Jun 222011
 

Zur Jahreshauptversammlung wurde ja schon einiges in Blogs und Medien berichtet. Dennoch möchte ich nochmal meine Meinung zu drei ausgewählten Punkten kundtun. Einmal zu den Offenbarungen um Felix Magath, dann zu der Frage, ob wir nun einen gelenkten Wahlausschuß haben und schließlich noch eine Stellungnahme zum Presseausschluß.

1. Tönnies vs. Magath

Inhaltlich war dieser Punkt m.E. der spannendste an der Jahreshauptversammlung. Ich gehe davon aus, dass Tönnies nicht alles offenbart haben wird, was zwischen Magath und ihm bzw. unserem Verein im Argen gelegen haben wird, aber das, was er sagte, war -für mich- neu und spektakulär.

Jedem konnte in der vergangenen Saison auffallen, dass zu Beginn der Saison ein Bruch da war. Nicht nur sportlich durch die ungezählten Niederlagen, sondern auch erste Brüche im Verhältnis mit dem SFCV oder die hektische Einkaufspolitik bis hin zur letzten Stunde des Transferfensters. Wo noch im Jahr davor ein Rädchen ins andere passte und auch Magath sich -zurecht- für den sensationellen Platz 2 feiern ließ, war nun vieles ins Gegenteil verkehrt. Aber was war passiert? Tönnies berichtete, dass Magath nach dem Ende seiner ersten Saison angesäuert in den Urlaub gefahren war und sich von dort nicht einmal meldete. Kurz vor dem Urlaub fand sein Antrag (der vom Aufsichtsrat zur Zustimmung empfohlen wurde!), mit dem er völlig freie Hand haben wollte, keine Zustimmung. Das Magath’sche Ermächtigungsgesetz scheiterte. Gegen Ende des Urlaubs (so verstand ich Tönnies) kam völlig überraschend ein Brief von den Anwälten Maghaths, der eine Vertragsauflösung anbahnen sollte. Ein starkes Stück! Was war denn bloß mit Magath los zu dieser Zeit? Hat er wirklich eine Abstimmungsniederlage so persönlich genommen, dass er ab diesem Zeitpunkt mit dem Verein gebrochen hat? Man erinnere sich an das Sommertheater während der WM, als Gerüchte kolportiert würden, Magath würde zu Red Bull Leipzig gehen. Ich glaube zwar nicht, dass diese Gerüchte einen Hintergrund hatten, aber auffällig war schon, dass es keinerlei Dementi von Magath zu diesen Gerüchten gab. Das passt alles in das Bild eines innerlichen Abschieds (der durch das Anwaltsschreiben sogar äußerlich kundgetan wurde). Professionell ist das m.E. alles nicht. Mich würde interessieren, ob es wirklich alles nur der Abstimmungsniederlage geschuldet war oder ob nicht schon in diesem Zeitpunkt von Seiten Magaths mit dem Vorstand vom VfL Wolfsburg informell gesprochen worden war. Ich hielte das nicht für ganz ausgeschlossen, denn der rasche Wechsel nach der Trennung kommt ja nicht von heute auf morgen. Möglicherweise gab es schon Kontakte, als man in Wolfsburg die Unzufriedenheit Magaths bemerkte.

Das wiederum passt dann zu der lustlosen und zuletzt hektischen Einkaufspolitik zu Beginn der Saison. Die teuren Verpflichtungen von Jurado und Huntelaar oder das Aufkaufen von Plestan und Sarpei sind zumindest auch erklärbar, wenn man innerlich schon auf einen Abschied vorbereitet war und deshalb die Transferpolitik hat schleifen lassen. Sein Meisterstück, die Verpflichtung von Raul, gelang Magath immerhin vor Beginn der Dissonanzen bzw. war damals schon weit gediehen.

Ich will dem Aufsichtsrat hier keinen Vorwurf machen. Ich habe mich über die Verpflichtung Magaths seinerzeit sehr gefreut und war auch bei den ersten offiziellen Gerüchten über seine Demission nicht glücklich. Diese erklärt sich mir nunmehr und nach den Ausführungen von Tönnies meine ich auch, dass es keinen früheren Zeitpunkt hätte geben können. Klar, so ein Brief, in dem einer sagt, er hätte keinen Bock mehr, lässt aufhorchen. Aber was soll er denn dann machen? Einfach ziehen lassen? Natürlich nicht, das wäre eine weitere, peinliche Lachnummer gewesen. Ich glaube stattdessen, dass man nicht damit hätte rechnen können, dass sich Magath so entwickelt und dass er den JHV-Beschluß derart als Bruch des Vereins mit ihm mißinterpretiert. Aus meiner Sicht haben Tönnies und Co hier richtig gehandelt.

2. Organisierte Fans im Wahlausschuß

Im Vorfeld der Versammlung und auch während der Vorstellungsreden der Kandidaten zum Wahlausschuß war das Thema von Bedeutung, ob die organisierten Fan-Strukturen hier “die Macht an sich reißen” wollen. Hier meine ich, gilt es zu differenzieren. Ich bin ganz bei der Meinung des Königsblogs, dass man keine Angst haben sollte vor Leuten, die sich auch außerhalb des Stadions intensiv mit dem Verein beschäftigen. Im Gegenteil – das ist streng genommen sogar ein hohes Qualifikationskriterium – neben vielem anderen natürlich. Ich nehme allen Kandidaten ab, dass sie ein vehementes Interesse daran haben, dass es dem Verein wirtschaftlich und sportlich gut gehen soll. Ob der jeweils einzelne Kandidat darüber hinaus die für den Wahlausschuß wohl entscheidende Qualifikation hat, einen Kandidaten für den Aufsichtsrat quasi innerlich zu durchleuchten und eine Prognoseentscheidung abzugeben, das kann ich anhand einer 3-minütigen Wahlrede ohnehin nicht beurteilen. Wovor mancher nicht-organisierte Fan wohl Sorge hat ist, dass ein kollektiv mit organisierten Fans besetzter Wahlausschuß nicht mehr die Möglichkeit hat, Pluralismus bei der Kandidatenkür walten zu lassen. Wenn die “Organisation” beschließt, dass man, um ein absurdes Beispiel zu wählen, die Bierpreise zwingend auf 2€ senken will, dann lässt man nur noch diese Kandidaten durch. Alle anderen bleiben außen vor und irgendwann kostet das Bier dann nur noch 2€. Ist ja auch soweit in Ordnung, wenn dadurch nicht wieder ein Schuldenberg angehäuft wird ;-) Und mal abgesehen davon, waren die diesmal noch vom alten Wahlausschuß präsentierten Kandidaten allesamt stromlinienförmig.

Im Prinzip hat der Wahlausschuß ein ganz anderes Problem als seine personelle Zusammensetzung: Sein Problem ist die Intransparenz seiner Entscheidungen. Ich würde schon gerne wissen wollen, wer sich bewirbt mit welchen Vorstellungen und wer warum nicht zugelassen wird. Und dieses auch überprüfbar oder zumindest nach außen dargestellt. Und eventuell würde ich auch mehr Kandidaten zulassen. All das ist aber nach unserer jetzigen Satzung nicht möglich. Nun kann man Satzungen auch mal überprüfen. Dazu werde ich mir mal rechtzeitig Gedanken machen und eventuell dies mal zur Abstimmung stellen. Denn wenn ich weiß, was der Wahlausschuß so treibt, dann kann ich mir auch ein besseres Bild über seine Arbeit machen und gezielter dessen Mitglieder bei einer kommenden Jahreshauptversammlung auswählen. Und dabei ist es mir egal, ob jemand organisiert ist beim SFCV, der Fan-Ini, einem Schwarzwälder Fanclub oder nur beim geilsten eingetragenen Verein der Welt Mitglied ist.

3. Presseausschluß

Der Pressausschluß war in meinen Augen unnötig. Es ist viel über Sinn und Zweck geschrieben worden. Ich teile die Meinung, dass es unabhängig von einer Mehrheitsentscheidung schlicht undemokratisch ist, die Presse von einem berichtenswerten Thema auszuschließen. Natürlich gibt es eine Menge Drecksblätter und wir wissen alle, welche das sind. Dann schließt die doch bitte beim Kauf oder beim Lesen aus. Es gibt genug Schalker, die nicht nach GE kommen konnten und dann auf die Presseberichte gewartet haben. Abgesehen davon, dass man durch eine solche Aktion erst recht eine schlechte Presse bekommt, halte ich auch nichts davon, wenn so ein Akt symbolisch gemeint war. Denn “die Presse” ist sicherlich nicht böse. Ich will Presseberichterstattung rund um Schalke und ich suche mir aus, wo. Eine eigene Meinung bilde ich mir sowieso, egal welches Blatt ich nun lese.

Abgesehen davon bin ich mir gar nicht sicher, ob die Mitglieder wirklich so abstimmen wollten. Nach der händischen Abstimmung hatte ich eher den Eindruck, dass eine Mehrheit dagegen war. Und Tönnies hat vor der schriftlichen Abstimmung schlicht die Fragen verwechselt und somit für enorme Verwirrung gesorgt, gekrönt mit der Aussage “dann schreibt einfach dazu, für was genau Ihr seid!”.

 

 Posted by on 22. Juni 2011 at 07:30

  3 Responses to “Versammlungsgedanken”

  1. Das Abenteuer Magath hätte ganz schön ins Auge gehen können.
    Es war aber höchste Zeit die Reissleine zu Ziehen.
    Hoffentlich hat man daraus gelernt.

  2. Der Presseausschluss war von denen, die dafür gestimmt haben – so denke ich jedenfalls – symbolisch gegen “die Presse” gerichtet, die im Zusammenhang mit Schalke, und da wird wohl auch niemand widersprechen, immer gerne in Extremen berichtet, Öl ins Feuer gießt, Probleme aufplustert etc. Und das ist nicht (!) vergleichbar mit dem, was bei anderen Vereinen passiert. Sicherlich hat sich Schalke das auch alles irgendwie “erarbeitet”. Als der Moment kam, es “der Presse” auf der JHV ein bisschen “heimzahlen” zu können, haben sich offenbar viele dabei wohlgefühlt!

  3. wir brauchten Felix Magath um zu sehen wie viel wir eine Familienclub sind…

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