Nov 282011
 

Das zweite live erlebte Derby in auswärtigen Gefilden verlief alles andere als erwünscht. Die Schalker Derbynoobs verlieren völlig verdient gegen den BVB mit 2:0. Ein Tag im Zeichen des Derbys.

Wir wählten für die Anfahrt den Weg über Gelsenkirchen. Schon am Kölner Hauptbahnhof wurde mir klar, dass sich an diesem Spieltag ca. 7 mal mehr Borussen im Stadion befinden werden als Schalker. Entsprechend war schon das Verhältnis auf dem Bahngleis. Im Regional Express ging es friedlich zu. Man kam sich nicht in die Quere. Beide Seiten mit lockeren Sprüchen. Die Vorfreude auf das Derby überwog auf beiden Seiten.

Bengalogeruch hängt in der Luft (@ Gelsenkirchen Hbf) http://t.co/mBdW3bA2
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Über Essen gelangten wir pünktlich um halb 1 nach Gelsenkirchen. Bengalogeruch lag in der Luft. Es sollte nicht das letzte Mal sein an diesem Tag. Auf die Gleise der Sonderentlastungszüge gelangte man nur nach vorheriger Kontrolle durch die Polizei. Auf dem Bahngleis angekommen, hieß es zunächst warten. Denn die Züge kamen wie erwartet zu spät. Knapp 40 Minuten nach angekündigter Uhrzeit lief der erste Zug ein.

Wir hatten Glück und die Tür kam direkt vor uns zum Stillstand. Die Zugfahrt zog sich wie Kaugummi. Immer wieder hielt der Sonderzug für 5 bis 10 Minuten an. Dann endlich die ersten Anzeichen der Wellblechhütte. Raus aus dem Zug und ab auf die Brücke, wo wir von gegnerischen Fans und Polizei bereits erwartet wurden. Auch hier zündeten weitere Bengalos. Mit dem zweiten Sonderzug ging es dann auf die lange und immer enger werdende Strecke zu den Gästeblöcken. Die ersten 200 Meter waren die reinste Hölle und ich bin froh, dass die Polizei auf die Idee mit dem Flaschenverbot gekommen ist, denn es flogen nur wenige Bierflaschen. Dafür jede Menge kleiner Schnapsflaschen, volle PET-Flaschen, Dosen und Bierbecher. Die Route war wirklich nicht gut gewählt, denn von beiden Seiten bekamen wir einiges ab. Ein Tipp für zukünftige Auswärtsderbyfahrer: Regenschirm mitnehmen! Manch einer kam an mir vorbei, der nicht so viel Glück hatte und mit offenen Wunden am Kopf in Richtung Sanitäter eilte. Später hörte ich noch von einem Tränengaseinsatz. Davon habe ich persönlich aber nichts mitbekommen.

Derbysieg! (@ Signal Iduna Park for Schalke 04 vs. Borussia Dortmund w/ 42 others) http://t.co/xy5fvwhX
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Vor dem Stadion entspannte sich die Situation und das Publikum mischte sich. Hier gab es keinerlei Probleme zwischen den Fans. Wegen der späten Abfahrt der Züge bekamen wir allerdings ein Zeitproblem. Erst 20 Minuten vor Anpfiff konnten wir uns in die lange Schlange der wartenden Schalker einreihen. Erst spät wurde den Sicherheitskräften im Stadion bewusst, dass zwei geöffnete Tore für  einen rechtzeitigen Einlass bis zum Anpfiff nicht ausreichen würden. Nach einer Ewigkeit wurden weitere Tore geöffnet und ich schaffte es fast pünktlich zum Anpfiff in den “Bengalo” Block 61.

Doch zunächst zum Spiel. Man konnte die Unsicherheit der Schalker Mannschaft praktisch spüren. Die Kulisse so beeindruckend wie die Spieler beeindruckt. Vor allem Unnerstall, Papadopoulos, Uchida und Holtby, zusammen vor dem Spiel mit 104 Minuten Derbyerfahrung, war die Unsicherheit bei jedem Ballkontakt anzumerken. Es entickelte sich eine einseitige Partie, in der die Schalker nicht nur mit dem ekelhaft guten Pressing der Borussen leben mussten, sondern auch mit jeder Menge Gegenwind, der durchs Stadion zog wie Hechtsuppe. Die verdiente Führung fiel leider durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters und Dortmund hatte in der ersten Halbzeit auch nur eine weitere richtig gute Torchance, als Götze an Unnerstall scheiterte und Matip dem einschussbereiten Barrios den Ball vor der Linie wegschnappte. Ein wenig Hoffnung blieb also für die zweite Halbzeit, in der Schalke dann auch tatsächlich seine erste Torchance hatte. Leider war es auch die letzte Chance in diesem Spiel für Königsblau. Holtby vergab aus spitzem Winkel.

Der Rest des Spiels ist schnell erzählt: Die Unaussprechlichen machen kurz nach der Schalker “Drangphase” den Sack zu und spielen fortan befreit auf. Nur Unnsterstall und ein nimmer müder Jones bewahren Schalke vor einer noch höheren Pleite. Enttäuscht bin ich über die Niederlage nur bedingt. Ich finde es nur sehr fragwürdig, warum sich der S04 so wenig gegen die Niederlage stemmte. Kampf war bei weitem nicht die einzige fehlende Zutat für einen möglichen Derbysieg, doch nach dem 2:0 war die Luft quasi raus und man hatte sich dem Gegner ergeben. Und das bereits eine halbe Stunde vor Schluss.Im Block ging es derweil heißer her, denn trotz intensiver Kontrollen ist es Gruppen gelungen, Bengalos in das Stadion zu schmuggeln. Diese wurden allerdings nicht stumpf abgebrannt, sondern in einer Art Mini-Choreo abgebrannt. Vielleicht wollten die Fans hier mal zeigen was möglich ist, wenn man Pyrotechnik im Stadion kontrolliert abbrennen könnte. Für mich im Block war die Aktion absolut ungefährlich. In der Sportschau sah das Ganze meiner Meinung nach super aus. Dass der Kommentator des Berichts von “Randalierern” sprach, zeigt die Ignoranz mit der die etablierten Medien an diese Sache herangehen.

Auf dem Rückweg noch einmal ein Paradebeispiel für schlechte Polizeiorganisation. An einem U-Bahn Eingang versperrte Freund und Helfer knapp 50 Schalkern, wir waren auch darunter, den Weg zur Bahn in Richtung Hauptbahnhof. Das Problem: Über der wartenden Meute verlief ein Rondell, auf dem man sich als Anhänger des Siegers ganz gemütlich sämtlicher Sachen entledigen konnte, die man schon immer mal auf die Blau-Weißen ablassen wollte. Die Schmähgesänge waren da nochdas liebste, was uns von oben entgegen flog. Wir entschieden uns den Haupbahnhof per Pedes zu erreichen. Dies schien eine gute Entscheidung gewesen zu sein, denn von weitem konnte ich der hektisch nachrückenden Polizei entnehmen, dass an jenem U-Bahn Bahnhof dann auch die Fetzen flogen. Doch auch der Weg durch die Stadt erwies sich noch an einer Stelle als problematisch. An einem Kiosk versorgten wir uns mit einem Fußbpils für den langen Weg Richtung Hauptbahnhof. Da kamen gleich fünf Derbysieger an und wollten meinen Schal als Andenken für diesen historischen Sieg. Ich weigerte mich, was in einer kleinen Schuppserei endete. Fazit: Ich habe meinen Schal noch, nachdem wir die Idoten einfach links liegen gelassen haben und weiter gezogen sind.

Auch die Fahrt nach Köln war eine einzige Tortur. Wieder mehr Borussen im Zug, die sich lautstark über den Sieg freuten. Immerhin assoziieren die “neutralen” Mitfahrer das assoziale Fußballpack mit schwarz gelben Farben, anstatt mit Königsblau und Weiß. Das hoffentlich aber nur bis zum nächsten Derby.

Morgen gibt es einen Text, der sich mehr mit dem Auftreten der Mannschaft beschäftigt.

Glück Auf! Kopf hoch!

 

 

 Posted by on 28. November 2011 at 07:30

  2 Responses to “Ein Tag im Zeichen des Derbys”

  1. Schöner Beitrag! Danke dafür!

  2. Gute Zusammenfassung und ein echt bitteres Ergebnis. Schade das das Spiel nicht unbedingt voll Spannung war.

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