Mai 102011
 

Für ein Saisonfazit ist es noch zu früh. Die wahrscheinlich wichtigste Entscheidung, nämlich ob wir einen Titel für unsere Sammlung hinzugewinnen oder nicht, die steht noch aus. Und dennoch ringe ich seit Samstag mit mir selbst um die Frage, ob diese Saison nun in positiver oder negativer Erinnerung bleiben wird.

Ich kann mich an kaum ein Jahr erinnern, welches so sehr einer Achterbahnfahrt ähnelt wie dieses. Fast könnt einem wegen des ständigen Auf- und Abs schlecht werden, vor allem bei dieser Geschwindigkeit. Für die Cranger Kirmes wäre eine Achterbahn, die die Verhältnisse auf Schalke in dieser Saison wiederspiegelt, eine Riesenattraktion. Wenn der TÜV so ein gefährliches Gerät überhaupt zulassen würde.

Gegen Ende der Bundesliga-Saison überwiegt bei mir jedoch im Ergebnis die Enttäuschung. Zu groß war die Hoffnung zu Beginn des Jahres, zu sehr geblendet haben -mich- die Einkäufe im August. Realistisch betrachtet können Einkäufe in allerletzter Sekunde des Transferfensters gar nicht gut sein; man bräuchte schon viel Glück, wenn solche Risiko-Transfers durchschlagen. Und so verwundert es nicht, wenn sich ein Jurado hier -leider (noch) nicht- durchsetzen konnte. Spielerische Ansätze sind gut und gerne vorhanden, aber viel zu selten blitzt dieses Talent auf. Mir erscheinen die kolportierten 13 Millionen Euro an Ablöse jedenfalls nicht gerechtfertigt. Über den Huntelaar-Transfer bin ich allerdings dem Grunde nach zufrieden. Ich unterstelle mal, dass die Durststrecke, die mit der Verletzung endete, vorübergehender Natur war. Das Ergebnis eines Sturms mit Namen wie Raul und Huntelaar ist jedoch deutlich zu wenig. Die anderen rund 38 Neuzugänge will ich jetzt nicht bewerten. Insgesamt ist ein Teambuilding nicht zu erkennen. Das ist sehr schade.

Die Querelen um den Trainer und Manager, die Niederlagenserie zu Beginn der Saison, die Siege gegen Bayern München, das Aufbäumen am Ende der Hinrunde, die Pokalerfolge, die enttäuschenden Spiele zum Rückrundenstart, das Durchstarten der Lüdenscheider; Valencia, Inter Mailand, Kaiserslautern, Neuers Theater – all das ist ein bißchen viel auf und ab für eine einzige Spielzeit. Aber es ist auch irgendwie Schalke 04, wie es leibt und lebt. Als Schalker muß man mit Auf und Abs leben. Tut man ja auch, sonst könnte ich ja gleich bei Bayern München unterschreiben.

Insgesamt überwiegt daher selbst bei einem unterstellten Pokalsieg die Enttäuschung. Im Moment sehe ich auch nur Fragmente für die Hoffnung auf eine Besserung. Zu groß ist der Kader, zu groß die Schwachstellen im offensiven Mittelfeld und der Defensive. Neue Baustellen sind das Tor und Raul wird auch nicht jünger. Wenn man so will, gleicht der gesamte Verein im Augenblick einer Baustelle. Wollen wir hoffen, dass es Rolf, dem Baumeister gelingt, einen Umbruch nach dem Umbruch herbeizuführen.

 Posted by on 10. Mai 2011 at 07:34

  2 Responses to “Rolf, der Baumeister, auf der Achterbahn”

  1. “Rolf” ?
    Ich habe es schon immer ein bißchen
    geahnt, du bist in Wirklichkeit der Rudi!

  2. Ich kenne zwar die Cranger Kirmes nicht, aber in einem Freizeitpark zwischen Hamburg und Hannover steht etwas was Colossus heißt. Auch eine Achterbahn. Wenn die noch ein bis 2 Loopings hätte, dann wäre der Saisonverlauf von S04 treffend nach gebaut.
    Es sollte eine Übergangssaison werden und das ist sie auch. Fragt sich nur wohin.

    Sollte Schalke in Berlin gewinnen, würde ich die Saison trotzdem als erfolgreich ansehen, ganz besonders finanziell.

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