Jun 102011
 

Am Sonntag, dem 19.6., findet unsere nächste Jahreshauptversammlung statt. Neben der diesmal sicherlich recht spannenden Aussprache über das Geschehene und den Umgang des Aufsichtsrats mit dem Thema Magath ist wie immer von zentraler Bedeutung die Wahl von zwei neuen Aufsichtsratsmitgliedern.

Der Aufsichtsrat ist das Gremium, das den Vorstand aufstellt, entlässt und die Vergütung regelt. Zudem muss er bei finanziellen Transaktionen ab einer bestimmten Größenordnung sein OK geben. Wenn man so will, wählt die JHV mit dem Aufsichtsrat ihr eigenes “Parlament”, welches dann den “Kanzler” wählt.

Der Aufsichtsrat wird laut unserer Satzung bekanntlich nicht im Block gewählt. Stattdessen scheiden in jedem Jahr eine bestimmte Anzahl an Mitgliedern aus und diese freiwerdenden Positionen werden aus den Kandidaten, die sich auf der JHV vorstellen, neu besetzt. Wobei auch die ausgeschiedenen Mitglieder sich selbstverständlich neu bewerben können.

Weiterhin wurde in unserer Satzung ein spezieller Zwischenschritt eingeführt, bevor man sich auf der JHV als Kandidat vorstellen und wählen lassen kann. Früher, in den Siebert- und Eichberg-Zeiten, gab es noch nicht den Aufsichtsrat heutiger Form, sondern die Mitglieder wählten direkt den einflussreichen Präsidenten. Dazu konnte sich jeder, der genügend Unterschriften gesammelt und eine bestimmte Zeit Vereinsmitglied war, aufstellen lassen. Das führte in der guten, alten Zeit dazu, dass nicht nur allerhand merkwürdige Paradiesvögel zur Wahl standen, sondern durchaus auch mal solche gewählt wurden (man erinnere sich an Herrn Zylka, der nach drei Tagen Amtszeit hinschmiss oder auch den guten Herrn Kremers). Um solche Eskapaden beim Aufsichtsrat zu verhindern, wurde der sogenannte “Wahlausschuss” eingeführt.

Die Mitglieder des Wahlausschusses werden wiederum von der JHV für eine bestimmte Zeit gewählt. Kandidaten für den Aufsichtsrat müssen sich also zunächst den Mitgliedern des Wahlausschusses stellen, deren alleinige Aufgabe es ist, die Kandidatur zuzulassen oder sie abzulehnen (§ 6.3.1.1 der Satzung). Die Crux an dem Wahlausschuss ist: Der Ausschuss ist völlig frei in seiner Entscheidung (Satzungstext: “pflichtgemässes Ermessen”) und soll nur nach der Eignung der Kandidaten entscheiden. Er darf aber nur doppelt so viel Kandidaten zulassen, wie Sitze im Aufsichtsrat zu besetzen sind. Bei zwei Sitzen also nur vier Kandidaten. Unterstellt man eine Wiederbewerbung der ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder, sinkt die Zahl sogar noch. Schließlich: Die Entscheidung des Wahlausschusses “ist nicht zu begründen und unanfechtbar”. Ich verstehe, warum man das Instrument des Wahlausschusses eingeführt hat, nämlich um Peinlichkeit vom Verein zu nehmen. Praktisch wird der Wahlausschuss jedoch zu einer Filter- und Zensureinrichtung, ob von den Mitgliedern des Ausschusses gewollt oder nicht. Hier liegt in wenigen Händen eine ganze Menge Macht.

Was ich mich nun frage und worauf ich noch keine Antwort gefunden habe: Wie sieht ein idealer Aufsichtsrat für unseren Verein aus? Wir haben in den letzten Jahren erst so richtig bemerkt, wie wichtig der Aufsichtsrat für den Verein sein kann. In den Jahren um die Jahrtausendwende lief im wesentlichen alles rund und keiner hat sich um den Aufsichtsrat geschert. In der jüngeren Vergangenheit, vor allem dem Experiment Magath geschuldet, hat sich gezeigt, dass das Wohl und Wehe von diesem Organ abhängt. Daher nochmal die Frage: Welche Typen gehören in den idealen Aufsichtsrat? Sollte dort sportliche Kompetenz überwiegen? Wirtschaftliche Potenz vielleicht? Sollten ausschließlich Personen dort sitzen, die sich durch langjährige Vereinstreue auszeichnen oder kann auch frisches Blut von außen hilfreich sein? Was ist mit Fanvertretern im Aufsichtsrat – nützen oder behindern sie? Oder ist es eine ideale Mischung daraus.

Mich lässt der Eindruck nicht los, als wenn die Motivation der meisten AR-Kandidaten der Vergangenheit, sich zur Verfügung zu stellen, die persönliche Eitelkeit war. Sich mit Erfolg im Berufsleben anpreisend neben einem schicken Auto als weiteres Statussymbol noch die Mitgliedschaft im Aufsichtsrat des glorreichen FC Schalke 04 präsentieren zu können. Auffallend war mir bei den immer langweiliger werdenden Vorstellungsreden, dass man auf die eigene berufliche Vita verwies sowie auf die seit Jahren gegebene Liebe zum Verein. Das wird im Einzelfall auch so sein, aber reicht das? Oder brauchen wir mehr Einflussträger, die im Notfall auch nach außen hin etwas bewegen können.

Vergleichen wir doch mal Äpfel und Birnen und schauen uns die AR-Mitglieder des geilsten Clubs der Welt einerseits und diejenigen des Vereins an, die den nach Ralf Fährmann zweitbesten deutschen Torwart verpflichten konnten:

Mitglieder SchalkeMitglieder Bayern
Clemens Tönnies, FleischimperatorUlrich Hoeness, Würstchenstandbesitzer
Peter Lange, WAZ-GeschäftsführungHerbert Hainer, adidas-Chef
Jens Buchta, RechtsanwaltRupert Stadler, Audi-Chef
Andres Schollmeier, RechtsanwaltTimotheus Höttges, Vorstand Telekom AG
Uwe Kemmer, FußbodenheizungsunternehmerHelmut Markwort, Herausgeber Focus
Till Zech, Professor für SteuerrechtDieter Rampl, Vorstand UniCredit
Hans-Joachim Burdenski, städtischer BeamterFritz Scherer, Ex-Präsident
Rolf Rojek, SFCVEdmund Stoiber, Büttenredner
Karl-Heinz Beul, Geschäftsführer ImmobiliensektorMartin Winterkorn, VW-Chef
Ulrich Köllmann, Geschäftsführer der GEW
Horst Poganaz,??

 

Natürlich hinken die Vergleiche. Der FC Bayern hat eine ganz andere Vereinsstruktur und Teile in eine AG ausgelagert und auch Anteile verkauft. Die Käufer finden sich teilweise hier im Aufsichtsrat wieder. Und auch bei uns sind es nicht nur von der JHV gewählte Personen, sondern ein vom SFCV entsandtes Mitglied oder sogenannte “Kooptierte”, also vom Aufsichtsrat selber ohne Wahl bestimmte Mitglieder.

Und dennoch: Es fällt schon auf, dass bei den Bayern massive wirtschaftliche Potenz versammelt ist. Bitte nicht mißverstehen: Das ist nicht das Modell, wie ich mir unseren idealen Aufsichtsrat vorstelle. Irgendwie ist der Bayern-AR sehr typisch für diesen Verein: Grotesk abgehoben und fernab von jeglicher Basis. Dafür aber mit Durchschlagskraft, voller Beziehungen und Einfluss. Demgegenüber kommt unser AR etwas bieder daher. Die wirtschaftliche Potenz ist sicherlich in der Person Tönnies gegeben und wohl auch in der von Beul. Großartige Einflussmöglichkeiten kann man kaum erkennen, wenngleich die GEW, dessen Geschäftsführer Köllmann ist, uns schonmal ordentlich aus der Patsche geholfen hat. Sportliche Kompetenz ist bei beiden Aufsichtsräten rar vorhanden: Bei den Bayern ganz sicher Ulrich Hoeneß, bei uns wohl nur Herr Burdenski. Das ist mir deutlich zu wenig. Man muss sich fragen, ob denn ein AR nicht in der Lage sein muss, aus sich heraus und nicht durch von außen geholte Hilfe, sportliche Fragestellungen einzuschätzen, die bedeutsam werden, wenn es um teure Transfers geht.

Um für mich selbst die Frage vorerst zu beantworten: Ich würde mir schon durch ein, zwei Positionen im AR mehr Einfluss wünschen, der dazu führen kann, dass wir nicht mehr so häufig lesen müssen, dass der Verein wieder einmal vor dem Abgrund steht. Andererseits soll man sich auch nicht verkaufen. Ich unterstelle, dass die ganzen Chefs im Bayern-AR in erster Linie an ihr eigenes Unternehmen denken und die Positionen dort für das Unternehmen nutzen. In zweiter Linie geht es dann um den Verein, wenn alles gut läuft eine win-win-Situation. Ich wünschte mir mehr sportliche Kompetenz und schließlich auch diplomatische, vielleicht auch noch etwas mehr mediale Kompetenz. Denn so einverstanden ich im Ergebnis mit den Handlungen von Tönnies war (ja, ich habe mich über Magath sehr gefreut und ja, ich war froh, dass es letztlich ohne große Abfindungen zu Ende ging), so bestürzt war ich über sein mediales Auftreten.

Vielleicht am Wichtigsten wäre das Fazit, dass die Mitglieder des S04 wirklich begreifen, welche Schaltstelle der Aufsichtsrat ist, auch für die Außendarstellung unseres Vereins. Und wer wirklich Macht haben will, der bewirbt sich für den Wahlausschuss…

 Posted by on 10. Juni 2011 at 07:34

  8 Responses to “Der ideale Aufsichtsrat”

  1. Du weisst nicht, wer Horst Poganaz ist? Victoria Versicherung, ehem. Gesamtbetriebsratsvorstand, Aufsichtsrat, verantwortlich für alles, was mit Sport zu tun hatte, vor langer Zeit Gründer von “Victorianer helfen”, noch früher Fußballtrainer, davor auch Fußballprofi (bei RWO?), seit “Ewigkeiten” auf Schalke in Vereinsorganen tätig usw usf.

  2. Steuber = Büttenredner…hehe

  3. Ich plane gerade ein Kurzinterview mit allen vier Kandidaten für den Aufsichtsrat.
    Wenn ihr noch Fragen habt, die ihr den Kandidaten stellen wollt, dann postet sie einfach hier als Kommentar.
    Ich werde dann schauen, ob und wie ich die Fragen mit einbringe. Ich will das Ganze auf 5 bis 7 Fragen reduziert halten, damit die Personen dort keine halben Romane schreiben müssen.

  4. Martin Winterkorn, VW-Chef bei den bauern im ar ??

  5. Dem VW-Konzern gehört der FC Bayern München zu einem relevanten Teil, die Tochter Audi hat sich für einen beinahe neunstelligen Betrag dort eingekauft. Es wird also nicht verwundern, dass deren Chef im Aufsichtsrat aufpasst, dass die wirtschaftliche Investition nicht in den Sand gesetzt wird… Aus demselben Grund sitzt ja auch der adidas-Chef im FCB-Aufsichtsrat, denn auch adidas besitzt 10% dieses Unternehmens.

  6. Ich zitiere:
    “Mich lässt der Eindruck nicht los, als wenn die Motivation der meisten AR-Kandidaten der Vergangenheit, sich zur Verfügung zu stellen, die persönliche Eitelkeit war. Sich mit Erfolg im Berufsleben anpreisend neben einem schicken Auto als weiteres Statussymbol noch die Mitgliedschaft im Aufsichtsrat des glorreichen FC Schalke 04 präsentieren zu können. ….”

    Wenn Du das Auftreten der aktuellen AR-Mitglieder mal genau unter die Lupe nimmst, wirst Du sehen, daß keiner die Mitgliedschaft im AR des FC Schalke auf Internetseiten oder sonst irgendwo “präsentiert” und damit haussieren geht.
    Nein, das Amt erfordert (zeitlichen) Einsatz und aktive Mitarbeit.
    Ich weiss nicht, ob zum Beispiel Herr Winterkorn die Sitzungen des Bayern AR so wichtig nimmt, und jeweils nach München einfliegt.
    Unser AR passt -glaube ich – ganz gut zu unserem Verein. Da nimmt sich keiner zu wichtig. UNSER Verein steht bei allen weit vor irgendwelche Eitelkeiten, die vermeintlich befriedigt werden sollen oder wollen.
    O.K., mein Kommentar ist nicht ganz objektiv. Das gebe ich gerne zu.
    BWG aus Köln

  7. […] In einem Beitrag ihres Blogs wird die Frage nach dem idealen Aufsichtsrat gestellt. Danach wäre wohl eine Mischung aus Deutsche Bank Chef Dr. Josef Ackermann, für die wirtschaftliche Potenz, Mathias Sammer ( mir fiel jetzt kein anderer ein), für die sportliche Kompetenz und Günter Jauch als Medienexperte, die optimale Besetzung. Wie sieht dann eigentlich ein idealer Vorstand aus? Hier gehört doch das nötige Potential hin, um unseren Verein bestmöglich zu vertreten. Und einen, oder gar mehrere, Grüßonkel brauchen wir im Aufsichtsrat auch nicht. Hier gilt es doch aufmerksam zu sein, ob die eingeschlagenen und beabsichtigten Wege unseren Verein voranbringen. Ob die von uns so geliebte Fannähe, sowie die Werte und Traditionen, für die unser Verein steht, dabei erhalten bleiben. Vor dem Hintergrund meiner großen Verbundenheit mit dieser Region und unserem Verein, werde ich mit eurem Mandat diese Aufgabe wahrnehmen. Sonst sind wir irgendwann einmal so seelenlos wie der in dem Artikel zitierte FC Bayern. Tweet Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit Aufsichtsrat, Jahrenshauptversammlung, Krauß, Schalke verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. ← 24 – Christian Pander: Der hoffnungslose Fall […]

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