Aug 052011
 

Als ich gestern lesen durfte, dass ein möglicher Gegner des FC Schalke der Fußballclub aus Helsinki sein könnte, musste ich schmunzeln. Natürlich wollte es das Schicksal dann auch so, dass es gerade diese Reise sein musste.

Wie einige wissen, bin ich beruflich und auch privat eng mit dieser Stadt verbunden und dort regelmäßiger Gast. Dass ich ausgerechnet nicht vor Ort sein kann, wenn Schalke sich die Ehre gibt, ist einfach Pech. Ich weile derzeit in Malaga und der Terminkalender will es, dass ich just am 18.08 wieder in Deutschland lande. Ein Flug von Malaga nach Helsinki kostet ein kleines Vermögen und der günstige Flieger aus Düsseldorf hebt schon ab, während ich mit meinem Rückflug noch Richtung Deutschland unterwegs bin.

Das Thema Fußball wird dort eher klein geschrieben. Wenn es groß geschrieben wird, dann spielt die Nationalmannschaft. Und wenn es um Clubfußball geht, dann läuft in den zahlreichen Sportsbars meist die englische Liga.

Für alle Reiselustigen kann ich die Stadt nur empfehlen. Die Finnen sind zwar zunächst reserviert, kommt man aber mit ihnen ins Gespräch, wird es meist feucht fröhlich. Und laut.

Hier mal ein paar kleine Tipps für alle, die sich das Spiel live vor Ort angucken wollen:

  • Bier heißt auf finnisch Olut und gibt es im Supermarkt in drei Ausführungen. Olut 1 bis 3. Während 1 mit einem alkoholfreien Bier verglichen werden kann, grieft der erfahrene Trinker gerne zu 3. Das solltest du auch tun.
  • Die Supermärkte in Finnland haben meist bis Mitternacht geöffnet. Doch das heißt nicht, dass es auch so lange Bier gibt. Um 21:00 schließen die Regale mit dem flüssigen Gold und es gibt nur noch alkoholfrei. Also: Rechtzeitig und gut eindecken!
  • Hochprozentiges gibt es nur in so genannten Alko-Shops. Hier kann ich ausdrücklich Salmiaki empfehlen, wenn man wie ich auf Lakritz steht. Die Alko-Shops haben deutlich früher geschlossen.
  • Der Döner Kebap in Finnland hat seinen Namen eigentlich nicht verdient und geht ab 5 Euro über die Theke. Ich musste erleben, wie das Fleisch seinen Weg vom Kühlschrank, über die Mikrowelle in mein Stück labbriges Brot gefunden hat. Das ist sicher nicht bei jedem Laden so. Trotzdem: Finger weg!
  • Auch nicht jede hierzulande bekannte Fast-Food-Kette ist dort vertreten. Burger King sucht man in ganz Finnland vergeblich. Dafür gibt es Hessburger. Schmeckt aber ja eh alles gleich. Hier kann man also nichts falsch machen.
  • Das verhalten der Taxifahrer in Helsinki ist irgendwie komisch. Versucht man auf offener Straße ein leeres Taxi heranzuwinken, wird man meist ignoriert. An den ausgeschilderten Taxiständen bilden sich am Abend meist lange Schlangen. Die heftigsten Prügeleien habe ich tatsächlich in diesen Schlangen gesehen. Wenn sich dort ein Finne ungerecht behandelt fühlt, dann fackelt er auch nicht lange. Hier kommt die Mentalität einer Eishockeynation zum Vorschein!
  • Noch ein Tipp für den unerfahrenen Stadiongänger in Finnland: Es gibt kein Bier! Stattdessen wird man mit allerlei Süßkrams von Popcorn bis gemischter Tüte zugeworfen, wenn man es sich leisten kann. Wer wissen will, was es ess- und trinkbares in finnischen Stadien gibt, der besuche ein Kino in seiner Nähe.
  • Nach dem Spiel geht man ja gerne mal in Bars. Von denen gibt es in Helsinki viele. Nicht jede ist zu empfehlen. Hier eine kleine Auswahl an Bars, in denen ich gerne meine Zeit verbringe: Die Blackdoor ist meine absolute Lieblingsbar und mein erster Anlaufpunkt nach einem anstrengenden Bürotag. Es gibt eine riesige Auswahl an Bieren. Fast alle Biere werden übrigens in Pints ausgeschenkt. Solltest du dich doch für ein finnisches Lager entscheiden, dann musst du dich an diesen Schlager halten. Der zweite Platz für ein gutes Bier ist das Molly’s direkt in bahnhofsnähe. Ein typisch irischer Pub mit internationalen Gästen und jeder Menge Fußball auf den Bildschirmen. Hier habe ich den Abend nach dem Länderspiel zwischen Finnland und Deutschland verbracht. Auch war es ein guter Anlaufpunkt nach den letzten Vorlesungen in der Universität. Hier trifft man auf die richtigen Leute. Versprochen.
  • Ist man auf der Suche nach einem Szeneviertel, dann ist Kallio die erste Adresse. Wenn es so etwas wie einen Rotlichtbezirk gibt, dann dort. Viele gute Kneipen. Etwas günstigere Preise als im direkten Zentrum und viele Künstler, Konzerte und gute Laune. Grundsätzlich schließen die Bars spätesten um vier Uhr morgens. Die Clubs ebenfalls. Bis dahin, sollte man seinen Durst also gestillt haben.
  • Für alle Liebhaber der gepflegten Bierkultur hier noch ein Schlag ins Gesicht. In sehr vielen Bars kommt das Bier zwar frisch vom Fass, allerdings macht sich der Barkeeper nur in guten Bars (siehe oben) die Mühe, selber zu zapfen. Meistens betätigt er nur einen Knopf und das Bier fließt mit wenig Kohlensäure in euer Glas. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Praktisch, aber nicht schön. Einfach wieder oben verlinktes Lied vor sich hin summen, dann ist auch das durchaus zu ertragen.
  • Zum letzten Punkt: Sauna! Ja wenn man ein Vorurteil über Finnen kennt, dann das sie sich ständig nackt in Holzhütten setzen und dort Wasser über heiße Steine kippen, bis einer ohnmächtig wird. In privaten Wohnhäusern wird sich meistens eine Sauna geteilt. Jeder darf dann nur an bestimmten Tagen. Bei vielen Hotels ist die Sauna mit im Preis enthalten. Aber lange nicht bei jedem. Da sollte man vorher nachfragen. Geselligkeit will dort allerdings eh nicht aufkommen. Natürlich gibt es viele verschiedene öffentliche Saunen. Auch hier gibt es die besten in Kallio. Nackt darf man dort aber auch nicht immer sein. Also lieber noch ne Badehose mitbringen.

Das soll es für’s erste gewesen sein. Sollten noch irgendwelche Fragen bezüglich eures Tripps nach Finnland geben, dann stehe ich euch gerne zur Verfügung.

 Posted by on 5. August 2011 at 16:44

  5 Responses to “Helsinki für Anfänger”

  1. schöner blog, tatze, aber verdammte ironie der geschichte. hab heute bei der auslosung gleich an dich gedacht. im übrigen ist z.b. lapin kulta geil, da tut nix weh. na ja, gut, vielleicht nach dem 17. bier…

    viel spaß in malaga,

    fiestero

  2. Ich will auch nach Málaga!

    Diese Planen die sie in der Innenstadt über die Straßen hängen sind super :D

  3. Tobi, Tobi, der Badehosentipp. Also ehrlich. Als wenn das erste, was ein Fußballtourist in Helsinki machen würde, blank zu ziehen ist. Obwohl… FC Liverpool… Unsere Ultras… Naja, vielleicht war der Tipp dann doch nicht so schlecht ;-)

  4. Haha, fast alles stimmt, nur das es kein Bier beim Fussball gibt stimmt nicht. In der Liga schon, aber bei internationalen Spielen nicht, aber das ist doch überall so. Du darfst aber dein Bier nur nicht mitnehmen, sondern musst es zuerst trinken und danach zurück gehen. :)

  5. Klasse zu lesen, habe mehrfach heftig geschmunzelt… ;-)

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