Sep 092011
 

Nach dem tollen Saisonstart trifft unser FC Schalke am Sonntag in Wolfsburg auf den Ex-Trainer. Für die Medien ist die Begegnung ein gefundenes Fressen: Ex-Mannschaft trifft auf Ex-Trainer. Das gibt mit Sicherheit jede Menge Zündstoff.

Für mich hat die kommende Begegnung in Wolfsburg wenig Reiz. Die Auswärtsfahrt spare ich mir gerne, denn sowohl Stadion, als auch Stadt sind in etwa so attraktiv wie ein Zirkeltraining unter Felix Magath. Zudem hoffe ich jedes Jahr aufs Neue, dass dieses künstlich wirkende Gebilde namens VfL Wolfsburg wieder in die Niederungen der zweiten Liga verschwindet und stattdessen mal wieder eine attraktive Auswärtsfahrt (Was macht Bochum eigentlicht so? Dresden? Braunschweig?) auf dem Terminkalender erscheint. Letzte Saison wäre es fast soweit gewesen. Wolfsburg auf des Messers Schneide. Und das mit Felix Magath. Es wäre zu schön gewesen. Stattdessen rettet sich der VfL und Magath macht das, was er immer macht: Er jagt alles vom Hof, was nicht von ihm ausgesucht wurde und kauft sich seine Startelf selbst zusammen. Business as Magath.

Jüngstes Opfer war Patrick Helmes, der sich erdreißtete, am allerletzten Transfenfenstertag nicht nach Frankreich zu wechseln zu wollen, obwohl Magath im sogar schon die Manager von St. Etienne ins Hotel geladen hatte. Dabei sollte es doch eine schöne Überraschung für den Nationalspieler sein. Der Vertrag lag schon bereit. Helmes hätte nur noch den Kulli in die Hand nehmen brauchen. Doch der wusste schließlich nichts vom Magaths Plan und lehnte ab. Die Quittung: Kein Training mehr mit der Mannschaft, eine nach reiner Willkür stinkende Geldstrafe und wohl kaum Aussichten auf Einsätze in der kommenden Zeit. Business as Magath.

Nicht nur in Sachen Transfers läuft es bei Magath vor der Begegnung mit dem Ex-Club nicht wie gewünscht. Auch sportlich ist Wolfsburg nach dem Auftaktsieg in Köln wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Zuletzt gab es drei Niederlagen und eine deutliche Klatsche gegen Freiburg. Mit dem Rücken zur Wand steht Magath deswegen nicht. Er genießt in Wolfsburg immer noch die Allmacht des Meistertrainers und kann schalten und walten, wie er will. Die Vorbereitung der Wolfsburger war im Endeffekt für die Tonne, denn viele der Spieler, die vermutlich am Sonntag in der Startelf stehen werden, haben diese zum größten Teil gar nicht mitgemacht. Die Vorbereitung des Felix M. geht mindestens bis zum 10. Spieltag. Auch das: Business as Magath.

Während man in Mainz, bei den Unaussprechlichen, in Freiburg und jetzt auch auf Schalke auf die Kollektivtrainer setzt, die mit und im Team die Stärken suchen, vertraut Magath weiter auf das “Trial & Error” System des Individualisten, mit dem er auf Schalke letztendlich gescheitert ist: Spieler einkaufen, testen und gnadenlos abservieren, wenn sie dem Druck des Trainers nicht standhalten. Funktioniert der Spieler nach seinen Vorstellungen, kann er gerne auch mal eine konstant schwache Saison spielen. Als Beispiel sei hier Christoph Metzelder genannt. Auch dies ist Business as Magath.

Das Verhalten von Magath wirkt antiquiert und auch gefährlich. Während man in Hannover psychisch labile Spieler jegliche Unterstützung entgegen bringt, scheint Magath das genaue Gegenteil zu praktizieren: Wie sich Patrick Helmes fühlt, nachdem er völlig zu Unrecht auf das Abstellgleis manövriert wurde, danach fragt niemand. Dass Helmes möglicherweise bis zur Winterpause kein Spiel mehr macht und somit faktisch seinem Beruf nicht mehr in adäquater Weise ausüben kann, wird in Fußballdeutschland normalerweise mit dem Gehalt Argument abgetan: Helmes kassiert ein fürstliches Gehalt. Und nun, ohne etwas dafür tun zu müssen. Der soll doch froh darüber sein. Ich bin mir sicher, dass dem nicht so ist. Magath interessieren solche Belanglosigkeiten wie  Wohlbefinden, Spaß an der Arbeit oder ein sozial angemessener Umgang zwischen Erwachsenen anscheinend nicht. Er sieht lediglich eine schlechte Welt, in der nur harte Arbeit und immenser Druck von oben zum Erfolg führt. Mehr gibt es für ihn nicht. Business as Magath.

Ich muss an dieser Stelle Clemens Tönnies noch einmal herzlich dafür danken, dass er die Zeichen erkannt hat und die Eier in der Hose hatte, diesem Treiben auf Schalke ein Ende zu setzen. Denn wie wir spätestens nach Robert Enkes Tod wissen, gibt es wichtigere Dinge im Leben als sportlichen Erfolg. Und wir wissen allerspätestens seit der letzten Saison, dass man mit Spaß, Leidenschaft und Identifikation ebenfalls erfolgreich sein kann. Dies lehrte uns der aktuelle Deutsche Meister.

 Posted by on 9. September 2011 at 07:30

  8 Responses to “Business as Magath”

  1. Wie sagt Felix Magath immer:” Ich kenne nur einen Weg zum Erfolg!” und der scheint über Leichen zu gehen….

    • Ja leider. Der Artikel war ursprünglich gar nicht als Magath-Bashing gedacht. Doch dann war der Artikel fertig und ich habe gemerkt, dass sich bei mir doch eine Menge Unverständniss und ein bisschen Wut aufgestaut hat.
      Wut auch ein bisschen über mich selbst, dass ich den Weg vorher unterstützt habe.

  2. Was soll ich sagen, nahezu perfekter Artikel, der meinen für heute überflüssig macht. ;)

  3. […] Ich zitiere und verweise gleichzeitig auf den wirklich zu empfehlenden Blog: […]

  4. Danke für den tollen Artikel! Da bleibt nicht mehr viel zu sagen.
    Zum Thema “nächstes Heimspiel”:
    Ich wünschte mir, dass viele, ganz viele so denken wie du. Allerdings befürchte ich, dass sich große Teile unserer Anhängerschaft nicht werden benehmen können. Das könnte eine sehr peinliche Angelegenheit werden. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.
    Ich drücke uns allen die Daumen, dass man mit Manuel Neuer so umgeht, wie wir es uns z.B. von den Mainzern im Umgang mit Christian Fuchs und Lewis Holtby gewünscht hätten.

  5. Starker Artikel, den ich in Gänze so unterschreibe. Und zu unserem ehemaligen Schnapper: da muss ich den Vorrednern recht geben, mit Holtby und/oder Fuchs und Mainz kann man das nicht annähernd vergleichen finde ich…

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