Aug 162011
 

Und da sind sie wieder – die Diskussionen um den Fernsehbeweis. Ausgelöst zum Teil durch unser Spiel und den Elfmeter gegen die Kölner, vor allem aber durch die fehlerhafte Abseitsentscheidung beim Wolfsburger Tor gegen die Bayern. Klar, das ärgert ganz besonders, gerade wenn es gegen die Bayern geht. Wem erzähle ich das in einem Schalke-Blog? Hallo Doktor Markus Merk!

Aber hilft uns ein Fernsehbeweis weiter? Ich behaupte “nein”. Ja, der Bauch sagt, es muss mehr Gerechtigkeit ins Spiel. Es ist einfach nur ärgerlich, wenn ein Spiel verloren geht, nur weil der Schiedsrichter auf eine Schwalbe reinfällt oder eine vermeintliche Abseitsstellung sehen will. Und ich will auch das Argument nicht hören, dass sich im Verlaufe eines Jahres alles ausgleicht. Das tut es nämlich nicht. Zum einen ist Werder Bremen immer noch der größte Profiteur von Schiedsrichterfehlentscheidungen und zum anderen sind wir immer noch nicht Meister geworden. Hallo Doktor Markus Merk!

Was aus meiner Sicht das stärkste Argument gegen einen Fernsehbeweis ist: Er ist schlicht unpraktikabel. Was soll denn bitte passieren, wenn eine Fehlentscheidung aufgedeckt worden ist? Gut, es gibt Situationen, in denen die Folge eindeutig wäre. Zum Beispiel ein falscher Elfmeterpfiff. Die Entscheidung wandert in den sofortigen TV-Beweis und die Folge ist: Es gibt den Elfmeter nicht. Gut. Aber das Beispiel aus Wolfsburg ist wesentlich schwieriger und nahezu nicht zu lösen: Denn wenn man feststellt, dass die Entscheidung falsch war – was dann? Das Tor anerkennen? Das geht nicht. Denn wenn ein Pfiff ertönt oder die Fahne sich hebt, können Spieler, insbesondere Torwärte, schon zu verteidigen aufhören und es ist nicht ausgeschlossen, dass der Ball nur deshalb ins Tor geht und ansonsten erfolgreich verteidigt worden wäre. Oder umgekehrt – der (falsche) Pfiff und der Stürmer zieht deshalb nicht mehr richtig durch, hätte aber ansonsten getroffen.

Im Ergebnis ist also die Konsequenz aus einem TV-Beweis unklar. Er wird nur in bestimmten Situationen weiterhelfen können: Ball im Tor oder nicht, zu unrecht gegebenes Tor, zu unrecht gegebene gelbe/rote Karte. Gerade bei den höchst umstrittenen Abseitsentscheidungen bringt er wegen der fehlenden Konsequenz nichts. Und er würde ein Spiel erheblich stören, wenn jede diskussionswürdige Szene, etwa der belanglose Pfiff wegen falschen Einwurfs immer wieder hinterfragt würde.

Insgesamt ist die Forderung nach einem TV-Beweis daher in meinen Augen zu unausgegoren. Und auch wenn der gemeine Schalker eher unter diesen Fehlentscheidungen leidet – der Diskussionsstoff macht Fußball doch auch aus. Und ein auf der Bank nahezu explodierender Felix Magath kann ja auch ein netter Anblick sein. Auf einen sich innerlich freuenden Ulrich Hoeneß kann ich jedoch gut verzichten. Und Doktor Markus Merk ist zum Glück schon Geschichte.

 Posted by on 16. August 2011 at 07:34

  13 Responses to “Fernsehbeweis”

  1. gibt es eine quelle zu der aussage über werder ?

    • Ich muss die Aussage teilweise zurückziehen, weil ich alte Quellen im Kopf hatte. Es gab seinerzeit eine Diskussion im alten Schalkeforum mit einer entsprechenden “wahren Tabelle” – da war Werder Bremen in der Summe mit Abstand der begünstigste und wir der benachteiligste Verein gewesen. Vgl hier:
      http://tinyurl.com/3cfq3ms

      Inzwischen hat sich das Blatt “zuungunsten” Bremens wieder geändert. Die aktuelle wahre Tabelle wäre hier:
      http://tinyurl.com/42s3yof

  2. Es konnte auch wirklich noch niemand plausibel erklären, wie das mit dem Videobeweis funktionieren soll, und auch Felix Magath wird heute keine gute Antwort darauf haben. Ich hatte mich auch im letzten Jahr nach dem Bloemfontein – Tor mit dem Thema beschäftigt, und bin zu dem Schluss gekommen, dass einfach viel zu viele Szenarien unabgedeckt blieben. Klick!

  3. Also ich bin auf jeden Fall erstmal für den Chip im Ball, so dass diese ewige “war der Ball im Tor/Aus” Diskussion endlich aufhört.
    Dies ist technisch leicht umsetzbar und stört wirklich niemanden.

    Für mich wäre eine Lösung wie beim Tennis akzeptabel: Jedes Team darf 1x pro Halbzeit den Videobeweis anfordern. Allerdings löst diese Regel nicht das angesprochene Problem. Nicht jede strittige Situation eignet sich für den Videobeweis.

    Eine mögliche Lösung: Die Abseitsentscheidung liegt komplett in “Video-Hand”. Der Linienrichter hätte dann gar nicht mehr die Fahne zu heben, sondern der Schiri bekommt das Signal von einem Unparteiischen vor dem Monitor.

    Ob ich das gut finden wüde? Eher nicht…

  4. Naja, für ein reguläres Tor müssen ja mehrere Bedingungen erfüllt sein. Es darf nicht aus dem Abseits heraus erzielt werden, der Spieler darf sich nicht durch Foulspiel einen Vorteil verschaffen und natürlich muss der Ball vollständig die Torlinie überschritten haben.
    Mit dem Chip im Ball stellt man aber eine einzelne Bedingung deutlich über die anderen, indem man in diesem Bereich zur technischen Hilfe greift. Allerdings sind Fouls und Abseitspositionen oft genau so schwer zu erkennen.

  5. Man konnte ja schon beim Schalke-Elfmeter gegen Köln gut sehen, was ein Videobeweis taugen würde. In den Bewertungen der Szene war bei den vermeintlichen Experten von “Witzelfmeter” über “kann mann geben, muss man aber nicht” bis hin zu “ganz klarer Elfmeter” (ich tendiere, auch objektiv, zu letzterer Aussage) alles dabei. Und das, nachdem man jeweils mehrere Zeitlupen gesehen hat. Da würde ja eine schöne Diskussionsstunde in der Videobox anfangen, wenn wir mit solchen Beweisen arbeiten würden.

    Hoffentlich bleibt uns diese tolle Neuerung erspart. Trotz aller Millionen bleibt Fußball ein Spiel. Wer die möglichen Geldverluste beklagt, sollte sein Geschäftsmodell eben nicht auf solch ein Spiel setzen…

  6. Woher stammt die Aussage über Werder?

    Rein subjektiv betrachtet, kam ich mir als Werderfan letzte Saison ja nicht gerade bevorteiligt vor. Auch die “wahre Tabelle 2010/11″ (http://www.wahretabelle.de/wahretabelle/wahre-tabelle-2010-2011.php?nr=34) sieht da eher Köln als Hauptprofiteur der letzten Saison..
    In der “ewigen wahren Tabelle” ist auch Bremen nicht am meisten bevorteilt.
    (http://www.wahretabelle.de/wahretabelle/wahre-tabelle-alles.php)

    • Um noch hinzuzufügen: In beiden Fällen ist die Bilanz der Fehlentscheidungen sogar zu ungunsten Bremens.

      • Nein. Bremen hätte in der “wahren Tabelle” weniger Punkte erhalten. Der DFB hat mehr Punkte verteilt als ohne Fehlentscheidungen den Bremern zugestanden hätte. So ist die Tabelle zu lesen.

        • In der “wahren Tabelle” werden ihnen mehr Punkte (878) zugesprochen als auf der offiziellen Tabelle (870). Daher: Sie wurden durch Schiedsrichterentscheidungen benachteiligt.
          Und: Selbst, wenn dem nicht so wäre, würden sie nicht das Extrem der Bevor/nachteiligung darstellen.
          Ganz im Gegenteil, der HSV ist auf Grundlage der Tabelle das am meisten bevorteilte Team, da es in der wahren Tabelle satte 19 (!) Punkte weniger hat als in der offiziellen. Ihnen wurden also laut offizieller Tabelle 19 Punkte mehr zugeschrieben als verdient.

          • Lies dir unter anderem Mal die Bemerkung des “schwarzen Peters” unter der Tabelle durch. Da werden zwei sehr markante Statistiken zu Werder Bremen aufgezeigt. Nämlich, dass sie in der Zeit 2002-2006 tatsächlich das am meisten bevorzugte Team waren. Aber auch, dass sie in den letzten 4 Jahren das Team waren, dass am meisten benachteilt wurde.
            Es lässt sich also nicht so einfach verallgemeinern. In der Gesamtbilanz steht Werder Bremen was Schiedsrichterfehlentscheidungen angeht im Mittelmaß. Ihnen wurden laut ewiger wahrer Tabelle 8 Punkte verwehrt, dass ist im Bereich des Normalen.

  7. Ich bin auch dafür alles so zu belassen, wie es is. Konsequenz wäre ja sonst, dass diese ganzen Fussballtalkshows mit den ganzen selbsternannten Experten ihre Daseinsberechtigung verlieren würden. Und wer will das schon?^^

  8. TV Beweis ist ja an sich wirklich ne gute Sache, aber dann hat das doch nichts mehr mit dem ursprünglichen Gedanken des Fussballs zu tun. Dann ist alles nur noch Hightech und man kann sich auch nicht mehr über Schiedsrichterentscheidungen aufregen…das ist es doch, was den Fussball interessant macht!

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