Nov 162011
 

Im Rahmen der Aktion Libero habe ich dieses Interview mit Renate Reinartz geführt. Renate ist Gründungsmitglied des ersten schwul lesbischen Schalkefanclubs, Andersrum Auf Schalke. Viel Spaß beim lesen und folgt auch den anderen Beiträgen der Aktion Libero. Ich werde im Laufe des Tages den ein oder anderen Link bei Facebook und Twitter veröffentlichen.

Wer bist du und wie bist du Schalke Fan geworden?

Mein Name ist Renate Reinartz und ich komme ursprünglich aus Essen. Ich bin in einer Zechensiedlung groß geworden und damit auch mit Schalke.

Wie ist es zur Gründung des Fanclubs “Andersrum auf Schalke” gekommen?

Ich habe im Februar 2010 einen Artikel im Schalker Kreisel gelesen, dass zwei Schalker einen schwul-lesbischen Fanclub gründen wollten. Darauf habe ich mich bei einem der beiden, Volker, gemeldet und am 06. Mai 2010 wurde der Fanclub “Andersrum auf Schalke” offiziell gegründet.

Wie viele Mitglieder hat der Fanclub?

Aktiv sind es leider relativ wenige Mitglieder, da viele Mitglieder nicht in Gelsenkirchen und Umgebung wohnen und somit leider nicht aktiv am Fanclubleben teilnehmen können. Natürlich sind bei uns jederzeit neue Mitglieder willkommen. Ebenfalls suchen wir noch eine Kneipe in Gelsenkirchen, wo wir uns als Fanclub einmal im Monat treffen können. Falls hier also Schalkefans mitlesen, die unserem Fanclub beitreten wollen oder eine Kneipe in Gelsenkirchen kennen, wo wir uns als Fanclub treffen können, der melde sich bitte unter dieser Email Adresse: info@andersrum-auf-schalke.de

Müssen Mitglieder denn schwul oder lesbisch sein, oder gilt bei euch das Prinzip “Gays and friends”?

Unser Fanclub hat sich das Schlagwort “Diversity” (Vielfalt – Anm. der Red.) auf die Fahne geschrieben. Jeder ist bei uns willkommen. Ich selbst bin transgender und wir haben auch heterosexuelle Mitglieder. Der überwiegende Teil ist aber schwul.

Gab es spezielle Ereignisse, sowohl positiv als auch negativ, die euch im Stadion aufgrund eurer sexuellen Neigung widerfahren sind?

Wir gehen eher als Schalker ins Stadion, nicht als Schwule. Wir haben uns bisher im Stadion auch nie explizit als „schwul“ zu erkennen gegeben. Dies wird sich allerdings ändern. Am letzten Spieltag der Hinrunde gegen Werder Bremen ist der Wanderbanner “Gegen Homophobie” bei uns auf Schalke zu Gast.

Gab oder gibt es dort von Seiten des Vereins Unterstützung oder seid ihr da auf euch allein gestellt?

Die Gründung unseres Fanclubs wurde auch von Vereinsseite sehr positiv aufgenommen. Es gab sogar einen Artikel auf der Schalker Homepage. Ganz besonders stolz bin ich auch, dass Schalke 2009 die Antideskriminierungserklärung u.a. gegen Homophobie, unterzeichnet hat. Für die Wanderbanner-Aktion haben wir die Unterstützung des Schalker Fanbeauftragten, der Schalker Faninitiative und dem Schalker Fanprojekt. Zudem machen wir als Fanclub natürlich noch beim Schalker Fanclubverband Werbung für die Aktion. Wir hoffen, dass sich möglichst viele Schalker und viele Schalker Fanclubs beteiligen werden.

Kannst du etwas mehr über die schwule Fanszene berichten? Was hat es mit dem Queer Fooball Fanclubs Verband auf sich?

Wir als Fanclub sind kurz nach der Gründung dem QFF beigetreten. Der QFF selber hat sich 2006 gegründet und trifft sich zweimal im Jahr. Es gibt mittlerweile 19 Bundesligafanclubs, die dem Verband beigetreten sind. Zudem gibt es drei Schweizer- und einen spanischen Fanclub. Der QFF konzentriert sich derzeit also eher auf den deutschsprachigen Raum. Hier herrscht auch eine richtig gute Kommunikation zwischen den Fanclubs. Das Ergebnis davon sieht man an dem vorher genannten Wanderbanner. Die Idee kam ursprünglich von einem Berliner Fanclub und wurde schnell aufgenommen und weiter getragen. (Hier gibt es die Geschichte zum Wanderbanner)

Wünscht ihr euch dort generell mehr mediale Aufmerksamkeit? Ich habe zwar schon vorher von diesem Banner erfahren, aber leider nur aus einem einzigen Artikel.

Es war fast so, dass die mediale Aufmerksamkeit bei der Gründung von „Andersrum auf Schalke“ manchen Fans schon fast zu viel war. Wir wünschen uns eigentlich etwas ganz anderes: Es ist aus den schwulen Internetnetzwerken bekannt, dass es jede Menge schwuler Schalkefans gibt, aber diese “Schalker Kerle”, wie sie sich gerne nennen, kommen einfach nicht aus dem Quark. Sie outen sich zwar in der Schwulenszene, aber nicht in der Fußballszene. Der Wille, sich zu organisieren ist also noch nicht weit verbreitet. Das würden wir natürlich gerne ändern.

Wie bewertest du die Zusammenarbeit mit dem DFB? Mich persönlich ärgert, dass es immer wieder Kampagnen gegen Rassismus bzw. für Integration von Seiten des DFB gibt und der Verband dort viel Geld und Zeit investiert. Eine ähnlich aufwendige Kampagne gegen Homophobie habe ich allerdings noch nicht registriert.

Da muss ich den DFB auch ein wenig in Schutz nehmen. Vom QFF aus haben wir sehr gute Kontakte zum DFB. Unser Pressesprecher, Dirk Brüllau, steht mit Theo Zwanziger in sehr engem Kontakt und wird bei entsprechenden Themen auch immer zum runden Tisch eingeladen. Theo Zwanziger ist generell ein Glücksfall für die Szene. Von ihm bekommen wir jede Art von Unterstützung, wobei die Einstellung von Theo Zwanziger sicher nicht von allem im DFB geteilt wird. Das zeigen auch die etwas merkwürdigen Aussagen von Oliver Bierhoff.

Eine ganz andere Geschichte ist das Verhältnis zur FIFA. Wir haben nach der Vergabe der WM 2020 nach Katar eine Erklärung herausgegeben, dass wir als QFF nicht mit dieser Entscheidung einverstanden sind. In Katar steht Homosexualität unter Strafe. Im Hinblick auf ein mögliches Outing eines Fußballspielers ist dieser Umstand ein Ausschlusskriterium für die Einreise und somit auch die Teilnahme an der WM. Wir als Fans sind davon natürlich auch betroffen und können unsere Nationalmannschaft vor Ort nicht unterstützen. Diese Erklärung haben wir an die FIFA geschickt, aber keine Antwort erhalten. Die FIFA und Josef Blatter sind also das Problem. Nicht der DFB und Theo Zwanziger.

Gibt es bei euch ein Szenario, falls sich ein Spieler, oder eine Gruppe von Spielern in der Bundesliga outet. Diese sollten nicht nur vom DFB bzw. der DFL, sondern auch von den Rängen unterstützt werden.

Zum einen sind da natürlich die schwulen Fanclubs vor Ort gefragt. Diese würden den Spieler ohne Frage unterstützen. Natürlich würde sich auch der QFF mit einbringen und den Personen zur Seite stehen. Und ich bin mir sicher, dass auch Theo Zwanziger seine volle Unterstützung zusagen würde. Das Problem ist da eher: Wer traut sich als erster? Meiner Meinung nach ist dieser Schritt längst überfällig. Und auch die Akzeptanz schwuler Fußballer wird in meinen Augen dann auch recht schnell von statten gehen. Wir haben uns schließlich in anderen gesellschaftlichen Bereichen, wie der Politik, schnell an schwule Personen gewöhnt.

Liebe Renate, vielen Dank für das Interview und Glück Auf!

 Posted by on 16. November 2011 at 08:40

  4 Responses to ““Die FIFA ist das Problem””

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  3. […] “Im Rahmen der Aktion Libero habe ich dieses Interview mit Renate Reinartz geführt. Renate ist Gründungsmitglied des ersten schwul lesbischen Schalkefanclubs, Andersrum Auf Schalke.” Blogundweiss: “Die FIFA ist das Problem” […]

  4. Super Interview zu einem interessanten Thema :)

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