Mai 032011
 

Jetzt geht es also nach Manchester. Unser popeliger S04 also zu Gast im Old Trafford, beim -inzwischen- englischen Rekordmeister. Nicht nur eine sportliche Herausforderung, die in unserer Vereinsgeschichte nach Vergleichen sucht, sondern ebenso eine besondere Reise aus Sicht eines langjährigen Fans darstellt. Das Glück ließ mir ein Ticket für diesen Abend zuteil werden. Jetzt bin ich wirklich unheimlich auf die Atmosphäre und Stimmung im “Theater der Träume” gespannt.

Englische Fankultur hat mich seit jeher fasziniert. In meiner Jugend sammelte ich aus der Ferne Sympathien für den FC Liverpool und war wie jeder schockiert über die Ereignisse im Brüsseler Heysel-Stadion, die letztendlich für den gesamten englischen Fussball ein Desaster waren. Auf viele Jahre durfte kein englisches Team mehr an euopäischen Vereinsfussball-Wettbewerben teilnehmen. In diese Zeit fiel mein erster Besuch eines englischen Ligaspiels: Sheffield United gegen Liverpool. Aufgeregt wie selten, aber auch überrascht über das Verhalten der Fans genoss ich den Tag. Dank der Verteufelungen und der Pflege eines Hooliganismus-Bildes in den Medien hatte ich mich anstecken lassen und trug einen Liverpool-Schal nur versteckt unter der Kleidung. Wäre aber gar nicht nötig gewesen, denn in einer für mich nicht erwarteten Fairness kamen die Supporter beide Fanlager gemeinsam zum Stadion und verliessen dieses (nach einem Remis) wieder ebenso friedlich auf gemeinsamen Zuwegen. Eine Szenerie, die damals in Deutschland nahezu undenkbar gewesen wäre. Aber die Fairness setzte sich auf dem Spielfeld fort. Als John Barnes, damaliger Liebling der Liverpooler zum Aufwärmen das Grün betrat, setzte es Applaus. Von allen Seiten! Undenkbar in Deutschland. Übrigens auch undenkbar für mich, dass ich auch nur einem Lüdenscheider, wenn er nicht die Seiten wechselt, Applaus zuteil kommen liesse. Im Spiel wurde dann natürlich der eigene Club supportet. Lautstark, aber nicht dauerhaft, so war es damals schon. Beeindruckend im Moment, aber man wundert sich, wie selten so ein Moment der Anfeuerung kam. Schon eine andere Art des Unterstützens.

Wenn ich in den Jahren danach Fussball in England sah, waren es ähnliche Eindrücke – ob bei Länderspielen (gegen Deutschland habe ich keins gesehen) oder mit unseren Schalkern seinerzeit bei Arsenal, eine Woche nach dem traurigen 11.September. Was blieb war die Fairness einerseits, aber auch die nicht durchgehende Unterstützung und das relativ ruhige Ansehen eines Spiels. Besonders in “Highbury, the Library”.

Deshalb freue ich mich auf neue Eindrücke aus England. Es hat sich seit 1990 ohnehin vieles geändert. Es bedarf keiner Erwähnung, wie sehr die Preise angezogen haben und dass hierdurch viele Besuchergruppen schon finanziell außen vor sind, sich so ein Ereignis leisten zu können. Allein für das Ticket gegen Schalke, vermutlich ein hinterer Block mit schlechter Sicht, hat man 51 Pfund aufgerufen. Jüngere Leute, so heisst es, suchten sich vermehrt andere, günstigere Sportarten. Ich will hoffen, dass diese Entwicklung sich gerade in England einmal wendet. Aber dennoch: Ich bin glücklich, wieder einmal, so wie es die Kellergeister einst besangen, “die Schalker bei den Großen spielen zu sehen.” und live dort vor Ort sein zu können. Eindrücke gewinnen zu können, diesmal bei den richtig Großen.

Ich habe gehört, in Manchester sei eine Torwartstelle vakant. Herr Neuer, übernehmen Sie!

 Posted by on 3. Mai 2011 at 07:34

  One Response to “United we stand”

  1. Na dann viel Spaß und bring’ neben einem 3:1-Sieg auch viele Eindrücke und Bilder mit!

 Leave a Reply

(erforderlich)

(erforderlich)

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>