Sep 272011
 

Immer wat los in meinem Verein. Unter anderem deshalb liebe ich den ja so.

Und so sind wir wieder alle auf der Suche nach dem kommenden Fußballlehrer. Wer hätte das vor Wochenfrist noch gedacht? Aber irgendwas ist diesmal anders. Denken wir doch mal zurück wie es bislang immer war:

Auf Stevens folgt Neubarth. Nach Jahren der Stevens-Ära wollte Rudi Assauer mal was neues ausprobieren. Ein Trainer bar jeder Erfahrung sollte es werden. Bodenständig. Freundlich. Unaufgeregt. Aber leider auch ohne Ecken und Kanten und vor allem – ohne Erfolg.

Auf Neubarth folgt der Interimstrainer Wilmots. Eine durchwachsene Interimszeit, in der Wilmots keinen prägenden Stempel setzen konnte.

Nach dem “Experiment” Neubarth musste es dann wieder das Gegenteil werden, also ein gestandener, mit Titeln versehener Trainer und so folgte Jupp Heynckes. Zwar kein Experiment, aber trotzdem scheiterte auch dieser Versuch in der Durchschnittlichkeit. Der gestandene Trainer wollte keinen Rat von oben (Rudi) annehmen und musste im Keller der Tabelle stehend gehen.

Darauf folgte die erste Rangnicksche Phase auf Schalke, der erste nicht von Rudi Assauer ausgesuchte Coach, denn hier zeichnete sich der damalige Manager-Azubi Andreas Müller verantwortlich. Mit ihm sollte im Gegensatz zu Heynckes alles anders werden. Spielerisch wie mit Blick auf die Punkteausbeute eine überaus erfolgreiche Zeit. Während Andreas Müller den Trainer aussuchte, sorgte Rudi Assauer nach viel zu kurzer Zeit für den Rücktritt und den folgenden Rauswurf Rolf Rangnicks. Ich denke, das war ein großer Fehler des damals immer schwächer werdenden starken Mannes auf Schalke.

Auf den Nachfolger wäre Assauer gar nicht gekommen, so sagte er selbst in der Vorstellungspressekonferenz. Die Trainersuche musste in den Weihnachtsferien stattfinden und das gestaltete sich etwas schwierig, da Andreas Müller als Trainerscouting-Beauftragter des Vereins einen bereits seit langer Zeit gebuchten und nicht mehr rückgängig zu machenden Ski-Urlaub antreten musste. Da die Zeit für die Trainersuche sich als äußerst knapp gestaltete, bestellte man Mirko Slomka, den Co Rangnicks zum Rapport und anstatt ihn auch zu feuern, beförderte man ihn mangels vorhandener Kandidaten kurzerhand zum Chefcoach. Slomkas Amtszeit hatte enorme Höhen und Tiefen. Erfolgreiche Serien, eine ansehnliche Punkteausbeute stehen der völlig verschenkten Meisterschaftschance und einem zuletzt einfallslosen Fußball gegenüber.

Andreas Müller zauberte dann nach einer fehlerfreien Büskens-Interimszeit Fred Rutten aus dem Hut. Mit Rutten sollte alles anders werden. Mit großen Vorschusslorbeeren ob seines Spielsystems angereist, verflog der Ruhm innerhalb weniger Wochen, als die Qualifikation zur Champions League sang- und klanglos mißlang und die Neuzugänge, die allerdings auch auf die Kappe von Müller/Slomka gingen, nicht erfolgreich integriert werden konnten (selbst ein Farfan konnte unter Rutten sein Potenzial nicht abrufen) und der S04 langsam, aber sicher ins Mittelmaß abrutschte. Dummerweise verknüpfte der Manager Müller sein Schicksal mit dem des Trainers Rutten (“zwischen Müller und Rutten passt kein Blatt Papier”), woraufhin beide vor die Tür gesetzt wurden.

Wieder einem Büskens-Zwischenspiel folgte einer teilweise peinlichen Trainer-Such-Phase (Oliver Kahn als vermeintlicher Manager-Kandidat; “Schalke ist halt ein geiler Club. Da wollen viele hin”) der Kracher-Transfer: Felix Magath. Und unter Magath sollte alles anders werden. Wurde es ja auch im ersten Jahr. Und damit so richtig alles anders werden sollte, wurde sofort in der zweiten Magath-Saison wieder alles anders. Magath hatte plötzlich keine Lust mehr, wollte kündigen, kaufte und kaufte und kaufte… naja, wir wissen, wie es ausging.

Jetzt aber sollte alles anders werden. Und Horst Heldt hatte inzwischen seit kurzer Zeit das Sagen. Zum zweiten Mal versuchte es der Club mit Rolf Ralf Rangnick. Konzept statt Macht, Kontinuität und Ruhe statt durch Geld erzwungener Erfolgswillen. Das Konzept geht auch langsam auf, es trägt so langsam erste Früchte, bis am vergangenen Donnerstag die Burn-Out-Bombe alles zerreisst.

Und diesmal? Diesmal soll eben nicht alles anders werden. Horst Heldt will den Kurs fortsetzen, er fokussiert sich nach eigenen Aussagen auf den Trainertyp, der die Arbeit Rangnicks fortführen soll anstatt dem Team seinen eigenen Stil aufdrückt. Es muss und wird jemand sein, der mit Heldt zusammenarbeiten kann und will. Der auch bereit ist, den kurzfristigen Erfolg dem nachhaltigen Ziel unterzuordnen und keine Ansprüche auf Megatransfers stellt. Der mit jungen Spielern umgehen kann und sie zu fördern vermag. Der im neumodischen Sinne einem “Konzepttrainer” entspricht. Und doch ist alles anders – denn diesmal habe ich keine Sorge, dass es mißlingt. Zu sehr bin ich von der Arbeit und dem Auftreten Horst Heldts überzeugt. Ich bin mir auch fast sicher, dass es diesmal zu einer durchdachten und für die Entwicklung des Vereins nachhaltigen Verpflichtung kommen wird. Wollen wir hoffen, dass mich HH nicht eines schlechteren belehrt und ich übermorgen in der Zeitung lesen muss, dass Peter Neururer wieder eine Chance bekommt.

Und somit glaube ich auch nicht, dass Huub Stevens die erste Wahl ist. So gerne ich ihn auch mag und so sehr auch in seiner letzten HSV-Periode gerade ein paar junge Spieler im Focus standen, so sehr ist er doch in seiner defensiven Linie verhaftet, außerdem ist er ein Grantler. Ich denke eher, dass er einer der vielen verfügbaren Trainer ist, die generell auf der Liste stehen, aber nicht der Konzepttrainer ist, den man will.

Tuchel oder Büskens wären nach meiner bescheidenen Meinung die, die ich gerne bei uns sehen würden. Tuchel wirkt verdammt engagiert, wenngleich auch gerne mal beleidigt, wenn ein Spiel nicht wie gewünscht ausgeht. Büskens ist ewiger Schalker, der zudem in Fürth unter Beweis stellt, dass er als Coach gereift ist. Er ist in erster Linie der Typ Mensch, den man haben wollen würde. Leider sind aber beide Kandidaten in festen Händen, ich kann mir schwer vorstellen, dass die Vereine sie gehen lassen würden.

Also ma’ gucken, was so passiert. Matthäus und Neururer, Lorant und Daum werden es wohl nicht werden. Zum Glück. Vielleicht doch eher Gross, Foda, doch wieder Slomka oder sogar Babbel? Horst Heldt, lass Dir Zeit, der Eichkorn macht einen unaufgeregten Interimsjob und die Position ist zu wichtig, um die Entscheidung über’s Knie zu brechen. Aber das weißt Du ja.

 Posted by on 27. September 2011 at 07:34

  6 Responses to “Irgendwas ist anders…”

  1. Super geschrieben! Horst Heldt ist jemand dem man seit langer Zeit mal wieder auf Schalke blind vertrauen kann. Ich muss zu geben das habe ich anfangs gar nicht gedacht und doch hat er mich in seiner bisherigen Zeit auf Schalke immer wieder stark beeindruckt!

    Die Gerüchte um Stevens machen mri trotzdem sorgen. Auch wenn ich es mir von HH auch nur schlecht vorstellen könnte, dass er ihn verpflichtet….

  2. Ich fürchte nur leider, dass er es nicht weiß! Mit Huub, so kann ich mir vorstellen, denkt er, er kann nix falsch machen, wegen seiner Schalker Vergangenheit. Ein großer Fehler.

    • Und da wird auch schon der Stevens als Nachfolger vermeldet. Na gut, wie oben zu lesen: Ich wollte ihn nicht. Hoffen wir, dass HH die Lage besser einschätzen kann und sich Stevens geändert hat. Informativ ist da übrigens der Artikel in der kicker-Printausgabe von Montag zur HSV-Absage. Gibt ein interessantes Bild von HS. Was natürlich für ihn spricht: Er war schon unter Assauer ein guter Teamplayer, der sich ständig mit dem Manager ausgetauscht hat. Das ist ja auch ein Anforderungsprofil. Aber wie gesagt – nur der Fussball von ihm schmeckt mir nicht recht (abgesehen von 2000/2001 ;-))

  3. tja, so schnell wird man eines besseren belehrt…
    auch wenn ich die hoffnung nicht aufgeben mag, dass HH trotzdem einen plan hat

  4. Hmmmm…
    Auf HH und RR kann ja nur HH und TT folgen, fällt mir grad so auf. Oder FF. Oder HH, also Horst Hrubesch. Wen hab ich vergessen?

  5. Huub wird zwar immer unser Held bleiben, aber in der jetzigen Situation passt er definitiv nicht! Wir brauchen keinen ´Die Null muss stehen´-Maurerfußball! Wir brauchen keinen Diktator der alten Schule…wir brauchen für unsere Kreativspieler Holtby, Farfan und vor allem Raul einen Konzepttrainer mit offensiver Ausrichtung! Bujo, Tuchel, Klopp…einen jungen, dynamischen Trainer, der unsere junge Mannschaft mit Leidenschaft und Ideen pusht! Statt Zukunft holen wir uns Vergangenheit ins Haus! Horst Held hat damit eine große Chance vertan und Ralfs Werk wird nicht fortgesetzt. Und schlimmer noch: Huub wird seinen Kultstatus bei uns verlieren. Mit dieser Wahl verlieren alle: Huub, die Fans, die jungen Spieler und vor allem Schalke 04!

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