Nov 152011
 

Heute geht es für die deutsche Nationalmannschaft gegen die Niederlande. Für mich ein wirklicher Hassgegner. Allerdings wirklich nur im wörtlichen Sinne und auch wirklich nur beim Fußball. Ich mag das Land und auch die paar Holländer, die ich Freunde als Freunde bezeichnen darf, sind alle herzensgute Menschen. Auch gegen die niederländischen Spieler habe ich nichts mehr. Wie sollte ich auch? Schalke hat einer Menge Holländer viel zu verdanken. Angefangen bei Huub Stevens und dem Rest der Eurokäsefighter. Aufgehört bei Klaas-Jan Huntelaar. Zur Zeit einer der besten Stürmer Europas.

Trotzdem: Wenn es gegen Holland geht, dann werde ich zu einer Art Fußballnationalist, wo ich sonst nur Fußballpatriot bin, wo ich im normalen Leben nicht mal patriotisch bin. Es geht um das Gefühl, dem anderen in dieser Sportart nix zu gönnen. Rein gar nix. Angefangen hat das Ganze für mich 1990. Damals war die Weltmeisterschaft das erste große Turnier, das ich mit meinen 8 Jahren wirklich bewusst miterlebt habe. Roberto Donadoni wurde für mich zum Lieblingsspieler. Ein bisschen auch wegen dem Namen. Jeder zollte Lothar Matthäus noch Respekt, weil er wie wohl einst der Kaiser, durch das Mittelfeld marschierte und gegen Jugoslawien mit einem Fernschuss aller erster Güte den Deckel drauf machte. Ich erinnere mich an die aufopferungsvoll kämpfendes Kamerun mit Roger Mila, der auch mich hat tanzen lassen. Und dann ist da das Spiel gegen die Holländer. Da ist die Szene mit Völler und Frank Rijkaart. Ich hatte Tränen in den Augen, weil ich es so unfair fand, was dort passierte. Knapp 12 Jahre später lag ich bei meiner Freundin (jetzt Frau) im Bett. Sie schlief schon, denn es war spät in der Nacht. Ich schaute mit einem Auge eine Zusammenfassung der Weltmeisterschaft 1990, die auf irgendeinem Sender lief. Und da kam die Szene nochmal! Sie interessierte sich 1990 nicht für Fußball. Damals in ihrem Bett ebenfalls nicht. Auch heute nicht. Das war mir egal. Ich hatte ihr häufig von dieser Szene erzählt. Mindestens immer, wenn es wieder gegen Holland ging. Oder wenn wir nach Holland gefahren sind. Oder wir einen Holländer getroffen hatten. Jetzt war die Gelegenheit es ihr in Bildern zu zeigen. Ich war mit einem mal wieder auf 180. Ich rüttelte und schüttelte sie und schrie: “Guck da! Der Rijkaart, die alte Sau! Rotzt der unserer Tante Käthe einfach so in die Prachtlocken! Und dann zeigt der Schiri auch noch dem Völler die rote Karte. Haste das gesehen? Gibbet doch nicht, oder?” Sie schaute mich damals nur mit kleinen Augen an, zeigte mir eiskalt den Vogel, drehte mir den Rücken zu und beförderte sich das Kissen über den Kopf. Ich konnte es immer noch nicht fassen.

Wenn Mitteleuropa das Ruhrgebiet wäre, dann wären die Niederlande die Unaussprechlichen. Nie würde ich einem Unaussprechlichen körperlich weh tun, trotzdem empfinde ich einen gewisssen Hass gegen jeden, der diesen Verein auch nur sympathisch findet. Es ist halt immer ein besonderes Spiel. Wie gegen Holland halt. Egal, ob Liga Total Cup, Freundschaftsspiel oder WM-Viertelfinale. Österreich wäre übrigens der VfL Bochum. Das kleine Derby, wo man als Schalker gerne hinfährt, weil die Siegchancen immer gut sind und es quasi ein weiteres Heimspiel ist. Und weil man das Gefühl nicht los wird, dass es für den Gegner das absolute Spiel des Jahres ist. Wo Bochumösterreich sich Monate drauf vorbereitet, es kein anderes Thema mehr gibt. Wo man sich Jahre, bis Jahrzehnte an einen Sieg zurück erinnert, auch wenn man schon längst wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden ist. Wo man als Schalkedeutschland hinfährt, sie wegputzt und sich schon ein paar Tage später kaum noch daran erinnern muss. Und will. Weil es Alltag ist.

Heute kommt es wieder zum großen Derby. Ich freue mich darauf. Es wird hoffentlich heiß hergehen, denn gegen Unaussprechlichholland gibt es keine Freundschaftsspiele.

 

 Posted by on 15. November 2011 at 11:00

  13 Responses to “Gegen Unaussprechlichholland gibt es keine Freunschaftsspiele”

  1. Mein Lieblingsstrafraumstürmer auf der einen Seite, der ehemalige Torwartangestellte auf der anderen. Es geht für “mein Land” um die goldenen Ananas. Mir will kein Grund einfallen, für Deutschland zu sein…

  2. Die Jogiletten interessieren mich wie Synchronschwimmen!

  3. schließe mich schlupp und skandy an.

    die deutsche nati hat mich noch nie interessiert.
    die der holländer ist mir latte, anders ausgedrückt,
    ich habe es eher den spanier gegönnt …
    … die waren damals weniger brutal als die niederländer.

  4. Euch interessiert die deutsche Nationalmannschaft nicht? Ihr macht mit der Frau nen Spieleabend, wenn Deutschland um die Europameisterschaft spielt?

    Erzählt mir doch nix!

  5. Ich mag Schweinebesteiger, Müller, Gomez und wie sie alle heißen doch nicht deshalb plötzlich, weil sie für Deutschland spielen. Warum sollkte ich mir diesen Bayernhaufen also ansehen? Wenn die Championsleague spielen, gucke ich mir das doch auch nicht an!

    • Spieler kommen, Spieler gehen. Genauso wie Trainer. Ich bin auch kein Sympathisant von den Einzelspielern, sondern von der Nationalmannschaft an sich.
      Wenn Deutschland spielt, soll Deutschland gewinnen. Geht dir das tatsächlich nicht so?

      • Nee, ist mir völlig wumpe! Ich würde mich wohl eher freuen, wenn der Hunter der Wanderhure drei einschenkt, aber muss ich mir das deshalb ansehen?

  6. ich bin heute bei meiner trauzeugin zum essen eingeladen. sie ist griechin und beste köchin auf diesem planeten. es gibt pastitio. göttlich.
    dafür würde ich wahrscheinlich auch ein spiel des geilsten club der welt sausen lassen!

    • Es ging ja generell um Spiele der Nationalmannschaft. Ich guck mir auch nicht zwingend jedes Spiel an, aber es hörte sich so an als ob es euch generell egal ist wie die Nationalmannschaft spielt und vor allem wie sie spielt.

  7. @aber es hörte sich so an als ob es euch generell egal ist wie die Nationalmannschaft spielt und vor allem wie sie spielt.

    was mich betrifft, hast du es damit auf den punkt gebracht.
    ferner schließe ich mich schlupp erneut an.

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