Apr 042011
 

Der FC Schalke 04 gewinnt in einem denkwürdigen Spiel nach 88. Minuten völlig verdient mit 2:0. Über die Umstände des Spielabbruchs will ich hier nichts schreiben (es darf aber gerne in den Kommentaren diskutiert werden). Nur so viel dazu: Der Mythos St. Pauli, mit seinen Totenköpfen, besonderen Aktionen und einzigartigen Fans hat einen dicken Riss bekommen. Das ist schade. Mehr aber auch nicht. Dieses Urteil bilde ich mir nicht nur wegen dem Becherwerfer. Auch an anderer Stelle verhielten sich die einzigartigen Fans des FC St. Pauli so normal und bieder, dass es einem Angst und Bange um den Kultstatus des Kiezclubs werden muss.

Zum Spiel: Für Holger Stanislavski wird es eine der größten Herausforderungen seiner bisherigen Trainerkarriere gewesen sein, das Team auf den Gegner einzustellen.
Nicht nur, dass der Trainer ein anderer war und somit gewohnte Taktik, Spielweise und Startelfpersonal eigentlich kaum vorhersehbar war, auch seine Mannschaft glich – zumindest in der Defensive – einer Rumpfelf.

Schalke begann stark. Spielte mit Sarpei auf der linken Verteidigerposition. Mit Papadopoulos und Kluge auf der Doppelsechs. Und mit Baumjohann als kreativer Mittelfeldakteur. Schon in den Anfangsminuten wurde deutlich, dass Schalke mit seinem neuen Trainer vieles anders machen will. Man begann Druckvoll. Versuchte sich auf maximal zwei Ballkontakte zu beschränken und setzte die Außen immer wieder mit langen diagonalen Pässen in Szene. Schon in den ersten Minuten hatte Schalke gleich zwei gute Torchancen. Doch die Latte und die Fehlentscheidung von Schiedsrichter Aytekin bewahrten die Kiezclub-Kicker vor einem frühen Rückstand. Dann die Hiobsbotschaft für den Mario Gavranovic. Ein Syndesmoseriß beendet sein Auftritt am Millerntor nach 7. Minuten und seine Bundesligasaison am 28. Spieltag. Gute Besserung!

Mit der Zeit fand auch St. Pauli immer besser in die Partie. Richtig gefährlich wurde es für Neuer allerdings nie, denn die richtig gefährlichen Aktionen wurden schon in der Abwehr entschärft. Vor allem defensiv hat Schalke am Freitag eine sehr solide Partie abgeliefert. Im Angriff waren es “die Waffe” und “die Lebensversicherung”, die Schalke mal wieder in Führung brachten. Im Kurzdurchlauf sah das so aus: Ecke Farfan, Kopfball Raul, Tor für Schalke in der 26. Minute.

Gerade Farfan war am Freitag Abend im wahrsten Sinne des Wortes nicht zu halten. Immer wenn es für St. Pauli gefährlich wurde, war Farfan irgendwie beteiligt. In der zweiten Halbzeit änderte sich das Spiel ein wenig. St. Pauli störte nun energischer und drängte Schalke zweitweise Tief in die eigene Hälfte. Doch für übermäßige Gefahr sorgten die Angriffe bei den Königsblauen mit. Bis zur wohl entscheidenden Spielphase ab der 65. Minute. Kruse bringt eine dieser gefährlichen Freistoßflanken in Richtung linker Torpfosten. Boll macht das Bein lang, trifft den Ball aber nicht. Neuer macht die Aktion mit und wird schlussendlich auf dem falschen Fuß erwischt. Hätte Boll nicht im passiven Abseits gestanden, man hätte geschrieben: St. Pauli hat sich in der zweiten Halbzeit ins Spiel zurück gekämpft und folgerichtig den Ausgleich erzielt. Da es diese passive Abseitsregel aber nun mal gilt, hatte Schalke in dieser Situation Glück, dass diese für mich immer noch unsinnige Regel nunmal dazu gehört.

Während Pauli noch diskutiert, ist es wieder Farfan, der mit einer tollen Flanke von der Grundlinie den heranstürmenden Draxler bedient und ihm das erste Bundesligator auflegt und für die Entscheidung sorgt. Danach wird es auch auf dem Platz unschöner. Die gelb-rote Karte für Kalla (68. Minute) geht vollkommen in Ordnung, auch wenn Farfan da auch ein Fließkärtchen für’s Hinfallen verdient hat. Die rote Karte für Bartels (79. Minute) muss man unter Frustfaul einstufen. Auf ihn dürften drei Spiele Sperre warten.

Der Rest geht in die Geschichte ein. Die Bundesliga hat ihren siebten Spielabbruch, Schalke den zweitjüngsten Toschützen der Bundesligageschichte, dessen Tor wohl nicht anerkannt wird. Julian Draxler war am 01. April 2011 genau 17 Jahre, 6 Monate und 11 Tage alt. Und St. Pauli? Die haben einen Becherwerfer und hoffentlich auch eine lebhafte Diskussion darüber, wie man sich in Zukunft gegenüber Auswärtsfans verhält.

 Posted by on 4. April 2011 at 09:01

  6 Responses to “Der Kultclub mit Kratzern”

  1. Wo stammt denn die Info her, dass die Tore nicht anerkannt werden? Das ist m.W. nicht die Regel.

  2. @SkAndyNullvier Das habe ich irgendwo gelesen. Wenn das Spiel 0:3 gewertet wird, dann wird kein Tor gewertet. Aber mal abwarten, was passiert.

    Quelle find ich grad nicht. Jemand anders?

  3. Kenne auch nur die Variante das alle Scores und Bookings beibehalten werden.

  4. @SimSch04 Ich meine der Moderator hätte das auch erwähnt. Bin mal gespannt, ob zumindest die Entscheidung über das Ergebnis heute noch bekannt gegeben wird.

  5. Wenn dann sowieso 0:2! Aus der DFL Spielordnung: § 14.4: „Wird ein Bundesspiel ohne Verschulden beider Mannschaften vorzeitig abgebrochen, so ist es an demselben Ort zu wiederholen. Trifft eine Mannschaft oder ihren Verein oder beide Vereine ein Verschulden an dem Spielabbruch, ist das Spiel dem oder den Schuldigen mit 0:2 Toren für verloren, dem Unschuldigen mit 2:0 Toren für gewonnen zu werten. Hat der Unschuldige im Zeitpunkt des Abbruchs ein günstigeres Ergebnis erzielt, so wird dieses Ergebnis gewertet. Dies gilt entsprechend, wenn eine Kapitalgesellschaft beteiligt ist.“

  6. @SkAndyNullvier Vielen Dank, SkAndy!

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