Okt 212011
 

Ungewöhnliches passiert auf Schalke. Da wird eine Spielerverpflichtung auf der Homepage bekannt gegeben, obwohl die Unterschrift noch gar nicht auf dem Vertrag ist und auch der Medizincheck noch nicht absolviert ist. Trotzdem darf man davon ausgehen: Wir haben einen neuen Keeper. Timo Hildebrand wird ein Königsblauer. Der Vertrag des Ex-Stuttgarters wird vorerst nur bis zum Ende der Saison laufen. Über weitere Optionen auf irgendeiner Seite ist bisher nichts bekannt geworden.

Mit der Verpflichtung reagierte der Klub auf die Verletzung von Ralf Fährmann, der sich gegen Kaiserslautern einen Kreuzbandanriss zuzog. Die Entscheidung pro Hildebrand ist auch gleichzeitig eine Entscheidung pro Fährmann, denn bisher ist nicht ganz klar, wie lange Ralf Fährmann fehlen wird. Dies hängt vor allem von der Behandlungsmethode ab, für die sich Fährmann in Abstimmung mit dem Verein entscheiden wird. Die konservative Methode, ohne Operation, kann Fährmann schon zu Beginn der Hinrunde wieder auf den grünen Rasen bringen. Allerdings ist diese Methode auch mit mehr Risiko verbunden, denn wie das Band letztendlich verheilt und wie stabil es danach ist, kann man nicht absehen. Mit der Verpflichtung von Hildebrand hat Schalke ihm die Möglichkeit gegeben, seine Verletzung operativ behandeln zu lassen. Den langen, aber sicheren Weg zu gehen, dem er dann wohl am Ende der Saison sein Ziel hat. Dieser Weg ist eindeutig der bessere für einen 23 jährigen Bundesligakeeper, der den größten Teil seiner Karriere noch vor sich hat. Er hat während der Rehabilitation keinen Druck, so schnell es geht wieder ins Tor zurück zu müssen, weil er gebraucht wird.

Wieder hat Hors Heldt für mich genau das richtige getan. Ich hätte mich mit einem Lars Unnerstall als Nummer 1 für den Rest der Saison unwohl gefühlt. Matze Schober ist zwar ein netter Kerl, aber auch er ist keine Nummer 1 für einen Bundesligaverein, der im oberen Drittel der Tabelle mitspielen möchte. Ich wünsche Timo Hildebrand viel Erfolg und alles Gute bei seinen acht Monaten auf Schalke. Eventuell wird es dann ja auch noch ein bisschen mehr.

Glück Auf und herzlich Willkommen, Timo Hildebrand!

Das sagt die Nerdkurve:

 Posted by on 21. Oktober 2011 at 13:17

  12 Responses to “Eine Entscheidung pro Fährmann”

  1. Ich kann nicht beurteilen, ob Unnerstall was taugt. Das wollte ich jetzt lernen, und deshalb habe ich mich auf seine anstehenden Einsätze gefreut. Und ich frage mich, wieso, wenn es so wäre, gerade in der mit guten Torhütern bestens ausgestatteten Bundesliga ein nichttauglicher Nachwuchsspieler auf der Bank sitzen soll. Eher lässt das den Schluss zu, dass er was kann, wenn er es gegen so viel Konkurrenz so weit geschafft hat. Mit Hildebrand in der jetzigen Situation aufzustocken, dagegen ist nichts einzuwenden, aber wieso als Nummer eins-Ersatz?

    • Die Frage kann ich natürlich nicht beantworten. Meine Theorie ist folgende: Man traute vor der Saison den Ersatztorhütern zu, Fährmann für wenige Spiele (bei leichter Verletzung oder Sperre) zu ersetzen. Allerdings scheint man nicht so viel Vertrauen zu haben, dass man sie den Rest der Saison spielen lassen will. Dafür sprechen auch die kurzen Vertragslaufzeiten (mit beiden wurde nur für ein Jahr verlängert).
      Abgesehen war die Lösung Fährmann, Unnerstall und Schober günstig für den verschuldeten Klub. Jetzt muss man doch das Geld in die Hand nehmen, was man vor der Saison mit der Verpflichtung einer stärkeren Nummer 2 (u.a. war ja Lehmann im Gespräch) gespart hat.
      Wie gesagt: Für mich hat Heldt richtig gehandelt. Mit Unnerstall und Schober den Rest der Saison bestreiten, wäre auch für mich ein zu hohes Risiko gewesen.

  2. Habe diesen Text auch als Antwort auf Deinen Kommentar bei mir geschrieben:

    Ich verstehe Deine Herangehensweise, muss aber sagen, dass ich die Entscheidungen zum Thema Torwart dann doch recht kurzsichtig finde.
    Es wurde auf einer Position gespart, bei der die erste Wahl eine Historie von Verletzungen und Ausfällen hat. Das laste ich Ralf Fährmann nicht an, dennoch ist diese Lösung sehr knapp auf Kante genäht. Hätte sich Ralf Fährmann nicht verletzt, wäre alles in Ordnung gewesen und niemand hätte sich beschwert.
    Ich verstehe die Situation, aber der Verein macht erneut eine schlechte Figur in der Außendarstellung. Das ist unabhängig davon, ob die Verpflichtung von Hildebrand gut ist oder nicht.
    Warum wird auf der Torwart-Position akzeptiert, dass die Ersatzleute kein konstanten Leistungen bringen können, auf allen anderen Positionen nicht?

    • Sch..ß auf die Außendarstellung. Es geht darum, mit einem Torwart den Rest einer Saison zu bestreiten, die zukunftsweisend für Schalke ist. Qualifiziert man sich für die Europa League, stehen die Chancen gut, dass Rául bleibt und mit Huntelaar sogar vorzeitig verlängert werden kann. Zeichnet sich eine CL Teilnahme ab, könnte sogar Farfan weiterhin Schalker bleiben.
      Wie gesagt: Mit Unnerstall und Schober wären diese Ziele sehr viel schwerer zu erreichen. Meine Meinung…

      • Verstehe ich und damit hast Du wahrscheinlich Recht.
        Aber lass es mich bitte anders formulieren: Wenn Unnerstall sich durchsetzt, ist die Verpflichtung von Hildebrand Mumpitz und Unnerstall durch die anfänglichen Diskussionen geschwächt.
        Sollte sich Unnerstall sich nicht durchsetzen, hätte der Verein nie den Vertrag verlängern dürfen, sondern Himmelmann aus der U23 hochziehen sollen.

        • Wenn Unnerstall sich durchsetzt, ist doch alles in Butter. Die Verpflichtung und das dafür in die Hand genommene Geld sind meiner Meinung nach gut investiert.
          Ich schätze Heldt so ein, dass er (zumindest intern) seine fehlende Unterstützung gegenüber Unnerstall einsehen und revidieren wird.
          Und sollte sich Unnerstall durch solche Zweifel sichtbar unterkriegen lassen (durch klare Fehler), dann ist seine Tauglichkeit für die Bundesliga eh fraglich. So hat man zumindest immer gerne bei Fährmann argumentiert.

          • Und da ist für mich der Punkt: intern!
            Auf Schalke ist extern aber mindestens genauso wichtig wie intern.

            ich kreide dem Trainer-Team und Horst Heldt keine Personalentscheidung an, lediglich der Umgang und die Kommunikation ist verbesserungswürdig.

          • Da gebe ich dir dann Recht. Aber für Schalke in den Medien gut darzustehen und alles richtig zu machen, ist traditionell schwierig.
            Sicher macht Heldt hier Fehler, aber da hab ich schon größere Stümperer auf Schalke erlebt.

          • Auch wieder wahr.

  3. Ja, auch ich sehe die Entscheidung von HH als richtig an, denn für eine halbe bis dreiviertel Saison muss man auch einen Plan B in der Schublade haben, selbst wenn es mit Unnerstall jetzt doch funktionieren sollte.

  4. […] bis zum Ende der Saison nicht das Gefühl haben, möglichst schnell zurück ins Tor zu müssen. Die Entscheidung für die Operation und gegen die riskantere konservative Behandlung wurde sicher auch durch die Verpflichtung […]

  5. […] muss zugeben, dass ich Hildebrand direkt als Nummer 1 im Schalker Tor gesehen habe. Doch nach den soliden Leistungen von Lars Unnerstall gab es für Huub Stevens keinen Grund, den […]

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