Okt 192011
 

Ralf Fährmann ist wirklich nicht zu beneiden. Nach seiner Rückkehr begleiteten ihn diverse Medien stets mit kritischem Auge. Als ablösefreier Nachfolger von Manuel Neuer ist dies auch nicht ganz verwunderlich. Schließlich musste er ein schweres Erbe antreten.

Mit Fährmann im Kasten hat der FC Schalke einen guten Saisonstart hingelegt, auch wenn die Abwehr alles andere als Sattelfest wirkte. Ja, auch Ralf Fährmann hatte seinen Anteil an den vielen Gegentoren. Ohne die torfreudige Offensive würden wir wohl in anderen Sphären der Bundesligatabelle herumdümpeln. Die Alleinschuld kann und darf man ihm allerdings nicht geben, denn zum einen hat Fährmann das ein oder andere Gegentor mit tollen Paraden verhindert, und zum anderen liegt der wahre Grund der vielen Gegentore in der Balance des gesamten Teams. Zu einfach ist es für die Gegner das Mittelfeld zu überbrücken. Zu häufig steht die Innenverteidigung “blank”, weil die Außen ihren Job nicht gemacht haben. Zu langsam wirkt teilweise gerade diese Innenverteidigung in ihrer Reaktionsschnelligkeit.

Die Kritik, die sich Ralf Fährmann gefallen lassen musste, war dennoch nicht unbegründet. Das ein oder andere Mal hat die neue Nummer 1 in dieser Saison bereits daneben gegriffen oder anderweitig eine schlechte Figur gemacht. Als Beispiele sollen das 0:2 in Mainz und der Führungstreffer des SC Freiburg dienen.

Der bisherige Höhepunkt der Ära Fährmann war am Samstag der Platzverweis nach einer vermeintlichen Notbremse im Spiel gegen Kaiserslautern. In einer Situation, wo so ziemlich jeder Torhüter auf diese Art aus dem Tor gestürzt und mit dem nötigen Glück derjenige ist, der sein Team vor dem sicheren Rückstand bewahrt, fliegt Fährmann zum Platz und zieht sich zu allem Überfluss auch noch eine mittelschwere Verletzung zu, die ihn mindestens zu einer mehrwöchigen Pause zwingt. Ganz klar: Für Fährmann ist es bisher eine gebrauchte Saison.

In den Fokus rückt nun ein Torhüter, dessen Vertrag vor kurzem erst verlängert wurde. Man sollte meinen, dass die Verlängerung eines Vertrages ein Zeichen von Vertrauen und Wertschätzung ist. Dies kann im Fall Lars Unnerstall allerdings doch arg bezweifelt werden. Wenn einem 21 Jahre alten Torhüter, dessen Vertrag ursprünglich am Ende der Saison ausläuft, nur eine Verlängerung um weitere 12 Monate angeboten wird und dieser das Angebot auch noch annimmt, dann stimmt das Verhältnis nicht. Zum einen wäre eine Verlängerung um mindestens zwei Jahre die logische Konsequenz gewesen. Zum anderen waren die Angebote an Lars Unnerstall von potenziellen Proficlubs (1. bis 3. Liga) wohl mehr als übersichtlich. Anders kann man die schnelle Einigung  zwischen Club und Torhüter nicht deuten.

Mich wundert generell, dass Unnerstall weiterhin auf Schalke spielen möchte, denn die mangelnde Wertschätzung im Verein ist schon länger öffentlich. Und hier hat nicht irgendwer sein Urteil gefällt, sondern kein geringerer als Lothar Matuschak. Der Mann, der neben Manuel Neuer eben auch Ralf Fährmann und andere Bundesligatorhüter wie zum Beispiel Christopher Heimeroth, Patrick Rakovsky, Mohammed Amsif oder Christian Wetklo geformt und gefördert hat. In einem Interview (über Unnerstall ab Minute 15) mit dem Quatscher bewertet er Unnerstall als jemanden, der “vom Talent her nicht allzu viel mitbringt”. Vielmehr sieht Matuschak seine herausragende Qualität darin, das mangelnde Talent durch harte Arbeit auszugleichen. Aber reicht das für einen Bundesligateam, das den Anspruch hat, in den kommenden Jahren weiterhin auf internationaler Ebene dabei zu sein? Reicht das, um kurzfristig den Ausfall von Fährmann auszugleichen?

Den Beweis muss Unnerstall in den beiden kommenden Spielen gegen Larnaka und in Leverkusen erbringen. Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich da meine Zweifel und offensichtlich teilt man diese in der Führungsetage des Clubs. Natürlich werde ich ihm seine Chance einräumen. Diese hat jeder verdient. Sollte Unnerstall diese Zweifel an seinen Fähigkeiten auch nur im geringsten bestätigen und Fährmann auf absehbare Zeit nicht ins Tor zurückkommen können, kann ich eine Verpflichtung von Timo Hildebrand in diesem Falle nur begrüßen. Ein Vertrag bis zum Saisonende ist ohne viel Risiko verbunden. Dafür bekommt man einen erfahrenen Torhüter. Auf nationaler und internationaler Ebene. Und wer weiß. Vielleicht erlebt er seinen zweiten Frühling oder er bewährt sich als Nachfolger von Matze Schober als erfahrener Backup.

 Posted by on 19. Oktober 2011 at 09:01

  3 Responses to “Der ehrliche Arbeiter”

  1. Tur mir leid, das mit dem Kreuzband. Ich bin mir sicher, daß S04 noch einen Torhüter (Hildebrand) nachkauft.

  2. […] hat Hors Heldt für mich genau das richtige getan. Ich hätte mich mit einem Lars Unnerstall als Nummer 1 für den Rest der Saison unwohl gefühlt. Matze Schober ist zwar ein netter Kerl, aber auch er ist […]

  3. […] nur aus sportlicher Sicht notwendig, denn die bisherige Entwicklung von Lars Unnerstall war so nicht unbedingt zu erwarten. Auch für Ralf Fährmann war diese Verpflichtung ein wichtig. Nun kann er sich ohne Druck um sein […]

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