Sep 282011
 

Joel Hong hat seine beiden Leidenschaften in Einklang gebracht. Der Musiker produziert seit einigen Monaten Lieder über den FC Schalke 04 und ist dabei äußerst erfolgreich. Sogar in der Veltins-Arena werden seine Songs gespielt. Am Ende des Interviews findet ihr zwei Lieder zum Download plus alle weiteren Infos. Viel Spaß beim Interview mit Joel Hong a.k.a. Stanley Buddha!

Wer bist du und wie ist deine Liebe zum S04 entstanden?

Meinen Namen kennen ja inzwischen schon einige Schalke-Fans, Joel Hong. Mein Künstlername, unter dem ich die Schalke-Songs veröffentliche, ist „Stanley Buddha“ angelehnt an einen der ganz großen Schalkespieler und das „Buddha“ außerdem als Symbol für meine asiatischen Wurzeln. Denn mein Vater ist deutsch und meine Mutter kommt aus Südkorea.

Ich lebe nun seit ca. 10 Jahren in Stuttgart. Geboren wurde ich in Frankfurt am Main und lebte sehr lange in Bielefeld. Dort entstand meine erste große Liebe: der FC Schalke 04. Mein bester Kumpel war, angesteckt durch seinen Vater, ein glühender Schalke-Fan und die beiden nahmen mich mit ins Parkstadion, das war im Jahre 1988, damals noch in der 2. Liga. Ich war so begeistert von der Stimmung, der Atmosphäre und den Fans, dass das Spiel selbst zunächst etwas zur Nebensache wurde. Von da an war ich vom Schalke-Virus infiziert. Wir fuhren immer regelmäßiger ins Parkstadion. Mein größtes Erlebnis war in der Saison 90/91: Wir hatten Karten für den letzten Spieltag bekommen und waren live dabei, als Schalke den Gang in die erste Liga antrat. Ich erinnere mich noch, dass es ein 1:0 gegen Darmstadt war, aber das Ergebnis war an diesem Nachmittag zweitrangig. Die Fans rannten noch vor dem Abpfiff auf den Rasen und umarmten die Spieler… Das war der Wahnsinn!

Wie bist du auf die Idee gekommen, Lieder über den FC Schalke zu komponieren und zu singen?

Ich mache nun schon seit über 15 Jahren Rap-Musik, allerdings hatte ich nie die Idee, einen Song über Schalke zu schreiben. Als ich dann im letzten Jahr den Track „Black and Yellow“ von Wiz Khalifa gehört hatte, einen Song, den er für seinen Football-Club geschrieben hatte, dachte ich: eigentlich eine gute Idee. Kurz nachdem der Track veröffentlicht wurde, folgten gefühlte 100 Remixe, da jeder Rapper in den Staaten seinen Club „representen“ wollte, da gab es dann z.B. „Purp and Yellow“, „Green and Yellow“, „Black and Orange“ usw. Da dachte ich mir, Schwarz und Gelb, das kann doch nicht sein – wenn, dann Blau und Weiß. Also schrieb ich den Song „Blau und Weiß“ und veröffentlichte ihn auf Youtube. Innerhalb kürzester Zeit häuften sich die Klicks und ich schickte DJ Dirk den Song zu. Er gefiel ihm gut und deshalb ließ er ihn auch in der Arena bei Heimspielen laufen. Rolf Rojek schickte ich den Track ebenfalls und auch ihm schien er zu gefallen, denn kurz drauf bat er mich, ihm das Video zu schicken, sodass er es auf Veranstaltungen des SFCV zeigen könne.

Stanley Buddha

Stanley Buddha

Wie waren die Reaktionen der Fans auf deine Lieder?

Die waren sehr unterschiedlich. Viele Schalker können mit Rap-Musik nicht viel anfangen und das typische „Rap und Schalke, dat passt nicht“ kam schon sehr häufig. Noch öfter allerdings, und das freut mich besonders, höre ich Schalker sagen: „Rap ist überhaupt nicht meine Musik, aber die Songs gefallen mir trotzdem“, das ist für mich fast ein größerer Erfolg , als die Schalker zu erreichen, die eh Rap hören und mögen.

Wo kann man deine Songs hören? Gibt es auch Pläne, ein ganzes Album zu produzieren?

Im Moment gibt es die Songs auf Youtube, MyPott, meiner Facebook und Google+ Seite. Nachdem „Blau und Weiß“ meine Erwartungen, was das Feedback betrifft, weit übertroffen hat (selbst die Schalker Facebook-Seite postete den Song mehrfach), entschloss ich mich weitere Songs aufzunehmen, ohne jedoch einen festen Plan zu verfolgen. Der zweite Song „Vom Vater zum Sohn“ handelt von unserer Geschichte und Tradition, ein Thema, das im Verein ja im Moment ein sehr Großes ist. Auch dieses Lied habe ich u.a. Rolf Rojek geschickt und ihm gefiel es so gut, dass er es auf der kommenden Sitzung der Arbeitsgruppe „Tradition auf Schalke“, die unser neues Leitbild formulieren soll, vorstellen wird. Eine Ehre für mich! DJ Dirk bekam selbstverständlich auch eine Version vorab, die er auf seiner Quatscher04-Seite exklusiv gepostet hat, noch bevor sie bei mir zu hören war.

Danach entstand in mir der Gedanke wirklich ein Album zu machen, besser gesagt eine EP, sozusagen ein „Mini-Album“ mit ca. 7-8 Tracks. Mir schwebt auch schon vor, was für Songs das sein sollen und ich habe auch schon einige aufgenommen sowie weitere Songskizzen im Kopf. Wann die EP fertig wird, bzw. veröffentlicht, kann ich aber leider noch nicht genau absehen. Auf meiner Facebook-Seite werde ich aber immer mal wieder Infos geben. Bis dahin habe ich mir aber schon andere Sachen einfallen lassen, die bald kommen werden… Ich möchte aber noch nichts verraten.

Dein letztes veröffentlichtes Lied handelt von Manuel Neuer. Wie hast du sein erstes Auswärtsspiel in der Veltins-Arena erlebt?

Ja, genau. Der Track heißt „Jetzt isser weg“ und ist meine Sicht der Dinge auf das Thema „Neuer“, das ja in letzter Zeit in allen Medien ausführlich diskutiert wurde. Bevor ich deine Frage beantworte, möchte ich kurz erzählen, warum ich das Lied geschrieben habe.

Viele der Berichte waren mir zu einseitig und flach. Die ganze Tiefe des Themas schien manchen Journalisten nicht bewusst zu sein, oder es handelte sich nur um Texte á la: „Die Schalke-Fans übertreiben es wieder mal“. In keinem Bericht wurde dieses Thema wirklich so behandelt, dass ich mich dadurch repräsentiert gefühlt hätte. Mit diesem Track wollte ich also eine weitere Sicht der Dinge, nämlich die der Fans, öffentlich machen und viele Fans haben mir auch geschrieben, dass ich ihnen aus der Seele sprechen würde. Die Plakate in der Arena haben bei vielen Beobachtern für Unverständnis gesorgt. Ich denke aber, es ist halt schwierig ein so komplexes Thema auf EINEM Plakat zu erklären. Das Banner über der Nordkurve beispielsweise, haben viele Journalisten einfach nicht verstanden oder wollte es nicht verstehen. Deswegen wollte ich all diesen Plakaten und Sprechchören eine Stimme geben. Es gibt auch andere Meinungen innerhalb der Fans, das weiß ich, aber das sind halt nicht meine. Für mich ist das Thema „Neuer“ damit aber durch und beendet.

Zum Spiel: Es war schön mal wieder in der Nordkurve zu stehen und zu sehen, wie viel Energie und Emotionen dort vorhanden sind. Als Herr Neuer dann den Rasen betreten hat, war der Empfang doch so, wie ich es vermutet hatte. Das war, glaube ich, das lauteste und längste Pfeifkonzert, das es jemals in der Arena gab. Noch beeindruckender war aber für mich, als das gesamte Stadion den „Mythos vom Schalker Markt“ angestimmt hat und damit Herrn Neuer ein persönliches Ständchen gesungen hat. Das war der absolute Hammer! Ich will gar nicht wissen, was er dabei gefühlt hat, aber ich denke der „Stich im Herz“, von dem ich bei „Jetzt isser weg“ spreche, passt ganz gut.

An demselben Abend fing ich übrigens an, den Song zu schreiben.

Die letzte Woche war auf Schalke einiges los. Wie bewertest du die Entscheidung von Ralf Rangnick?

Wann ist auf Schalke mal nicht los? Spaß beiseite. Ich habe Hochachtung vor Rangnick. Es gehört viel Courage dazu, in unserer Gesellschaft, als öffentliche Person, so offen mit der „Volkskrankheit“ Burnout umzugehen. Als ich morgens auf twitter gelesen habe, dass er zurücktritt, dachte ich, das wäre ein Witz. Als dann aber klar wurde, dass das bitterer Ernst war, war ich natürlich schockiert. Wer die Pressekonferenz gesehen hat, weiß auch wie schockiert Heldt war…

Ich finde es sehr schade, dass Rangnick nicht mehr unser Trainer ist. Er hätte es vielleicht geschafft endlich etwas Kontinuität nach Schalke zu bringen und seine Philosophie vom Fußball gefällt mir einfach. Trotzdem denke ich, dass es richtig war, zurückzutreten. Wer weiß, wie lange er schon mit der Entscheidung gekämpft hat und sein Berater erklärte ja auch einige Gründe: die intensive Zeit bei der TSG, der schnelle Wechsel zu uns, keine Erholungspause usw. In so einem Fall geht die Gesundheit einfach vor und ich finde auch gut, dass er und der Verein das Thema so offensiv angegangen sind. Ein gutes Beispiel für kommende Fälle dieser Art.

Nun ist erneut Huub Stevens am Ruder. Wie bewertest du die Entscheidung?

Ich denke Stevens ist nicht umsonst unser Jahrhundert-Trainer, er hat große Verdienste um den Verein und hat uns große Titel beschert. Trotzdem empfinde ich es als Rückschritt, aufgrund seiner “Betonanmischungstaktik”. Ich hätte mir gewünscht, dass ein Trainer kommt, der Rangnicks Philosophie weiterträgt und offensiven Fußball spielen lässt. Ich denke, der Verein sollte eine Philosophie vorgeben, die der Trainer dann mitträgt, nicht umgekehrt. Darum wäre mir ein “moderner” Trainer lieber gewesen…
Unsere Jugendarbeit ist wirklich erstaunlich und ich hoffe, dass wir es schaffen, dass in Zukunft weiterer Talente den Sprung in die erste Mannschaft schaffen. Dafür stand eben Rangnick, Stevens nicht unbedingt… Aber Stevens darf mich gerne eines besseren belehren.

Am Donnerstag steht das zweite Europa-League Spiel gegen Makabi Haifa an. Wie ist dein Tipp?

Ich denke, das Haifa der stärkste Gegner ist, aber wir werden sie trotzdem mit 3:1 besiegen.

Sollten wir im Mai in Bukarest das Finale bestreiten: Können wir uns dann ein neues Europa-Lied von dir erwarten? Hast du die ersten Zeilen schon im Kopf?

Na klar. Da wird sicher was kommen und ich gehe eigentlich schon davon aus, dass unsere Mannschaft stark genug ist, um in diesem Wettbewerb weit zu kommen. Ich wünsche Raul, dass er mit uns den zweiten Titel holt, den er mit den Madrilenen nicht holen konnte.

Glück auf!

Vielen Dank für das Interview!

Hier kannst du dir die Songs

als MP3-Datei inklusive Songtexte herunterladen!

Joel Hong (Stanley Buddha) auf:

 Posted by on 28. September 2011 at 10:05

  4 Responses to “Interview mit Joel Hong”

  1. Nettes Interview, ich kannte nur die Songs von Youtube & hatte schon befürchtet, dass er ein “Gangster” ist! ;)
    Ich höre selbst auch HipHop, finde seine Lieder auch Klasse.

    Übrigens, guter Ergebnistip zum Maccabi Spiel.

    Zum Thema Stevens & Rückschritt habe ich auch einen guten Spruch gelesen :

    Unterschätze nie jemanden der einen Schritt zurück geht! Er könnte Anlauf nehmen…
    :)

    Danke auch an Tatze, wie immer halt.

  2. Schönes Interview. Fußball und besonders Schalke sind für fast alle Schalke Fans eine Herzensangelegenheit und deshalb ist die Reaktion auf den Wechsel des Ex-Schalkers Manuel Neuer für mich zu verstehen. Das Journalisten die Schalke Fans dafür verurteilen ist ein Witz da diese selber zum Großteil an Unmenschlichkeit kaum zu überbieten sind. Und das die sich keine Mühe geben sich mit dem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen war auch klar. Herr Neuer tut mir leid weil er sich für seine Vergangenheit in der Öffentlichkeit auch noch rechtfertigen und teilweise entschuldigen musste um für Bayern spielen zu “dürfen”. Arm…

  3. […] Schluss noch ein Aufruf an alle Schalker, die Rund ums Berger Feld wohnen: Joel Hong (hier ein ausführliches Interview) hat angekündigt, dass er heute und morgen einige Sequenzen für seine geplanten Videos drehen […]

  4. […] nur, um meine Musik zu promoten. Da kam der gute TobiTatze und fragte mich, ob ich nicht ein Interview in seinem Blog geben wollen würde. Gesagt, […]

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