, heisst dies wir dürfen keine weiteren Helden in unsere blauweissen Herzen aufnehmen? Schmälert die Ehrung für Raul die Leistungen von herausragenden Spielern früherer Zeiten? Definitiv nicht!

Jede Generation hat Ihre Helden. Die Heraushebung der Leistungen des Spielers und Menschen Raul erniedrigt nicht die Leistungen des Schalker Kreisels. Die Spieler von damals werden immer ihren Kultstatus auf Schalke behalten. Hier liegen die Herren Thon und Anderbrügge mit ihrer Meinung genauso falsch wie mit der Aussage, dass eine solche Ehrung nur langgedienten Spielern zuteil werden sollte. Raul hat etwas nach Schalke gebracht, was viele Spieler in Ihrer gesamten Karriere nicht geschafft haben. Das Vorleben eines Werte- und Normengerüsts, in dem kein Platz für Arroganz oder Feindseeligkeit war, hat sich sowohl auf die Spieler als auch auf die Außenwahrnehmung des Vereins Schalke 04 übertragen. Dem gegnerischen Torwart für eine exzellente Reaktion zu applaudieren, die das eigene Tor verhindert hat, sei hier beispielhaft als wertschätzendes Verhalten auf dem Platz genannt. Raul lebt den Fussball und der Fussball lebt Raul. Hier die Würdigung einer Leistung von einer Zeitvorgabe abhängig zu machen ist einfach falsch. Wenn Herr Anderbrügge hier noch ergänzt „Aber es ist nicht auszuschließen, dass man mit solch einer Entscheidung anderen weh tut.“ mag er ja vielleicht sogar recht hat haben. Aber der hierdurch meiner Meinung nach zu unrecht ausgedrückte Neid Einzelner kann doch kein Entscheidungskriterium für oder gegen die Ehrung eines herausragenden Spielers sein. Oder haben die beiden Eurofighter bedenken das durch die Ehrung der Leistungen des Menschen und Spielers Raul ihre Position und Erinnerung abschwächt? Ich empfand die Äußerungen jedenfalls inhaltlich und zeitlich absolut unpassend. Im Verlaufe einer Karriere, die von der gesamten Welt verfolgt und wahrgenommen wird, trotz herausragender Leistungen nicht die Bodenhaftung zu verlieren, ist für sich schon eine große Leistung. Diese „Softskills“ in Verbindung mit herausragenden Leistungen auf dem Platz hat Raul auf Schalke gezeigt und versucht an die vor allem jungen Spieler weitergegeben. Er hat somit Schalke 04 sowohl in der Innen- und Außenwahrnehmung als auch auf dem Platz durch sein Spiel und seine Tore unschätzbare Dienste erwiesen.

Was muss einen Spieler noch leisten, um sich für eine herausragende Stellung in den Annalen eines Vereins zu qualifizieren? Ich persönlich freue mich sehr und finde es mehr als gerechtfertigt, dass der Verein die Nummer 7 bis auf weiteres nicht mehr vergeben wird und Senior Raul Gonzales Blanco auf der Jahreshauptversammlung 2013 in die Ehrenkabine aufgenommen werden soll. Meine Stimme bekommt er. Und jetzt bitte Thon aus.

 Posted by on 21. April 2012 at 19:24

  3 Responses to “Adios, Senor Raúl”

  1. Ich will mit meiner Meinung auch nicht hinterm Berg halten: Raúl ist und bleibt ein ganz, ganz starkes Stück Schalke. Nur zwei Jahre, aber ich kann mich kaum an einen Spieler erinnern, der in so einer kurzen Zeit so eine Wirkung entfaltet hat. Deshalb ist Raúl aller Ehren wert. Allerdings beschleicht mich ein wenig der Eindruck, dass der Vorschlag, die “7” solle nicht mehr vergeben werden, eher ein Versuch von Horst Heldt (den ich sehr, sehr schätze) ist, auf der Klaviatur der Fanfolklore zu spielen. Ab und zu geht der Gaul ein wenig mit Heldt durch und er wirkt mir da etwas zu kumpelhaft mit seinen Annäherungsäußerungen. Ich schätze es, wenn er versucht, die Schalker Seele zu verstehen und Schalke auch zu leben. Aber manchmal geht das eben auch zu weit. In diesem Fall meine ich, dass das Symbol, die Nummer nicht mehr vergeben zu wollen, zu übertrieben ist. Es ist schon klug, sie in der kommenden und der Saison danach nicht zu vergeben, damit der neue Nummernträger sich nicht ständig Vergleiche mit Raúl anhören muss. Aber das muss man dann nicht kommunizieren.
    Gleichwohl, und da gebe ich Stefan sehr Recht: Ein außergewöhnlicher Spieler verdient eine außergewöhliche Ehrung. Ich freue mich auf das nächste, sein letztes, Heimspiel für uns.

  2. Naja so ganz schalkefrei wird meine Zeit hier nicht sein. Morgen früh um 9:30 wird natürlich Schalke geguckt. Die Bar ist schon ausgesucht. Statt Bier gibt es wohl Kaffee.

    Danke auch an Stefan für den Beitrag. Beim Thema Sonderehrung habe ich sogar noch eine radikalere Meinung als Tommes. Der Hype um ihn (Raul, nicht Tommes) wird so schnell vergehen, wie er gekommen ist. Das ist nicht mal schade, sondern nur natürlich. Spieler kommen, Spieler gehen. Eine Aufnahme in die Ehrenkabine, nachdem er seine Karriere endgültig an den Nagel gehängt hat, ist folgerichtig und schön. Vielleicht kommt er dann ja auch nochmal auf die JHV, wie Marcello im letzten Jahr.

    Alles andere ist nur “gehype”, das ich nicht wirklich gut finde.

  3. Ich schließe mich Tommes und Tobi an: Wertschätzung: ja. Ehrenkabine: na klar. Die “7” bis auf weiteres zu sperren ist für mich jedoch zu dick aufgetragen. Wir sind nach wie vor der FC Schalke. Wir können und sollen uns vor Raúl tief verneigen, aber verbiegen müssen wir uns jetzt auch nicht. Die Geste, eine Nummer zu “sperren”, sollte wirklich nur den größten Spielern eines Vereins vorbehalten sein. Und dazu gehört für mich auch die Zeitspanne der Vereinszugehörigkeit. Wenn man mal zwei Jahre weiterdenkt, wird Raúl in der öffentlichen Wahrnehmung wieder ausschließlich die “Real-Madrid-Ikone” sein – und das völlig zurecht. Ich finde, wir sollten uns darüber bewusst sein, dass Schalke nur eine – zwar tolle, aber doch sehr kurze – Episode in Raúls Karriere war.

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