Mai 172011
 

Am Samstag geht es in Berlin nicht nur um einen weiteren Titel. Es geht auch um die Frage, ob unser S04 wieder auf internationalem Parkett mitspielen darf – wenngleich auch eine Etage weiter unten.

Als alter Fußballromantiker würde ich mich prinzipiell freuen, wenn es wieder einen “Europapokal der Pokalsieger” gäbe. In Reinform, so wie früher. Für die Jüngeren unter den Lesern: Bis Anfang der 1990er Jahre waren die Europapokal-Wettbewerbe dreigleisig eingerichtet. Nur die Meister spielten um den Landesmeisterpokal, nur die je nach der 5-Jahres-Quote des jeweiligen Landesverbands nächstplatzierten im UEFA-Pokal. Und eben nur die Pokalsieger im Europapokal der Pokalsieger.

Mir hat dieser Wettbewerb früher immer gefallen. Damals gab es bekanntlich viel weniger nationale Fußballverbände, so dass immer 32 Starter im simplen K.O.-Modus gegeneinander antraten und den Sieger ermittelten. Das Teilnehmerfeld war äußerst bunt zusammengewürfelt und ein Schaulaufen auch für weniger prominente Teams, denn den nationalen Pokal gewannen schließlich auch mal die ein oder anderen Underdog-Teams. Als Beispiele für weniger prominente Mannschaften, die in diesem Europapokal starteten, seien der damalige Zweitligist Hannover 96 (1992/93) oder die späteren Sieger KV Mechelen aus Belgien und Borussia Dortmund (Sieger nur dank einer Einzelleistung des Schalkers Stan Libuda) genannt. Auch das unvergessliche Duell zwischen Dynamo Dresden und Bayer Uerdingen im März 1986 war schließlich eine Partie im Viertelfinale dieses Wettbewerbs. Der Niedergang des Pokalsieger-Cups begann mit der Ausweitung des Landesmeister-Wettbewerbs, als nicht nur die Meister, sondern auch die Nächstplatzierten hier und später in der Champions League antreten durften. So waren viele der reinen Pokalsieger für die Champions League qualifiziert, der Europapokal der Pokalsieger war somit vom UEFA-Cup nur noch schwer abzugrenzen.

Sollte Schalke das Pokalfinale gewinnen, will ich nicht meckern, dass es nur die Europa League ist, in der man antreten darf. Durch den Focus der UEFA auf die Champions League ist sowohl die sportliche als auch die finanzielle Attraktion dieses Wettbewerbs eher mau. Ich reise gerne und besonders gerne mit den Schalkern, deshalb freue ich mich auf eine weitere Europapokal-Saison mit neuen Eindrücken. Lieber wäre es mir dennoch, wenn es wieder den reinen Europapokal der Pokalsieger gäbe. In Zeiten, in denen “retro” als schick gilt, könnte man ruhig mal an eine Wiedereinführung denken. Macht nur leider wenig Sinn, wenn die Champions League strukturell so bleibt, wie sie ist. Ich finde es schade. Aber ich bin ja auch nur ein Fußballromantiker.

P.S. Fußballromantiker twittern natürlich rund um das Finale in dem Twitter-Projekt FinaleS04, daher: Folgt auf twitter @finaleS04!

 

 Posted by on 17. Mai 2011 at 08:04

  3 Responses to “Hoffnungslose Fußballromantik”

  1. Ja damals. Nur KO Spiele. Das war Europa Cup. Nicht dieses dumme Gruppengekicke. Hach. Nostalgie. Schön.

    Heute heißt es Champions League und Europa League, das sagt schon alles. Und es geht zumindest bei den sogenannten Champions um viel Geld.

    Eine Vorschlag für die Aufwertung der nationalen Pokalwettbewerbe hätte ich. Die Sieger sollten zumindest CL Quali spielen dürfen. Sie sind ja auch Champions.

  2. Es ist ein paar Jahre her, da las ich die offizielle Wettbewerbsausschreibung der UEFA für die Europa-League. Dort hieß es, der Wettbewerb diene in erster Linie dazu, die teilnehmenden Vereine behutsam darauf vorzubereiten, wie internationale Spiele ablaufen, um sie irgendwann einmal fit für die Champions-League zu machen. Die UEFA selbst sah (sieht?) also in der Europa-League in erster Linie eine Ausbildungsmaßnahme für Champions-League-Azubis. Und das sagt eigentlich schon alles über den Stellenwert dieses Wettbewerbs aus, der sogar noch durch “Fair-Play-Gewinner” aufgestockt wird.

  3. Tja, früher war alles besser! Da war auch noch alles aus Holz, wir hatten nen Kaiser und haben Fett noch mit ‘o’ geschrieben! ;-)

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