Jun 202011
 

Eigentlich hätte sich der FC Schalke 04 von den Medien für die gelungene Jahreshauptversammlung hätte feiern lassen können. Klar wurde es ab und an mal laut im weiten Rund der Emscher-Lippe-Halle. Doch im Großen und Ganzen ging es doch relativ harmonisch zu. Der gemeinsame Feind war schon zu Beginn der Versammlung in einem Video schnell ausgemacht: Felix Magath.

Doch ansonsten präsentierten sich Vertreter und Mitglieder des Vereins höchst professionell und harmonisch. Zumindest für Schalker Verhältnisse. Denn natürlich gab es ein paar Pfiffe, als das Thema auf Manuel Neuer kam. Von einem Pfeiffkonzert, das die zu diesem Zeitpunkt noch anwesenden Medienvertreter gehört haben wollen, habe ich allerdings nichts mitbekommen.

Schade also, dass die Berichterstattung natürlich vom Ausschluss der oben genannten Medienvertreter dominiert wurde. Mir war direkt nach der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses klar, dass sich die Presse für diese Aktion rächen würde, indem sie den Fokus auf eben diese Abstimmung lenken wird.

In einigen königsblauen Blogs (I, II, III) wird das Ereignis seitdem heftigst diskutiert. Da gibt es die einen, die auf das Recht eines Vereins und seiner Mitglieder pochen, die Medienvertreter und Gäste aus der Versammlung heraus zu halten. Gründe gibt es dafür denkbar viele, wobei in diesem Fall der gekränkte Stolz einiger Mitglieder wohl der ausschlaggebende Punkt war. Denn die Medien haben das Tun und Machen unseres Vereins immer besonders gerne in den Dreck gezogen. Zum einen, weil es da in der älteren und jüngeren Vergangenheit so einiges gab, was genau als solches bezeichnet werden kann. Zum anderen, weil spätestens mit dem Abgang von Rudi Assauer keiner der Protagonisten mehr einen richtig guten und engen Draht zu den entscheidenden Angestellten der Medienwelt zu haben scheint.

Wenn es um den FC Schalke geht, dann kann man als Journalist nämlich getrost erstmal drauf los schreiben und dann gucken ob die Quellen stimmen. Sollten die Quellen wiedererwartend falsch sein, wird die Falschmeldung so lange wiederholt, bis es auch der letzte Schalker für bare Münze nehmen sollte. Zu häufig und zu lange hat man in den Führungsetagen des S04 diesem Treiben keinen Riegel vorgeschoben. Als Schalke-Fan reagiert man besonders sensibel auf diese UnArt und Weise des Journalismus. Ich auch. Trotzdem wäre ich nie auf die Idee gekommen, die Journalisten aus dieser Versammlung rauszuwerfen. Denn nicht jeder Journalist sollte hier über den gleichen Kamm geschert werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es auch solche am Sonntag in die Emscher-Lippe-Halle geschafft haben, die ihren Beruf mit der entsprechenden Professionalität begegnen. Zudem sollte man nicht vergessen, dass das Verhältnis zwischen einem Fußballverein und den Medien auf Gegenseitigkeit beruht.

Man stelle sich vor, ab sofort würde die unabhängige Presse keinen Fitzel mehr über Königsblau berichten. Keine bewegten Bilder mehr von den Spielen. Keine Radioübertragungen. Keine Interviews nach dem Spiel. Kein Bild von Raúl, wie er mit einem Stück Kohle und etwas verloren dreinschauend zwischen zwei Bergmännern steht. Ich als Fan würde das reichlich blöd finden. Vor allem, weil die Berichterstattung nicht nur direkt Geld in Form von TV-Einnahmen einbringt, sondern auch indirekt die Marke Schalke in der Presse vertreten ist. Ob nun positiv oder negativ ist da erstmal zweitrangig. Die Marketingabteilung freut es und beim Merchandise klingelt die Kasse.

Schlussendlich hat man sich mit dieser Aktion keinen Gefallen getan. Denn natürlich muss allen “Ja-Sagern” klar gewesen sein, dass trotzdem über den Inhalt der Versammlung berichtet wird. Auch über die unangenehmen Dinge. Denn es gibt, man höre und staune, mittlerweile mobiles Internet und entsprechende Geräte zur Nutzung. Doch anstatt über den tollen Auftritt von Horst Heldt, den lebendigen Reden der Kandidaten zum Wahlausschluss und die markigen Sprüche von Clemens Tönnies zu berichten, musste sich die Schar der Journalisten auf dieses Thema stürzen. Denn niemand lässt sich gerne den Mund verbieten. Ob das nun das Recht eines Vereins ist, oder nicht.

Zum Schluss dann auch noch eine kleine Umfrage zum Thema:

War die Entscheidung der anwesenden Mitglieder richtig, die Medienvertreter von der Jahreshauptversammlung auszuschließen?

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 Posted by on 20. Juni 2011 at 16:29

  3 Responses to “Medien raus oder rein? – Ein Kommentar”

  1. Als ich davon hörte, hatte ich spontan Verständnis für die Aktion. Mit etwas Abstand sehe ich es etwas differenzierter. Verstehen aber kann ich es aber sehr wohl.

  2. Bei mir war es andersrum. Zunächst und sachlich gedacht hielt und halte ich die Entscheidung für albern. Aber die Beissreflexe der Journalisten, der Schwung mit der Pressefreiheit-Keule, der Vergleich mit der NPD, die Beleidigung Clemens Tönnies, das schriftliche Schmollen des Herrn Buschmann; das alles treibt mich emotional dazu, das recht der Versammlung auf diese Entscheidung zu verteidigen.

    Und nein, man muss sich nicht vorstellen, dass die Presse nicht mehr über S04 schreibt, weil es eben nicht so ist, dass man dankbar dafür sein muss. Dafür ist Schalke zu groß. Die auf S04 angesetzten Journalisten haben den Job, im Rhythmus der Veröffentlichung ihrer Zeitung/Magazine über S04 zu berichten. Deshalb saugen sie sich auch was aus den Fingern, wenn es tatsächlich mal nichts neues zu berichten gibt.

    Man sollte höflich miteinander umgehen, keine Frage, dass sollte man immer mit jedem. Aber die Journalisten sind der Schwanz und Schalke der Hund. Da muss man sich wegen einer 6-Stunden-Kupierung nicht sorgen.

  3. Es ist zwar das gute Recht gewesen die Journalisten auszuschliessen, aber da es ein gegenseitiges Geben und Nehmen ist, halte ich die Entscheidung für nicht richtig.

    Auch wenn ich zugeben muss, dass ich mich häufiger über die Medien ärgere wenn über S04 berichtet wird. Da muss man drüber stehen.

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