Dez 232011
 

Schalke verabschiedet sich mit einer 1:3 Niederlage im DFB-Pokal gegen Gladbach aus dem Jahr 2011. Der Abgang hätte dann allerdings doch ein wenig eleganter ausfallen können, denn vor allem der Fußtritt von Jones gehört sich nicht.

Leider konnte ich das Spiel nicht komplett verfolgen, deswegen verkneife ich mir eine halb gare Analyse. Der Sieg geht wohl in Ordnung und man kann ja nicht immer auf allen Hochzeiten tanzen. Trotzdem bleibt vor allem in Bezug auf Jermaine Jones ein bitterer Nachgeschmack. Grundsätzlich mag ich seine agressive Art auf dem Platz. Wäre Schalke ein Eishockeyclub in der NHL, wäre Jones unser erster Enforcer. Er geht keinem Clinch aus dem Weg und stellt sich damit in den Dienst der Mannschaft. Meist macht er das auch mit einer gehörigen Portion Cleverness. Am Mittwoch leistete er sich jedoch einen klassischen Fehltritt, der im Nachhinein schon fast kindisch wirkt und mit dem Wort Clever ziemlich ironisch umschrieben wäre. Hoffen wir, dass er sich einsichtig zeigt und auch der DFB aufgrund der fairen Reaktion von Reus etwas Gnade walten lässt. Ich tippe jetzt mal auf eine Sperre von drei Spielen. Damit wäre Jones auf Grundlage der TV-Bilder noch gut bedient.

Der Fokus bis Mai 2012 liegt auf der erneuten Qualifikation für den europäischen Wettbewerb und darauf, in der Europa League bis ins Viertelfinale vorzudringen.Da hat Schalke nämlich richtig gute Chancen. Mit Pilsen ist in der Zwischenrunde ein machbarer Gegner zugelost worden. Vor allem, wenn denen der Magath vorher noch den halben Laden leer kauft. Danach könnte Schalke auf Twente Enschede oder wieder auf Steaua Bukarest treffen. Alle drei Teams sind zwar kein Fallobst, aber sicher auch nicht die Creme de la Creme des europäischen Fußballs. Kurz und knapp: Schalke kann die alle schlagen.

Für ein paar Tage schaltet der Fußballzirkus jetzt in den Winterschlaf und auch hier wird es ruhiger werden. Im neuen Jahr wird es wohl vor zuerst mit Spekulationen um Jefferson Farfan weiter gehen. Der Boulevard hat sicher schon ein paar Saboteure nach Peru geschickt, um die Abreise von Farfan so weit hinauszuzögern, wie es eben geht. Gespannt bin ich vor allem darauf, ob Tim Hoogland oder sogar Levan Kenia nach der Winterpause wieder etwas Anschluss gefunden haben. Zumindest Hoogland kann sich Hoffnungen machen mit in die Wüste zu reisen, um am Trainingslager teilzunehmen. Insgesamt bin ich seht zuversichtlich, dass 2012 ein gutes Jahr für den FC Schalke wird.

Doch auch der Blick zurück birgt viel Gutes. Der im Nachhinein wichtigste Schritt des Vereins war die Trennung von Felix Magath. Natürlich haben wir es auch ihm zu verdanken, dass Schalke in der Bundesliga so gut da steht. Trotzdem sollte jeder Schalker in der Hinserie erkannt haben, dass die magathsche Hire & Fire Philosophie 1. nicht immer erfolgreich ist und 2. nicht zu einem Verein wie unserem passt. Mit Ralf Rangnick und Huub Stevens sind Trainer zurück gekehrt, die wieder auf menschliches Miteinander setzten, statt auf stumpfe Disziplin und Einschüchterungen. Das Ergebnis ist eine Mannschaft, die sich wieder mit dem Verein und den Fans identifiziert und umgekehrt. Vielleicht war dieses Tatsache der größte Erfolg in 2011.  Ein Vater dieses Erfolges ist Horst Heldt. Mit ihm hat jemand das Ruder übernommen, der keine Wunderdinge verspricht, sondern den Verein solide nach außen präsentiert.

Auch sportlich war 2011 kein verlorenes Jahr. In der Champions League konnten wir eine dicke Duftmarke setzen, vor allem beim Wunder von Mailand. Wir haben den DFB-Pokal geholt und damit gleichzeitig einer lebenden Legende den letzten ihm noch fehlenden nationalen Titel beschwert. Auch in der Bundesliga hat man sich nach einer schlechten Saison wieder gefangen und rangiert nach eine gelungenen Hinrunde auf einem Champions League Qualifikationsplatz.

Und auch für dieses Blog war das vergangene Jahr durchaus ein Erfolg. Sage und Schreibe 101.000 Besuche konnte das Blog in diesem Jahr verzeichnen. Das sind mal locker mehr als drei mal so viele Besuche wie noch im Jahr 2010. Dafür möchten wir uns genauso herzlich bedanken wie für die etwas überraschende Nominierung als “Bestes Sport-Blog des Jahres 2011“. Alles außer Sport (Glückwunsch an Kai!) sackte den Preis im Endeffekt ein, doch schon in dieser Runde  von Hochkarätern genannt zu werden war mehr, als wir erwartet hatten. Vielen Dank dafür!

Zum Schluss schulden wir euch noch den Sieger des Winterpausentipps. Gastautor Eppinghovener und Berit kamen mit ihren Tipps der tatsächlichen Platzierung am nächsten. Da ich keine Lust auf Losen hatte, habe ich den Emons Verlag spontan gefragt, ob sie nicht noch ein Buch sponsorn könnten. Gesagt, getan: Die beiden Gewinner sind informiert und bekommen in den nächsten Tagen ihr Buch mit persönlicher Widmung des Autors zugeschickt bzw. übergeben. Herzlichen Glückwunsch euch beiden!

Euch allen wünschen wir ein frohes Weihnachtsfest, viele königsblaue Geschenke und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Glück Auf!

blogundweiss.de

 

 Posted by on 23. Dezember 2011 at 15:49

  6 Responses to “Fehltritte, Rückblicke und Gewinner”

  1. Gegen Gladbach kann man ehrenvoll ausscheiden, was überhaupt nicht geht, ist das Verhalten von Jermaine Jones ! So etwas ist eines echten Schalkers unwürdig und einfach durch nichts zu entschuldigen. Sollte das vereinsintern keine Konsequenzen haben, werde ich meinen Austritt erklären….

    • Das finde ich ein wenig übertrieben. Wenn er einsichtig ist und sich in irgendeiner Form auch öffentlich entschuldigt, dann sollte man auch gut sein lassen. Er hat eine Grenze überschritten und das weiß er hoffentlich.

    • Mannmannmann, haben wir ein Glück, daß es genug Leute gibt, die die genauen Verhaltensregeln kennen, an die man sich halten muß, um ein echter Schalker zu sein. Ich nehme an, Leute wie Rolf Rüssmann, Klaus Fischer, Stan Libuda und Klaus Fichtel (um nur einige Spieler zu nennen, die in den Besteckungsskandal verwickelt waren) gehören nicht dazu, denn die sind dir anscheinend nicht auf den Fuß gestiegen. Naja, geht ja auch gar nicht, wenn man auf nen hohen Roß sitzt, hmh? Oxy-Moron.

  2. Supi, nachdem im Verein alles stabil ist und man auch sportlich gelassen 2012 entgegen sehen konnte, hat man sich als Schalker schon irgendwie unangenehm zufrieden gefühlt. War ja klar, dass in so einer Situation das Elend aus unerwarteter Ecke kommt. Das Schlimmste was für dieses Jahr noch zu erwarten war: Man scheidet wenig souverän aus dem Pokal aus, während die Unaussprechlichen weiterkommen. Damit hätte man eigentlich leben können.
    Und jetzt muss man sich für einen Spieler schämen!
    Das war kein Foul mehr, das war wirklich ein gezielter Anschlag auf die bekannte Verletzung eines Spielers.
    Das geht nun gar nicht!
    Ich hoffe auf eine möglichst harte Strafe vom DFB, die die (verständliche!) öffentliche Aufregung besänftigt und um eine harte interne Strafe, damit allen klar wird, dass *das* Verhalten nichts mit Schalke zu tun hat.
    IMHO hätte ich auch nichts dagegen, wenn man sich nach der Aktion von dem Spieler trennt.
    Ich möchte mal behaupten, dass ein schlechtes Image Schalkes auch durchaus Auswirkungen auf eine Vertragsverlängerung Rauls haben kann. Der hat ja schliesslich auch einen Ruf zu verlieren.

    • Jones ist Schalker, deswegen hoffe ich natürlich auf eine milde Strafe. Intern gibt es genügend “Strafen” für solch eine Aktion: Ich bin mir sicher, dass wir Jones auf dem ein oder anderen PR-Termin sehen werden.

      Von einer Trennung halte ich gar nichts. Jones ist ein wichtiger Spieler und soweit ich weiß ist es das erste Mal, dass er sich außerhalb des Erlaubten bewegt hat. Oder irre ich da?

      • Irgendwo, irgendwann hör ich dann doch auf Schalker zu sein und bin nur noch Fussballfan. Ich hab im Eifer des Gefechts für vieles Verständnis und drück bei blau-weissen auch mal ein Auge zu.
        Aber was Jones gemacht hat war eine eiskalt kalkulierte Tat, die im Fussball *überhaupt nichts* zu suchen hat. Mit einer Mannschaft, die keine Titel holt und hinter den Unaussprechlichen steht, kann ich besser leben als mit solchen Spielern im eigenen Team. Und ich hab auch keine Lust, mich gegenüber anderen Fussballfans für so eine miese Tat rechtfertigen zu müssen. Ich will, dass dies Aktion durch angemessene Worte und Taten möglichst schnell in Vergessenheit gerät.

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