Mrz 212012
 

Wegen der Begegnung mit dem FC Twente in der Europa League wurde in den letzten Wochen viel über Fanfreundschaften geschrieben und gesagt. Weil gerade diese Verbindung der Schalke Fans mit denen aus dem normalerweise so verhassten Nachbarland (wenn es um Fußball geht) etwas so besonderes ist, fiel die andere Fanfreundschaft mit den Anhängern aus Nürnberg etwas unter den Teppich und wurde gestern auf eine harte Probe gestellt.

Zunächst muss ich sagen, dass ich die Fanfreundschaft zwischen Schalke und Nürnberg grundsätzlich toll finde. Auch wenn ich sie meist eher passiv er- und auslebe. Ich schaue auf die Ergebnisse und freue mich, wenn die Nürnberger einen Sieg davon getragen haben. Man erlebt die Bindung besonders intensiv, wenn Nürnberg gegen direkte Schalker Konkurrenten oder Rivalen antritt.

Gestern allerdings standen sich die beiden Seite für 115 Minuten nicht so wirklich freundschaftlich gegenüber. Die Spvgg Greuther Fürth versuchte im DFB Pokal Halbfinale den Unaussprechlichen aus dem Norden von Lüdenscheid ein Bein zu stellen. Nun ist es so, dass Fürth bei den Nürnbergern ähnlich unbeliebt ist, wie die Unaussprechlichen auf Schalke. Hinzu kommt, dass ausgerechnet diese Fürther den FC N in der vorangegangenen Runde aus dem Pokal gekickt haben. Somit ist es durchaus nachvollziehbar, dass sich die Nürnberger Anhänger  auf die dunkle Seite des Ruhrpotts stellten, nur um ihren unbeliebten Nachbarn leiden zu sehen.

Auf der anderen Seite kommt neben der Tatsache, dass man als Schalker eigentlich immer eine Niederlage des Reviernachbarn gut findet hinzu, dass bei Fürth zwei Schalker Urgesteine stehen, also quasi zwei richtig große Stücke Schalke. Buyo Büskens als Trainer einer Mannschaft, die Gerald “Asa” Asamoah gegen den Erzfeind ins Finale schießt. Ein Drehbuch, dass jeder Schalker ohne mit der Wimper zu zucken für die Kategorie “Bestes Drehbuch” bei den imaginären Fußballoscars 2012 nominiert und wohl auch gewählt hätte.

So konnte man gestern auf Twitter verfolgen, dass man neben dem Poschmann-Bashing (zurecht!) immer wieder gegensätzliche Bekundungen aus den doch so befreundeten Fanlagern aus Nürnberg und Gelsenkirchen zu lesen waren. Und ich habe mich immer wieder dabei erwischt, wie meine Augen sich zu kleinen grimmigen Schlitzen formten, wenn ich mal wieder lesen musste, wie ein Nürnberger den Dortmunder Sieg herbeisehnte. Ich musste mich immer wieder daran erinnern, dass es aus fanfreundschaftlicher Sicht auch nicht wirklich korrekt ist, für den Erzfeind des Freundes zu sein.

Ein Teufelskreis, aus dem man erst ausbrach, als Gündogan, seines Zeichens Ex-Nürnberger und in Gelsenkirchen geboren, in der 119. Minute das entscheidende Tor für den BVB in Fürth machte. Und nein, er hatte wohl kein Nürnberg Trikot unter seinem Shirt. Zumindest hat er es nicht zeigen können bzw. wollen. Ob Gerald Asamoah unter seinem Leibchen Königsblau trug, bleibt leider ebenfalls sein Geheimnis.

Ich denke allerdings, dass sich Nürnberger, Schalker und auch die Fans von Greuther Fürth bei einer Sache ziemlich einig sind: Kevin Großkreuz ist ein riesen Arschloch!

Und sonst? Schalke und der FCN!

 Posted by on 21. März 2012 at 09:41

  4 Responses to “Jeweils auf der falschen Seite”

  1. Schön geschrieben. Und Kevin Großkotzreiz – jedes Wort ist eins zuvie

  2. Zusammenhänge die erst beim lesen klar werden. Jetzt wo ich deinen Text zweimal gelesen habe, sind mir alle Verbindungen wieder eingefallen. Selber sehe ich solche Verstrickungen nur selten.
    Danke

  3. Schöner Beitrag! Ja, war gestern ne echte Dilemma-Situation…

  4. Ich habe diese verzwickte Situation für mich ganz einfach gelöst. Spielen Schalke und Nürnberg gegeneinander, dann bin ich ja auch für Schalke und ärgere mich, sollte Schalke verlieren. Also kann ich doch bei einem Spiel, indem die jeweiligen “Feinde” gegeneinander spielen, gegen meinen “Feind” sein und damit für den “Feind” meines Freundes.

    Dass auf Fürther Seite dann noch zwei alte Schalker Recken aktiv sind, vereinfacht meinen Gewissenskonflikt, den ich aber eigentlich nie hatte! Andererseits war und bin ich keinem Nürnberger böse, wenn er in diesem Spiel für den falschen Verein die Daumen gedrückt hat!

 Leave a Reply

(erforderlich)

(erforderlich)

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>