Nov 172011
 

Der FC Schalke 04 wird sein Trainingslager in der kommenden Winterpause nicht wie gewohnt in Europa oder gar zu Hause abhalten. Der Verein hat sich dieses Mal für den weiten Weg entschieden und wird vom 4. bis zum 8. Januar 2012 im Emirat Katar weilen, um sich auf den zweiten Teil der Saison vorzubereiten. Dort gibt es übrigens ein Wiedersehen mit Manuel Neuer. Die Bayern haben fast deckungsgleich im selben Hotel gebucht.

Diese Entscheidung finde ich aus zweierlei Gründen etwas unglücklich. Denn zum einen gucken vor allem die reisebegeisterten Fans der Königsblauen in die Röhre. Egal ob es Spanien oder die Türkei war, stets waren die Trainingslager der Knappen gut zu erreichen und für die Anhänger ein willkommener Grund, das kalte Deutschland hinter sich zu lassen, ein paar Tage Urlaub zu machen und die Nähe zur Mannschaft nicht nur zu suchen, sondern auch zu finden. Mit der Entscheidung ins mehr als 6000km entfernte Emirat zu fliegen, machen die Verantwortlichen diese Möglichkeit schlichtweg zunichte. Wenn, dann werden wohl nur eine handvoll – und dann wohl nur gut betuchte – Fans der Mannschaft hinterher reisen. Sicherlich kann dies kein Hauptentscheidungskriterium des Vereins sein, wenn es um die Wahl des passenden Ortes für ein Trainingslager geht. Dass aber hier anscheinend überhaupt keine Rücksicht auf die Fans genommen wurde, ist zumindest schade. Hoffen wir, dass die Sommertrainingslager weiterhin näher an den heimischen Gefilden bleiben.

Ein weiterer Grund hängt mit der gestern gestarteten Aktion Libero zusammen. Renate hat in ihrem Interview die Entscheidung der FIFA zurecht kritisiert, die Fußball WM im Jahre 2022 im Emirat Katar stattfinden zu lassen. Nicht nur, weil Katar als Fußballnation wohl nicht mal als Fußballzwerg gelten kann, sondern weil dort Homosexualität unter Strafe steht und somit das Einreisen in dieses Land für Schwule und Lesben schlichtweg nicht zumutbar wäre. Auch hier gilt: Das ist kein entscheidendes Kriterium für die Auswahl der Orte, in denen man sich auf einen Saisonabschnitt vorbereitet. Ich will jetzt deswegen auch kein allzu großes Faß aufmachen, denn es handelt sich schließlich “nur” um ein kurzes Wintertrainingslager. Völlig unbedeutend im Vergleich zu einer Weltmeisterschaft.

Trotzdem: Es sollte dennoch nicht unerwähnt bleiben. Ich würde mir wünschen, dass solche Kriterien in Zukunft mehr Gewicht haben. Bei Verbänden, Vereinen und letztendlich auch bei den Fans.

 Posted by on 17. November 2011 at 07:30

  2 Responses to “Alleine in der Wüste”

  1. Ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass derartige Trainingslager von der DFL im Rahmen der Auslandsvermarktungs-Förderung vermittelt werden. Dabei werden von der DFL und einem Sponsor im Gastland ein, zwei Mannschaften pro Jahr ausgesucht, für die dann die Kosten des Trainingslagers übernommen werden. Dies nur als Erklärungsansatz dafür, warum sich der klamme FC Schalke ein derartiges Trainingslager im anerkannt weltbesten Trainingszentrum leisten kann.

    Das Problem mit Katars Gesetzgebung bezüglich Homosexualität ist unbestritten und unausräumbar und mir klingelt noch die FIFA-Empfehlung im Ohr, nachdem Katar als Austragungsort der WM auskorruptiert wurde. “Die Betroffenen sollen doch einfach für die Dauer der WM etwas weniger schwul sein, dann passiert schon nichts.”

    Was die reisefreudigen Fans im Trainingslager angeht, so ist die i.d.R. allerdings ein Phänomen der Sommer-Vorbereitung. Die Winter-Vorbereitungen fanden m.W. zuletzt nahezu ausnahmslos in Gelsenkirchen statt.

    • Diese Info hatte ich nicht. Irgendwie passt Katar auch nicht zu einem Verein wie Schalke.
      Aber naja. Die Entscheidung steht. Die Bedingungen in diesem Trainingscenter scheinen optimal. Hoffen wir, dass es was bringt.

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