Okt 082011
 

Vergleicht man die Teams, die Huub Stevens zu Beginn seiner jeweiligen Amtszeiten vorgefunden hat, so muss er sich heute wie in einem Schlaraffenland vorkommen. Weltstars wie Rául, Weltklasse Torjäger wie Klaas-Jan Huntelaar. Junge Talente wie Julian Draxler oder Lewis Holtby. Von solchen Kalibern konnte Huub Stevens 1996 nur träumen.

Heute hat er auf fast jeder Position die Qual der Wahl. Und das ist gut so. Die große Kabine, die Fred Rutten angepriesen hat, platzte unter Magath aus allen Nähten. Unter Rangnick ist sie immer noch groß. Doch Horst Heldt hat es geschafft, die besten zu halten und auf fast jeder Position einen Konkurrenzkampf zu schaffen.

 

Torwart:

Natürlich gibt es auch hier einen Konkurrenzkampf. Allerdings hat und wird Ralf Fährmann in dieser Saison die Nase vorn haben. Er ist sehr gut in die Saison gestartet und machte bis auf zwei Situationen einen sicheren Eindruck. Mit den aufkommenden Gerüchten über ein Interesse an Rene Adler scheint Fährmann ein wenig an Sicherheit eingebüßt zu haben. Trotzdem: Ralf Fährmann ist die klare Nummer 1.

 

Rechter Verteidiger:

Ziemlich überraschend favorisierte Ralf Rangnick zunächst Marko Höger auf der Position des rechten Verteidigers. Das war deswegen überraschend, weil er eigentlich für das defensive Mittelfeld verpflichtet wurde und zudem Atsuto Uchida in der vergangenen Saison nach Startschwierigkeiten immer besser in die Rolle hinein gefunden hat. Im modernen Fußball haben nicht nur die Defensivleistungen einen Einfluss darauf, wer als guter oder schlechter Außenverteidiger gilt. Vor allem das offensive Flügelspiel ist ein wichtiges Kriterium. Auf der königsblauen rechten Seite ist ebenfalls von Bedeutung, wer besser mit Jefferson Farfan harmoniert. Und dort hatte Uchida bis zu seiner Verletzung die Nase vorn. Fazit: Hier herrscht jetzt schon ein großer Konkurrenzkampf. Wenn nach der Winterpause auch noch Tim Hoogland mitmischt, wird es richtig spannend. Für mich derzeit der Startspieler für rechts hinten: Marko Höger.

 

Linker Verteidiger:

Als die Verpflichtung von Christian Fuchs bekanntgegeben wurde, fiel ganz Schalke ein Stein vom Herzen. Endlich ein linker Verteidiger, der nicht dauernd verletzt ist und trotzdem sowohl in der Offensive, als auch in der Defensive gut ist. Letzteres konnte Fuchs leider noch nicht dauerhaft unter Beweis stellen. Trotzdem hat er seinen Stammplatz sicher, weil Hans Sarpei einfach schlechter ist und mit seinem auslaufenden Vertrag auch nicht mehr die Ambitionen hat, in die Mannschaft zu drängen. Stärkster Konkurrent könnte Sergio Escudero werden. Leider hat sich der Spanier zu Beginn der Saison verletzt, so dass er bisher keinen Druck auf Fuchs ausüben konnte. Ob er bei Genesung seine Chance erhält, ist fraglich. Denn Fuchs zeigte sich in den letzten Spielen deutlich stabiler. An Christian Fuchs kommt zur Zeit keiner vorbei.

 

Innenverteidigung:

Eigentlich ist es grotesk. Wir haben in der Innenverteidigung vier Spieler, die individuell eine große Klasse zeigen. Benedikt Höwedes ist aktueller Nationalspieler (wenn auch dort meist als rechter Verteidiger eingesetzt). Ebenso Kiriakos Papadopoulos und Joel Matip. Christoph Metzelder ist immerhin ehemaliger Nationalspieler. Trotzdem mache ich hier derzeit die größte Baustelle des Teams aus. Gesetzt war in der Innenverteidigung bisher nur Benedikt Höwedes. Zunächst durfte sich Papadopoulos, dann Matip probieren. Derzeit ist es Christoph Metzelder. Weder Rangnick, noch Stevens haben sich getraut, auf Höwedes zu verzichten, obwohl dieser in den meisten Spielen für mich die Schwachstelle war. Den stärksten Eindruck machten für mich Joel Matip und Kiriakos Papadopoulos, auch wenn es diesem Päärchen an Erfahrung fehlt. Ob das funktioniert wissen wir wohl erst, wenn Höwedes mal verletzt ist.

 

Defensives Mittelfeld:

In keinem Mannschaftsteil ist der Konkurrenzkampf derzeit so groß wie im defensiven Mittelfeld. Papadopoulos, Matip, Höger, Jones und Kluge sind mehr oder weniger Hauptberuflich auf dieser Position zu Hause. Hinzu kommen Holtby und Jurado, die die offensive Position bekleiden. In den kommenden Wochen wird hoffentlich auch noch Christoph Moritz in den Kampf um die – je nach System – Plätze auf den 6er-Positionen eingreifen.

Peer Kluge scheint derzeit der Verlierer in diesem Mehrkampf zu sein. Zu Beginn der Saison von Rangnick gar nicht berücksichtigt, rutschte er gegen die Bayern ins Team, um die Defensive zu stärken. Allein es nützte nichts. Seitdem kam er kaum noch zum Einsatz. Dafür spielte sich Jermaine Jones wieder in die Mannschaft. Ein Kämpfer wie er im Buche steht und wie es Huub Stevens offensichtlich gefällt. Auch für mich ist er die erste Option für den defensiven 6er-Part. Mit genügend Spielpraxis kann er wieder einer der besten auf dieser Position in der Liga werden. Im offensiven Bereich ist es für mich nicht ganz so eindeutig, denn sowohl Holtby als auch Jurado müssten eigentlich weiter vorne ran, um ihre Stärken auszuspielen. Vor allem bei Holtby sieht man einen riesen Unterschied, wenn man seine Spiele in der U21 anschaut. Dort ist er im zentralen Mittelfeld unterwegs und hat meist die Absicherung von zwei defensiven Mittelfeldspielern, die ihm das Selbstvertrauen geben, mal 1 gegen 1 zu gehen oder den riskanten Pass zu spielen. Das geht als Mittelfeldspieler, der auch mit vielen Defensivaufgaben beschäftigt ist, nicht. Ich bin auf Christoph Moritz gespannt, der neben der Spielübersicht und der Technik, auch die physischen Voraussetzungen für einen offensiveren 6er mitbringt. Bis dahin bilden aber für mich Jermaine Jones und Lewis Holtby das optimale 6er-Duo.

 

Links Außen:

Hier prügeln sich hauptsächlich Jose Jurado und Julian Draxler um den Platz in der Startelf. Bisher konnte Julian Draxler dieses Duell meistens für sich entscheiden, weil Jurado, wie schon in der letzten Saison, keine Konstanz zeigt. Von Draxler wird dies nicht zwingend erwartet. Neben Jurado sind auch Lewis Holtby und – mit Abstrichen – auch Alexander Baumjohann und Teemu Pukki Konkurrenten auf der linken Außenbahn. Trotzdem hat für mich Julian Draxler derzeit die Nase vorn. Vor allem auch, weil er richtig gut mit Christian Fuchs harmoniert.

 

Rechts Außen:

Hier gibt es eigentlich keine Alternative zu Jefferson Farfan. Muss es auch nicht, denn der Peruaner ist Leistungsträger. Sollte er mal verletzt ausfallen, hat Schalke genügend Offensivallrounder, um die Lücke temporär zu schließen. Hier wäre ebenfalls Julian Draxler für mich die erste Alternative. Danach kommen Jurado, Baumjohann, Pukki und Marica.

 

Offensives Mittelfeld/hängende Spitze:

Auch hier ist ein Konkurrenzkampf quasi nicht existent, weil der Senór immer noch in Topform ist und trotz seines fortgeschrittenen Alters die Mannschaft führt und antreibt. Ich bin wirklich mal auf den Tag gespannt, an dem sich Rául für mehr als ein Spiel verletzt und eine echte Alternative auf dieser Position notwendig wird. Das könnte gleichzeitig der Tag des Jose Manuel Jurado werden, den ich neben Holtby für diese Position am besten geeignet sehe. Wenn ich nochmal genauer überlege, dann möchte ich, dass dieser Tag noch laaaaaaaaange auf sich warten lässt.

 

Stürmer:

Das System mit einem Mann in der Spitze wird wohl so lange gespielt, bis sich Jefferson Farfan nicht mehr am Berger Feld blicken lässt. So lange muss sich der Rest der Sturmgarde an Klaas-Jan Huntelaar messen lassen. Der Hunter trifft wie er will und es deutet wenig darauf hin, dass ihn wieder so eine 1000 minütige Torallergie befällt wie in der vergangenen Saison. Erste Alternative ist hier sicher Ciprian Marica und erst dann Teemu Pukki. Für beide sehe ich aber derzeit aber wenig Einsatzchancen.

 

Es ist schön zu sehen, dass auf Schalke ein großer Konkurrenzkampf herrscht, wo er herrschen muss. Dass an Spielern wie Farfan oder Rául niemand vorbei kommt und der Druck von der Ersatzbank auf diesen Positionen ein wenig fehlt, ist sicherlich verschmerzbar. Es bleibt abzuwarten, wer sich auf den hart umkämpften Positionen tatsächlich durchsetzen wird.

Seit ihr der gleichen Meinungen, was den Konkurrenzkampf betrifft oder bevorzugt ihr andere Spieler auf bestimmten Positionen?

 Posted by on 8. Oktober 2011 at 07:30

  11 Responses to “Große Kabine, große Konkurrenz”

  1. Ich seh es auf den meisten Positionen wie du. Nur Rechtsverteidiger soll der Uchi ran, in den Spielen vor seiner Verletzung war der richtig stark!!

  2. Uchida, wenn gesund, und – ich gebe die naive Hoffnung nicht auf – Jurado auf links statt Draxler (der dann Joker No.1 wäre).
    Hinten bin ich bis auf weiteres für Metzelder, weil wir uns die Inkonstanz von Matip und Papa nicht leisten können.

  3. farfan ist ohne frage ein sehr starker spieler . wenn er seine leistung abrufen kann…ich bin seit paar spielen der meinung im geht turin durch den kopf . konkurrenz auf dieser position ist draxler. er ist gegen den hsv eingewechselt worden für jeff und hat sehr viel besser gespielt als unser farfan…meine meinung ist -wenn farfan weg will dann verkaufen und geld für die gleich possi re-investieren. sollte jff sich für schalke entscheiden,dann bitte wieder mit besserer leistung als zuvor

  4. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Mannschaft durch Huubs wirken verändern wird. Die erste Änderung konnten wir schon beobachten. Jones bekommt wieder seine Chance. Und das finde ich auch gut so.

    Für große Veränderungen werden die beiden Wochen jetzt aber zu kurz sein. Und mit großen Veränderungen meine ich z.B. eine Umstellung des Spielsystems auf ein 3-4-3 oder 3-5-2. Der Kader ist gut genug um eine moderne! 3er-Abwehrkette spielen zu können. (Bevor ich missverstanden werde, Stelle ich klar, dass ich weder den Libero, noch den sog. Ausputzer zurück haben will. Dies sind Aufgaben, die mittlerweile das Torwartspiel ausmachen. Siehe unseren Ex.)

    Nach meiner Beobachtung haben wir im Mittelfeld einen Spieler zu wenig und verschenken die Qualitäten von Holtby oder Jurado in dem sie entweder auf der 6er Position defensiv spielen oder an der linken Aussenlinie kleben.

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  6. Wenn eine “zu langsam und zu alt”-Diskussion schon bei Raúl losgetreten wurde, ist sie bei Metze umso mehr berechtigt. Höger besticht durch teilweise präzisere Flanken, während unsere Uschi, wie richtigerweise angesprochen, Farfan ernorm entlasten kann, da er ausdauernd ist und konsequent hinterläuft. Kluginho gefiel mir in der vorangegangenen Saison richtig gut. Oft mit besserem Timing und weniger unnötiger Härte, als der Papa, den ich sonst als defensiven 6er spielen ließe. Übrigens aus dem gleichen Grund wie Matip in der Innenverteidigung: Beide haben großes Potential, welches nur durch Einsatzzeit ans Tageslicht gefördert werden kann. Jones hat zwar eine gute Übersicht, ist allerdings aufgrund seiner – milde formuliert – emotionalen Spielweise auch ein Gefahrenherd. Im linken Mittelfeld und auf der offensiveren 6 sehe ich die größten Probleme. Vielleicht sollte Holtby als Farfan-Pendant fungieren, Jurado zwischen 6 und 10 (in meinem Falle Papa und Raúl) agieren. Hier könnte er mit Raúl im Zentrum kombinieren und mit seiner Passtärke die offensiven Außen oder direkt den Hunter bedienen. Diese Aufstellung wäre allerdings stark offensiv ausgerichtet, zumal ja sogar Fuchs manchmal einer Absicherung bedarf, die durch einen “6er-Holtby” noch eher gegeben ist. Feiner Artikel zum mitspielen!

  7. […] Gut, dass während der Länderspielpause gleich drei mehr oder weniger langzeitverletzte Spieler das Mannschaftstraining wieder aufgenommen haben. Neben Sergio Escudero und Bum-Bum-Jan Moravek, freut mich ganz besonders die Rückkehr von Christoph Moritz. Auch wenn ich keinem der drei ein vorschnelles Comeback in der Startelf zutraue, erhöhen sie doch den Konkurrenzkampf in allen Teilen der Mannschaft und wirken beruhigend, falls uns eine allzu große Verletzungsmisere treffen sollte. Stichwort: Große Kabine. […]

  8. […] Nach der Pause war es zumindest vorbei mit der Effizienz. Raúl durfte sich schonen und Jan Moravek kam nach seiner Verletzung zu seiner ersten Halbzeit unter Huub Stevens. Moravek präsentierte sich agil und setzte immer wieder Akzente. Der Konkurrenzkampf im Team stimmt! […]

  9. […] startet mit der gleichen Elf wie in Nikosia, also auch mit meinem Traumduo Papa/Matip in der Innenverteidigung. Höwedes wieder auf rechts und Jones mit Holtby auf der 6 (Defensive) und […]

  10. […] hilft bei Verletzungspech bekanntlich nix. Wir haben eine große Kabine und auch die Qualität auf der Bank, die Ausfälle zwar nicht 1:1, aber doch adäquat zu ersetzen. […]

  11. […] Schalke ist der Begriff der Großen Kabine seit Fred Rutten in den alltäglichen Sprachgebrauch übergegangen. Auch, weil Felix Magath diese […]

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