Nov 012011
 

Der FC Schalke setzte am Samstag seine Siegesserie unter Huub Stevens fort. Mit einem 3:1 Sieg gegen Hoffenheim ist Königsblau wieder die Nummer 1 im Pott und damit auf Platz 2 der Fußball Bundesliga. Eine bemerkenswerte Leistung des Teams, bedenkt man, dass die Schalker in dieser Saison schon die ein oder andere unerwartete Hürde nehmen mussten.

Elf Spiele sind in der Bundesliga gespielt, die Gruppenphase der Europa League ist zur Hälfte rum und die zweite Runde des DFB-Pokals abgeschlossen. Zeit, für einen ausführlicheren Blick auf die bisherigen Leistungen der Königsblauen nach dem ersten Drittel der Saison. Dieses Fazit kann eigentlich nur positiv ausfallen, denn der S04 liegt in allen drei Wettbewerben absolut im Soll. Im DFB-Pokal gab man sich keine Blöße, auch wenn die Leistung gegen den KSC eher durchschnittlich war. Danach kräht am Ende aber kein Hahn mehr. Mit einem Sieg am Donnerstag gegen Larnaka kann Schalke bereits das Ticket für die Zwischenrunde der Europa League buchen. Die Chancen dafür stehen mehr als gut, wenn man die Leistung des Hinspiels auf Zypern als Maßstab nimmt. Auch in der Bundesliga hätten die wenigsten Experten prophezeit, dass der FC Schalke nach dem ersten Drittel der Spielzeit ganz oben mitmischt und vor allem vor dem Rivalen aus dem Revier, den Unaussprechlichen, steht.

Dabei hatte Schalke vor und während der Saison so einige Baustellen offen. Zunächst einmal musste eine Lücke geschlossen werden, die nicht nur aus sportlicher Sicht eher einem Scheunentor, denn einem Mäuseloch glich: Ralf Fährmann wurde auserkoren, die großen Torwarthandschuhe anzuziehen, die Manuel Neuer mit seinem Abgang hinterlassen hat. Trotz guter Leistungen konnte Fährmann die Kritiker, auch wegen einiger individueller Fehler, nie ganz verstummen lassen. Letztendlich hat Horst Heldt hier aber eine solide und kostengünstige Lösung präsentiert, die zudem durch seine Vergangenheit einen Bezug zu Verein und Fans hat.

Unter Schock stand der gesamte Verein nach dem überraschenden Rücktritt von Ralf Rangnick. Die Sehnsucht nach Konstanz auf der Trainerposition und einer konsequent offensiven Spielphilosophie wurde durch die Erkrankung Rangnicks jäh beendet. Mit viel Feingefühl und mit einem guten Händchen für den richtigen Mann, präsentierte Horst Heldt nur wenige Tage nach dem Rücktritt einen Nachfolger, der den Königsblauen nur allzu gut bekannt war. Huub Stevens trat die Nachfolge an und setzte, allen Zweiflern zum Trotz, den Weg Rangnicks fort. Mehr noch: Er brachte mit seinen defensiven Veränderungen (Jones ins defensive Mittelfeld, Matip und Papadopoulos in die Innenverteidigung und Höwedes rechts hinten) die Balance und Stabilität ins Schalker Spiel, die der Mannschaft unter Ralf Rangnick noch abgegangen ist.

Auch die dritte Baustelle, die schwere Verletzung von Ralf Fährmann, meisterten die Verantwortlichen mit Bravour: Sportlich schloss Lars Unnerstall die Lücke mehr als zufriedenstellend. Mehr noch: Nach seinen ersten vier Spielen über 90 Minuten strahlt Unnerstall eine bemerkenswerte Ruhe aus, die Fährmann häufig vermissen ließ. Zudem reagierte auch Horst Heldt und präsentierte mit Timo Hildebrandt einen erfahrenen Bundesligatorhüter, der sich auch schon auf internationaler Ebene beweisen konnte. Dieser Plan B war nicht nur aus sportlicher Sicht notwendig, denn die bisherige Entwicklung von Lars Unnerstall war so nicht unbedingt zu erwarten. Auch für Ralf Fährmann war diese Verpflichtung ein wichtiges Zeichen. Nun kann er sich ohne Druck um sein Knie kümmern, wird bis zum Ende der Saison nicht das Gefühl haben, möglichst schnell zurück ins Tor zu müssen. Die Entscheidung für die Operation und gegen die riskantere konservative Behandlung wurde sicher auch durch die Verpflichtung Hildebrands beeinflusst.

Kommen wir zu den Hauptprotagonisten im Schalker Spiel. Vor allem muss dort natürlich Klaas-Jan Huntelaar genannt werden. Der Holländer trifft, wie er will. 21 Treffer in 18 Spielen sprechen für sich. Da bedarf es keiner weiteren Erklärung. Neben dem bereits gestern gelobhudelten Julian Draxler ist Joel Matip für mich bisher der Spieler der Saison. Der lange Schlacks wurde von den Fans stets kritisch beäugt, löste mit seinen gelegentlichen Fehlpässen immer wieder schnelles Murren und erste Pfiffe aus. Doch Matip tangierte das überhaupt nicht und ließ seine Kritiker mittlerweile komplett verstummen. Seitdem er von der defensiven Mittelfeldposition in die Innenverteidigung gewechselt ist, gehört er zu den absoluten Leistungsträgern im Team. Sein Stellungsspiel ist herausragend und seine Kopfballstärke, offensiv wie defensiv, wird mittlerweile zurecht besungen. Beides ist schlichtweg hitverdächtig.

Derzeit lacht also die Sonne über dem Berger Feld. Gewonnen haben wir deshalb aber noch gar nichts. “Weiter machen.” “Von Spiel zu Spiel denken.” “Nicht von äußeren Dingen beeinflussen lassen.” “Nur auf uns gucken.” “Keinen Gegner unterschätzen.” Die Fußballfloskeln, die in solchen Situationen Land auf, Land ab in die Mikrofone gequasselt werden, hängen einem mittlerweile zum Hals raus. Trotzdem: Sie treffen es auf den Punkt. Deswegen: Auf geht’s Schalke! Kämpfen und siegen!

 Posted by on 1. November 2011 at 07:30

  One Response to “Alles im Lack”

  1. Sehr gute Zusammenfassung der aktuellen Lage!

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