Apr 262011
 

Am Ostersonntag war Horst Heldt im „Doppelpass“ bei Sport 1 zu Gast. Ich will mir Kommentare zu dem Gehalt dieser Bayern-Werbesendung ersparen, der Auftritt von unserem neuen Manager machte zumindest diese Folge der Sendung überaus sehenswert. Weitere Gäste waren unter anderem Paul Breitner und Jörg Althoff, wie ich inzwischen weiß, (stellvertretender?) Sportchef bei der Bild am Sonntag und Bayern-Propagandachef im Geiste.

Natürlich waren die Ereignisse um Manuel Neuer die entscheidende Thematik. Und was soll ich sagen – ich war überrascht und höchst angetan davon, wie sich Horst Heldt in dieser Runde gegeben hat. Für alle Beteiligten schien es nämlich eine Selbstverständlichkeit zu sein: Wenn der FC Bayern jemanden haben möchte, dann bekommt er ihn auch. Und zwar wann der FC Bayern will und zu welchem Preis der FC Bayern das will. Ganz klar war allen Beteiligten, dass Neuer oder sein Berater schon längst mit dem FC Bayern in Kontakt stehen (gab es da nicht mal vor rund zwei Jahren kurz nach Neuers erstem A-Nationalmannschaftseinsatz ein völlig zufälliges Treffen an einem Tegernseer Biergarten, wo nicht nur Neuer nebst Freundin, sondern auch Uli Hoeneß Bier tranken? – Wobei mir schon klar ist, dass man in Biergärten keine entscheidenden Verhandlungen führt, dennoch schmeckt das nicht). Breitner redete sich geradezu in Rage und bezeichnete die FIFA-Statuten, wonach an Spieler nur herangetreten werden darf, nachdem der Noch-Verein schriftlich über die beabsichtigte Aufnahme von Verhandlungen informiert wird, als „Kindergarten“. Gut. Die Kindergarten-Regelung findet man in den Artikeln 17 und 18 des „Reglements bezüglich Status und Transfer von Spielern“ der FIFA. Während Breitner (als Bayern-Abgesandter mit Insider-Infos) sich also in Rage redete und wie selbstverständlich davon ausging, Neuer und Bayern hätten sich schon geeinigt, war Heldts Resonanz großartig: In aller Ruhe (schon das ein Kontrast zum sich aufplusternden Breitner) empfahl er ihm süffisant, im eigenen Interesse jetzt nicht weiterzureden, um sich nicht noch mehr zu verplappern. Daher hier nur am Rande: Ein Verstoß gegen dieses Verbot der unzeitigen Kontaktaufnahme zieht nach Artikel 18, Ziffer 3 eine „Sanktion“ nach sich.

Heldt hingegen war die Ruhe selbst. Der Vertreter der Blöd am Sonntag meinte stets, Ratschläge an Heldt zu erteilen. Für alle (sic!) Beteiligten sei es doch besser, wenn jetzt rasch der Transfer über die Bühne ginge. So so. Heldt konterte mit einer ausgeglichenen Gestik, dass es immer noch einen dritten Beteiligten gäbe, nämlich den FC Schalke 04 und dieser die Entscheidung darüber trifft, ob überhaupt eine Abgabe vor Ende des Vertrags in Betracht kommt. Heldt verwies darauf, dass sich Bayern schon im Fall Gomez (Heldt war damals Manager in Stuttgart) zunächst die Zähne ausgebissen haben, Gomez zunächst murrend, aber dann doch einverständlich noch ein Jahr blieb und dann ein schönes Sümmchen oberhalb aller Bayern-Erwartungen zu zahlen war.

Mir hat ausgesprochen gut gefallen, wie Heldt die gesammelte Bayern-Arroganz kühl an sich abprallen und damit vor allem den Blöd-Mann bloß stellen ließ. Dieser reagierte etwa schroff, als ihm Heldt riet: „Jetzt würde ich an Ihrer Stelle ihn (Breitner) fragen, ob er schon mit Neuer verhandelt hat!“. Angefressen dessen Reaktion: „Das überlassen Sie mal mir, welche Fragen ich stelle.“ Und nach einigen Sekunden des Überlegens: „Vielleicht weiß ich die Antwort ja schon. Vielleicht habe ich ja schon gefragt.“ Sehr, sehr lustig, wie die Bayern reagieren, wenn sie doch nicht immer sofort ihr Spielzeug bekommen.

Der Auftritt macht mir Mut: Kein Macho-Gehabe wie bei Assauer, keine Naivität wie bei Müller, kein „was kostet die Welt?“ wie bei Magath. Nur ein Auftritt, aber einer, der mich darin bestärkt, dass wir wie aus heiterem Himmel auf einmal gut aufgestellt sind auf dieser wichtigen Position.

Und zuletzt: Warum nicht zumindest mal drüber nachdenken, Neuer nicht das eine Jahr noch zu behalten. Dagegen gibt es zwei Hauptargumente: Nummer 1, er könnte unzufrieden sein. Das wird aber nicht lange anhalten, erst recht nicht, wenn die Bayern nur Europaliga spielen werden. Außerdem ist er doch Schalker, ist er nicht? Nummer 2 ist das viele Geld. Aber nun. Erstmal glaube ich nicht, dass es so viel Geld werden wird, denn durch das geschickte Taktieren Neuers haben wir nur einen Interessenten. Zwei oder mehr würden den Preis in andere Höhen schnellen lassen. Zum anderen wird Neuer nicht sooo viel Gehalt kosten im Moment. Und wenn er so spielt wie in dieser Saison könnte er Garant dafür sein, im Jahr drauf eben dieses Geld europäisch wieder einspielen zu können. Zu guter Letzt hätten wir ein Jahr mehr Zeit, eine gute Nachfolgelösung zu finden und die Bayern hätten ein weiteres Jahr ein großes Torwartproblem und das gönne ich ihnen von ganzem, ganzem Herzen.

 Posted by on 26. April 2011 at 11:30

  11 Responses to “Heldt vs. Bayern 1-0”

  1. Wenn Heldt dem Verein keine Millionen generiert und Neuer erst in einem Jahr ablösefrei geht, steht bei den Bayern noch ein weiteres Jahr Jörg Butt im Tor. Wenn du darin ein Torwartproblem siehst, bitte, ich erkenne keins. Dieses Torwartproblem ist doch ein medial erschaffenes. Immerhin hat Bayern, wenn auch verletzungsbedingt, einen Torhüter für die letzte WM gestellt. Jörg Butt ist 95% seiner Spiele absolut zuverlässiger, wertvoller Rückhalt. In den anderen Spielen ist er grundsolide. So lange er spielt, braucht man sich keine Sorgen machen. Es geht um die Zeit nach Jörg Butt. Und da ist mit Manuel Neuer scheinbar alles klar. Ob es nun 20 Millionen oder lediglich Handgeld kostet. ;-)

  2. Auch ich fand Horsts Auftritt besser als gedacht. In Halbzeitinterviews stehts bemüht so viele leere Fußballphrasen wie möglich unterzubringen, kam es ihm am Sonntag entgegen, dass inhaltlich nicht viel Substanz von ihm erwartet wurde.
    Es ging lediglich darum zu zeigen, wie Schalke gedenkt, die Verhandlungen anzugehen.
    In meinen Augen ein wenig zu lässig (fast arrogant) wirkten Horsts Wiederholungen, dass Schalke nichts muss und der eigentliche Checker bei den Verhandlungen ist.
    Aber vielleicht ist diese Gangart gegenüber den Medien und den Bauern auch notwendig.

    Eine Sache wundert mich noch und zwar dass Du (tobi) schon der zweite Blogger bist, der Horsts Rat an Breitner, dass er sich nicht verplappern sollte, auf die Neuer-Situation bezieht.
    In dem Augenblick hatte Breitner nämlich angefangen über das wie es früher auch schon gewesen ist zu schwadronieren und nicht was er grad über den Neuer-Deal weiß.
    Deshalb glaube ich, dass Horst nur meinte, dass der Paul einfach nicht zu viel von früher ausplaudern sollte.
    Natürlich ist Deine Version interessanter (Hui, der Horst und Paul wissen noch zu viel mehr zu dem Deal ;) ), aber etwas aus dem Kontext gerissen.
    So, jetzt wieder arbeiten bzw. Minutenzählen bis 2045.

  3. @toms3en: Wie du am Autorenkürzel siehst, habe nicht ich den Beitrag geschrieben. Tommes04, neuer Autor auf blogundweiss.de, hat den Mist verzapft :D

  4. Ups sorry. :)

  5. Unverschämtheit ;-)
    Aber im Ernst: Für mich war das Heldt-Statement relativ deutlich auf den Statutenverstoss gemünzt, aber man weiss ja nie. Die lässige Arroganz war in meinen Augen aber sowas von das exakte Stilmittel gegen eine bayerische Selbstherrlichkeit – vor allem auch in der Körpersprache (“redet Ihr doch nur…”). Heldt find ich jetzt gut :-)

  6. Ich hätte auch kein Problem damit, noch eine Saison zu warten. Das Tor ist nicht die Baustelle des FCB. Ob Schalke sich das bei dem Schuldenstand leisten kann, wage ich allerdings zu bezweifeln – trotz aller Coolness von Heldt.

  7. Also, ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, Manu auch das verbleibende Jahr auf Schalke spielen zu lassen.

  8. Ich habe den Aufritt von Horst Heldt ebenfalls genosen. Auch ich sass högscht entspannt vor dem TV Gerät.
    Und warum sollte Manuel Neuer bitte schön nicht noch ein Jahr auf Schalke bleiben. Unser alter Trainer/Manager/Vorstand hat doch schon vorgerechnet.
    Mit Manuel wäre es wesentlich wahrscheinlicher wieder für die Cl qualifiziert zu sein. Einnahmen deutlich im zweistelligen Bereich wären die Folge ;-)
    Außerdem hätten die Bayern noch ein weiteres Jahr ein Torwartproblem.
    Das hätten sie wahrscheinlich, denn den Backup (Kraft) haben sie erfolgreich demontiert. Und sie würden sich ärgern ;-)

    In den Verhandlungen, die es geben wird, sehe ich jedenfalls für keine der beiden Seiten einen eklatanten Vorteil.

    Und wir haben zeit, denn wir müssen erstmal CL Halbfinale plus eventuell Finale und DFB Pokalfinale spielen. Bayern nicht.

  9. Wir können Neuer nicht halten! Lassen wir ihn ziehen bekommen wir ca. 20 Millionen. Behalten wir ihn, haben wir nur eine bessere Chance (!), in der Saison 2012/2013 CL zu spielen und damit die verpasste Ablöse wieder einzuspielen.

    Ergo: Lieber die Taube in der Hand, als die Taube auf dem Dach!

  10. […] Torwartproblem, wenn sie die größte Baustelle der Mannschaft, die Abwehr, besser aufstellen. Da gebe ich dem Baziblogger Recht. Doch sie haben eben auch noch nicht den wohl besten Keeper der Welt, sondern “nur” […]

  11. @Henning: Das sehe ich anders, vor allem weil Bayern ja auch ein direkter Konkurrent in der Liga ist, vor allem um die ersten 3 Plätze. Und mit Neuer werden sie DEFINITIV vor uns stehen nächste Saison, ohne nur sehr wahrscheinlich. Blieben also max. Platz 2-3…

    Von der Sendung habe ich lediglich den 2. Teil gesehen, aber auch ich muss sagen, dass mir der Auftritt von Heldt gefallen hat! :-)

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